Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:8
- S.27
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Dienstag, 14. August 1945
Tiroler Tageszeitung
Nr. 46 Seite 3
Kar Radt
Rild Aaita
Ein Tiroler Held
Professor Mair starb im Kampf der österreichischen Widerstandsbewegung gegen den Hitlerfaschismus. Wir haben in ihm einen der tapfersten und aufrichtigsten Österreicher verloren, der von Anbeginn das Regime der Gewalt bekämpfte. Als Professor am Gymnasium in Innsbruck hat er Jahre hindurch schärfste Kritik an der Politik des Dritten Reiches in seinen Unterrichten geübt. Ständig war ein Kreis von Schülern um ihn geschart, die für ihren Professor durchs Feuer gingen. Oft und oft kam es dazu, daß Professor Mair durch die Gestapo verfolgt und auch verhaftet worden war. Seine Schüler aber haben ihn nie verraten.
Während eines Unterrichtes versuchte er einmal die Jugend zu überzeugen, welcher Unsinn es sei, Krieg zu führen, nachdem man nicht wüßte, für wen und warum Millionen von Menschen sich verbluten sollten. Professor Mair wurde angezeigt und mußte sich bei der Gestapo rechtfertigen. Obwohl in seiner Klasse auch einige fanatische Hitlerjungen waren, die nach seiner Verhaftung über die politische Einstellung des Professors ausgefragt worden waren, konnte die lauernde mißtrauische Gestapo nichts erfahren, was dem Professor geschadet hätte. Sie hielten zu ihm und schwiegen, und so mußte er wieder freigelassen werden.
Da entschloß er sich, unter seinen Schülern eine Widerstandsgruppe zu bilden, die zur Befreiung des Landes eingesetzt werden sollte. Ende des Jahres 1944 nahm Professor Mair die Verbindung mit einem französischen Beauftragten auf. Als dann die amerikanischen Streitkräfte an den Toren Tirols standen, war die Zeit auch für die Gruppe Mair gekommen. Viele Wochen zuvor schon stellte er Leute seiner Gruppe der Zentrale der Ö.W. B. zur Verfügung, und ob
Die Wiederherstellung der Jesuitenkirche
Innsbruck, 13. August. Heute wurde mit der Wiederherstellung der durch den ersten Bombenangriff vom 15. Dezember 1943 schwer beschädigten Jesuitenkirche begonnen. Die Bauleitung hat die Firma Stippler, Bauführer ist Ing. Feßler. Von Seite des Jesuitenordens wurde P. Steinhaus mit der Betreuung der Bauangelegenheiten beauftragt. Man hofft bis zum Einbruch der kalten Jahreszeit die Kirche unter Dach zu bringen. Für die Wegräumung des Schuttes haben sich eine Anzahl von freiwilligen Helfern gemeldet.
Höttinger Gasse — Einbahnstraße
Aus verkehrstechnischen Gründen wird die Höttinger Gasse mit heutigem Datum als Einbahnstraße in der Richtung Nord (bergwärts) erklärt.
Bei einer Explosion verunglückt
Die A.G. Stubaitalbahn schreibt uns: Wie erst jetzt bekannt wird, ist der bei der Stubaitalbahn langjährig Bedienstete Karl Höß am 8. Mai in Gossensaß bei einer Explosion tödlich verunglückt.
Wir verlieren in diesem Bediensteten einen braven, fleißigen Mitarbeiter. Ex ist
durch ein tragisches Schicksal, also bereits nach Beendigung des Krieges, tödlich verunglückt. Er ist so wie viele Hunderttausende das Opfer jenes ruchlosen Systems der Vergangenheit, das die besten Menschen für ihr persönliches und das Parteiinteresse opferte. Höß war immer ein guter Österreicher und hatte für die Nazimethode nichts übrig und gerade deshalb ist es doppelt bedauerlich, daß er so jung das Leben beschließen mußte. Wir werden ihm stets ein gutes Andenken bewahren.
Abgängig
Der Bauernsohn Franz Ribis, wohnhaft in Kampl im Stubaital, ist seit 7. August abgängig. Er hat am genannten Tage das Elternhaus verlassen und ist seitdem nicht mehr zurückgekehrt. Da er sich in der Nähe der Zeggerbrücke aufhielt, dürfte er vermutlich in die Ruetz gefallen sein.
