Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:8
- S.55
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Erscheint in der Woche sechsmal. — Nur im Einzelverkauf erhältlich. — Vererst keine Postzustellung. — Inseratenannahme: Innsbruck,
r 58 / 1. Jahrgang
Einzelprets 15 Pfg.
die österreichische Bevölkerung
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „E. E.“, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Sprolia, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4
Mittwoch, 29. Kugust 19
Eswürde keinem Tiroler einfallen .“
Am 21. Mai 1939 fuhr der italienische Außenminister Graf Ciano, der später von Mussolini zum Tode verurteilte Schwiegersohn des Duce, nach Berlin, um dort seine Unterschrift unter den Bündnis= und Militärpakt zwischen Deutschland und Italien zu setzen. Bei der Durchfahrt durch Tirol gab es die bei solchen Anlässen zwischen den deutsch=italienischen Partnern üblichen Freundschaftsbeteuerungen. Gauleiter Hofer hielt eine Ansprache an den italienischen Außenminister, in der es hieß, daß sich mit dem gesamten deutschen Volk auch die Tiroler über alle Maßen freuten, den Vertreter des Duce in Tirol begrüßen zu dürfen. Und in dem Bericht der „Innsbrucker Nachrichten“ über den Empfang in Tirol konnte nan lesen, daß die Bevölkerung Graf Ciano mit stürmischem
Jubel und begeisterten Heilufen begrüßt habe.
Es ist nun nicht uninteressant, festzustellen, wie die Nazi solche Begeisterungsausn. Der Innsbrucker Kreis
durch Tirol nach Deutschland zur menkunft mit Hitler, Chamberlain und Daladier fuhr. Rudolf Heß und der Prinz von Hessen nahmen Mussolini am Brenner in Empfang, in Innsbruck wurde der Duce von Gauleiter Hofer begrüßt, und in Kufstein von Hitler selbst. Soweit also hätte der italienische Regierungschef mit Tirol zufrieden sein können. Nur ein Mißton störte die Empfangsfeierlichkeiten auf Tiroler Boden: die begeisterten Volksmassen fehlten zur Gänze! Mussolini, bekanntlich die liebe Eitelkeit selbst, war darüber stark verschnupft und hielt mit seinem Arger über die mangelnde Begeisterung der Tiroler auch nicht zurück, wie aus einer schriftlichen Rüge des Gauleiters Hofer an den damaligen Innsbrucker Kreisleiter Hanak hervorgeht. Das Schreiben Hofers an Hanak,
datiert mit 1. Oktober 1938, lautet:
„Ich stelle fest, daß der Mussoliniempfang im Kreise Innsbruck nicht nur stark hinter allen anderen Kreisen zurückblieb, sondern derart kläglich war, daß sogar Mussolini die
Frage an mich richtete, wieviel Einwohner Innsbruck eigentlich habe. ... Da die Durchführung auch in Hall (im übrigen der schlechteste Ort auf der ganzen Fahrtstrecke des Gaues) direkt katastrophal war — etwa 12 Leute auf dem Bahnsteig —, muß ich annehmen, daß die Organisation des Kreises Innsbruck in keiner Form ihren Aufgaben gerecht geworden ist. Das Gaupropagandaamt wird unter einem beauftragt, die Fehler festzustellen und für die Zukunft abzustellen.“
In seiner Rückantwort an den Gauleiter schob der Innsbrucker Kreisleiter alle Schuld an dem kläglichen Verlauf der Empfangsfeierlichkeiten für Mussolini auf das Gaupropagandaamt, und dieses wieder beschuldigte die Kreisleitung, daß diese alles unterlassen habe, was notwendig gewesen wäre, um den Duce durch begeisterte Tiroler begrüßen zu können. Nur die Hauptsache blieb in allen diesen parteiamtlichen Schreiben unerwähnt: daß die Tiroler nur dann Mussolini begrüßten, wenn sie dazu gepreßt wurden!!! Karl Gvatter.
