Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:8
- S.39
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Herausgegeben von den französi
Erscheint in der Woche sechsmal. — Nur im Einzelverkauf erhältlich. — Dorerst keine Postzustellung. — Inseratenannahme: Innsbruck, Andr.-Hofer-Str. 4
summer 51/ 1. Jahrgang
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Aodise Wienant,
die österreichische Bevölkerung
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „T. T.“, Innsbruck,
Andreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Tvrolia, Innsbruck, Undreas-Hofer-Str. 4
Dienstag, 21. Rugust 1945
1
Das Ende eines Irrwahns
Als in den für Österreich verhängnisvollen Tagen des März 1938 der Grundstein zu jenem teuflischen Inferno gelegt wurde, das durch fast sechs Jahre weite Gebiete Europas mit der Kriegsfurie überzog und gerade jenen Erdteil in seinen Grundfesten erschüttern ließ, der eine ungeheure Fülle von Kulturwerten der Welt zum Geschenk überreichte, da brandete wohl da und dort die Fackel der Berauschung auf und entzündete die Herzen zu heller Begeisterung.
Wenn wir diese Begeisterung allerdings etwas näher betrachten, dann galt sie weniger dem Nationalsozialismus als vielmehr dem größeren Deutschland. Jener Traum nämlich erhielt neue Nahrung, daß alle Deutschen in einem Reiche vereinigt sein müssen, wenn Deutschland groß und stark werden soll. Der Gedanke an sich gehört nicht gerade zu jenen Zielen, die mit ewigem Fluche belastet
sind; es ist aber ebenso klar, daß man zwei Menschen nicht zusammenkoppeln darf, die nicht zueinander gehören.
Und es ist schon so — zwischen dem österreichischen Volk und den Deutschen nördlich der Donau besteht eine tiefe Kluft, die man mit Phrasen niemals überbrücken kann. Es muß dies ganz offen ausgesprochen werden, damit für alle Zeiten sich nicht noch einmal jenes Verhängnis wiederholt, das 1938 über uns hereinbrach. Gewiß —— es sind Menschen des gleichen Blutes und Menschen, die sich derselben Sprache bedienen; aber — es sind zwei Welten, die uns voneinander trennen. Die soll und kann man niemals zu einer Welt zusammenschweißen!
Blättern wir einmal zurück im Buche der Vergangenheit. Wie war es denn damals?
Einige Monate vorher behämmerte manf unser Volk im deutschen Rundfunk mit den verlogenen Phrasen einer Propaganda, die alles besudelte, was nicht nationalsozialistisch war, und alles in den Himmel hob, was im sogenannten Dritten Reiche sich anbahnte. Wir hörten da, daß der österreichische Arbeiter ausgebeutet wird und daß er an den sozialen Abgaben zerbricht. Wir hörten ferner, daß der Großteil des Volkes hungert und mit heißem Herzen den Tag herbeisehnt, der es an den Segnungen nationalsozialistischen Aufbaues teilhaben läßt. Nun — die Segnungen verspürten wir gar bald. Wie die Aasgeier überfielen sie unsere Geschäfte, die all das noch zum Kaufe anboten, was die vom Altreich schon lange entbehren mußten, weil Kanonen wertvoller waren als
Butter.
Allerdings — die deutsche Wochenschau, die ja nirgends fehlen durfte, wo Hitlers Wahnideen zum geschichtlichen Argument erhoben wurden, gestaltete das „Anstellen vor der Gulaschkanone des bayrischen Hilfszuges“ zum filmischen Dokument eines hungernden Volkes.
Dies war der erste Betrug, die große Lüge, die unseren gesunden Hausverstand allerdings nicht umnebeln konnte. Das Volk von draußen, das in einer Zeitspanne von fünf Jahren systematisch mit diesen Ideologien geimpft wurde, mag all diese Phrasen und Lügen geglaubt haben — wir erhielten einen guten Anschauungsunterricht über diese teuflischen Methoden, die in der ganzen Welt verhaßt waren.
Der Weg zur Umkehr war allerdings versperrt, wir waren eine deutsche Kolonie geworden.