Zweckdienliche Angaben werden erbeten an die Eltern Franz Ribis, Kampl 11 bei Neustift im Stubaital, oder an den Gendarmerieposten in Neustift.
Geschichte im Lichte einer Musikkapelle
Schwaz, 13. August
Die Schwazer Stadtmusik ist nicht nur jedem Bürger dieser Stadt ein Begriff, sondern darüber hinaus als eine der ältesten und bestgeschulten Musikkapellen des Landes bekannt. Ihr Bestehen geht bis in das 15. Jahrhundert zurück. Damals wurde in Schwaz das größte Silberbergwerk der damaligen Zeit betrieben, das Tausende von Bergknappen aus aller Herren Länder be
Neue Straßennamen in Innsbruck
Professor und Präsident der Akademie der
Lageberichte zu holen.
Am 3. Mai versammelte Professor Mair seine Gruppe in seiner Wohnung in der Museumstraße und als die österreichische Widerstandsbewegung das Gauhaus besetzte, war er mit seinen Leuten mit der Waffe in der Hand einer der Tätigsten. Er sah noch die rotweiß=roten Fahnen vom Landhaus flaktern und konnte noch mit großer Genugtuung SS=Offiziere und =Soldaten entwaffnen. Nun wußte er, Österreich war wieder österreich geworden. Diese Genugtuung konnte er mit in die Ewigkeit nehmen. Er schloß zwei Tage nach dem Einmarsch der Befreier für immer die Augen. In einem Feuergefecht zwischen SS und Widerstandsbewegung war er von einer Maschinenpistole vor dem Tiroler Landhaus durchsiebt worden.
Professor Mair ist tot. Sein Geist lebt in uns fort: „Freies österreich, freies Land, frei von faschistischem Einfluß und frei von Hitlerdiktatur. Görz Oskar.
Wie die meisten schon gesehen haben werden, sind eine Reihe von Straßen und Plätzen umbenannt worden. Damit ist die Stadtverwaltung einem Wunsche der Bevölkerung entgegengekommen, der schon seit langem vorhanden war und seit den ersten Maitagen überall gehört werden konnte. Unsere Straßennamen sollen dazu dienen, die Namen von solchen Männern im Gedächtnis der Bevölkerung lebendig zu erhalten, die sich um unsere Heimat verdient gemacht haben. Es geht daher nicht an, daß die Namen von Männern, die sich unserem Volke gegenüber feindlich eingestellt haben oder gar Verbrecher und Mörder waren, täglich bei uns ehrenvoll genannt werden.
Bisher sind folgende Umbenennungen vorgenommen worden: Die Wurnigstraße, die ihren Namen nach dem Mörder erhalten hat, der im Jahre 1934 beim Naziputsch den Polizeimajor Hickl erschossen hat, hat wieder ihren alten Namen Fallmerayerstraße erhalten. Selbstverstandlich wurde auch die Gedenktafel entfernt mit der perfiden Inschrift: „Dem Märtyrer Wurnig, der 1934 von Schuschniggs Schergen ermordet wurde.“ Die erst in letzter Zeit nach Fallmerayer benannte Straße am Stadtrande erhielt den Namen Hormayrstraße, so benannt nach dem Historiker und Politiker Josef von Hormayr.
Die Schönererstraße heißt jetzt O wald=von=Redlich=Straße. Dieser vor zwei Jahren verstorbene hervorragende Wissenschafter und Gelehrte war in Wien als
Wissenschaften tätig.
Sylvester Fink wurde dafür mit einem Straßennamen geehrt, daß er bei der Nazi=Saalschlacht im „Goldenen Bären“ in Hötting im Jahre 1934 ums Leben kam. Darnach war sein Leichnam einige Tage lang in der Müllerstraße ausgestellt worden. Die Straße hat wieder ihren alten Namen Schneeburggasse erhalten, zum Andenken an die Familie von Schneeburg, die seinerzeit an dieser Straße ihren Ansitz hatte.