brüche organisierten propagandaleiter Schmolzer plauderte darüber einiges aus der Schule, indem er an einen Freund in Deutschland schrieb: „Freitag, 19. Mai, wurde ich zum Gaupropagandaleiter gerufen. Dort erfuhr ich zusammen mit allen Formationsleitern die Anordnungen für die Durchfahrt des italienischen Außenministers Graf Ciano, welche vom Ministerium des Außeren ergingen. Der Befehl lautete, daß an sämtlichen Bahnhöfen der Durchfahrtsstrecke im Kreise Innsbruck vom ersten Wechsel bis zum letzten in Abständen von 2 Meter Fackelträger stehen mußten. Diese Spaliere mußten von Formationen mit politischen Leitern gebildet werden. Große Gruppen von Frauenschaft und BdM, sowie die Bevölkerung mußten Spalier stehen. Weiters mußten am
Hauptbahnhof Ehrenstürme stehen. Die Strecke entlang des Bahnviaduktes hatte die Bevölkerung Aufstellung zu nehmen.“
Der Innsbrucker Kreispropagandaleiter, der also in der Hauptsache diese von oben herab kommandierte Begeisterungskundgebungen zu arrangieren hatte, fährt in seinem Bericht an den Freund in Deutschland, einen bekannten Reichsredner, fort:
„Sie können versichert sein, daß mir die Art, in welcher Graf Ciano anläßlich seiner Durchreise in Innsbruck durch Kommandierung von Volk und Partei geehrt wurde, nicht zusagte. Sie wurde jedoch vom Reichsaußenminister angeordnet, da dieser alles Interesse daran hat, daß sein hoher Gast aus dem Freundesstaat gleich an der Grenze unseres Reiches in größter Aufmachung empfangen wird. Dies wär aber bei der bekannten Einstellung der Tiroler im Hinblick auf die Südtiroler Frage nicht gut möglich anders durch zuführen. Es würde keinem Tiroler einfallen, von selbst zu einem solchen Empfang zu gehen!“ Darum mußten die Tiroler eben gezwungen werden, wie sie zu vielem gezwungen worden sind, in jener nun endlich zu Ende gegangenen Periode systematischer
Vergewaltigung, die eingeleitet wurde dadurch, daß man von „der endlichen Befreiung österreichs“ sprach!
Da es nach dem Urteile des ehemaligen Tiroler Kreispropagandaleiters der NSDAP, also eines in diesem Falle gewiß unverdächtigen Zeugen, keinen Tiroler auch nur eingefallen wäre, von selbst zu einer Kundgebung zu gehen, in der die italienischen Freunde Hitlers gefeiert werden sollten, so war es weiter nicht verwunderlich, wenn auch bei anderen Begeisterungsbeteuerungsveranstaltungen für die Machthaber jenseits des Brenners in Tirol die Begeisterten wegblieben, wenn es nur irgendwie ging. Und wir sind überzeugt davon, daß der Gauleiter von Tirol und Vorarlberg deswegen manche Nase einstecken mußte, die ihm aus Berlin deswegen zugeschickt wurde. Es mag ja auch ärgerlich genug für dem „Führer“ gewesen sein, wenn er zwischen zwei Bruderküssen mit
dem Duce von diesem selbst erfahren haben wird, daß der Empfang Mussolinis in Tirol durch die Tiroler Bevölkerung aber auch alles eher denn begeistert war, die pflichtgemäß in spontanen Jubel auszubrechenhabenden Volksmassen nirgends zu sehen waren!
Diese betrübliche Tatsache mußte Mussolini selbst konstatieren, als am 28. September 1938 der Duce, von Rom kommend,
„Ein Erbe, wie es kein Tiroler Landtag hatte“
Die erste Sitzung der provisorischen Tiroler Landesversammlung
Innsbruck, 28. August.
In der Innsbrucker Hofburg wurde heute vormittags in Anwesenheit des Landeshauptmannes Dr. Gruber unter Vorsitz des Abgeordneten Otto Steinegger (5. V.) die erste Sitzung der provisorischen Landesversammlung eröffnet.
Zu Beginn der Sitzung der Landesversammlung teilte der Vorsitzende Steinegger mit, daß die Tiroler Volkspartei der Österreichischen Volkspartei als Landesgrüppe beigetreten sei.
Als Präsident der provisorischen Landesversammlung wurde einstimmig Abg. Doktor Platzgummer gewählt.
Dr. Platzgummer übernahm nunmehr den Vorsitz und gelobte der Landesversammlung eine unparteiische Geschäftsführung. In einer längeren Rede verwies er auf die hohe Bedeutung des Tiroler Landtages, der ein Markstein der Demokratie in der Geschichte Europas ist. Seine Anfänge reichen in eine Zeit zurück, wo selbst in den Musterländern der Demokratie, England und Schweiz, die demokratischen Einrichtungen noch in den Kinderschuhen staken. Der Bauernstand hatte im Tiroler Landtag Sitz und Stimme, als der Bauer anderswo noch leibeigen war. Noch vor 60 und 80 Jahren haben, die anderen österreichischen Kronländer um die Rechte gestritten, die der Tiroler Landtag hatte.
