Tiroler Tageszeitung 1945

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1945 (sittwoch, 5. Sepkember 1943
Tiroler Tageszeikung
Nr. 64 Seite 3
n Regierung anzuvertrauen. Dabei wird en selbstverständlicher Achtung ihrer kultuallen Eigenart und sogar von Autonomie abrochen. Wir dürfen am guten Willen der cnatsmänner nicht zweifeln, von denen sache Versicherungen stammen, aber für uns twler sind sie von geringem Wert. Zu groß die Enttäuschungen, die wir seit dem 1918 erleben mußten, nachdem Nitti, stolitti, Orlando usw. uns die gleichen Verzechungen mit genau den gleichen Worten macht hatten wie heute. Der Leidensweg ktirols war mit schönen Versprechungen sflastert.
sicht nur unsere ladinischen Brü##r und alle anderen Südtiroler, sonim auch alle österreicher werden der Meinung sein, daß nicht italieni Zusicherungen in der Zeit der Krise, dern einzig und allein eine reinliche erhin: hheidung der Staatsgebiete am Süd
Echin kun. nd Tirols zwischen uns und Italien ein listen, Tu= dies Verhältnis bearünden wird. Jawohl,
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u Merhältnis begründen wird. Jawohl, a die Parole „Südtirol zu Österreich“ wird meundschaft zwischen uns und unserem dichen Nachbarn stiften. Wir und die Itawollen und sollen dann all das Böse tggessen, das uns entzweit hat, und in die sentäler wird eine solide Ordnung einschen. Aber Italien möge darauf verzich über Tiroler zu herrschen. Selbst wenn
es den Schlern mit Gold überziehen wollte, so könnten wir unserem Tirolertum, der Tiroler Landeseinheit als politischem Ziel nie entsagen.
Und jetzt in der Entscheidungsstunde vereinigen wir unsere ganze Willenskraft auf dieses Programm des Friedens in den Alpen.
Wir rufen alle Freunde Tirols in der Welt. Es sind nicht wenige und sie werden uns helfen.
Die Herzen hoch, Tiroler, österreicher!
Der rote Adler soll den Kranz behalten.
Die österreichische Staatsbürgerschaft für die Südtiroler
Wien, 4. September. Der Kabinettsrat der provisorischen Regierung hat beschlossen, den Südtirolern, die seit 1919 nach österreich ausgewandert sind und die diesen neuen Wohnsitz vis 27. April 1945 beibehalten und die deutsche Staatsbürgerschaft erworben haben, auf ihr Ansuchen so zu behandeln, als ob sie am 13. März 1938 die österreichische Bundesbürgerschaft besessen hätten. Ausgenommen sind Personen, die sich in nationalsozialistischen Führerstellungen betätigt hahaben.
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Die Atomenergie als Wärmequelle
lew York, 4. September. Zwei Sachnständige der General Electrie Company sären, daß die Atomenergie höchstwahr
orden wird. Die Möglichkeit, die Atom
e unmittelbar in die elektrische Enerverwandeln, liegt nach ihrer Meinung fig noch in weiter Ferne. Der Erfolg stombombe hat gezeigt, daß die Atomiin ungeheurem Ausmaß freigemacht n kann. Damit aber diese Energieform haftlich nutzbar gemacht werden kann, sie so beherrscht und gelenkt werden stömen, daß sie für die Erzeugung von knergie verwendbar ist.
Rudolf Heß wird nach Nürnberg gebracht
London, 4. September. Rudolf Heß vird heute nach Nürnberg gebracht, wo seiin Aburteilung als Kriegsverbrecher in Ausiht steht.
#ierungsumbildung in Lichtenstein
kaduz, 4. September. Die VolksvertreFernannte nach dem Rücktritt des Kabiites Josef Hoeb den Konservativen Alelunder Frick zum Regierungschef des Füriums Lichtenstein. Wie der neue Regieugschef erklärte, bildet ein erweitertes Sofisierungsprogramm die Hauptfrage der zuen Verwaltung.