Ja, ich sage es ganz offen — selbst auf die Gefahr hin, daß mich ganz Deutschland mit Verachtung überschüttet — der „preußische Marschstiefel“ zerstampfte nicht nur unser schönes Land, er zertrat auch unsere Seele.
Was waren wir denn noch? Vasallen ihrer Infamie, Untertanen des preußischen Geistes.
Alles wurde besudelt, was uns heilig war: die Religion, die hehre Kunstauffassung und das Verständnis auch anderen Völkern und Rassen gegenüber. Und — man stempelte uns zu Mitschuldigen.
Das Weltgewissen aber weiß die Wahrheit. Es weiß vor allem, daß der österreichische Geist niemals mit dem preußischen identisch ist.4
Nicht weil wir lax oder verweichlicht sind, lehnen wir den „preußischen Drill“ ab, sondern weil unsere Herzen, geformt von der Majestät der Landschaft und von den heiligen Klängen Schubertscher Traumromantik, diese Brutalität niemals als „Erziehungsmethoden“ anerkennen wird und kann. Es sage niemand: ach, so schlimm war es
Japan: „Keine unüberlegten Handlungen“
London, 20. August. Wie die japanische Nachrichtenagentur Domei meldet, haben das japanische Marine= und das Luftfahrtministerium Weisungen herausgegeben, in denen die japanische Bevölkerung nachdrücklichst aufgefordert wird, „sich an die kaiserliche Entscheidung zu halten und alle persönlichen Meinungen und Interessen hintanzusetzen. Wer anders handelt, ist kein guter Japaner.“ Weiters heißt es in den Weisungen: Begeht keine unüberlegten Handlungen: Dadurch könnte das Vertrauen zu Japan in der Welt verloren gehen. Wahrt strenge Disziplin und feste Einigkeit. Hütet euch vor unbegründeten Gerüchten!“
Die Nachrichtenagentur zitierte das Blatt „Asahi Shimbun“, das folgende Feststellungen hinsichtlich der alliierten Besetzung gebracht hat:
„Die Besatzungskräfte kommen, um darauf zu sehen, daß die Bedingungen der damer Erklärung getreu eingehalten werden. Je eher das japanische Volk die alliierten Mächte überzeugt, daß die Bedingungen der Potsdamer Erklärung praktisch durchgeführt worden sind, um so kürzer wird die Besetzungsdauer sein. Mit anderen Worten, die Besatzungsstreitkräfte werden so lange bleiben, bis in den Augen der Welt die ehrliche Absicht der Japaner anerkannt ist.“
Feier des Kriegsendes in England
London, 20. August. In ganz England fanden gestern kirchliche Dankfeiern anläßlich des Kriegsendes statt.
Der japanische Kaiser
Hirohito, der 128. Kaiser Japans. ist ein ganz gewöhnlich aussehender, kurzsichtiger, kleiner Mann von 44 Jahren. Theoretisch ist er ein Gott und der reichste Mann der Welt, denn „ihm gehört ganz Japan und alles, was darin ist“. Er trägt seine Kleider niemals zweimal — obwohl einmal mit großer Ehrfurcht in der japanischen Presse gemeldet wurde, daß er seine Socken stopfen ließ. Seine Kleider werden an Hofbeamte verschenkt und werden zu Seine Untertanen sehen ihn sehr selten. Wenn er im Zug sitzt, werden die Fenster verhängt, um ihn zu verstecken. Wenn er durch die Straßen fährt, müssen die oberen Stockwerke der Häuser geräumt werden, so daß niemand auf ihn herabsehen kann. Er hat nie über den Rundfunk zu seinem Volke gesprochen und ließ nie
andere als offizielle Photographien von sich machen. Er besitzt einen ausgezeichneten Luftschutzraum, den nicht einmal die Kaiserin mit ihm teilen darf. Theoretisch ist er auch der absolute Herrscher Japans, aber in Wirklichkeit übt er keine unmittelbare Macht aus, sondern kann den größten Teil seiner Zeit auf seine Lieblingsbeschäftigung, das Photographieren verwenden. Als der Kaiser 21 Jahre
alt war, unternahm er eine Weltreise — er
war der erste Thronfolger in einer Zeitspanne von 2500 Jahren, der Japan verließ — und besuchte Großbritannien, die Vereinigten Staaten und den europäischen Kontinent. Als er nach Japan zurückkehrte, brach er mit der Tradition durch die Verehelichung Iniliifuttt
mit einem Mädchen, das er liebte, anstatt mit einem Mitglied der Sippe, aus der seit Generationen die Kaiserinnen Japans hervorgingen. Von seinen sechs Kindern leben fünf im Palast. Der nun 11jährige Thronfolger Tsugu verließ der Sitte gemäß den Palast mit drei Jahren. Hirohito trinkt und raucht nicht. Er ist sparsam und gilt als der ideale Gatte und Vater.