Der Tiroler Landtag geht auf Jahrhunderte zurück und hatte seine Blüte und seine Verfallszeiten. Die letzte Verfallszeit liegt knapp hinter uns, ich meine das Jahrfünft vor 1938, also die Zeit des autoritären Kurses in Österreich. Man mag über diese Zeit
denken wie man will, Tatsache ist, daß der autoritäre Kurs keineswegs eine österreichische Erfindung war, sondern daß er infolge der durch den Faschismus welscher und deutscher Prägung herbeigeführten Verhältnisse österreich abgezwungen wurde.
Es mag sein, daß dieser Kurs manchen Herren in den Ministerien und anderswo gelegen gekommen ist. Der Kampf mit den geistigen Waffen hört sich auf, wenn die Gegenseite, wie es die Nazi taten, die Politik mit Handgranaten, Pöllern und Feuerwaffen führten. Selbst die freie Schweiz war damals gezwungen, die gewiß undemokratischen Anhaltelager einzuführen. Trotz
dem hat auch der autoritäre Tiroler Landtag diese Ausschaltung der Demokratie gerügt und seine Widerhaarigkeit hat in Wien oftmals verärgert. Der demokratische Geist war stärker als die Weisungen der autoritären Wiener Regierung.
Die tirolische Volksvertretung hat sehr wechselvolle Zeiten hinter sich, aber es hat keine Tagung gegeben, die in einem gleich traurigen Zeichen stand, wie die heutige. Die Verbrechergemeinschaft, die uns in dieses Unglück gestürzt hat, hinterließ ein Erbe, wie es kein Tiroler Landtag hatte: Die Wohnstätten zerstört, unser Rechtswesen chaotisch, die Not im reinsten Sinne des Wortes vor der Türe. Solche Zeiten sind nicht Zeiten, in denen man Politik als Politik und um der Politik willen treiben kann. Bevor wir nicht so weit sind, daß das Volk leben kann, müssen wir alles Trennende beiseitelassen. Wir haben Einigendes genug. Unsere Aufgabe ist es, unserem leidgequälten, vom gottverfluchten Nazitum niedergerissenen Volk über den kommenden drohenden Winter
hinwegzuhelfen.
Die Rede wurde mit Beifall ohne Debatte ausgenommen.
Als zweiter Vorsitzender wurde Johann Astl (Soz.) und als Schriftführer Abg. Riedl (Kom.) und Abg. Moser (Freiheitsbewegung) gewählt.
Sodann beschloß die Landesversammlung die Einsetzung folgender Ausschüsse:
Rechtsausschuß, Land= und Forstwirtschaftsausschuß, Schulausschuß, Ausschuß für soziale Verwaltung, Ausschuß für das Bauwesen und Wiederaufbau, Finanzausschuß, Verkehrsausschuß, Ernährungsausschuß, Gemeindeausschuß und Gewerbeausschuß. Ihre Einsetzung und ihre Beschickung gemäß dem Parteienverhältnis der Landesversammlung wurde in einstimmigen Beschlüssen gebilligt.
Repatrüerung österreichischer Kriegsgefangener
Delogierung von Nazis in Wien
Im Zusammenhang mit dem Plan für die Repatriierung von Österreichern, die sich in Kriegsgefangenenlagern in der russischen Zone Österreichs befinden, teilt Radio Wien mit, daß eine österreichische Kommission, begleitet von russischen Offizieren, jetzt aus Wien abreist. Diese Kommission besteht aus Arzten, die die Kriegsgefangenen auf ansteckende Krankheiten untersuchen werden, und aus Polizeivertretern, die die politische Tätigkeit der Gefangenen prüfen werden. Die Kommission wird Lager bei Brünn, Preßburg, zwei Lager bei Ödenburg und andere Lager aufsuchen. Mitglieder der NSDAP., SS. und SA. sowie SD. werden nicht freigelassen. Nach Rückkehr dieser Kommission nach Wien werden die Ergebnisse dieser Kommission geprüft und dann kann die
Repatriierung beginnen.
Die „napoleonische Grenze“
In Zuschriften, die wir während der letzten Tage empfangen haben, wurden wir wiederholt ersucht, mitzuteilen, aus welchen Beweggründen die seinerzeitige sogenannte napoleonische Teilung Tirols entstanden sei. Durch diese im Jahre 1810 vollzogene Teilung wurde das Gebiet südlich von Klausen dem Königreich Italien angegliedert, während der Teil nördlich von Klausen bei Bayern verblieb, dem durch den Friedensschluß von 1805 ganz Tirol zuerkannt worden war.