Die Sterblichkeit in Berlin
Vie aus britischen Kreisen in Berlin mitsteilt wird, sterben jetzt in Berlin täglich snfmal so viel Menschen wie vor dem niege. Der britische Sektor von Berlin umist eine Bevölkerung von rund 546.000 ##enschen. Hievon sind in der Zeit vom 2. Juli bis 12. August 2700 Personen gekoben. Das entspricht einer jährlichen kierblichkeit von 61 pro Tausend. Vor dem trieg betrug die jährliche Sterblichkeit in
Berlin nur 13,3 pro Tausend. Diesen 2700 Sterbefällen innerhalb eines Monats standen in der gleichen Zeit nur 609 Geburten gegenüber. Das heißt auf jede Geburt kommen vier Todesfälle. Diese Sterblichkeitsziffer ist um so überraschender, als die Seuchenbekämpfung gute Fortschritte macht.
Erfindung eines neuen Zahnbohrers
Die Zeitschrift der amerikanischen Zahnärzte veröffentlicht Mitteilungen über die Erfindung eines neuen Zahnbohrers, der schmerzlos, ohne Geräusch und ohne Hitzeentwicklung arbeitet.
Niemöller — Leiter der protestantischen Kirche
London, 4. September. Der bekannte Pastor Niemöller sowie die protestantischen Bischöfe von Worms und Berlin wurden zu Leitern der protestantischen Kirche in Deutschland ernannt.
Glasfenster des Straßburger Münsters aufgefunden
London, 4. September. Die bemalten Glasfenster des Straßburger Münsters wurden in einem über 300 Meter tiefen Salzbergwerk in Heilbronn am Neckar aufgefunden. Sie werden in kürzester Zeit an Frankreich zurückgegeben werden.
Der Mikado betet vor den Ahnenschreinen
dl= ogkrdrttmw chö,Aeeeintieeidtn NJ NIP Nachrichtenagentur meldet, daß der Kaisek und die Kaiserin an drei Ahnenschreinen ihre Gebete verrichten werden, um ihren Ahnen persönlich das Ende des Krieges mitzuteilen.
us Stadr und Land
Jaques Fevrier spielte in Alpbach
Alpbach, 3. September.
Samstag fand in Alpbach, wo das internationale College im vollen Gange ist, ein heiterer Nachmittag statt. Bei strahlendem Wetter trafen drei Lastautos mit französischen Gästen ein. Auf einer Wiese wurden französische, schweizerische und österreichische Volkslieder in bunter Reihe gesungen. Die Urwüchsigkeit und lebhafte Mimik der Sänger überbrückte die Sprachunterschiede. Ein Auto fuhr vor, dem der berühmte französische Violinist Calvet und der ebenso bekannte Pianist Jaques Fevrier entstiegen. Fevrier erklärte sich sofort bereit, einiges zum Besten zu geben. Er spielte Werke von Debussy und Schubert und bekräftigte mit seiner Musik die enge Verbindung zwischen Frankreich und österreich.
Die Kirchenverwaltung Mariastein teilt mit, daß das Patroziniumsfest „Maria Geburt“ wie vor dem Kriege üblich wieder am 8. September (Samstag) in feierlicher Weise abgehalten wird.
Die Tiroler Franziskanerprovinz
Von den derzeit 244 Ordensmitgliedern der Tiroler Franziskanerprovinz waren über 100 — Patres, Kleriker, Laienbrüder und Kandidaten — zum Wehrdienst eingerückt; 24 sind gefallen, 12 gelten als vermißt. Drei Ordenspriester waren in Konzentrationslagern. Ein Laienbruder starb in Dachau als Opfer seiner überzeugung.
Das Wirken der Tiroler Franziskanerprovinz ist sehr vielseitig. Jetzt leiten wieder Franziskaner das Städtische Gymnasium in Hall und stellen auch, mit ganz wenigen Ausnahmen, die Lehrkräfte. Viele Ordensmitglieder sind als Aushilfsseelsorger tätig, ebenso stellen sie sich als Volksmissionäre zur Verfügung. In Bolivien in Südamerika wird ein eigenes Missionsgebiet von ihnen betreut. Wenigen unserer Landsleute wird bekannt sein, daß dieses Missionsgebiet von einem Tiroler geleitet wird. Es ist dies der hochw. Missionsbischof Pater Tarsizius Senner aus Musau bei Reutte.
Macht Gebrauch vom Fahrkartenvorverkauf im Tiroler Landesreisebüro!
