Tiroler Tageszeitung 1945

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Juli 1945
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Einzelpreis 15 Lsg.
ResiseTagtege. —
Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Redaktionelle Einsendungen und Aufragen sind zu richten an Innsbruck,
Einzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck= Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Nummer 27/ 1. Jahrgang Montag, 23. Juli 1945
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Der Wiederaufbau
Wiederaufbau! Diese Aufgabe ist eine sehr umfassende, sie ist nicht mit dem Aufräumen des Häuserschuttes gelöst, sondern sie geht alle Zweige unseres Lebens an, sie ist mit dem Problem der Ernährung genau so verbunden wie mit der Wohnungs= und Brennstoff=Frage, und sie kann als die zentrale Aufgabe, die sie heute ist, nicht von getrennt arbeitenden Ressorts nach dem Vorbild von anno damals gelöst werden, sondern bedarf einer einheitlichen Lenkung. Das ist der Grund, weshalb zu den altüberlieferten Referaten unserer Landesregierung das neue Referat „Wiederaufbau“ geschaffen wurde. In enger und kollegialer Zusammenarbeit mit den anderen Referaten wird es ein klares Wiederaufbauprogramm für alle Gebiete des öffentlichen Lebens entwickeln.
Wiederaufbau — das heißt zunächst einmal weitestgehende Normalisierung unseres Lebens. Dazu gehört die Sicherstellung der Ernährung, die Steigerung der Anbau= und Ablieferungsbereitschaft unserer Bauern und die Wiederherstellung unserer Industrie. Es wird hier unter Umständen notwendig sein, ganz neue Wege zu beschreiten, die den Bauern selber an möglichst hohen Liefermengen interessieren.
Wiederaufbau — das heißt Inangriffnahme der Wohnungsfrage. Wenn auch in Ermanglung von Rohstoffen in absehbarer Zeit keine durchgreifende Lösung möglich ist, so muß doch alles daran gesetzt werden, den vorhandenen Wohnraum gerecht zu verteilen.
Wiederaufbau — das heißt auch Lösung der Brennstoff=Frage. Auch hier sind ganz konkrete Maßnahmen nötig. Ferner sind vorsorglich für den Winter öffentliche Wärmehallen vorzusehen und bevorzugt mit Heizmaterial zu beliefern.
Wiederaufbau — das heißt vor allem: Wiederaufbau der Wirtschaft, Umschaltung der Kriegswirtschaft auf Friedensproduktion! Der erste Schritt hierzu wird die Errichtung eines „Wirtschaftsausschusses für den Wiederaufbau“ sein, der zu gleichen Teilen aus Vertretern der Landesregierung und anderer Behörden, der Unternehmer und der Arbeitnehmer beschickt wird.
So berührt der Wiederaufbau alle Gebiete der Wirtschaft. Aber es wäre falsch, in ihm nur eine wirtschaftliche Aufgabe zu sehen!
Das Trümmerfeld, das uns der deutsche Faschismus auf wirtschaftlichem Gebiete hinterlassen hat, ist grauenhaft. Die Verwüstungen aber, die derselbe Faschismus in den Herzen und Köpfen der Menschen angerichtet hat, sind ebenfalls grauenhaft und vielleicht noch schrecklicher als auf wirtschaftlichem Gebiete.
Die Folgen sind jetzt sichtbar. überall ist eine Lähmung, eine politische Interesselosigkeit zu beobachten. Daher ist eine der wichtigsten Forderungen des Tages der geistige Wiederaufbau unseres Volkes. Viele haben gemeint, daß, sobald der Krieg aus ist, sofort ein schönes Friedensleben beginnen muß. Dazu muß gesagt werden, daß wir einen Krieg hinter uns haben, an dem wohl die Nazi die Hauptschuld tragen, aber auch österreichs mitschuldig sind. Wir dürfen uns vor der Verantwortung nicht zu drücken versuchen. Und je schneller wir begreifen lernen, daß unsere Männer ebenfalls in Hitleruniform in Rußland, Polen, Frankreich und am Balkan mitgekämpft haben, daß wir heute nicht alles mit einer Handbewegung abtun können und alles vergessen machen wollen, was geschehen ist, desto schneller werden wir das Vertrauen
unserer Befreier und unserer Nachbarländer gewinnen. Das muß klar und offen gesagt werden.
