Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:8
- S.47
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die österreichische Bevölkerung
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „C. E.“, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Tprolia, Innsbruck, Undreas-Hofer-Str. 4
Samstag, 25. August 1945
Radio
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Fußball der Diktatoren
Wir erinnern uns noch, wie die Propagandisten des Anschlußgedankens und die ihnen nachfolgenden Trompeter des Nationalsozialismus verkündeten: „Nur ein mächtiges Deutschland kann euch Südtirol zurückgewinnen ...“ Als Hitlers Stern zu steigen begann, hatten sich Vertreter Südtirols an ihn mit der Frage gewandt, wie er es mit dieser Herzensangelegenheit aller Tiroler und österreicher halten wolle. Seine Erwiderung — in einer Besprechung von Mann zu Mann — war eine zweistundige Versammlungsrede, aus der man am Schlusse ebenso klug war wie am Beginn. Nur das konnte man aus Hitlers Außerungen entnehmen, daß er der Freundschaft mit Italien in seinen Plänen die allerhöchste Bedeutung zumesse, eine Bedeutung, die kein störendes Hindernis vertrage.
Die Umgebung Hitlers tröstete dann die enttäuschten Besucher mit den Worten: „Nur Geduld, der Führer hat für jedes Land die ihm zukommende Befreiungsstunde vorgesehen.“ Zunächst aber sah es nicht so aus. Als Hitler im Sommer 1934 nach Stra flog, um sich vor seinem großen Vorbild Mussolini zu verneigen, legte er ihm als Anerkennungsgruß die Garantie der Brennergrenze zu Füßen. Trotzdem war der Eindruck, den der Duce von dem neuen Freunde empfing, kein günstiger. „E un matto“ (er ist ein Narr), äußerte sich Mussolini zu seiner Begleitung, nachdem er den mehrstündigen Lehrvortrag Hitlers über die Weltlage angehört hatte.
Jahre 1937, als Italiens Stellung durch den überfall auf Abessinien bereits schwer erschüttert war, mußte er sich dazu herbeilassen, in Berlin die Staffage für einen Triumphzug des Führers zu bilden. Hat nun vielleicht damals Hitler für Südtirol sich eingesetzt? Jedenfalls hat das faschistische Regime ungestört von jedem Einspruch seine schroffen Entnationalisierungsmaßnahmen weitergeführt und durchzusetzen versucht.
Hitler hat sich um Erleichterungen für Südtirol überhaupt nicht gekümmert. Ihm ist die Sache der Südtiroler stets so gleichgültig gewesen, wie einem Aal ein Rosenstock gleichgültig ist. Für ihn wie für Mussolini war Südtirol nichts anderes als der Ball für ein — Freundschaftsspiel. Als der von den beiden Diktatoren vorbereitete und erwünschte Weltkrieg ausgebrochen war, legte sich Italien, seiner Tradition entsprechend, auf die Lauer, um abzuwarten, welcher Gruppe der Sieg zufallen werde. Im Augenblick hatte Mussolini stärkere Trümpfe im Spiele als der Freund in Berlin. Was geschah nun mit Sudtirol? Das, was Italien am sehnlichsten wünschte. Hitler veranstaltete die große Theatervorstellung unter dem Titel: „Abstimmung und Umsiedlung der Südtiroler.“ Welchen
Eintrittspreis die Südtiroler für dieses Schauspiel bezahlen mußten, wissen wir Preisgabe der Väterscholle, Entwurzelung und Verpflanzung in Landstriche, die ihrer Zukunft keine Aussichten boten. In der Hoffnung, Teilhaber einer raschen Siegesbeute zu werden, trat Italien in den Krieg ein. Die beiden Freunde mit der Cäsarengeste, ohne den Kopf eines Cäsars, standen nun Schulter an Schulter. Sprach da Hitler etwa auch nur ein Wort zugunsten der Südtiroler? Man hat nichts dergleichen vernommen. Die deutsche Politik behandelte Südtirol mit aller Strenge als italienisches Gebiet. Dabei flüsterte man herum: „Paßt nur auf, wenn wir gesiegt haben werden — dann holen wir uns Südtirol trotzdem!“ Und richtig! Im Jahre 1943 war es soweit. Der Duce lag als befreiter
Gefangener und Hilfeflehender zu den Füßen des „größten Feldherrn aller Zeiten“. Die deutschen Truppen hatten den größten Teil Italiens besetzt. Was aber geschah mit Südtirol? Wurde jetzt seine Loslösung von Italien vollzogen? Nein. Es blieb alles beim alten. Südtirol wurde weiterhin dem ohnmächtigen Freunde zulieb, dessen Außenminister die Lage mit den Worten schilderte: „Siamo preso alla gola“ („Die Deutschen haben uns an der Gurgel“) als italienisches Staatsgebiet behandelt. Nur darin trat eine Anderung ein, daß die deutsche Militärverwaltung die Anhänger der Nazis ermächtigte, das der Heimat treu gebliebene bodenständige Südtiroler Volk zu schikanieren
und die Gegner der Abstimmungskomödie vom Jahre 1938 in die Konzentrationslager zu schicken.
