Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:9
- S.25
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Mittwoch, 12. September 1
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Humbug als Wissenschaft
Ver in den Jahren 1938 bis 1945 einen vorlesungskatalog der Innsbrucker Universtät zur Hand nahm, mochte wohl glauben, ine Faschingszeitung vor sich zu haben, der ine großärtige Verhöhnung des Wissenstaftsbetriebes geglückt ist. Verschwunden waren die Fächer, die man sonst im zivilisierten Europa als die Leitsterne solider Biluung betrachtet hatte. Dafür waren bisher oollig unbekannte „Wissenschaften“ auf den chrenplatz vorgerückt. Es gab jetzt Vorkungen über — Wehrpsychologie, Wehrvissenschaft, Erblehre, Rassenhygiene, Rasinkunde, deutsche Wesensgeschichte, Biosojologische Grundlagen der deutschen Volksnwicklung, Rassenbiologie usw. Goethe sit diese Zukunft erschaut, wenn er den chüler im „Faust“ das Wort sprechen läßt: Nir wird von allem dem so
dumm, als lang mir ein Mühlrad im Kopfe herum.“ Ss war ein Bild für Götter, den getragenen Ernst und die feierliche Würde zu sehen, nit der sich die berufenen Kultdiener der Bissenschaft“ um diese Opferaltäre des älihendsten Unsinns versammelten. Den schorgesang leitete — die Wissenden waren darob nicht verwundert — Herr Dr. Harald Eteinacker, der die Kunst seines blendenden Vortrages von jeher in der Akrobatik der Geschichtsfälschungen wohl geübt hatte. „der Führer“, so sagte er in seiner Rektoratsrede 1939 zu Hitlers Geburtstag, „hat das höchste Merkmal jener menschlichen Größe, die einem das Reden über ihn schwer nacht. Der Führer gehört nicht nur uns,
sondem der Welt, ihm gehört nicht nur die Gegenwart, sondern auch die Zukunft.“ In einen Aulavortrag im Jahre 1940 erklärte n der Historiker setzt „das Bekenntnis an stelle der Erkenntnisse“ Das war derselbe Steinacker, der in früheren Jahrzehn
I# für die „voraussetzungslose Wissenkaft“ und für die „akademische Freiheit“ knpfte und der im Jahre 1939 sich voller Konne zum Diktator der „Alpenuniversial ernennen ließ! Der Leiter des Institute für Völkerkunde, Dr. Adolf Helbok, den die österreichische Regierung im Jahre 134 wegen seiner illegalen Tätigkeit von der Lehrkanzel für Geschichte enthoben hatte, kehrte von Leipzig, wo er in seiner Ansittsvorlesung sämtliche Schmeicheleien auf biller, die ihm gerade eingefallen waren, im Besten gegeben hatte, zurück, um seine hörer mit dem Thema „Blut und Rasse“ einzuschwefeln. Wo die „Geschichte“ solche beschichten machte, durfte wohl auch die Philosophie“ sich der Vernunft entledigen. co „rettete“ Dr. Walter Schulze=Sölde, der Philosophie und Pädagogik“
dozierte, die Philosophie, indem er ihr eine Aschenbrödelrolle in der „nationalsozialistischen Weltanschauung“ einräumte. Dafür wurde sein such in die „nationalsozialistische Biblio
graphie“ eingereiht. Auch die klassische vogie brachte ihre bescheidene Opfergabe dar, Herr Dr. Albin Lesky erstattete als Prorektor am 11. Dezember 1943 einen bericht über die „Alpenuniversität“, in dem er hervorhob, „daß im Interesse des Gesamtvolkes Sicherungsmaßnahmen zur Entimung Ungeeigneter getroffen werden müssa. Juristen wie Dr. Hämmerle, Medizuer von der Art des Mordprofessors Doktor Parade — die Namensnennung ist durchaus nicht erschöpfend —, bemühten sich die Inmsbrucker Universität zur „Hochpolitischen Anstalt“ — des Nazismus zu gestalten. Freilich kann man auch die Frage stellen, ob die Innsbrucker Hochschule in früheren Zeiten eine andere Haltung gezeigt hatte? Hier dürfen wir den Gauleiter Hofer als Kronzeugen anführen, der am
22. März 1941 erklärte, die Innsbrucker Universität sei von der Systemregierung besonders stark vernachlässigt worden, weil sie „als Kernpunkt des nationalen Widerstandes gegolten habe“. Also nicht Pflege der Wissenschaft — sondern Kernpunkt des nationalen Widerstandes! Vielleicht widmen jene Stellen, denen die Säuberung der Universität obliegt, diesem interessanten Geständnis die ihm gebührende Beachtung. Hier geht es um eine gründliche Operation, die unverzüglich vorgenommen werden muß. Hier braucht es chirurgen, welche die Erbkrankheit des akademischen Kliquenwesens gründlich ausbrennen! Dieses Kliquenunwesen, das nichts anderes ist als eine fortdauernde Verschwörung gegen die Pflege einer wirklichen Wissenschaft!
