Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:8

- S.37

Suchen und Blättern in knapp 900 Ausgaben und 25.000 Seiten.





vorhergehende ||| nächste Seite im Heft

Zur letzten Suche
Dieser Monat – 1945_08_TT
Ausgaben dieses Jahres – 1945
Gesamter Text dieser Seite:
Herausgegeben von den französ
Erscheint in der Woche sechsmal. — Aur im Einzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Dostzustellung. — Inseratenannahme: Innsbruck, Andr.-Hofer-Str. 4
lummer 50 / 1. Jahrgang
Einzelpcels 15 Pla
die österreichische Bevölkerung
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „T. C.“, Innsbruck, Andreas-Hoser-Str. 4. — Druck: Trrolia, Innsbruck, Undreas-Hofer-Str. 4
Montag, 20. Kugust 1965
R
igem Aufentfranzös. EinWöchentlich 2 Fortgeschrits Adresse und ariat Tyrolia, r-Str. 4. 15-32 bei Anton Universitätstägl. 15-2015
—. 0
— 53
alten Wozu bekennt ihr Euch?
11225. Der zweite Weltkrieg ist beendet. Alle aufchweiz. vauwilligen Kräfte der Welt stehen für die ahrrad, Friedensarbeit bereit. Jahrelanger Krieg hat pan die Wirtschaft unter seine Gesetze gezwungen. Wulst, Es wird gewaltiger Anstrengungen bedürfen, gegen sie wieder auf die Friedensproduktion umterrieg. zustellen. Je rascher diese Umstellung erfol12.392 gen wird, desto rascher wird der Warenman
— gel behoben werden können.
— Die Beendigung des Krieges sichert uns
er Hal für das nächste Jahr eine Besserung unserer
testelle Lage. Vielleicht bleiben wir schon in diesem
nhand. Winter vor dem schlimmsten Hunger bewahrt. Inkalt: Wern es auch noch Jahre dauern wird, ehe
ne opt unsere Lebenshaltung den Stand von einst
ung erreichen wird, dürfen wir doch auf Besserung
. 14-298 hoffen. Ein schmaler Silberstreifen zeichnet
en Aus sich am Horizont ab.
leriohn. Wir dürfen dieser Entwicklung aber nicht
. 14-38 teilnahmslos gegenüberstehen und warten,
chen u bis Hilfe von außen kommt. Unser Land hat
ntalim unter dem Kriege schwer gelitten. Wir haben
mit In. hohe Opfer an Blut und Gut gebracht. Viele
reähten unserer Landsleute haben ihr Leben, ihre
elbe ge. Gesundheit oder ihre geraden Glieder ver
Zueken loren. Viele haben Hab und Gut, das Dach
Amra- über dem Kopfe eingebüßt Viele unserer Be
2V m triebe sind zerstört oder ohne Rohstoffe.
Groß ist die Not. Ein harter Winter steht vor — der Türe.
— Jetzt gilt es, die Wunden des Krieges zu
heilen. Männer und Frauen haben ihren Beitrag zum Wiederaufbau unseres Landes zu leisten. Viele werden gut daran tun, wenn sie einen größeren Beitrag zum Aufbau unseres Vaterlandes leisten als andere, weil sie am Niederbruch schwere Schuld trifft. Wer jetzt seine Pflicht verletzt, muß unnachsichtlich als Volksschädling zur Verantwortung gezogen werden. Manche ehemalige Nationalsozialisten haben ihre Schuld eingesehen und haben sich zur Sühne der Schuld freiwillig zum Wiederaufbau unserer zerstörten Stadt zur Verfügung gestellt. Ihnen werden wir die Hand reichen können, wenn sie sich hinreichend bewährt haben werden.