Hitler, uns allen genugsam bekannt, hat ebenfalls das ihm zu Ehren angebrachte Namensschild hergeben und dem alten Namen Rennweg weichen müssen, der uns an frühere Zeiten erinnert, in denen auf diesem Wege die Rennen, Turniere und Ritterspiele der Hofburg ausgetragen wurden. Der Straßenname Sudetendeutsche hatte sich nie recht einbürgern können, im Volksmund war immer der alte Name Sillgasse lebendig geblieben. Und so freut es uns, jetzt diesen alten Namen auch wieder an der Straßenecke zu lesen.
Der nach dem 1933 verstorbenen Reichspräsidenten von Hindenburg benannte Platz hat wieder seinen alten Namen Claudiaplatz erhalten, zu Ehren der Claudia von Medici, Gemahlin des Erzherzogs Leopold von Tirol (1635—1645).
Auch die Umbenennung des Bismarck platzes, der Moltkestraße und der Blücherstraße sind geplant und entsprechen dem allgemeinen Wunsch.
Am 15. August (Mariä Himmelfahrt) erscheint keine „Tiroler Tageszeitung“. Am Donnerstag erscheint das Blatt wie jeden Montag erst gegen Mittag.
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schäftigte. Diese Bergknappen nun waren wohl die Gründer der ersten Tiroler Musikkapellen überhaupt. Leider sind die mente und Archivalien jener Zeit bei dem großen Brand 1809 vollständig vernichtet worden. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg gab es in Schwaz sogar fünf Musikkapellen, von denen eine mit der anderen in edlem Wettstreit lag. Die Stadtmusikkapelle unternahm zahlreiche Fahrten außerhalb des Landes, unter anderem nach Ingolstadt, Bad Aibling, Landshut und des öfteren nach Wien, wo sie auch bei dem großen Katholikentag im September 1934 zugegen war. Eine Abordnung der Schwazer Stadtmusik wurde von Bundeskanzler Dr. Dollfuß empfangen, der seiner Anerkennung fur ihr gutes Spiel lebhaftesten Ausdruck gab. Auch bei der großen
Kinderbescherung in Wien, im Dezember 1934, spielte die Schwazer Stadtmusik und wurde von Kardinal Innitzer in Audienz empfangen. Dann kam der Marz 1938. Die Schwazer Stadtmusik sollte gezwungen werden, SA=Musik zu werden, einstimmig von allen Mitgliedern
abgelehnt wurde. Daraufhin wurde sie in jeder Weise zurückgesetzt und die Fügener Musikkapelle als Kreismusikkapelle bestellt. Die Schwazer Stadtmusik spielte in der folgenden Zeit in den Augen der Nazi nur
mehr eine untergeordnete Rolle und es wurde ihr u. a. bedeutet, daß ihr bei nochmaligem Ausrücken bei einem kirchlichen Anlaß die Instrumente weggenommen würden. Im Laufe der Kriegsjahre wurden die meisten Mitglieder der Kapelle eingezogen und die Nazis beschlagnahmten verschiedentlich Instrumente für ihre HJ=Musik und für die Altmetallsammlung. Dank der Fürsorge und umsichtigen Leitung des langjährigen Tamburmajors Herrn Ludwig Mair, der selbst einen Teil der Uniformen und Instrumente in seinem Hause versteckt hielt, konnte die Schwazer Stadtmusik wieder frisch aufgestellt werden und hat bereits bei verschiedenen Anlässen bewiesen, daß sie auch weiterhin bestrebt ist, ihren Ruf als eine der bestgeschulten Kapellen des Landes zu bewahren.
Tödlicher Unfall
Landeck, 13. August. In den Schönwieser Auen fanden Badende ein Pferd am Innufer angetrieben. Die Erhebungen haben ergeben, daß der Tischler und Landwirt Artur Wolf mit seinem Einspänner auf der Fahrt nach Tösens, begleitet von einem Mädchen; mit seinem Wagen auf der bereits schadhaften Urgener Brucke einem entgegenkommenden Auto ausweichen wollte. Als er das Pferd dazu nach rückwärts trieb, durchbrach der Wagen das Geländer und riß das Roß und Wolf, der dieses noch halten wollte, in den hochgehenden und an dieser Stelle besonders reißenden Inn. Während des Sturzes kam wohl das Pferd vom Wagen frei, doch konnten sich weder Wolf noch das Tier ans Ufer retten. Das Pferd trieb, wie bereits erwähnt, in den Auen an. Vom Besitzer selbst
fehlt bis heute jede Spur. Das
Die Atombombe Von S. Oehlinger.
