Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:8

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Herausgegeben von den französi
Erscheint in der Woche sechsmal. — Nur im Einzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Dostzustellung. — Inseratenannahme: Innsbruck, Andr.-Hofer-Str. 4
summer 527 1. Jahrgang
Einzelpceis 15 Psg.
aus
die österreichische Bevölkerung
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „T. E.“, Innsbruck,
Andreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Trrolia, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4
Mittwoch, 22. August 1945
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Tiroler Landtag hinter Stacheldraht
Am 22. und 23. August des Vorjahres spülte über Tirol eine große Verhaftungswelle. Die Gestapo ließ 89 ehemalige Nationalräte, Landtagsabgeordnete und Gemeinderäte ergreifen und in die Reichenau bringen. Auch der ehemalige Finanzminister Dr. Mittelberger sowie der letzte Landeshauptmann von Tirol vor der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus Doktor Schumacher befanden sich unter ihnen.
Fragte man die Herren von der Gestapo nach der Ursache ihres Eifers, so zuckten sie vielsagend die Achsel: „Befehl aus Berlin!“ Tatsächlich wurden zur gleichen Zeit in ganz österreich ähnliche „Aktionen“ durchgefuhrt. Es scheint jedoch, daß man in Tirol ganz besonders gründlich zu Werke ging. „Endlich“ so jubelte ein von Wonnegefühlen erfüllter SS=Mann am Tor des Reichenauer Lagers, als man die ersten Verhafteten brachte, „hat man die Richtigen!" Diese „Richtigen“ waren zum Teil Männer, die sich schon seit drei Jahrfünften von der Betätigung im öffentlichen Leben zurückgezogen hatten. Es befanden sich darunter Greise, deren körperlicher Zustand ihnen nicht einmal die normale Ausübung eines Amtes, geschweige denn die aufregende und aufreibende
Mitwirkung an einer Verschwörung gegen das so fest gegründete „tausendjährige Reich“ gestattet hätte. Wollte man die wahren Ursachen ihrer Festnahme erfahren, so brauchte man sich bloß an die überlegung zu halten, daß die Verhafteten ohne Ausnahme infolge ihres seinerzeitigen politischen Wirkens sich in weiten Kreisen eines Ansehens erfreuten, das denen, die sie hinter Schloß und Riegel bringen ließen, eben durchaus mangelte. Ein Po
lizist, der zur Bewachungsmannschaft des Lagers gehorte, zeigte sich als Mann von gutem Instinkt, wenn er einem Kameraden die neuen Häftlinge mit den Worten zeigte: „Die Herren von morgen.“
Diese Festnahmen waren nichts anderes als Geiselverhaftungen, um die Stimmung mit Gewalt zu halten. Sie war wieder einmal eine jener beliebten Drohungen an die Gesamtheit der „Volksgenossen“, die von dem Nazivolk genug hatten. Als man dann die Verhafteten nach Wochen und Monaten der Haft — einige „saßen“, bis ihnen die Maitage die Ketten aufschlossen — in die Freiheit entließ, schärfte man ihnen ein, daß es sich nur um eine Vorsichtsmaßnahme wegen der Ereignisse des 20. Juli gehandelt habe. Einem der Hervorragendsten wurde auf der Innsbrucker Kreisleitung erklärt: Dr. v. Schuschnigg habe sich mit den Männern des 20. Juli verschworen und sich bereit erklärt, in der neuen Regierung das Unterrichtsministerium zu übernehmen. Aus diesem Grunde
habe man seine Anhänger in Gewahrsam nehmen müssen! Man stelle sic vor: Dr. Schuschnigg, der seit 1938 abgeschnitten von aller Welt unter strengster Bewachung in der Obhut eines Konzentrationslagers stand, sollte in eine Verschwörung verwickelt sein, an der nur Männer teilnehmen konnten, die nicht nur volle Bewegungsfreiheit genossen, sondern die zugleich auch hohe Vertrauensstellungen im Machtapparat des Dritten Reiches besitzen mußten. Im Lichte dieser verzweifelten Verlogenheit erscheint die Verlegenheit, in welcher sich die Gestapo befand, in ihrer wahren Größe.