Umso strenger müssen die Einsichtslosen angefaßt werden. Mit ihnen gibt es keine Verständigung, für sie gibt es auch keine Gnade. Sie werden vor Volksgerichte gestellt und abgeurteilt werden. Viele trügerische Hoffnungen werden schon in allernächster Zeit schwinden. Auch hier gilt der Grundsatz: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Es ist bekannt, daß viele Anhänger des nationalsozialistischen Regimes ihren Widerwillen gegen den österreichischen Staat durch ihr Verhalten zum Ausdruck bringen: Sie arbeiten nicht, sie liefern nicht ab. Wir werden ihr Gewissen wecken. Jeder Arbeiter und Angestellte, der sich dem Arbeitseinsatz entzieht, jeder Handwerker und Kaufmann, der seinen Betrieb ohne stichhaltigen Grund geschlossen hält, jeder Bauer, der seine Ablieferungspflicht verletzt, begibt sich daher in die Gefahr, als Nationalsozialist betrachtet und auch als solcher behandelt zu werden, selbst wenn er es nicht gewesen sein sollte. Wie wäre es beispielsweise, wenn solche Bauern, die böswillig der Ablieferungspflicht nicht nachkommen, nach Innsbruck zum Wiederaufbau verpflichtet und in Lagern nur
mit den der städtischen Bevölkerung zustehenden Lebensmitteln verpflegt würden? Geldstrafen nützen bei dieser Art, Leute nichts. In ihnen sehen sie höchstens einen Anreiz, im Schwarzhandel die Strafe möglichst rasch zu „verdienen“
Auch unsere ältere Schuljugend hätte und Gelegenheit und vielfach auch alle Ursache, für das Allgemeininteresse tätig zu sein. Für die Aufräumungsarbeiten könnten von den älteren Jahrgängen unserer Fachund Mittelschulen Schüler und die Hochschüler herangezogen werden. Warum können einzelne Schulklassen nicht Park= oder andere Anlagen gärtnerisch betreuen? Noch jetzt könnte manches Grundstück, das brach liegen geblieben ist, mit Salat oder Spinat bepflanzt werden. Wie froh wäre die Bevölkerung um jedes zusätzliche Häuptel Salat und um jedes Kilogramm Spinat.
Die aufbauwilligen österreicher, Bauern, Arbeiter, Angestellte, Beamte, Gewerbetreibende, Kaufleute, Angehörige der freien Berufe erfüllen oft unter schwierigsten Verhältnissen ihre Pflicht. Sie brauchen es sich nicht bieten zu lassen, daß sie von den anderen deshalb verlacht und verspottet werden. Nehmt. euch den Bergbauern, der Mist und Erde mit dem Buckelkorb die steilen Felder und Acker
Die Probleme
London, 19. August. „Observer“ erklärt, bei der Vorbereitung des Friedensvertrages mit Italien werden folgende Hauptpunkte erörtert werden: Die Zukunft der italienischen Kolonien, die Frage der europäischen Grenzen Italiens und das Schicksal der italienischen Marine. Frankreich, Agypten und Abessinien werden Mandatsgebiete und Stützpunkte beanspruchen. Die einen in Italien, die anderen in Nord= und Ostafrika.
Die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien
London, 19. August. Der diplomatische Korrespondent Reuters erklärt, daß die Grenze zwischen Italien und Jugoslawien
vielleicht neu gezogen werden wird, so daß entsprechend der Wilsonlinie von 1919 Triest bei Italien und Fiume bei Jugoslawien verbleibt. Für die Festlegung der Grenze zwischen Italien und Frankreich werden keine Schwierigkeiten erwartet. Frankreich wird einige Grenzberichtigungen fordern. Die wichtigste Frage werde die Zukunft der italienischen Marine bilden. Es handle sich darum, die Zahl der italienischen Kriegsschiffe zu reduzieren oder mit der
Der Friedensvertrag mit Italien
italienischen Marine ein neues großes Experiment zu versuchen. Sie könnte die italienische Flagge führen, würde aber dem Weltsicherheitsrat unterstehen. Es wäre dies das erste Beispiel einer nationalen Streitmacht unter internationaler Oberhoheit. Diejenigen, die für diesen Plan eintreten sind der Meinung, daß es sich hiebei nicht nur um eine bloße Lösung, sondern um eine neue große Idee handle.
Teilautonomie für das Aostatal
Rom, 19. August. Die italienische Regierung hat Maßnahmen getroffen, die dem Aostatal eine Teilautonomie gewähren. Als die beiden Hauptpunkte dieser Maßnahmen sind zu erwähnen: die Abtretung des
Nutzungsrechtes an allen öffentlichen Betrieben und Einrichtungen für die Dauer von 99 Jahren an die einheimische Bevölkerung, ebenso wie die Gewährung des Nutzungsrechtes an allen in diesem Gebiet liegenden Bergwerksanlagen für den gleichen Zeitraum.
Die Brennerstrecke verkehrsfähig
Rom, 19. August. Die Brennerbahn ist jetzt wieder vollständig repariert und betriebsfähig.