Bolschaft des Aulierten=Kales an das ostekkeichische Von
Den Verträgen gemäß, die zwischen der des deutschen Militarismus müssen ausge
merzt werden, um jeden, einem neuerlichen deutschen Angriff günstigen Faktor endgültig zu Boden zu schlagen.
Dies zu verwirklichen ist das Ziel, welchem die Alliierte Kommission für österreich entgegenstrebt.
Die Frage einer Zentralregierung
Mit Bezugnahme auf die Berliner Erklärung betreffend Österreich sind die vier Mitglieder des Alliierten Rates übereingekommen, das Problem zu untersuchen und ihren Regierungen Vorschläge zu unterbreiten.
Mitarbeit des ganzen Volkes
Immerhin können Bemühungen, die einzig und allein von außen kommen, die Unabhängigkeit Österreichs nicht wieder herstellen. Ein freies, unabhängiges und demokratisches Österreich kann nur dann erstehen, wenn das ganze österreichische Volk an sei
nem Aufbau mitarbeitet. Der Alliierte Rat stellt mit Genugtuung fest, daß österreich auf dem Wege der Demokratisierung des Landes Fortschritte gemacht hat; er erläßt einen Aufruf an alle Österreicher, um sie zu ehrlicher und aufopfernder Erfüllung ihrer Aufgabe, dem demokratischen, neuerstehenden österreichischen Staate gegenüber zu mahnen.
Der Alliierte Rat ruft alle Österreicher auf, ihre nationale Pflicht mit äußerster Selbstverleugnung und Redlichkeit dem jungen demokratischen österreichischen Staat gegenüber zu erfüllen.
Diese Arbeit zur Wiederherstellung eines freien Österreich wird durch alle Ssterreicher unermüdlich geleistet werden müssen, damit das österreichische Volk wieder im Kreise der demokratischen Völker ausgenommen werden kann.
Wien, den 11. September 1945.
Der Alliierte Rat.
Wichtige Beschlüsse des Alliierten Rates
provisorischen französischen Regierung und den Regierungen der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten Amerikas und des Vereinigten Königreiches England, betreffend die Besatzungszonen, und die Ausübung der alliierten Kontrolle in Österreich getroffen worden sind, haben die Oberbefehlshaber der Französischen Republik, der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten Amerikas und des Vereinigten Königreiches England, welche in Österreich in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Alliierten Rates zusammentraten, heute, den 11. September 1945, die oberste Regierungsgewalt in Österreich übernommen. In Ausübung dessen, was oben gesagt wurde, übt jeder Oberbefehlshaber die gesamte Macht in der von den Truppen seines Staates besetzten Zone aus.
Der Alliierte Rat bewegt sich im Rahmen der Moskauer Erklärungen, in welchen die alliierten Regierungen ihrem Wunsche Ausdruck geben, ein freies, unabhängiges und demokratisches Österreich wiedererstehen zu lassen.
