Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:8
- S.45
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Nummer 55 / 1. Jahrgang
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die österreichische Bevölkerung
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „T. C.“, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Tprolia, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4
Freitag, 26. Rugust 1945
Geldgeber der Nazi in Tirol
Auch in Tirol und in Vorarlberg. flogen dem Nationalsozialismus die Herzen, beziehungsweise die Spenden mancher Fabrikanten zu, zu einer Zeit schon, wo nicht einmal im Reich draußen Hitler am Ruder war. Aber das Beispiel der deutschen Schwerindustrie und der Repräsentanten anderer deutscher Industriezweige war maßgebend auch für viele österreichische Unternehmer, den Beutel zu öffnen für eine Partei, die unter der Tarnung „Arbeiterpartei“ die Geschäfte der Großverdiener und der Großgrundbesitzer vertreten wollte und sollte!
In Tirol war es die Firma Rauch in Mühlau, die besonders besorgt um das finanzielle Wohlergehen der Arbeiterpartei der Hitler, Göring und Konsorten war und der kein Geldbetrag zu hoch war, wenn es galt, den Nationalsozialismus in Tirol auf die ansangs recht schwachen Beine zu helfen. Herr Karl Rauch ging hier mit gutem Beispiele voran. In der illegalen Zeit, von 1932 bis zum März 1938, konnten die Nazi aus den Taschen des Herrn Rauch finanzielle Zuwendungen in der Höhe von nicht weniger als 32.140 Schillingen registrieren. Eine Freigebigkeit, die besonders merkwürdig oder vielleicht auch begreiflich erscheint, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Firma Rauch gegenüber ihren Arbeitern durchaus nicht durch ein besonderes finanzielles Entgegenkommen
sich auszeichnete. Aber auch die anderen Firmeninhaber und Familienmitglieder Rauch gaben ihrer Vorliebe für den nationalen Sozialismus stets tatkräftigen Ausdruck. Auch Herr Fritz Rauch unterstützte die Partei Hitlers finanziell recht ausgiebig und betätigte sich außerdem für die NSDAP durch Schmuggel und Verteilung von Nazipropagandamaterial. Desgleichen Ing. Robert Rauch, der gleichfalls größere Geldspenden in die NSDAP=Kassen ablieferte, verfolgte nationalsozialistische Unschuldsknaben vor dem Zugriff der Behörden schützte. Die Vierte im Bunde war Frau Marianne Rauch, die es sich gleichfalls unzählige Schillinge kosten ließ, um auch in Tirol den Nationalsozialismus liebevoll aufzupäppeln. Gemeinsam mit ihrem Gatten war auch sie mit Bienenfleiß
darauf bedacht, möglichst viel braunes Propagandamaterial nach Tirol hereinzuschmuggeln. Nach 1938 riß die betriebsame Tätigkeit der Firma und Familie Rauch für die
Nazi natürlich nicht ab.
Aber auch andere Firmen in Tirol unterstützten die Nazi durch Jahre hindurch recht ausgiebig und es ist ein offenes Geheimnis, daß aus eigener finanzieller Kraft die NSDAP auf keinen grünen Zweig gekommen wäre, wenn sich aus den Reihen der Tiroler und Vorarlberger Industriellen nicht immer wieder milde Spender gefunden hätten, die den Nazi hilfreich unter die Arme griffen. Noch im Jahre 1944 spendete auf dem Umwege über das Winterhilfswerk, um nur ein Beispiel anzuführen, das Technische Büro Innsbruck der Firma Siemens= und Schuckertwerke A. G. der Tiroler Nazipartei nicht weniger als 4000 Mark für eine einzige gaueigene Straßensammlung am 15. Jänner. Bei dieser Sammlung gingen auch die Spitzen der Innsbrucker Nazibonzen eine Zeitlang mit den
Bettelbüchsen herum. Um sich bei diesen damals maßgebenden Herren in ein besonders günstiges Licht zu setzen, ordnete das Technische Büro Innsbruck der Siemen=Schuckert=Werke A. G. an, daß der Bettelbüchse des Gauleiters 3000, der des Kreisleiters 400 und denen des Gauwirtschaftsberaters Dr. Bilgeri und des Generaldirektors Wurmhöringer je 300 Mark zugewiesen werden sollten. Zwei Monate vorher hatte u. a. die Firma Recheis in Hall dem Kreisleiter Dr. Primbs einen Betrag von 1000 Mark für die Parteikasse der NSDAP überweisen lassen.