Hitler zeigte durch dieses Verhalten, daß ihm das Schicksal eines Landes und Volkes, das im Grunde seines Wesens den nationalsozialistischen Anschauungen fremd gegenüberstehen mußte, gleichgültig sei. Seine Anteilnahme galt nur jenen „Volksdeutschen“, die bereit waren, eine unbedingte Prätorianergarde der Partei zu sein.
Jedermann in Tirol wird sich noch erinnern, wie im Herbst 1944 und im Frühjahr 1945 Termine genannt wurden, an denen der Gauleiter Hofer die Vereinigung Südtirols mit Nordtirol feierlich vollziehen wird. Es blieb beim Flüstern. Die Termine wurden
ebensowenig eingehalten wie alle anderen Verheißungen, welche Hitler und seine Leute in die Welt zu setzen pflegten. So sind diejenigen, die auf den Anschlußgedanken und auf Hitler ihre Hoffnungen setzten, damit Tirol wieder vereinigt werde, von Enttäuschung zu Enttäuschung genarrt worden.
Die Absicht der großen Mächte, den Friedensvertrag, der diesem Kriege folgt, zu einem Dokument zu machen, das weit über den Augenblick hinausreicht und das vor allem auf dem Grundsatze einer neuen Friedens= und Rechtsordnung gründet, erfüllt uns mit der festen Zuversicht, daß auch unserem Lande noch einmal eine Stunde des Glückes gewährt sein mag.
Dr. Anton Klotz.
Die Arbeiten des Wiederaufbauausschusses
Innsbruck, 24. August.
Die erste vorbereitende Besprechung des Wiederaufbauausschusses am 16. August wurde von Landesrat Josef Ronczay mit einer Betrachtung der allgemeinen Lage eingeleitet. Der Leiter des Landeswirtschaftsamtes O.R.R. Dr. Meinrad Falser und Baron v. Görz gaben ein umfassendes Bild der wirtschaftlichen Situation. über die großen Bemühungen und bisherigen Erfolge der heimischen Kohlenförderung wurde berichtet. In absehbarer Zeit wird diese bereits einen größeren Teil des gesamten Bedarfes decken. Da mit ausreichender Lieferung aus dem Auslande aber nicht gerechnet werden kann, ergibt sich als eine der dringendsten Aufgaben der Ersatz von Kohle durch die heimische Elektrizität.
Wichtige Mitteilungen und interessante Ausführungen brachten Dipl.=Ing. Franz Brixa (Messerschmitt=Kematen), der Leiter des Außenhandelsamtes Ing. Teischinger und Dr. Brodowka, Landeck.
Sodann wandte sich die Besprechung organisatorischen Aufgaben zu. Es wurde vorbereitend über die Einführung von Dringlichkeitsstufen für Auf träge gesprochen und ein Exekutivausschuß bestimmt, welcher diese Frage in Kürze einer Lösung zuführen soll. Der Exekutivausschuß versammelte sich am Donnerstag, 23. August. Das Plenum des Wiederaufbauausschusses wird am Donnerstag, den 30. August, um 13.30 Uhr zur Lösung der wichtigsten organisatorischen Fragen zusammentreten.