Zögernde Haltung Japans
Manila, 19. August. Die japanischen Unterhändler zum Vollzug der Kapitulation sind in Manila eingetroffen. Die Delegation besteht aus 16 Mitgliedern. Die Verzögerungstalltik Japans hat in alliierten Kreisen bedeutenden Unmut hervorgerufen. Sowohl auf dem mandschurischen Kriegsschauplatz wie in Hinterindien ist die Waffenruhe noch immer nicht vollständig. Auch 32 amerikanische Bomber, die am 18. August einen Aufklärungsflug über Tokio unternahmen, wurden von 14 japanischen Jägern angegriffen. Hierbei wurden zwei amerikanische Flugzeuge schwer beschädigt.
Der neue japanische Ministerpräsident hielt eine Rede, in der er erklärte, Japan wolle den kaiserlichen Erlaß getreu den Buchstaben und dem Inhalt ausführen.
Tag des Gebetes in Amerika
Washington, 19. August. Präsident Truman hat den heutigen Sonntag zum Tag des Gebetes erklärt und das gesamte amerikanische Volk aufgefordert, alle Kräfte für die Schaffung einer besseren Welt einzusetzen.
Heute Beginn des Prozesses gegen
Reise Generals de Gaulle nach Amerika
Die Erwartung in Washington
Washington, 19. August. General de Gaulle, der Chef der provisorischen Regierung Frankreichs, wird am Mittwoch, 22. August, um vier Uhr nachmittags hier erwartet. Er wird mit vollen militärischen Ehren empfangen werden. Vor seiner Abreise nach Kanada wird General de Gaulle auch New York und vielleicht auch Chicago besuchen.
In Begleitung des Generals de Gaulle befinden sich Außenminister Georges Bidaul und Generalstabschef Jouin.
Einladung nach Kanada
Ottawa, 19. August. Wie Radio Ottawa meldet, erhielt General de Gaulle vom Ministerpräsidenten Mackenzie King die Einladung, nach seinem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten, sich zu einem Besuche nach Kanada zu begeben.
Suwarow=Orden für General de Lattre de Tassigny
Paris, 19. August. Der sowjetrussische Botschafter in Paris hat dem General de Lattre de Tassigny, dem früheren Oberbefehlshaber der ersten französischen Armee und jetzigen Generalinspekteur des französischen Heeres im Auftrage der Sowjetregierung den Suwarow=Orden überreicht.
Neuer Sowjetgesandter für Frankreich
Moskau. 19. August. Die russische Nachrichtenagentur Taß meldet die Ernennung Orlows zum Botschafter der Sowjetunion in Frankreich. Seit der Befreiung Frankreichs hatte Bogomolow den Botschafterposten innegehabt.
hinauftragen muß und trotz einer Stube voll Kinder seiner Ablieferungspflicht den Brüdern und Schwestern in der Stadt gegenüber nachkommt, den Arbeiter, der in lebenswichtigen Betrieben trotz Hunger und Enrbehrung seine Arbeit verrichtet, den Beamten, der über seine Amtszeit hinaus im Interesse des Gemeinwohles arbeitet, überhaupt alle, die mehr als ihre Pflicht tun, zum
Vorbild und eifert ihnen nach! Müssen sich nicht die jungen Leute vor dem emsig schaffenden Männern und Frauen schämen, wenn sie sich vor jeder Arbeit drücken wollen?
Wie einer denkt, so handelt er und nach seinen Taten wird jeder beurteilt werden., Als schwerstes Verbrechen gegen den neuen Staat wird aber angesehen werden, wer den Aufbau Österreichs durch was immer für Handlungen oder Unterlassungen stört oder hemmt. Niemals wird der Staat für sein Verhalten Verständnis zeigen.
Die Welt kann den Frieden nur durch Arbeit finden. Wer möchte da Friedensstörer sein?
Dr. Karl Kunst.
Frankreich ratifiziert den Weltsicherheitsvertrag
Paris, 19. August. Die französische Regierung hat den Weltsicherheitsvertrag ratifiziert.
General Petain zu lebenslänglichem Gefängnis begnadigt
Paris, 19. August. General de Gaulle hat die gegen Marschall Petain verhängte Todesstrafe in lebenslängliches Gefängnis umgewandelt. Der Marschall wird nach der Insel Sainte Margerite bei Cannes gebracht werden.