Im Herbst 1944 beging der Seniorchef der Firma Hämmerle in Dornbirn seinen 90. Geburtstag. Hitler übersandte dem Jubilar und Parteigenossen Hämmerle ein höchst eigenhändiges Glückwunschschreiben, wie Hitler es nie unterließ, bei gegebenen Anlässen den Größen der Industrie seine Reverenz zu erweisen. Der „Führer“ wußte, was man den Leuten schuldig ist, deren Moneten man es zu danken hatte, daß die Partei des natio
Einzug der Militärmark im Lande Tirol
Innsbruck, 23. August.
Die in den von den französischen Truppen besetzten Gebieten in Umlauf gebrachten Militärmark sind sogleich aus dem Zahlungsverkehr zu ziehen.
Mit Beginn des 11. September 1945 verlieren die alliierten Militärmark ihre Eigenschaft als Zahlungsmittel; sie werden bis
einschließlich 10. September bei allen Kreditinstituten und Postämtern gegen gültige Zahlungsmittel umgewechselt.
Die Verwendung der alliierten Militärmark nach dem 10. September ist strengstens verboten.
Die alliierten Militärschillinge bleiben weiterhin im Zahlungsverkehr.
Die strittigen Gebietsfragen vor dem Rate der Außenminister
New York, 23. August. Außenminister Byrnes teilte mit, daß gemäß den Bestimmungen von Potsdam alle Fragen, die Gebiete wie zum Beispiel Triest, betreffen, dem Rate der Außenminister vorgelegt werden. Auch jede andere Frage, die ihm von den verschiedenen Regierungen unterbreitet wird, soll von diesem Rate behandelt werden. Das bedeutet, daß alle territorialen Fragen vor dem Rate der Außenminister behandelt werden können. Außenminister Byrnes teilte mit, daß er die Verlegung der für den 1. September vorgeschlagenen Sitzung des Rates auf den 10. September beantragt habe.
Italien und die Vereinigten Staaten
Washington, 23. August. In einer Pressekonferenz erklärte Außenminister Byrnes, daß die Vereinigten Staaten eine Revision der Waffenstillstandsbedingungen für Italien befürworten werden.
Die Südtiroler in Linz müssen sich melden
Linz, 23. August. Die im Bezirk Linz wohnhaften Südtiroler, die sich nach dem Jahre 1938 in österreich angesiedelt haben,
wurden eingeladen, sich zwecks Regelung ihres Aufenthaltes in Österreich zu melden.
Amerikas Eingreifen
auf dem Balkan
Chikago, 23. August. „Chikago Sun“ schreibt: Die amerikanische Intervention in politischen Fragen des Balkans ist eine notwendige Folge des klugen, demokratisch ausgerichteten Beginnes unserer Außenpolitik. Wir dürfengricht zögern, unseren Einfluß auszunützen, um die Erfüllung der Atlantik=Charta, soweit es menschenmöglich ist, sicherzustellen. Wir wollen und können nicht vor der politischen Verantwortung zurückschrecken, die aus der Beendigung der Schlachten entspringt.
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König Michael von Rumänien hat die USA, Großbritannien und die Sowjetunion ersucht, bei der Bildung einer Regierung, die aus Vertretern aller politischen Richtungen besteht, mitzuwirken. Die Vereinigten Staaten haben beschlossen, im Verein mit den anderen Mächten über die Leistung dieses Hilfsdienstes zu beraten.