Bund der Opfer nationalsozialistischer Unterdrückung in Tirol
Im Zuge der Vorbereitungen für die Grundungsversammlung finden in der nächsten Zeit Gruppenbesprechungen statt, zu welchen jene Mitglieder, die noch nicht im Besitze einer vorbehaltlichen Bescheinigung sind, gesondert mittels Postkarte eingeladen werden. Diese Bescheinigungen, bzw. Einladungskarten berechtigen zur Teilnahme an den Besprechungen.
Tag, Ort und Stunde der Besprechungen werden rechtzeitig bekanntgegeben.
Gegenstand der Besprechungen sind der Wahlvorgang für die Wahl des Vorstandes (Obmann, Obmannstellvertreter, drei Gruppenvertrauensmänner und drei Ersatzmänner), die Regelung und Festlegung der Gruppeneinteilung und schwebende Tagesfragen.
Als erste Besprechung findet die der Gruppe I (Geschädigte mit ausgestandener K.=Z.= Haft) statt.
Zur Vermeidung von Irrtümern über vermeintliche falsche Reihung wird bekanntgegeben, daß die vorläufige Gruppeneinteilung keineswegs bindend ist und einstweilen nur jene ehemaligen politischen Häftlinge in die Gruppe I eingereiht werden, die in Lagern mit der offiziellen Bezeichnung „Konzentrationslager“ interniert waren, denen auch
die typischen Merkmale solcher Lager anhafteten, wie z. B.: Verwaltung und Bewachung durch aktive SS der Totenkopfverbände, einheitliche Häftlingsbekleidung mit roten „Winkeln“ und Häftlingsnummern, Häftlingshaarschnitt, Einfriedung der Lager mit elektrisch geladenem Stacheldrahtzaun, Anordnung von Wachtürmen mit Maschinengewehren, später auch Flammenwerfern und Panzerfäusten, unbestimmte und unausgesprochene Haftdauer und vollkommene Entrechtung der Häftlinge.
Die Festlegung der K.=Z.=Lager bleibt diesbezüglichen Beschlüssen vorbehalten.
Es wird neuerdings darauf hingewiesen, daß in der Vorbereitungsphase des Vereinsauf= und ausbaues bis zur Gründungsversammlung persönliche Vorsprachen bei den Mitgliedern des Gründungsausschusses möglichst einzuschränken sind und die vorgesehenen Sprechstunden eingehalten werden wollen.
Auch wird gebeten, dringende Angelegenheiten schriftlich zu überreichen, um ihre Erledigung zu vereinfachen und zu beschleunigen.
Der Obmann des Gründungsausschusses:
Alfons Marincovich.
Die Stubaier Eisenindustrie
Ein Hausschlosser und ein Elektriker werden sofort ausgenommen. Vorzustellen: Verlagsanstalt Tyrolia A. G., Innsbruck, AndreasHofer=Straße 2—4, Druckereileitung.
Die Schäden des nun beendeten Krieges sind auch in Fulpmes sehr spürbar. Nicht nur daß ein großer Teil der Facharbeiter gefallen oder vermißt ist und viele noch nicht zurückgekehrt sind, auch der Mangel an Rohstoffen — insbesondere an Kohle und Koks — macht sich unangenehm bemerkbar. Die Vorräte an Eisen und Stahl reichen nur mehr kurze Zeit. Trotzdem bemüht man sich, den gegebenen Verhältnissen Rechnung tragend, für den Wiederaufbau unseres Landes notwendige
Iustellen zum Geköpftwerden
Auf meinem Leidensweg von Gefängnis zu Geingnis landete ich im März 1944 im Gefängnis tadelheim=München. Das Gefängnis ung wenn man dieses Wort hier anwenden will, mals durchschnittlich 6000 Gefangene, Männer in Frauen, wobei anzunehmen ist, daß davon 80 Prozent politische Häftlinge waren. Darunr viele aus Tirol. Der Volksgerichtshof tagte
ir Südtirolet hnals in München selbst, und Todesurteile er
Einzug hier ssolgten am laufenden Band. Außerdem langjähie Zuchthausstrafen für jung und alt. Es würde in weit führen, die Hinrichtungen im Stadelheiiner Gefängnis zu schildern. Ich möchte vielmehr
sch und Eisack
e##langen auch sner Gefängnis zu schild