Zusammenkunft der allierten Oberbefehlshaber in Wien
Wien, 24. August. Die militärischen Oberbefehlshaber der alliierten Besatzungstruppen in Österreich trafen heute zum erstenmal zusammen. Auf dem Schwarzenbergplatzeentwickelte sich in vollem Glanze das Schauspiel der militärischen Begrüßung.
Wien, 24. August. Die Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Österreich Marschall Koniev, General MacClark, Generalleutnant Creery und General Bethouart hielten eine Sitzung ab, bei der sie mehrere Fragen von dringender Wichtigkeit erörterten. Sie einigten sich über gewisse Maßnahmen, die mit sofortiger Wirkung in Kraft treten werden. Die Versorgung der Stadt Wien wird ab 1. September so geschehen, daß jede der vier Besatzungsmächte entsprechend den Bevölkerungszahlen
ihrer Zone zur Versorgung Wiens beitragen wird. Auch die Frage der Abschaffung der ökonomischen und anderer zwischen den vier Besatzungsmächten in Österreich bestehenden Sperren wurde in Erwägung gezogen.
Denkmal der Roten Armee in Wien
Wien, 24. August. In einer Feierlichkeit, der mehrere tausend alliierte Soldaten und gegen 10.000 Wiener beiwohnten, wurde auf dem Schwarzenbergplatz ein Denkmal zu Ehren der im Kampfe um Wien gefallenen Mannschaften und Offiziere der Roten Armee enthüllt. Das Denkmal stellt die Bronzefigur eines russischen Soldaten auf einer Saule aus Stein und Marmor dar. Der Sockel trägt den Namen der gefallenen Russen.
Die Kapitulation Fapans und der Frachtenraum
Washington, 24. August. Das amerikanische Kriegsministerium gibt bekannt, daß als Folge der Kapitulation Japans mehr als 225.000 Karnistertonnen Ladung an Bord von Kriegsfrachtern sowie mehr als 110.000 Tonnen Eisenbahnfracht zurückgeschickt wurden.
Die Bombenschäden in Japan
Die japanische Nachrichtenagentur meldet, daß durch Luftangriffe in Japan 260.000 Personen getötet, davon 90.000 durch die zwei Atombomben, 412.000 Personen verletzt wurden, davon 180.000 durch die Atombomben. Die Zahl der Ausgebombten beträgt 9,2 Millionen. Zweieinviertel Millio
nen Häuser wurden zerstört. 44 japanische Städte sind vollständig und 37, darunter auch Tokio, zu einem Drittel zerstört.
Die geschwächten Ölreserven Amerikas
Washington, 24. August. Der Innenminister erklarte, daß die Vereinigten Staaten während des Krieges ihre Ölreserven ziemlich erschöpft hätten. Schätzungen zeigen, daß die gegenwärtigen ölreserven der USA. nur mehr für rund vierzehn Jahre reichen werden.
Geburtenüberschuß in den Vereinigten Staaten
Washington, 24. August. Das Büro für Volkszählung teilt mit, daß die Bevölkerung der Vereinigten Staaten in den letzten fünf Jahren auf ungefähr 139,682.000,
also mehr als 8 Millionen angewachsen ist. Diese Erhöhung beträgt fast das Doppelte der vorhergehenden zehn Jahre, In einem Zeitraum von dreieinhalb Jahren gab es 10,569.000 Geburten. Das ist mehr als das Doppelte der 5,137.000 Todesfälle, wobei die im Kriege Gefallenen nicht mitgerechnet sind.
Petition des Südtiroler Klerus
an die Alliierten
Innsbruck, 24. August. (LHK.)
In Innsbruck ist eine für die alliierten Regierungen bestimmte Petition des Bischofs von Brixen und sämtlicher Südtiroler Seelsorger eingelangt, in der sie feierlich den einheitlichen Wunsch der Südtiroler deutschsprachigen und ladinischen Bevölkerung nach Rückkehr Südtirols zu österreich kundtun.
General de Gaulle in Washington
Washington, 24. August. Präsident Truman erklarte auf einer Pressekonferenz, daß die Besprechungen zwischen de Gaulle und ihm in bestem Einvernehmen geführt wurden. General de Gaulle besprach sich mit einer Reihe von führenden Persönlichkeiten Amerikas.