Männer aus allen Parteirichtungen, Leute der Volkspartei, Sozialdemokraten, Anhänger der Heimatwehr, Monarchisten, Kommunisten wurden damals in der Reichenau von der Gestapo auf einen gemeinsamen Nenner des Leidens und der Verfolgung gebracht. Sie, die sich in den öffentlichen Körperschaften und auf der Tribüne der Volksversammlungen heftig befehdet hatten, lernten sich in diesem gemeinsamen Ungemach als gute Österreicher kennen und vertragen. Wohl keiner von ihnen verließ die Reichenau ohne den festen Entschluß, in Hinkunft das Wohl des Vaterlandes höher zu stellen als liebgewonnene Vorstellungen, die den Blich auf das Notwendige trüben könnten. Aus den Unterhaltungen der führenden Männer, die in der Reichenau zwangsweise
versammelt waren, konnte sich so ein richtiger Tiroler Landtag hinter Stacheldraht herausbilden, dessen Anregungen es nicht zu einem geringen Teile zu verdanken ist, wenn heute der Burgfriede der politischen Parteien in unserem Lande mehr st als eine bloße Außerlichkeit. Dr. Anton Klotz.
Klagenfurt, 21. August. In den von den Briten besetzten Gebieten österreichs übersteigt die Gesamtzahl der verhafteten Nazis 3000 Personen. Eingeschlossen sind jene, die von den österreichischen Beamten zur Zeit der übergabe festgenommen wurden. Es handelt sich hier sowohl um prominente Köpfe der Verwaltung wie auch um solche der Parteiorganisation.
Freilassung österreichischer Kriegsgefangener durch die Russen
Radio Wien meldet, daß die Sowjetregierung sich bereit erklärt hat, österreichische Kriegsgefangene, die sich in der von den Russen besetzten Zone Österreichs befinden, freizulassen.
Raziverhaftungen in der beitischen Zone Österreichs
Die Begleitung des Generals Bethouart beim Fest in Salzburg
Mit General Bethouart weilten als Gäste des amerikanischen Oberkommandierenden MacClark in Salzburg Gouverneur Exzellenz Voizard und Louis de Monicault, politischer Berater des Generals Bethouart.
Amerikanisches Frauenhilfskorps für Wien
Verona, 21. Aug. Als neuester Bestandteil der amerikanischen Streitkräfte für österreich wurde in Verona eine Abteilung des Frauenhilfskorps aufgestellt. Die Abteilung besteht aus 112 Mannschaften und 2 Offizieren, die im Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte in Österreich arbeiten werden.
Der Prozeß gegen Quisling
Oslo, 21. August. Im Prozeß gegen Quisling erhob der Generalstaatsanwalt die Anklage wegen verräterischer Zusammenarbeit mit den Deutschen, aber auch die Anklage, daß Quisling Hitler persönlich zum überfall auf Norwegen angestiftet habe. Eine große überraschung war es, als man die belastenden Aussagen verlas, die Quislings ehemaligen deutschen Freunde Göring, Ribbentrop, Keitel und Jodl vor den Alliierten Besat zungsbehörden in Deutschland gemacht ha
ben. Die Anklage lautet weiter auf Hochverrat, auf Verfassungsbruch, auf Begünstigung des Feindes, auf Totschlag, auf Unterschlagung und auf Diebstahl. Quisling erklärte sich für unschuldig. Der Generalstaatsanwalt verlas ein Dokument aus Rosenbergs Geheimarchiv, aus dem hervorging, daß Quisling seit Jahren mit dem außenpolitischen Amt der NSDAP. in Verbindung gestanden und Geld von einem Sonderbüro bekommen hatte, das unter Ribbentrops Leitung stand.
Noch herrscht der Geist der Samurai ...