Bekanntlich führte die Herrschaft der Bayern zum Volksaufstand des Jahres 1809. Die bayrische Regierung unter Führung des Grafen Montgelas wollte Tirol, wie man sich modern ausdrückt, gleichschalten. Es wurden nicht nur die Sonderrechte des Landes aufgehoben. Selbst, die Eigentümlichkeiten der Volkskultur sollten durch Verordnungen beseitigt werden. Ganz so wie die Nazis unterdrückten sie die traditionellen Außerungen des religiösen Lebens. Die bayrischen Behörden behandelten das Tiroler Volk so ähnlich wie es die soeben verflossenen Gauund Kreisleiter nur noch in etwas schärferer Tonart taten. Sie hoben erdrückende Steuern ein und betrieben umfassende Rekrutierungen. Da gütliche Vorstellungen nichts nutzten, wußte sich das Volk nicht anders zu
helfen als durch die bewaffnete Erhebung. In wenigen Tagen wurde das bayrische Militär, das unter General Wredes Führung sich nicht sehr ritterlich benahm, wie u. a. die Einäscherung von Schwaz bezeugt, aus dem Lande getrieben. Die bayrischen Truppen waren so geschlagen, daß Bayern keine Aussicht hatte, aus eigener Kraft das Land wieder zu gewinnen. Die bayrische Regierung wendete sich also an Napoleon um Hilfe und dieser gewährte sie, da sein eigenes Prestige mitbetroffen war. Daß der Aufstand der Tiroler gegen die Bayern zu einer Auseinandersetzung mit den Franzosen führte, war die Folge der damaligen Verflechtung zwischen der Politik Bayerns und Frankreichs. Napoleon rüffelte die bayrischen Minister in heftiger Weise wegen der Torheiten, durch
die sie den Aufstand hervorgerufen hatten. Außerdem bestrafte er, nachdem die militärische Aktion beendet war, die Bayern dadurch, daß er sie nicht im Besitze von ganz Tirol beließ, sondern einen Teil des Landes dem von seinem Stiefsohn Eugen Beauharnais regierten Königreich Italien zuwies. Diese Grenzziehung richtete sich weder nach nationalen, noch nach geographischen Gesichtspunkten. Es war eine jener Grenzziehungen, die von der Geschichte wohl erwähnt werden, die aber im Leben der Völker keine weiteren Spuren hinterlassen.
Der Korrespondent der „New York Herald Tribune“ berichtet aus Wien, daß die Nazis gezwungen werden, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen, damit die aus den Konzentrationslagern zurückkehrenden Opfer des Naziregimes und andere Opfer der Hitlerbarbarei Unterkunft finden. Die Nazis werden zugunsten von Österreichern delogiert, die Antinazis waren und die durch die Beschießung von Wien oder andere Ereignisse ihre Wohnungen verloren haben, Den Nazis werden zwei bis drei Tage bewilligt, um ihre übersiedlung vollziehen zu können.
Raubgut aus der Universität Smolensk in Salzburg
Salzburg, 28. August. Die Militärregierung hat die wissenschaftlichen und literarischen Schätze, die von den Nazis aus der Universität Smolensk entfernt und in Salzburg aufbewahrt wurden, zur übergabe an die russische Regierung bereitgestellt.
De Gaulle Ehrenbürger von New
New York, 28. August. General de Gaulle wurde bei seinem Einzug in New York von mehr als zwei Millionen Menschen begeistert empfangen. Er legte eine Autofahrt von mehr als 80 Kilometer durch die von einer laut jubelnden Menge eingesäumten Straßen der Stadt zurück und fuhr unter einem Wirbel von geworfenen Papierschnitzeln den berühmten unteren Broadway hinauf, um sich zu den Feierlichkeiten in das Rathaus zu begeben. Dort überreichte ihm der Bürgermeister Fiorello La Guardia die Ehrenbürgerurkunde. Sie spricht die Anerkennung aus für den unerschütterlichen Glauben General de Gaulles an die Demokratie und feiert ihn als den unentwegten Bürger der Republik Frankreich. General de Gaulle erwiderte, die Vereinigten Staaten und Frankreich werden
zum Wohle der gesamten Menschheit eng zusammenarbeiten. General de Gaulle überreichte dem Bürgermeister und dem Vorsitzenden des Stadtrates von New York das Band der Ehrenlegion.