Die Besprechungen des amerikanischen mit dem französischen Außenminister machten ausgezeichnete Fortschritte. General de Gaulle wird sich am Sonntag nach New York begeben und am Grabe des verstorbenen Präsidenten Roosevelt einen Kranz niederlegen. Ebenso ist ein Besuch der Militärakademie in den Vereinigten Staaten vorgesehen.
Der Landeshauptmann
von Oberösterreich verhaftet
Linz, 24. August. Der Landeshauptmann von Oberösterreich Dr. Adolf Eigel wurde durch die amerikanische Militärregierung für Oberösterreich verhaftet und ins Gefängnis überführt. Die Verhaftung erfolgte auf Anordnung höherer Befehlsstellen der amerikanischen Streitkräfte. Sie geschah in Durchführung der Ausschaltung aller des Nationalsozialismus oder dessen Begünstigung verdächtiger Personen aus den maßgebenden Stellen des öffentlichen Lebens.
Die Galspacher Kuranstalt
Linz, 23. August. Wie berichtet wird, beginnt sich der von Zeileis in Galspach begründete Kurbetrieb zu heben.
Der Wiederaufbau des Kölner Domes
Köln, 23. August. Der Erzbischof von Köln wendet sich an die öffentlichkeit um Unterstützung eines Planes, wonach der Kölner Dom bis zu der im Jahre 1948 stattfindenden Siebenjahrhundertfeier der Grundsteinlegung wieder aufgebaut werden soll. Das Gebäude ist teilweise zerstört. Es müssen allein 10.000 Quadratmeter Glas ersetzt werden.
Eine Roosevelt=Gedächtnismarke
New York, 22. August. Die erste Roosevelt=Gedachtnismarke zu 2 Cent wird am Freitag im Sterbehaus des Präsidenten verkauft werden. Die rechteckige rote Briefmarke zeigt eine Abbildung des kleinen weißen Hauses, das der Sommersitz des Präsidenten war.
Der Beschluß der ARRRA über Österreich
London, 24. August. Der offizielle Text des von der UNRRA=Konferenz gefaßten Beschlusses über die Hilfe für österreich lautet:
„Nachdem die Moskauer Erklärung die Absicht zum Ausdruck brachte, österreich als freies und unabhängiges Land wieder herzustellen, und nachdem es im Sinne dieser Absicht erwünscht ist, daß österreich baldmöglichst der Hilfe durch die U N RRA teilhaftig werde, wird beschlossen: Nichts in diesem oder irgend einem zu fassenden Beschluß des Rates soll die UNRRA hindern, in Österreich als befreitem Gebiet auf Einladung der für die Verwaltungskontrolle in diesem Gebiet zuständigen Behörden Hilfs= und Wiederaufbauarbeit zu leisten.“
Eine Erklärung des Generaldirektors der URRRA
London, 24. August. Der Generaldirektor der UNRRA Herbert Lehmann er
klärte, um Mißverständnissen vorzubeugen: „Es ist ganz klar, daß längere Zeit vergehen muß, bevor UNRRA in Österreich mit der Arbeit beginnen kann. Vorräte müssen geschaffen werden, eine Organisation muß errichtet werden. Man muß es allen klar machen, daß die UNRRA, um ihre neuen Aufgaben durchführen zu können, Geld, Vorräte und Personal braucht. Mit der nötigen Unterstützung werden wir alles tun, um die Hilfe für Italien und österreich zu beschleunigen.“
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Die Tätigkeit des Roten Kreuzes Zürich, 24. August. Die Zentralstelle für Kriegsgefangene des Internationalen Roten Kreuzes hat seit Beginn der Feindseligkeiten bis Ende Juni 1944 auf mehr als 150.000 Nachforschungsgesuche geantwortet. Die Abteilung für Hilfsaktionen hat während dieses Krieges über 32 Millionen kleinere und größere Pakete und Kisten an Kriegsgefangene befördert. Diese Sendungen stellen ein Gewicht von annähernd 395.000 Tonnen dar.