Die Wirkung der Atombombe hat mit den uns bekannten chemischen Reaktionen; wie Explosion von Sprengstoffen, wie etwa Ekrasit, Dynamit, Hexogen und anderen nicht das geringste zu tun. Diese Reaktionen sind normale chemische Prozesse; die Wirkung der Atombombe beruht jedoch auf der Freimachung inneratomarer Kräfte auf atomphysikalischer Grundlage.
Die Atome dachte man sich früher als kleine unteilbare Teilchen der Materie; später fand man, daß die Atome trotz ihrer unvorstellbaren Kleinheit in Wirklichkeit hochkompliziert aufgebaute Systeme sein müssen, die aus einem positiv elektrisch geladenen Kern bestehen, der von entgegengesetzt, also negativ elektrisch geladenen Elektronen auf Kreis=, bzw. Ellipsenbahnen umlaufen wird, ähnlich wie die Planeten des Sonnensystems um das Zentralgestirn kreisen.
Man hat die Gewichte der Atome der einzelnen Elemente bestimmt und diese ihrer Größe nach geordnet und in ein „periodisches“ System gebracht.
Das leichteste und am einfachsten gebaute Atom besitzt der Wasserstoff. Es besteht aus dem einfach positiv elektrisch geladenen Akomkern, um den ein einziges negatives Elektron seine Bahnen zieht. Da sich positive und negative elektrische Ladungen aufheben, erscheint das Atom nach außenhin elektrisch neutral. Das Edelgas Helium besitzt einen zweifach positiv geladenen Kern und zwei Elektronen. Analog verhält es sich beim Lithium, dessen dreifach positiver Kern von drei Elektronen umkreist wird. Und so geht die Aufstellung der Elemente weiter, bis sie beim Uran, dem Element mit dem höchsten Atomgewicht (238) ihren Abschluß findet. Sein Atomkern enthält 92 positiv elektrische Ladungen und wird daher von 92 Elektronen in Schalenanordnung umkreist.
Diese als „Bohrsches Atommodell“ bekannte Vorstellung geht auf den dänischen Phnsiker Niels
Bohr zurück, der auch bei der Atombombe als Mitarbeiter genannt wurde.
Während die schwere Masse der Atome jeweils im Atomkern verankert liegt, spielen sich alle chemischen Prozesse an der äußersten Schole der Elektronenhülle ab, wobei der Atomkern völlig unberührt bleibt.
Aber auch der Atomkern ist kein einheitliches Gebilde; er besteht wiederum aus Protonen (positiv elektrisch geladene Teilchen) und Neutronen (elektrisch neutrale Masseteilchen). Obwohl die Atomkerne äußerst stabil gebaut und daher mit gewöhnlichen chemischen Prozessen nicht zu beeinflussen sind, vollzieht sich in der Natur in den Atomkernen der radioaktiven Elemente wie Uran, Radium, Thorium und anderen ein freiwilliger Zerfall, wobei als Zerfallsprodukte neue Atomarten entstehen und beträchtliche Energiemengen in Form von Strahlungen frei werden. Diese Energiemengen betragen während des Zerfalles von 1 Grammatom Radium rund 1000 Millionen Kilogrammkalorien, wobei die Masse des Radiums pro Grammatom 0.1 Gramm abnimmt, d. h. in Energie
„zerstrahlt“ wurde.
Diese Tatsache legte die Anschauung nahe, daß die Materie nur eine besondere Zustandsform der Energie darstellt, und zwar entspricht ein tausendstel Gramm eines beliebigen Stoffes nach der Einsteinschen Formel: Energie = Masse X dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit 21,600.000 Kilogrammkalorien. Zur Erzielung dieser Energie müßten 3 Tonnen Kohle verbrannt werden.
Lange Zeit war es dem Menschen nicht möglich, den freiwilligen Zerfall der radioaktiven Stoffe aufzuhalten oder zu beschleunigen; der Atomkern galt als „unantastbar“.
