Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:9

- S.7

Suchen und Blättern in knapp 900 Ausgaben und 25.000 Seiten.





vorhergehende ||| nächste Seite im Heft

Zur letzten Suche
Dieser Monat – 1945_09_TT
Ausgaben dieses Jahres – 1945
Gesamter Text dieser Seite:
er 1945
37
Uhr)
kauft)
en AutoInhafte JoJahre alt. 2i Kindern acht.
en Monats Reutte der in 50jähriist 81 Jahre Dr Franzis
TreDeD
Herausgegeben von den französische
Erscheint in der Woche sechsmal. — Nut im Einzelverkauf erhältlich. — Dorerst keine Postzustellung. — Inseratenannahme: Innsbruck, Andr.-Hofer-Str. 4 400
Einzlpcels 13 Pig.
die österreichische Bevölkerung
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „L. E.“, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Trrolia, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4
Dienstag, k. September 1965
S U DTIROL
Uo die Berge blitzen und die Firnen glänzen in dem purpurroten Sonnenblut, udvo Felsenspitzen aus den Blumenkränzen hochsich türmen wie in Zorneswut,
roder Dolomiten hohe Himmelszinnen ob der Fesseln glühn in tiefer Scham,
vom Tälermitten hundert Bäche rinnen, deren Wasser rauschen Weh und Gram,
wolim fernen Süden auf den Alpenhängen tusend Brüder fielen in dem Streit,
und die Sturmesmüden nun in Felsenengen schlafen als die Wächter bess’rer Zeit:
Ist ein Volk zu sehen, das in Not und Trauer um verlor’nes Land, den Bruder, weint, das in Schmach und Wehen und in Schmerzes Schauer grimmig harrt, bis Nord und Süd vereint.
Hart an des Brenners Scheide recken wir die Hände, wir, die Jugend, auf zum Himmelspol: „Herrgort, sich die Eide, mach der. Schmach ein Ende. schaffe neu dein treues Land Tirol!“,
Otto Steinegger.
mintkummmuntummmmmmmummmmmmmmmmmmummmntmummmmmmmmmmentgumnminn
ater
: Photo &
ickert
orsBhundgebung iül Sdatirer
Heute um 17 Uhr am Rennweg
ks sprechen: Landeshauptmann Dr. Gruber, Dr. Reut-Nicolussi, Dr. Dlatzäummer, Dr. Kunst, Landesraf Ronczag.
wirtschaftliche Verflechtungen den Charakter einer idealen Einheit gegeben haben. Wir drücken diesen Willen aus, weil er keine Rechte und keine Interessen verletzt, die begründeter wären als die unsern. Wir tragen dieses Anliegen den Mächten vor, weil wir glauben, daß sie uns hören werden, wenn wir beitragen wollen, um der edlen Sache eines dauerhaften Friedens zu dienen.
Die Südtiroler Frage hat nichts mit jenen Prinzipien zu schaffen, die nicht selten ersonnen und aufgestellt werden, um der Erreichung eines Vorteils Vorschub zu leisten. Für ihre Lösung im Sinne unserer Hoffnungen steht das Recht und die Erwägungen der Billigkeit, Österreich war seit dem 1918 ein neuralgischer Punkt Europas. Will man, daß es die Aufgaben, die ihm durch seine geographische Lage gewiesen sind, zum allgemeinen Wohle erfullt, so muß man seine Unabhängigkeit dadurch festigen, daß man den westlichen Teil seines Staatsgebietes durch die Zuerkennung des natürlichen Besitzstandes, der ihm gebührt, kräftigt. Dadurch wird Österreich eine genügende Standfestigkeit gewinnen, um die Wöhlfahrt seiner Bewohner zu fördern. Der Mangel an Gleichgewicht
wie die Unterernährung des Staatsgefühles werden behoben sein, wenn Tirol, das Kernland des westlichen Österreich. seine Stellung als Bastion des österreichischen Patriotismus wieder zurückerhält. Die Wiedervereinigung Tirols wird daher vom gesamten österreichischen Volke mit den heißesten Wünschen ersehnt. Tirol darf sich in dieser Frage aks der berufene Dolmetsch Österreichs betrachten. Wir glauben aber auch, daß alle Menschen, die in diesen Tagen dem Beginne eines Zeitalters echter Freiheit zujubeln, in der Entwicklung der Südtiroler Frage eine jener Gelegenheiten erkennen, an denen die Fortschritte in der Anerkennung des gesunden Volkswillens als bewegende Kraft der öffentlichen Verhältnisse und internationalen Regelungen, sich bewähren können.