Diese durch den Faschismus erzeugte Lähmung und Regungslosigkeit, diese Gleichgültigkeit ist vielleicht die größte Gefahr für den Wiederaufbau. Demokratie heißt nicht nur, daß alles getan wird für das Volk, sondern heißt vor allem, daß es getan wird durch das Volk!
Wer den Wiederaufbau will — und welcher anständige österreicher will nicht seine schöne Heimat wieder zur Blüte bringen? — kann nicht bloß auf behördliche Anordnungen war
Die Ausrottung des europäischen Judentums
New York, 20. Juli. Nach den Angaben des jüdischen Komitees in Amerika lebten im Jahre 1939 in Europa 8,333.600 Juden. Durch die Ausrottungsmethoden der Nazis ist die Zahl jetzt auf 1,250.000 zurückgegangen.
Nazi=Ehrenmal als Friedenstempel
München, 21. Juli. Die amerikanische Militärregierung hat beschlossen, das NaziEhrenmal auf dem Königsplatz in München in einen Friedenstempel umzuwandeln.
Böswillige Gerüchtemacher
Salzburg, 20. Juli. Die Finanzabteilung der amerikanischen Militärregierung wendet sich gegen eine gewisse Flüsterpropaganda, die behauptet, die Militärregierung werde die in österreich in Umlauf befindlichen Reichsmark nicht anerkennen und alle Bankkonten, die in Reichsmark angelegt sind, beschlagnahmen. Ebenso wird von diesen Gerüchtemachern verbreitet, die Militärregierung hätte nicht die Absicht, die Kaufkraft des Geldes aufrechtzuerhalten. Alle diese Gerüchte entbehren jeder Begründung. Im Gegenteil, alle Kontrollen, welche jetzt zur Eindämmung einer Inflation bestehen, werden in höchstem Maße unterstützt und es besteht die Absicht, alle nur möglichen Maßnahmen zu ergreifen, um eine Entwer
tung der Währung in österreich zu vermeiden.
Die amerikanische Militärregierung verlautbart, daß vom 20. bis einschließlich 26. Juli alle mit Ermächtigung des Reichsverteidigungskommissärs ausgegebenen Hilfsbanknoten zum Nennwert eingewechseltwerden. Ab 26. Juli ist die Verwendung dieser Hilfsbanknoten verboten.
Klagenfurt, 23. Juli. Die Finanzabteilung der britischen Militärregierung hat bekanntgegeben, daß sie die Reichsmark, die gegenwärtig in Umlauf ist, weiterhin als Währung anerkennen wird. Außerdem unterstützt sie alle Bestrebungen, die in österreich eine Inflation verhindern sollen.
Wie steht es mit unserer Ernährung?
Von Landeshauptmannstellvertreter Dr. Alfons Weißgatterer
Deutschland hat noch nie einen Krieg so gründlich verspielt wie den vergangenen zweiten Weltkrieg. Die Nazi haben diesen Krieg bis zur letzten Möglichkeit geführt. Nun ist er aus, aber auch alle Lebensmittelvorräte sind erschöpft und die landwirtschaftliche Erzeugung ist in Unordnung geraten.
Wir werden heute öfters gefragt, ob wir auch imstande sind die Ernährungsfrage zu lösen und mindestens ebensoviele Lebensmittel herbeizuschaffen, als es der abgetretenen Naziregierung während des Krieges möglich war.
Dazu müssen wir sagen, daß die Raubzüge auf die Versorgungsreserven der besetzten Länder Europas in den letzten Jahren zur Not ausgereicht haben, das Volk zu ernähren. Dieser Raubkrieg ist nun zu Ende. Zur Deckung des Verbrauches stehen nur mehr die naturgegebenen und rechtmäßigen Beschaffungsmöglichkeiten zur Verfügung. Es sind dies im großen und ganzen:
1. Restlose Erfassung aller überschüsse der heimischen landwirtschaftlichen Erzeugung und deren Steigerung.
2. Tausch anderer Güter des Landes mit den Nachbarländern und =staaten.
3. Hilfe der Alliierten durch Lebensmittelzuschüsse.
Die beiden letztgenannten Möglichkeiten sind beschränkt. Wir müssen also vor allem die Erzeugnisse der eigenen landwirtschaftlichen Produktion erfassen und mit ihrer Hilfe über die nächsten schwersten Monate hinwegzukommen trachten. Damit leisten wir den wertvollsten und augenblicklich notwendigsten Beitrag zur Wiederaufrichtung eines unabhängigen Staatswesens.