Wie hat das japanische Volk die Kapitulation aufgenommen?
Washington, 21. August. Die amerikanischen Blätter sagen, es sei noch ein großes Rätsel, wie Japan denkt. Wir haben Berichte, daß sich die Volksmenge nach der Verkündigung der Unterwerfung durch die Rundfunkansprache des Mikado vor dem kaiserlichen Palast weinend in den Staub warf, um vor dem Herrscher ihre äußerste Zerknirschung und Demütigung über die bewiesene Unzulänglichkeit ihrer kriegerischen Leistung sichtbar zum Ausdruck zu bringen. Der japanische Kriegsminister hat am Tage der Kapitulation Selbstmord verübt, um dem Kaiser auch angesichts der vernichtenden Niederlage seine Ergebenheit zu beweisen. Diese anschaulichen Tatsachen erzählen uns wie lebendig der Geist des Schintoismus, die zur Religion erhobene Vaterlandsliebe. im
japanischen Volke noch ist. Nicht die tat sächliche Niederlage, sondern das quälende Bewußtsein, vor den Augen der erhabenen Ahnen die Probe nicht bestanden zu haben, beunruhigt die Japaner. Wir sehen daraus aber auch, daß der Glaube an die göttliche Sendung des Herrschers noch nicht erschüt
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tert ist. Vielleicht ist aber doch jetzt das Ende der Vorterrschaft der eigentlichen Kriegerkaste und des Feudaladels über Japan vorüber. Durch Jahrhunderte haben die sogenannten Kronfeldherren oder Shogune zusammen mit der Kriegerkaste der Samurai das öffentliche Leben der Nation weitestgehend bestimmt. Die amerikanische Presse verweist darauf, daß es außerordentlich schwer sein wird, den mittelalterlichen Zuständen in Japan ein Ende zu machen und die Japaner auf den Weg der wahren Zivilisation zu führen. Die Erziehung des japanischen Volkes stelle ein viel schwierigeres Problem dar, als es in Deutschland der Fall ist. Die Erziehung des eroberten und besetzten Japan sei tatsächlich eine heikle Frage.
In den folgenden zehn Tagen wird sich nancher Vorhang lüften, der die Geheimnisse es Fernen Ostens verbirgt. Die feierliche Kapitulation Japans muß einen Schlußstein und einen Anfang bedeuten, sonst werden
„Das Land des Lächelns“ im Landestheater Innsbruck
(Landesbildstelle: Photo Demanega)
dem Frieden der Welt neue Gefahrenquellen entstehen.
Die japanischen Diplomaten beim Vatikan
Vatikanstadt, 21. August. „United Preß“ meldet, daß sich die drei Familien der japanischen diplomatischen Kolonie, nachdem sie von der Kapitulation Japans Nachricht erhalten hatten, in ihre Wohnräume einschlossen.
Die Anterzeichner der Kapitulation
Washington, 21. August. Bei der formellen Kapitulation in Japan werden außer den Vertretern der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Rußlands, Chinas und Frankreichs auch Vertreter Australiens, Neuseelands, Kanadas, Hollands und Belgiens anwesend sein.
Frankreichs Teilnahme an den Kapitulationsverhandlungen
Paris, 21. August. General Henry Leelere, Kommandierender der französischen Truppen im Fernen Osten, ist nach Manila abgereist, um am Akt der japanischen Kapitulation teilzunehmen.
Die ersten Landungen in Japan
San Franzisko, 21. August. Laut einer Bekanntgabe des japanischen Informationsministeriums werden die ersten alliierten Besatzungstruppen am Sonntag, den 26. August, auf dem Flugplatz von Athuki südwestlich von Tokio landen. Diese Kontingente werden sich aus Luftlandetruppen zusammensetzen.
Die Russen in der Mandschurei
Moskau, 21. August. Der russische Heeresbericht meldet, daß die russischen Truppen in der Mandschurei die Städte Charbin und Mukden besetzt haben. Die Kapitulation der japanischen Kwantungarmee geht ohne Zwischenfälle weiter.