Dr. Anton Klotz.
der Tag für
Die Londoner Botschafterkonferenz, welche in den nächsten Tagen zusammentritt, um der Landkarte Europas eine neue Gestalt zu geben, wird eine Anzahl von Denkschriften vorfinden, in denen die Gründe zusammengefaßt sind, mit denen vom Standpunkte Tirols aus, der in diesem Falle das Anliegen des gesamten österreichischen Volkes ist, die Viedervereinigung von Nord= und Südtirol vertreten wird. Diese Gründe sind uns allen
geläufig. Der Arbeiter in den Betrieben wie er auf dem höchsten Berghof weiß sie, ohne daß er besonders schwer nachdenken muß, aufzuzählen. Sie sind den Südtirolern in der gleichen Weise vertraut wie den fordtirolern. Sie haben im Laufe der 27 jahre während der Trennung der beiden kandesteile an überzeugungskraft nichts verloren. Ihr Gewicht ist sogar größer geworden, weil die internationale Bedeutung der Südtiroler Frage durch den Zustand der zerreißung Tirols zu einem Tatbestand wurde, der eine Vernachlässigung nicht gestattet.
Die Aufrichtung der Brennergrenze war im kontinentalen Europa eine der sichtbarsten Ausdrucksformen für eine Aera des Imperialismus. Die furchtbaren Ereignisse des abgelaufenen Jahrzehnts haben diesen grausamen, menschenfeindlichen Irrtum gerichtet. Was bleibt nach dieser Katastrophe anderes übrig als die Zusammenarbeit, die Harmonie der Völker= und Staatengemeinschaften mit allem guten Willen und aller ernsten Kraft anzustreben? In einem Augenblick, da uns die so ermunternde Botschaft des Weltsicherheitsvertrages beglückt, ist die Brennergrenze zu einem Anachronismus geworden. Die Sicherung des Friedens vor Störungen verlangt ihre Beseitigung. Wir begehren nicht fremden Besitz. Wir wollen nichts anderes als unser Land, dem geschichtliche
Verbundenheit, tief verwurzelte Kulturtraditionen und aus dem Boden wie den Bedürfnissen der Bewohner entspringende
Stimmen der Diktatoren
In seinem „Kampf“ bezeichnet Hitler auf Seite 707 die Südtiroler Frage als ein „besonderes Steckenpferd der Juden“. Er entrüstet sich über die Bewegung, die zugunsten Südtirols entstanden ist, und schreibt dann wörtlich: „Weiß der Teufel, es sollte mich freuen, wenn einmal
über den Häuptern einer derartigen „flammenden“ Protestkundgebung plötzlich ein paar Schrapnells auseinandergingen.
Ich glaube, wenn ein Fuchs in einen Hühnerstall einträte, könnte das Gegacker kaum ärger sein und das „In=Sicherheit=Bringen des einzelnen Federviehs nicht beschleunigter erfolgen als das Ausreißen einer solchen prachtvollen Protestvereinigung.“
Mussolini: *
Mussolini schrieb am 18. April 1921 im „Popolo d"Italia“: „Wir haben Bomben und Petroleum genug, um jedes Stück von Südtirol in eine Wüste zu verwandeln, eher als daß wir es zuließen, diese Eroberung aufzugeben.“
Msgr. Prof. Dr. Kolb spricht im Radio
In der heutigen Mittagssendung im Radio Innsbruck spricht Msgr. Prof. Dr. Franz Kolb über Südtirol. Noch ist in aller Erinnerung die große Rede, die er im Jahre 1929 im Österreichischen Nationalrat über dieses Thema gehalten hat, eine Rede, die in der ganzen Weltpresse ein lebhaftes Echo fand und die nicht wenig dazu beitrug, die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise auf die Südtiroler Frage hinzulenken.
bei General
Erklärungen über aktuelle Fragen
Am Samstag, 1. September, empfing General Bethouart, der Oberkommandierende der französischen Streitkräfte in Österreich, in seinem Hauptquartier in Innsbruck eine Anzahl von hohen österreichischen Persönlichkeiten der Regierungs= und Verwaltungskreise in Audienz. Es waren erschienen der Landeshauptmann von Tirol Dr. Gruber, der Landeshauptmann von Vorarlberg, Ilg, Dr. Weißgatterer, Landeshauptmannstellvertreter von Tirol. Dr. Melzer, Bürgermeister von Innsbruck. der Präsident der Arbeiterkammer, Hüttenberger,
der Präsident der Landesbauernkammer, Muigg, der Polizeichef von Vorarlberg Mayer, der Leiter des öffentlichen Unterrichtswesens von Vorarlberg, Leising. Als Dolmetscher waren die Herren Graf Giovanelli und Platzer erschienen.