Maßnahmen gegen die Weltkohlenkeise
Washington, 23. August. Die UNRRA will gewaltige Anstrengungen unternehmen, um die Kohlenkrise der Welt zu mildern.
Sie will im Laufe des nächsten Monats 1200 Tonnen Maschinen für den Kohlenbergbau nach Polen, Jugoslawien und der Tschechoslowakei verschicken. Solange noch der Krieg mit Japan andauerte, war es nicht möglich, dieses Maschinenmaterial zu erlangen. Diese Aktion gegen die Kohlenkrise kann als unmittelbares Ergebnis der Beendigung des Krieges mit Japan betrachtet werden.
Die Sicherung des Weltfriedens
London, 23. August. Ministerpräsident Attlee erklärte im Unterhaus zur Weltfriedensordnung, daß die Sonderstellung der Großmächte im Sicherheitsrate von den kleinen Ländern deshalb zugebilligt wurde und anerkannt worden sei, weil die Großmächte auch eine größere Verantwortung tragen. Die Satzungen des Sicherheitsrates stimmen mit der tatsächlichen Weltlage überein. Kollektivsicherheit bedeutet nicht die Zusicherung, im Notfalle zu handeln, sondern eine ständige Zusammenarbeit, um einen solchen Notfall unmöglich zu machen. Wir stehen jetzt vor dem Entweder=Oder der Weltzusammenarbeit oder der Weltvernichtung.
Präsident Truman über die Freiheit der Berichterstattung
Washington, 23. August. Präsident Truman sprach den Wunsch aus, daß alle Pressevertreter ohne Rücksicht auf Abstammung und Nationalität gleichen Zutritt zu den Nachrichten in Washington haben sollen. Er drückte ferner die Hoffnung aus, daß dies ebenso für die amerikanischen Zeitungsberichterstatter überall in der Welt zutreffen möge.
General de Gaulle in Washington
Washington, 23. August. General de Gaulle traf gestern zu den Besprechungen mit Präsident Truman hier ein. Zur überfahrt benützte er ein großes, in England erbautes Transportflugzeug. Er wurde vom Außenminister Byrnes und einer großen Anzahl von Diplomaten, Militärs und Marinebeamten empfangen. General de Gaulle schritt eine Ehrenwache französischer Soldaten ab, die in den Vereinigten Staaten ihre Ausbildung als Flieger empfangen werden. Zu Ehren General de Gaulles wurde ein offizielles Dinner gegeben.
26 Millionen Menschen von den Nazi in Deutschland ermordet
London, 23. August. Wie der Pariser Korrespondent des „News Chroniele“ mitteilt, beläuft sich die von Untersuchungsorganen der französischen Regierung ermittelte amtliche Ziffer der in ganz Deutschland begangenen Morde auf 26 Millionen Menschen. Die meisten davon wurden in Dachau getötet. Es wurden in Deutschland durchschnittlich täglich 12.000 bis 14.000 Personen hingeschlachtet. Am 10. Juli 1944, so fügte der Korrespondent hinzu, veranstalteten die Henker von Dachau ein Trinkgelage zu Ehren des 24.000. Mordes, den sie vollbracht hatten.
Wien räumt auf ...
Wien, 23. August. Ehemalige Nazis sowie alle verfügbaren Personen im Alter von 14 bis 30 Jahren werden nach einer neuen Verordnung zu Aufräumungsarbeiten herangezogen.
Rasche Wahlen in der
Tschechoslowakei
London, 23. August. Die Wahlen für die provisorische Nationalversammlung sollen so stattfinden, daß die erste Sitzung dieser Körperschaft bereits am 28. Oktober, dem Nationalfeiertag, stattfinden kann.
Die Bischofskonferenz in Fulda
Fulda, 23. August. Kardinal Faulhaber eröffnete soeben"die erste Konferenz der katholischen Bischöfe Deutschlands in der Nachkriegszeit. In einer Ansprache betonte er, daß die Rückführung zum Christentum für das deutsche Volk der sicherste Weg sei, sich vom Nationalsozialismus zu läutern.