Oslo, 19. August. Morgen beginnt vor dem hiesigen Zivilgerichtshof der ratsprozeß gegen den 58jährigen Major Vidkun Quisling, der während der deutschen Besatzungszeit in Norwegen das Oberhaupt der Marionettenregierung war.
Explosionskatastrophe im Hafen von Oslo
Oslo, 19. August. Bei einer Explosion, die im Hafen von Oslo stattfand, wurden 180 Personen getötet und mehrere hundert verwundet. Die meisten der Toten waren deutsche Kriegsgefangene, die deutsche Munition auf einen holländischen Frachter luden, damit diese im äußersten Fjord ins Meer versenkt werde.
Attlee hofft auf ANRRA=Hilfe auch für Österreich
London, 19. August. Premierminister Attlee erklärte im Unterhaus, Großbritannien unterstütze die UNRRA nach allen Kräften. Er hoffe, daß auch Italien und österreich volle UNRRA=Hilfe gewährt werden kann.
Material der USA=Armee für den Wiederaufbau Europas
Paris, 19. August. Von maßgebender Stelle wurde heute in einer Pressekonferenz mitgeteilt, daß die Vereinigten Staaten die Material= und Vorratslager ihrer Heeresund Marinestreitkräfte in Europa so schnell wie möglich verkaufen werden, um den Regierungen der europäischen Länder dringend benötigte Waren zukommen zu lassen.
Feierlicher Einzug der Alliierten in Wien
W für
sischen, britischen und amerikanis
mandeure für österreich in Wien ist aufge
stellt worden. Das Datum wurde noch nicht bekanntgegeben.
österreichische Freiwillige im französischen
Heer
Paris, 19. August. Wie Radio Paris meldet, kommt das erste österreichische Freiwilligenbataillon in Frankreich in die französische Besatzungszone nach österreich. Schon vor vier Monaten gaben die französischen Behörden die Erlaubnis, ein österreichisches Freiwilligenbataillon zu bilden, das im Rahmen der französischen Armee an der Front hätte eingesetzt werden sollen. Nach dem Zusam= bohrer aus ####land menbruch Deutschlands wurde bestimmt, daß gande ange diese Einheit als Besatzungstruppe Verwen=# ungekommen. dung finden solle. Der Andrang zu diesem Bataillon war so groß, daß jetzt ein zweites Bataillon aufgestellt wird. Ausgenommen wurden Österreicher, die aus der Wehrmacht entflohen waren, andere, die sich in Frankreich versteckt hatten und
Kriegsgefangene, deren politische Einstellung einwandfrei war.
Natürlich machten auch Nazis den Versuch, sich einzuschmuggeln. Sie wurden jedoch bald
erkannt. Das Freiwilligenbataillon wird von österreichischen Offizieren kommandiert. Nur der Bataillonskommandant ist Franzose. Die Soldaten tragen französische Uniform. Das Bataillon wird in der französischen Besatzungszone hauptsächlich zum Grenzschutz und als Polizeitruppe eingesetzt werden.
Der erste Prozeß gegen Kriegsverbrecher in "Wien
Wien, 19. August. In dem ersten Prozeß gegen Kriegsverbrecher, der sich gegen 4 SeLeute richtete, die auf dem Wege von Engerau nach Deutschaltenburg im März d. J. 102 Juden massakrierten, wurden drei Angeklagte zum Tode, einer zu 8 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.
Russisches Kriegerdenkmal in Wien
Wien, 19. August. Heute wurde ein Denkmal zum Andenken an die im Befreiungskampf um die österreichische Hauptstadt gefallenen Offiziere und Mannschaften der Roten Armee feierlich enthüllt. An dem Feste nahmen französische, amerikanische, britische und russische Truppen teil.
Rückkehr der ersten
gefangenen aus Rußland
Berlin, 19. August. Die ersten deutschen Kriegsgefangenen, die von den Russen aus Lagern in Sibirien und anderen Gegenden östlich des Ural entlassen wurden, sind in Berlin eingetroffen.
Wie wir erfahren, sind einzelne kehrer aus Rußland auch beerits in unserem
Der König von Velgien übersiedelt
in die Schweiz
Brüssel, 19. August. Der Entschluß König Leopolds, in die Schweiz zu übersiedeln, fand die volle Zustimmung des Prinzregenten, der belgischen Regierung und der alliierten Militärbehörden.