modernsten Waffen
General Arnold, der Chef der amerikanischen Luftstreitkräfte, erklärte, schon vor einem Jahre besaßen die Vereinigten Staaten [Roboter=Bomben, die durch einen Mann aus einer Entfernung von über 20 Kilometern mittels eines Fernsehapparates auf ihr Ziel gelenkt werden. Er sagte weiter, die Vereinigten Staaten hätten einen „be[deutend besseren“ Bomber als die Superfestung, der bei einer Reichweite von über 8000 Kilometern mit Hilfe der Atombombe von den gegenwärtigen Stützpunkten im Pazific aus ganz Asien beherrschen könne. Es wird eine Zeit kommen, meinte General Arnold, wo in keinem Bomber mehr ein Mensch sitzen wird. Die Geschosse werden zunächst direkt in Richtung auf ihr Ziel gelenkt, in dessen Nähe sie auf Hitze, Licht oder Metall reagieren und
dadurch das Ziel treffen. General Arnold erklärte, durch diese Waffen sei die Welt für die Vereinigten Staaten sicher.
Empfang allüerter Generale
bei General Clark
Salzburg, 20. August. Der amerikanische Oberkommandierende in Österreich General Clark empfing gestern die französischen, britischen und russischen Oberkommandierenden in Österreich im Rahmen einer gesellschaftlichen Veranstaltung. Von Seite Frankreichs war General Bethouart aus Innsbruck gekommen, Großbritannien wurde durch General=Lt. Sir Richard Creery vertreten, Marschall Koniew war durch Krankheit verhindert. Auf Schloß Kleßheim fand ein festlicher Empfang der hohen Militärs statt. Nachmittags gab es einen Ausflug nach Berchtesgaden. Abends konzertierten die Wiener Sängerknaben vor den hohen Gästen. Die Generäle nahmen in Kleßheim, dem Sitze General MacClarks, nacheinander die Parade einer Kompanie der 42. Regenbogendivision ab.
Während Ehrenwachen die Flaggen der von den Generälen vertretenen Staaten präsentierten, spielte eine Militärkapelle ihre Nationalhymne.
Kommissarische Leitung des Alpenvereins in Salzburg
Salzburg, 20. August. Die kommissarische Leitung für das gesamte ehemalige NSSportwesen im Lande Salzburg hat mit Genehmigung der Landesregierung und im Einvernehmen mit den drei demokratischen Parteien für die Alpenvereinszweige und Sektionen im Lande Salzburg eine kommissarische Leitung bestellt. Es sind dies Bertl Strasser, Karl Domenigg und Leopold Schachner.
Zwei Kriegsverbrecher
in der Schweiz verhaftet
London, 20. August. In der Schweiz wurden zwei bekannte deutsche Nazis festgenommen, die versucht hatten, in einer Gruppe von freigesetzten Kriegsverschleppten unterzutauchen. Sie wurden bei der Auflösung des Internierungslagers Hiersau identifiziert. Einer, der sich als Künstler ausgab, ist der frühere Kommandeur einer SeGruppe in Dachau. Der andere, der sich als Holländer ausgab, wurde als einer der Henkersknechte von Buchenwald identifiziert. Beide wurden den französischen Besatzungsbehörden ausgeliefert.