remidherrschaft stut einige Ergänzungen zu dem an dieser Stelle rieben worden ser einiger Zeit erschienenen Artikel über das # #undert seeiche traurige Thema bringen und einiges sagen die Lehrer inn zuer das Schicksal der Stadelheimer Todeskandi
die von
grufung
uuf
natrechtes
zum Tode Verurteilten wurden — drei bis secs Personen zusammen — in eine Zelle gegeben, da man sie, um einen Selbstmord des einsielnen zu verhüten, nie allein lassen wollte. Sie mußten umgebracht werden und durften sich selbst das Leben nehmen! Aus dem gleichen jötunde mußten die zum Sterben Verurteilten abends die ganze Wäsche und Kleidung vor De Zellentüre legen. Sonst bestand ja die Gekehren omäter aß sich einer aus Wäsche oder Kleidern
unsere Strick drehte ... Die armen Opfer hitlend Breiten,##schr Barbarei mußten so wochen= oder gar morer Jugend be inatelang auf die Vollstreckung des Urteiles war
0 heißersehnte sien. Ursprünglich waren 99 Tage vom Augenblick
ir####sfällung bis zur Urteilsvollstreckung ed den Südt gesgesetzt. Später war es ganz unbestimmt, wie
nach eine sange einer noch leben durfte. Diese Ungewißheit
fllen zu mur etwas Furchtbares! Bis zum letzten Tage den der italien stußten die Verurteilten in ihrer Todeskammer
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her uns die zagste Zelenlire ingen Son kehren öu #ter #t, daß sich einer aus
arbeiten, und man muß die erschreckten Blicke und die Todesangst gesehen haben, so oft die Türe der Zelle geöffnet wurde. Man mußte bei einem solchen Anblick immer an ein scheues, todwundes Reh denken ... Eine meiner Zellenkolleginnen mußte die Strickarbeiten für die Wehrmacht täglich in den Zellen aufteilen und die Arbeit abends einsammeln. Sie mußte aber das Amt nach einiger Zeit niederlegen, weil sie die Todesangst der Verurteilten und die Szenen, die sich in den Zellen der Todgeweihten abspielten, nicht mehr mitansehen konnte!
Die Unglücklichen, deren letzte Stunden geschlagen hatten, wurden im Jahre 1944 immer um 5 Uhr morgens aus den Zellen in das Köpfhäusl geholt und ab 5 Uhr abends hingerichtet. Von 5 Uhr morgens bis 5 Uhr abends, also volle zwölf Stunden, konnten sie am Zeiger der Uhr, an jedem Glockenschlag verfolgen, wie der letzte Tag ihres Lebens ablief, ihr Leben auszulöschen begann! Leser, kannst du dir vorstellen, was das bedeutete, wie der Verurteilte an seinem letzten Tag tausend Tode der Angst und der Verzweiflung starb, bevor der Henker selbst von ihm Besitz ergriff??? Die Henkersknechte schreckten nicht davor zurück, junge, bildhübsche Mädchen und Frauen, Greise und Greisinnen hinzurichten. Alte Männer und Frauen wurden genau so gemordet wie die
Jugend. Erkrankte ein zum Tode Verurteilter, so wurde er ärztlich behandelt und sorgsam gesundgepflegt, damit er ja nicht voreilig dem Fallbeil entging! Die plötzliche Abänderung einer Zuchthausstrafe in ein Todesurteil war ab 1944 keine Seltenheit mehr und schwebte als Damoklesschwert über den politischen Gefangenen.
Ich hatte einmal Gelegenheit, einen Blick zu werfen in das in Stadelheim aufliegende Totenbuch. Ich war mehr als entsetzt, als ich daraus
ersah, wie die Menschen am laufenden Band hingemordet wurden. Stand doch da Seite um Seite zu lesen: „... gestorben 5 Uhr 5 Minuten, gestor
ben 5 Uhr 10 Minuten, gestorben 5 Uhr 20 Minuten" ... und so fort! Eine lange, lange Reihe! Gestorben? Nein, hingemordet wegen nichts, wegen Kleinigkeiten!
Eine Woche vor Pfingsten hatten die zwei Köpftage nicht genügt, und so wurde in der Pfingstwoche ein dritter Köpftag eingelegt, an den drei Abenden 56 Menschen geköpft, knapp vor Pfingsten, dem fröhlichen Fest ...