Loyalität und Zusammenarbeit Diese Persönlichkeiten, welche die Länder Tirol und Vorarlberg vertreten, versicherten dem General Bethouart ihre Loyalität ebenso wie die der von ihnen vertretenen Bevölkerung. Sie sprachen den Wunsch aus iach gemeinsamer Zusammenarheit im Verein mit den französischen Behörden, um alle noch vorhandenen Keime des
Nationalsozialismus auszutilgen und die Freiheit Österreichs wiederherzustellen.
Die Versorgung mit Mehl, Kartoffeln und Kohle
Die Versammlung, die vom ersten Augenblick an im Zeichen freimütiger Herzlichkeit stand, gestattete einen ausgiebigen Meinungsaustausch über die vordringlichsten Fragen, welche die Aufmerksamkeit der französischen und österreichischen Behörden gemeinsam beschäftigen. General Bethouart sowie Generalgonverneur Exz. Boizard nahmen die Gelegenheit wahr, um ihre Gäste mit den Maßnahmen vertraut zu machen, die soeben seitens Frankreichs ergriffen worden esind, um die Versorgung der beiden Länder mit Mehl, Kartoffeln und Kohle sicherzustellen. Die von den Spitzen der französischen Behörden abgegebene Erklärung über diese wichtigen Gebiete und besonders wichtig an der Schwelle des Winters, wurde von den österreichischen Persönlichkeiten mit
lebhaftester Genugtuung aufgenommen.
Erklärungen des Generals Bethouart
General Bethouart hatte am Beginn der Sitzung die Ansprachen der Herren Dr. Gruber und Ilg angehört und beantwortete sie folgend:
„Meine Herren! Der Dank, den Sie aussprechen, beweist, daß Sie den Sinn unserer Aktion verstanden haben: Wiederherstellung der Wohlfahrt Ihrer Länder im Rahmen eines unabhängigen Österreichs, das vom Einfluß der Nazi befreit ist. Wir sind hierher gekommen, nachdem wir jene militärische Macht, die Sie bedrückt hat, vernichteten, um Ihnen zu helfen, die verlorene Freiheit wiederzugewinnen.
Ich weiß sehr wohl, wie schwierig dieses Unternehmen ist und wie sehr es den guten Willen von uns und von Ihnen fordert, denn unsere Besetzung scheint Ihnen lästig. Jede Besetzung ist lästig.
Warnung vor gefährlichen Amtrieben
Ich ersuche Sie jedoch, alle Anstrengungen zu machen, um die Notwendigkeit der Stunde selbst zu erfassen und sie Ihren Leuten verständlich zu machen.
Man sucht in gewissen Kreisen eine widerspenstige Empfindlichkeit wachzurufen, die in keiner Weise gerechtfertigt ist, wenn man das gegenwärtige Regime mit dem vergleicht, dem es nachfolgt.
Ich bitte Sie, alle Mittel anzuwenden, um diesem Treiben Einhalt zu tun. Da wir den ernsten Wunsch haben, Ihnen zu helfen, Ihr Land wieder aufzurichten, nachdem wir Sie von der Tyrannei befreit haben, obwohl wir das Recht hätten, Sie als Feinde zu behandem, so haben wir um so mehr ein unbe
dingtes Recht darauf, daß man uns versteht. Ich komme aus dem Jura, wo ich mit meinen eigenen Augen die Trümmer und die Trauer gesehen habe, die in diesem Teile Frankreichs von der Besetzung durch österreichische Truppen, wohlgemerkt durch Österreicher, herrühren! Wenn die Haltung der Bevölkerung von Tirol und Vorarlberg mir nicht einen Beweis des guten Willens und der Disziplin gibt, werde ich nicht zögern, zur allgemeinen Kenntnis zu bringen, welches Verfahren diese österreicher in Frankreich angewendet haben, und ich werde ihre Namen nennen.
Jeder wird dann den Unterschied unserer Haltung erkennen.
Wenn ich Ihnen diese Mahnung erteile, bevor wir uns über die wesentlichen Fragen unterhalten, die mich derzeit beschäftigen, so geschieht es in der Hoffnung, daß dies genügt, um Sie von der Notwendigkeit eines Schrittes zu überzeugen, den ich für sehr dringend halte. Dann können wir eine gemeinsame Aktion unternehmen, um das großzügige Programm zu verwirklichen, das wir in Verbindung mit unseren Alliierten angenommen haben.
Aufrichtung der Einheit Österreichs
Wir wissen, daß die Trennung österreichs in vier Zonen eine gewisse Schwierigkeit darstellt, um ein ausgeglichenes politisches und wirtschaftliches System aufzurichten das die unbedingt erforderliche Einheit des Lebens in österreich gestatten würde.