Infolge des Sieges der alliierten Mächte übt Deutschland keine politische Gewalt mehr aus. Österreich ist von der hitlerischen Un
terdrückung befreit. Der Alliierte Rat betrachtet es als seine nächste Aufgabe, eine haltbare, sowohl politisch als auch wirtschaft
lich und kulturelle Basis für die Wiedergeburt eines wirklich demokratischen, freien und unabhängigen Österreich und für die Sicherung eines dauerhaften Friedens zu schaffen.
Vorbedingung der Wahlen
Das wichtigste Ziel ist, das Land zu einigen, seine Finanzen wiederherzustellen und den Folgen des Krieges und der hitlerischen Mißwirtschaft zu begegnen. Gleichzeitig handelt es sich darum, den deutschen Einfluß in Österreich auszurotten. Das Gesetz wird die vollkommene Rassengleichheit und religiöse Freiheit gewährleisten. Die alliierte Behörde gewährleistet weiterhin die freie Ausdrucksweise der politischen Meinungen der verschiedenen demokratischen Parteien mittels Presse und Radio, ferner das Recht, Versammlungen abzuhalten, welche für die Vorbereitung freier Wahlen unerläßlich sind.
Diese Wahlen werden, sobald die notwendigen Vorbedingungen dafür gegeben sind, stattfinden. Die Aufgabe, einen unabhängigen österreichischen Staat wiederherzustellen, ist ohne einen tatkräftigen, methodischen und radikalen Kampf gegen die überreste des Faschismus und gegen seine Vertreter im politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Leben des Landes undurchführbar. Die überreste des nationalsozialistischen, pangermanistischen Einflusses sowie aller Äußerungen Muntuintunnnennumnnimmmmmmnnmnmnmnnmmnemmnmmnmnenmmnmmnmmmnnmngnmmmnmtnennmmnnmnmnnenunnmnnmrunremennmnennnnnmiregtunnneungenemntnmnmnntnn
an der Wiener Universität Georg Lange, der beschuldigt wird, vier Tage vor dem Einmarsch der Russen die wertvolle Einrichtung des Laboratoriums zerstört zu haben. Lange erschoß zwei Assistenten, die ihn in seinem Vorhaben hindern wollten.
Selbstmordversuch Tojos
New York, 11. September. Der ehemalige japanische Ministerpräsident Tojo hat in dem Augenblick, da ihn amerikanische Offiziere als Kriegsverbrecher verhaften wollten, durch einen Revolverschuß Selbstmord versucht.
Eine neue Atombombe
London, 11. September. Britische Forscher erklären, man habe bereits eine neue Atombombe entdeckt, die, auf der Grundlage des Plutoniums hergestellt, hundertmal die Wirkung der auf der Grundlage von Uran hergestellten Bombe übertreffe.
Wien, 11. September.
Die Zusammenkunft des Alliierten Rates für Österreich fand am 11. September 1945 in Wien statt. Anwesend waren in ihrer Eigenschaft als militärische Kommissare und Oberbefehlshaber der Alliierten Besatzungstruppen in Österreich: Feldmarschall der Sowjetunion Iwan Koniew, General des französischen Armeekorps Bethouart, Generalleutnant Sir Richard MeCreery (England), General MacClark für die USA. Auf Ansuchen seiner Kollegen übernahm Marschall Koniew den Vorsitz. Die beigeordneten militärischen Kommissare und die politischen Berater haben an dieser Zusammenkunft teilgenommen. Es wurde beschlossen, daß der Vorsitz des Alliierten Rates für Österreich ab 15. September der Reihe nach jeden Monat einer anderen alliierten Macht übergeben wird,
und zwar der alphabetischen Reihenfolge nach: Amerika, England, Frankreich, Rußland. General MacClark wird den Vorsitz am 15. September für die Dauer eines Monats übernehmen. Die Zusammenkünfte des Alliierten Rates werden am 10., 20. und 30. jeden Monats stattfinden oder an einem beliebigen Datum, wenn eines der Mitglieder darnach verlangt. Der Alliierte Rat hat offiziell ein Exekutivkomitee, welches aus den vier beigeordneten militärischen Kommissaren besteht, eingeführt. Für die Stadt Wien ist außerdem eine interalliierte Kommandantur errichtet worden, welche aus dem sowjetischen, französischen, englischen und amerikanischen Kommandanten zusammengesetzt ist. In Anbetracht der dringenden Notwendigkeit, Österreichs Wirtschaft
zu vereinheitlichen, hat der Alliierte Rat beschlossen, in nächster Zukunft die prinzipielle Erlaubnis zum freien Verkehr aller Vertreter der österreichischen Firmen, Unternehmungen und Organisationen zu gestatten. Der Alliierte Rat hat dem Exekutivkomitee den Auftrag gegeben, ihm Vorschläge für die schnelle Durchführung dieser verschiedenen Maßnahmen zu unterbreiten.