Alle müssen bei dieser Aufgabe mithelfen, Bauern und Städter. Die Bauern haben die Pflicht, die vorgeschriebene Ablie[ferungrestlos zuerfüllen, die Städter müssen — so schwer es ist — mit den geringen Rationen das Auslangen finden.
Während des Krieges wurden die Bauern von den Nazis durch handfeste Drohungen
und drastische Maßnahmen (Einberufung. Abmeierung usw.) zu entsprechenden Ablieferungen verhalten. Wenn die Bauern damals unter Zwang und politischem Druck abgeliefert haben, so erwarten wir von ihnen mit Recht, daß sie nunmehr der Ablieferung auch ohne Zwang nachkommen und freiwillig einen Beitrag leisten, der ihnen einmal vom ganzen Volk vergolten werden wird.
Es ist notwendig, daß die Ablieferungen nach wie vor registriert und überprüft werden. Die Einrichtungen dafür werden daher ausgebaut und verbessert. Jeder Bauer muß wissen, daß sein Beitrag zum Wiederaufbau genau festgehalten und den Behörden laufend gemeldet wird.
Wenn es dennoch Bauern gibt, die durch schlechte Ablieferung mangelhaften Willen zeigen, beim Wiederaufbau unserer Heimat und der Heilung der Kriegswunden mitzuhelfen, werden sich Mittel finden, diese Bauern auf den richtigen Weg zurückzuleiten. Diese Nutznießer werden wir an den Pranger stellen und der Verachtung der gesamten öffentlichkeit preisgeben. Insbesondere gebührt das Nazi=Bauern, die jetzt auf einmal unwillig und schlecht abliefern. Gerade ihnen stünde es zu, alles zu geben, um ihre Mitschuld an dem entstandenen Elend zu mildern. Doch gibt es genug Mittel, solche unwillige und schlechte Ablieferer zu strafen. Für erwiesene Rückstände sind Ordnungsund Freiheitsstrafen, Vorschreibung erhöhter Schlachtviehstellung und schließlich strafung durch die Besatzungsbehörden vorgesehen. Von Zeit zu Zeit werden
die Namen jener Bauern, die die Zeichen der Zeit nicht verstehen wollen, rücksichtslos in der Presse veröffentlicht werden.
Wir hoffen aber, daß bei unseren Bauern die gesunde Einsicht siegen wird, daß es jetzt mit allen Mitteln durch Pflichterfüllung mitzuhelfen gilt am Aufbau unseres lieben Vaterlandes.
ten, sondern muß die Parole „Wiederaufbau“ hineintragen in jedes Haus, in jede Familie, muß überall helfen, die Privatinitiative zu ermuntern und eine breite Volksinitiative zu entfachen. Wer erfinderisch ist und überdurchschnittliches Können entwickelt, der mag es jetzt beweisen. Gerade jetzt wird es sich zeigen, in wem wirkliche Arbeitsfreude steckt! Jeder Tiroler sollte alle Fragen des täglichen Lebens unter dem Gesichtswinkel „Wiederaufbau“ betrachten! In jedem einzelnen muß das Gefühl erwachen, daß es um seine ureigensten Interessen geht, und dementsprechend sollte jeder einzelne versuchen, sich zum Wiederaufbau Gedanken zu machen.
Jede Regierung ist schließlich nur so stark wie der Volkswille, der sie trägt. Es kann
nicht vom grünen Tisch regiert werden, es soll das Aufbauwerk keine rein administrative Maßnahme werden — das ganze Volk muß jetzt dabei sein, wenn es gilt, das Fundament einer wahren Unabhänaigkeit, Demokratie und Freiheit zu schaffen. Unser Österreich ist es wert, daß wir alle beim Aufbau tätig mitwirken.
Wenn es uns gelingt, diese breite demokratische Anteilnahme zu beleben, wenn es uns gelingt, wirklich das ganze Tiroler Volk für den Wiederaufbau zu aktivieren, dann werden wir damit dem Faschismus einen entscheidenden Schlag versetzen, dann ist der wichtigste Schritt zu einem freien und demokratischen Österreich getan.