Der Bevölkerungsaustausch der Tschechoslowakei
Prag, 21. August. Im Prager Rundfunk wurde eine Rede des Handelsministers Doktor Riha übertragen, in der er erklärte: Die Potsdamer Bestimmungen über den Abtransport der Deutschen haben die Tschechen mit großer Befriedigung erfüllt, jedoch die Tatsache, daß diese Transporte aufgeschoben werden mußten, sind für sie eine Enttäuschung gewesen. Wir können mit dem Wiederaufbau der Grenzgebiete erst dann beginnen, wenn wir wissen werden, wann die Deutschen die Tschechoslowakei verlassen.
Bevin und Eden vor dem Unterhaus
London, 21. August. Der englische Außenminister Bevin erklärte in seiner ersten Rede im Unterhaus: „Die Generalstäbe der Heere, Luftwaffen und Flotten der großen Alliierten, die in diesem Krieg kämpfen mußten, wurden notwendig zu einer festen Einheit zusammengeschweißt. Die Völker der Erde werden uns beobachten und darauf sehen, daß wir diese einmal geschaf fene Einheit nicht aufgeben oder versäumen, auf ihrer wunderbaren Errungenschaft eine friedliche Welt aufzubauen. Die schlechteste Lage ist in den ehedem besetzten und jetzt befreiten Ländern entstanden. Die Bevölkerung war gewohnt, den deutschen Besetzungsmächten Widerstand zu leisten, und nun ist es außerordentlich schwer, sie zu Gesetz und Ordnung zurückzuführen. Außerdem wurden die
Leute ständig aufgefordert, so wenig wie möglich zu erzeugen, um die Arbeit der Besatzung zu hemmen, und nun wird von ihnen plötzlich wieder verlangt, sich daran zu gewöhnen, mit Energie und Disziplin ihre Arbeit zu tun. Dieser übergang von einem Zustand zum anderen wird Toleranz, Geduld und Entschlossenheit verlangen. Ein anderes Problem stellt der Abtransport von Millionen Menschen dar, die als Soldaten oder Zwangsarbeiter von ihren Wohnstätten entfernt wurden. Zu diesem großen Problem kommt noch das der Kriegsgefangenen, von denen einige mit den teuflischen Ideen des Nazismus angesteckt waren und sehr störende Elemente in dem besetzten Gebiet darstellen. Ich möchte das Unterhaus bitten, Wahlen in diesen Ländern nicht so
zu beurteilen, wie sie eine allgemeine Wahl in Großbritannien beurteilen würden.
Die Faschisten und die Nazis werden von jedermann so gehaßt, daß man jetzt oft geneigt ist, diese Bezeichnungen auch auf Gruppen von Personen und Parteien anzuwenden, die weder Nazis noch Faschisten sind.
Der frühere Außenminister Anthony Eden erklärte, während der vier Jahre, während welcher sie beide dem Kriegskabinett angehörten, könne er sich an keine einzige Gelegenheit erinnern, wo er mit Bevin über irgend eine bedeutende Frage der Außenpolitik eine Differenz gehabt hätte. Er half mir in dieser kritischen Periode.
In diesen schweren Zeiten funktioniert das Parlament hauptsächlich als ein Staatsrat. Je größer das Maß der Einigkeit zu Hause, um so größer wird die Autorität Bevins im Ausland sein.
Rede des Königs von England London, 21. August. In seiner zweiten Siegesrede innerhalb von drei Monaten erklärte König Georg VI., die Zeit der Zerstörung ist vorüber — die Epoche des Wiederaufbaues beginnt. Die neue und schreckliche Kraft, die gegen Japan entfesselt wurde, macht es mehr denn je nötig, daß das größte Bündnis der Nationen foribestehe und gedeihe, damit die Völker der Welt mit Gottes Hilfe in Frieden und Freundschaft leben können, die ihnen allein Rettung zu bringen vermögen.