Nach einer genauen Untersuchung der Probleme der politischen Parteien in Österreich hat der Alliierte Rat beschlossen, die drei demokratischen, antinazistischen Parteien: Sozialistische, kommunistische und Volkspartei zu ermächtigen, ihre Tätigkeit auf dem ganzen Gebiete Österreichs fortzusetzen.
Der Alliierte Rat hat die Inkraftsetzung einer Erhöhung der Lebensmittelrationen ab 23. Sentember für die Wiener Bevölkerung gutgeheißen.
Die vier Mitglieder des Alliierten Rates haben ihre Stabschefs beauftragt, eine Anzahl von dringenden Fragen zu untersuchen, deren Lösung besondere Aufmerksamkeit verdient, und ihre aus diesem Studium hervorgehenden Schlußfolgerungen dem Rate bei der nächsten Sitzung vorzulegen.
Die Mitglieder des Alliierten Rates haben eine Kundmachung an das österreichische Volk unterzeichnet, in der die offizielle Einsetzung der Alliierten Kommission für Österreich angekündigt wird und in der erklärt wird, daß der Alliierte Rat ab 11. September die oberste Gewalt in Österreich ausübt und dies in allen Fragen, die das Land in seiner Gesamtheit betreffen.
und Schnellzugsverkehr in Österreich
London, 11. Sept. In Wien fand eine Besprechung statt, an der die leitenden Beamten der Bundesbahndirektionen von Linz, Innsbruck und Villach teilnahmen. Als Ergebnis der Besprechung hofft man, daß der Arlberg=Expreß, der bisher auf der Linie Paris—Innsbruck in Betrieb steht, bis nach Wien weitergeleitet wird. Der Zug soll dreimal wöchentlich in beiden Richtungen verkehren. An den Tagen, an denen der ArlbergExpreß nicht verkehrt, wird ein durchgehender Schnellzug zwischen Wien und Innsbruck über Linz und Salzburg führen. Die Eisen
Selbst wenn eine Anzahl von Lehrkanzeln unbesetzt blieben, würde für die Wissenschaft kein Schaden entstehen. Wirkliche Gelehrte und Forscher, die ihren Hörern gediegenes echtes Wissen vermitteln, müssen die Innsbrucker Universität von den Gespenstern und Schatten ihrer unrühmlichen Vergangenheit befreien. Dr. A. Klotz.
bahnverbindung zwischen Wien und Südösterreich wird durch Expreßzüge nach Villach und Graz wiederhergestellt werden. Bis auf weiteres werden auf all diesen Zügen nur Reisende zugelassen, die im amtlichen Auftrag oder zur Erledigung besonderer dringender Geschäfte fahren.
Haftbefehl gegen Dr. Guido Schmidt
Der Moskauer Rundfunk berichtet aus Wien, die Staatsanwaltschaft habe einen Haftbefehl gegen Dr. Guido Schmidt, den letzten Außenminister Dr. Schuschniggs, erlassen. Die Voruntersuchung gegen Dr. Rudolf Neumayr, den Finanzminister der Regierung Seyß=Inquart, ist so gut wie abgeschlossen. Er wird wegen Verschiebung österreichischen Staatsbesitzes nach Deutschland in nächster Zeit von einem österreichischen Volksgericht abgeurteilt werden. Dieser Tage beginnt auch die Verhandlung gegen den ehemaligen Professor der Chemie