Wer wollte da beiseite stehen?
Josef Ronczay, Landesrat.
Pour les morts de Tarmée française
Demain mardi à 10 h 30 en l’église St. Nicolas un service solennel sera zélébré à la mémoire des officiers et des soldats français tombés au cours de la guerre 1939—1945. Le général Béthouart, commandant en chef de la zone d’occupation française en Autriche honorera la eérémonie de sa présence.
pation française en Autriche, honorera la céréauront lieu à dix heures à la chapelle évangélique 4 rue Richard Wagner et à la Synagogue, Hotel Wilder Mann, Museumstr. 28.
fallenenehrung der französischen Garnison in Innsbruck
Am Dienstag, 24. Juli, gedenkt die französische Garnison in feierlicher Weise jener französischen Offiziere und Soldaten, die während des Krieges 1939—1945 gefallen sind. Um halb 11 Uhr vormittags findet in der St. Nikolauskirche ein feierlicher Gottesdienst statt, bei dem General Bethouart anwesend sein wird.besend
Um 10 Uhr ist Gedächtnisgottesdienst in der evangelischen Kirche, Richard=Wagner=Straße Nr. 4, und zu gleicher Zeit in der Synagoge, Hotel „Wilder Mann“, Museumstraße 28. ummmmmnmimmnmimmmmmmmmmmmmmmmanmmnmnn
Die englischen Truppen in Graz
London, 23. Juli. Da die alliierten Besatzungszonen in Österreich endgültig festgesetzt sind, dürften nach eingelangten Meldungen die britischen Truppen am Dienstag in Graz einrücken. Die Russen begannen bereits mit der Räumung der Steiermark. Sie ziehen sich gegen die ungarische Grenze zurück. Britische Vorausabteilungen sind bereits in die britische Besetzungszone eingerückt. Die britischen Hauptkräfte dürften innerhalb der nächsten sieben Tage die ihnen zugewiesene Besatzungszone in Graz und Wien beziehen.
Die entsetzliche Vilanz des Krieges
Bern, 23. Juli. Der Schweizer Schriftsteller Schiele schätzt in seinem Buche: „Die Waffen ruhen“ die Verluste an Menschenleben in diesem Kriege auf 30 Millionen Soldasten und Zivilisten. Am Kriege beteiligten sich 59 Länder. Hundert Millionen Männer trugen Uniform. Von diesen sind täglich 10.000 gefallen.
Während der 2077 Tage des Krieges fielen 12 bis 15 Millionen Soldaten und außerdem sanden 10 bis 15 Millionen Frauen, Greise und Kinder den Tod. Man muß zu dieser Zahl aber mindestens 10 Millionen Kriegsversehrte, Erblindete, Geisteskranke und andere unheilbare Kranke hinzufügen. Ferner gibt es 20 Millionen Kriegerwitwen und =waisen.
Schließlich werden aller Voraussicht nach noch 10 bis 12 Millionen Menschen an Unterernährung und Schwerverletzte an den Folgen der Kriegsverwundungen sterben. So kann die Zahl der Kriegsopfer, einschließlich der Toten, der Verhungerten, der Ermordeten, der Flüchtlinge und der Opfer der Luftangriffe auf 100 Millionen Menschen geschätzt werden.
Bombenschäden in Berlin, Köln und Wien
Berlin, 22. Juli. Nach Untersuchungen des Statistikers Runge sind von den eineinhalb Millionen Häusern Berlins augenblicklich nur 300.000 bewohnbar. Erst in zwanzig Jahren wird man die frühere Zahl der Häuser wieder erreichen können. In Köln sind von den 250.000 Häusern 200.000 zerstört oder beschädigt. In Wien beträgt die Zahl der beschädigten Häuser 20.000.
Hollands Kriegsschäden
Den Haag, 22. Juli. Nach statistischen Berechnungen werden die Kriegsschäden Hollands auf 14.000 Millionen Gulden geschätzt.
Ante Pawelitsch in Haft
Paris, 23. Juli. Radio Paris meldet: Der frühere sogenannte Staatschef von Kroatien, Pawelitsch, befindet sich mit den meisten seiner Minister und Mitarbeiter in alliierter Haft in einem Lager bei Klagenfurt.