Da gelang es Rutherford im Jahre 1919 mit Hilfe der beim Zerfall des Radiums freiwerdenden Alphateilchen, die sehr energiereiche „Atomgeschosse“ darstellen, den Kern des Stickstoffatoms zu zertrümmern. In der Folgezeit wurde
die „Atomzertrümmerung“ zimmer erfolgreicher weiterentwickelt, wobei sich die zertrümmerten Elemente in andere Elemente mit anderen Eigenschaften verwandelten. Bis 1940 waren bereits an die 500 „Kernreaktionen“ bekannt und auch die Frage der künstlichen Goldherstel
lung ist, nebenbei erwähnt, wenigstens theoretisch kein ungelöstes Problem mehr.
Bei diesen Arbeiten fiel es auf, daß bei manchen dieser Atomumwandlungsvorgänge, vor allem mit Neutronenbestrahlungen ein größerer Energiebetrag pro herausgeschossenes Teilchen frei wurde, als die Energie des „eingeschossenen“ Neutrons betrug.
Diese Erscheinung legte den Gedanken nahe, daß es vielleicht doch einmal möglich werden würde, die inneratomar gebundenen Kräfte der Atomkerne frei und nutzbar zu machen. In utopistischen Romanen bemächtigten sich phantasiebegabte Schriftsteller dieser überlegungen und „lösten“ diese Probleme in mehr oder minder gut gelungenen wissenschaftlicher Untermalung. Der Fachmann las derartige Romane entweder überhaupt nicht oder legte sie nach der Lektüre mit resigniertem Lächeln zur Seite. Jedenfalls war auch er von der Möglichkeit einer praktischen Ausnützung inneratomarer Kräfte in absehbarer Zeit noch zu wenig überzeugt. Um so überraschender mußte daher die Nachricht von der ersten Atombombe vor allem auch auf die wissenschaftliche Welt
gewirkt haben.
Welches sind nun die prinzipiellen Grundlagen dieser neuen, umwälzenden Erfindung? Wird Uran (ein radioaktives Element, aus dem sich das bekannte Radium bildet) mit den schon erwähnten Neutronen beschossen, so stellt sich eine bis dahin nicht vorausgesehene Wirkung ein, nämlich eine völlige Zerspaltung der Uranatomkerne in leichtere Atomarten. Die österreichische Atomphysikerin Liese Meitner konnte auf physikalischem Wege als Spaltprodukte aktive Atomarten des Barium, Strontium
sowie aktive Atomarten der Edelgase Zenon und Krypton nachweisen.
Der wesentlichste Punkt dieser Atomkernspaltung des Urans liegt jedoch in der riesigen Energiemenge, die dabei frei wird, nämlich 200. 106 k V für je ein Molekül zerfallender Uranatome. 9
Wem diese Zahl nichts sagt, für den sei diese gewaltige Energiemenge durch einige leicht verständliche Vergleiche der Anschauung nähergebracht:
In Kilogrammkalorien ausgedrückt entspricht obenerwähnte Energiemenge nicht weniger als 4.600,000.000 Kilogrammkalorien.
Da in der Atombombe laut Radiomitteilung 1,5 Kilogramm Uran zum Zerfall gelangten, so entspricht dies einer freiwerdenden Energie von 289 Milliarden 800 Millionen Kilogrammkalorien. Zur Erzeugung dieser Energiemenge müßten nicht weniger als 36.225 Tonnen hochwertiger Steinkohle mit einem Heizwert von 8000 Kilogrammkalorien pro Kilo verbrannt werden. Diese Kohlenmenge entspräche dem siebenten Teil der Steinkohlenproduktion Österreichs im Jahre 1936. Zu ihrer Beförderung wären nicht weniger als 18.111 Eisenbahngüterwagen je 20 Tonnen notwendig. Mit dieser Energiemenge könnten weiter 2 Milliarden 898 Millionen Liter Wasser von 0 Grad Celsius zum Siedepunkt erhitzt werden.
Um noch einen anderen Vergleich zu wählen, sei erwähnt, daß nicht weniger als 76 Millionen Kilogramm Knallgas zur Explosion gebracht werden müßten, um die Energiemenge zu erzeugen, die eine einzige Atombombe liefert, wobei aber noch betont sei, daß die Knallgasexplosion einen der energiereichsten Prozesse darstellt, die wir in der Chemie kennen.
Wollen wir hoffen, daß die Freisetzung inneratomarer Kräfte in absehbarer Zeit dem Fortschritt der Technik und damit zum Segen der Menschheit dienstbar gemacht wird.
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