Knappheit an Zucker
Washington, 23. August. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium stellt in einem heute herausgegebenen Bericht über die Zuckerversorgung der Welt fest, daß die Weltzuckerversorgung für 1945 die geringste seit Beginn des Krieges ist, was zum Großteil auf die heurige schlechte Ernte in Kuba und auf eine Verminderung der Weltzuckervorräte von ungefähr 214 Millionen Tonnen in den Jahren 1943 und 1944 zurückzuführen ist. Eine weitere Verminderung der Weltzuckervorräte von ungefähr 120 Millionen Tonnen während des Jahres 1945 steht in Aussicht.
Chandra Bose tödlich verunglückt
Als der Nationalsozialismus 1933 in Deutschland und 1938 auch in österreich zur Macht gelangte, lieferte er prompt den Geldgebern das erwartete Gegengeschenk: Die Rechtlosmachung der Arbeiterschaft, die
en hatte, daß die Partei des natio=Zerstörung der Gewerkschaften aller Richtun
nalen Sozialismus vor 1933 nicht elend vor gen, den radikalen Abbau der Sozialgesetz die Hunde ging!gebung! Karl Gvatter
London, 23. August. Nach einer Meldung der japanischen Nachrichtenagentur ist Chandra Bose, ein Führer indischer Oppositioneller, der es mit den Achsenmächten hielt, auf einem Fluge von Singapur nach Tokio tödlich verunglückt.
Schwierigkeiten der Kapitulation
San Franzisko, 23 August. Das japa nische Hauptquartier teilte General Mac Arthur mit, daß die Tätigkeit „irregulärer Truppenverbände und Banditen“ der Beendigung der Feindseligkeiten in China Schwierigkeiten bereitet.
Die japanischen Flottenverluste
Guam, 22. August. Von amerikanischer Seite wird erklärt, daß nur 49 von 369 japanischen Kriegsschiffen sich noch auf See be
finden und daß die meisten davon beschädigt sind. Die Japaner haben nur noch ein einziges Schlachtschiff und einen einzigen Flugzeugträger. Die 165 japanischen Zerstörer wurden auf 26 vermindert. Von 140 japanischen U=Booten sind nur noch 16 vorhanden.
Die Opfer der Atombombe
London, 23. August. Nach bisher vorliegenden Angaben wurden bei den Angriffen auf Japan mittels Atombomben 70.000 Menschen getötet und 120.000 verletzt.
Französische Truppen in Indochina
New York, 23. August (Reuter). Der französische Botschafter in Tschungking gab bekannt, daß 60.000 Mann französischer Truppen zum Einmarsch in Indochina bereitstehen.
Zwei neue Elemente entdeckt
Plutonium und Neptunium lasse sich auch die experimentelle Neutron
Durch das Atomspaltgerät „Zyklotron“ herapie des Krebses weiter ausbauen. der Universität von Kalifornien, das die spä
ter bei der Schaffung der Atombombe angewandte Erkenntnis von der Atomkraft vermittelte wurden zwei neue Elemente entdeckt, das Plutonium und Neptunium. Der bekannte Arzt Dr. John Lawrence erklärt: die Radioaktivität habe das Studium der Krankheiten auf eine neue Grundlage gestellt. Krebskrankheit, Leukämie und andere schwierige Krankheiten könnten durch Radioaktivität beeinflußt werden. Nunmehr
Aus der Vorgeschichte der Atombombe
Die britische industrielle Forschungsabteilung machte heuke folgende Enthüllung: Das seltsamste und doch wertvollste, das im Juni 1940 aus Frankreich nach England hinübergerettet wurde waren ungefähr 180 Liter „schweres Wasser“. Das war praktisch der gesamte Weltvorrat. Er wurde nach En#l#ind geschmuggelt, damit die Versuche um die Atombombe fortgesetzt werden konnten.