Meßkleider, die von den Nazis zu Theater
kleidern umgearbeitet und als solche verwendet wurden Landesbildstelle Tirol (Photo Scheidl)
HmHHMMImmmmHnIImHMKHmmmIHmIImiMMmMmIIHmIIIIHnHIIIHHIIiIIIKIHIIIIIHIIIHIINIIIIIIIIIHIIHIIHIIIIHHIIHIIIHIHIHIIIIIIIIHHIIIIIINIIINIIINIHIIIIIIIHIIH aber das System ist uns fremd und
Quisling vor seinen Richtern
Oslo, 20. August. Die Todesstrafe ist in Norwenen seit langem aus religiösen und menschlichen Gründen abgeschafft, wurde jedoch während des Krieges für Verbrechen des Hochverrats wieder eingeführt. Sollte die Todesstrafe für Quisling, wie allgemein erwartet wird, nicht vollzogen werden, so wird er voraussichtlich in eine Heilanstalt gebracht werden, da von ärztlicher Seite bereits die Auffassung geäußert wurde, daß er vollkommen geistesgestört sei.
nicht, es ist keiner daran zerbrochen. Gewiß beschmutzten.
nicht
ihm gilt unser Kampf.
Deutschland ist nicht das Volk der Dichter und Denker, höchstens das Volk, das die meisten Dichter und Denker hervorbrachte. Die Gesamtheit ist im preußischen Geist erzogen und der eiserne Hammer dieses Geistes war brutal genug, die Seele fast eines ganzen Volkes zum Irrlicht niedriger Instinkte zu stempeln. Sonst wäre es unmöglich gewesen, daß dieses Volk es zuließ, daß eine dilettantische Regierung selbst dann den Krieg noch fortsetzte, als er längst verloren war. Gewiß, die Propaganda nationalsozialistischer Prägung hat diese an sich schon angekränkelte Volksseele erst vollends zerschlagen, der Geist als solcher aber war schon längst dem deutschen Wesen untreu geworden. Es wird viele Jahrzehnte bedürfen, bevor die deutsche Seele von den Schlacken
gereinigt wird, mit denen ihre Regierungen, falsche Propheten und sogenannte Nationalhelden in den vergangenen Jahrhunderten sie
Das Volk muß es nur erkennen. Es muß den Mut zur Wahrheit und den Weg zur Selbstkritik finden, und zwar aus eigener Kraft. Es muß einsehen lernen, daß jedes Volk zerbrechen muß, wenn es Männern huldigt, die alle 10 oder 20 Jahre einen Krieg inszenieren, es muß sich freimachen vom irrsinnigen Gerümpel verlogener Geschichtsauffassung, es muß endlich erkennen, daß gerade dieser „germanische Geist“ es war, der Deutschland ins Verderben führte. Die Geschichte richtig sehen und aus ihrer Mahnung lernen — das ist das Gebot der Stunde.
Und wer als objektiver Beobachter ins Buch der Geschichte blickt, der wird erkennen, daß die Kriege deutscher Heerführer niemals eine politische Zielsetzung aufzuweisen hatten, sondern nur dem Tatendrang entsprangen, Helden zu sein und Helden zu formen. Sie führten Kriege nur des Krieges willen.
Ist dies vielleicht heldische Größe, wenn ein Volk bis zum letzten Atemzuge sich von seinem Schwerte nicht trennen kann, auch wenn das Land in Schutt und Asche versinkt?
Nein — es war Wahnsinn, Verbrechen, teuflische Selbstvernichtung!
Es ist Sache des deutschen Volkes, sich mit diesen Problemen auseinanderzusetzen.
Für uns Österreicher aber gilt es, diesen Geist restlos aus unseren Herzen herauszubrennen und das wieder zu werden, was wir vor 1938 waren: ein österreichisches Volk!
Wir müssen die heilige Verpflichtung auf uns nehmen, in Frieden mit allen zu leben, die dazu willens sind, wir müssen ein Volk werden, das stark genug ist, sein Haus sich selbst zu bauen.
Lassen wir die Stimme der Heimat selbst zu uns sprechen, dann finden wir schon wieder den Weg, den dunkle Mächte uns versperrten.
Das Grillparzer=Wort aber möge die Kraft uns geben, mit neuer Hoffnung ein Reich zu bauen, das wert ist, in stolzer Freiheit zu bestehen.
„Erhalte Gott dir deinen Jugendsinn und mache gut, was andere verdarben!“
Sepp Fischer.