Wer in den letzten Monaten 1944 vom Aufsichtspersonal ausersehen war, die armen Opfer nazistischer Unmenschlichkeit zum Tode zu holen, das entzieht sich meiner Kenntnis. Bis Pfingsten war es Wachtmeister Binder, dem diese Aufgabe bei den Männern oblag. Zu seiner Ehre sei gesagt, daß ihm dieses Amt sehr schwer fiel, daß er selbst ganz verstört dabei war, an solchen Tagen kaum essen und trinken wollte. Zum Unterschied von der Aufseherin der zum Tode verurteilten Frauen, Frau Hauptwachtmeister Kel ler, die sich ihrer unmenschlichen Aufgabe, fast hätte ich gesagt, mit Vergnügen unterzog!
Ich selbst hätte nach meiner Verurteilung zu jahrelanger Freiheitsstrafe im Gefängnis in Stadelheim bleiben können, zog es aber vor, in ein Zuchthaus zu kommen. Schlechter konnte es dort auch nicht sein! Ich mußte ja in Stadelheim von 5 Uhr früh bis 10 Uhr nachts, also 17 Stunden, schwer arbeiten, und dazu noch der immerwährende Gedanke: „Jetzt werden wieder so und so viele im Köpfhäusl sein und auf ihre letzte Stunde warten müssen!“ Ich hatte nur noch den einen Wunsch: Fort aus diesem Hause des Grauens, der Unmenschlichkeit und der Barbarei, nur fort aus der Todesstation Stadelheim!!!
Adele Obermeier.
Werkzeuge herzustellen. In der Hauptsache sind dies Werkzeuge für Maurer, Zimmerleute, Tischler und andere Gewerbe sowie für Holzfäller und Landwirte. Sobald Rohstoffe in genügender Menge zur Verfügung stehen, wird das frühere, den österreichischen Verhältnissen angepaßte Erzeugungsprogramm wieder aufgenommen. Obwohl der Bedarf an Haushaltungsartikeln ebenfalls sehr groß wäre, müssen gegenwärtig in erster Linie die vorhin erwähnten Werkzeuge vorgezogen werden.
Dem Mangel an Kohle und Koks sucht man durch Aufstellen von elektrischen Härteund Schmiedeöfen in den Schmiedebetrieben entgegenzuwirken. Auch hier sind Schwierigkeiten vorhanden, die gegenwärtig nicht leicht überwunden werden können. Die für die hohe Temperatur dieser Öfen notwendigen Silitstäbe werden nicht erzeugt und damit ist auch dieser Plan unter den obwaltenden Umständen nicht durchführbar. Doch ist die heimische Elektroindustrie bereits dabei, auch hier Abhilfe zu schaffen.
über dreißig selbständige Schmiedewerkstätten arbeiten in normalen Zeiten an der Herstellung der Eisen= und Stahlwaren. Die hiezu benötigte Kraft liefert außer der Elektroenergie der Schlikkerbach. Mit Recht wird er als der „Brotvater von Fulpmes“ bezeichnet. Gegenwärtig ist ein Teil der Facharbeiter wegen des Fehlens der Rohstoffe in der Landwirtschaft tätig.
Die Rohstoffquellen waren seit jeher die Montangesellschaft und die Eisenhütten in Kindberg und Donawitz, ebenso andere österreichische Stahlwerke, deren Eisenhütten und Walzwerke sämtliche in Steiermark liegen. Wenn Österreich wieder ein einheitliches Wirtschaftsgebiet darstellt, wird auch die Stubaier Kleineisenindustrie der Rohstoffsorgen mit Ausnahme von Kohle und Koks enthoben sein.
Von größter Bedeutung ist in theoretischer und praktischer Hinsicht die Fachschule für Eisenund Stahlbearbeitung. Es ist für das industrielle Leben Tirols wichtig, daß dieser Fachschule in Zukunft von den maßgebenden Stellen so wie in früheren Zeiten das notwendige Augenmerk zugewendet wird. So kann die berühmte Stubaier Kleineisenindustrie im wirtschaftlichen Leben unseres engen Heimatlandes und Österreich wieder jene Rolle spielen, die sie sich im Verlaufe von Jahrhunderten erobert hat.