Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:9

- S.39

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Erscheint in der Woche sechsmal. — Nur im Einzelverkauf erhältlich. — Dor
urst keine Dostzustellung. — Inseratenannahme: Innsbruck, Andr.-Hofer-Str. 4
summer 76 / 1. Jahrgang
Einzelpreis 15 pfo.
——
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „C. T.“, Innsbruck, Undreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Tprolia, Innsbruck, Undreas-Hofer-Str. 4
Mittwoch, 19. September 1945
Vereinsführer sischen Turnerng nach Innsam Mittwoch, er Kanzlei der K 1 (Hofburg) rie Teilnehmer ag von 18 bis 1 vorsprechen.
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objektiv.
Vergleiche
Wir haben es alle oft und oft gesehen: ürme Teufel, politische Gefangene, bei jedem Wetter, ohne auch nur halbwegs genügendem Essen, erbärmlich gekleidet, frierend oder schwitzend an der Arbeit. Beaufsichtigt von brutalen S8=Leuten, immer wieder angetrieben und angebrüllt. Keiner der Gesangenen wagte auch nur zu mucksen. Jeder wußte, daß auch nur ein Wort oder eine Geste des Widerstandes sofort oder päter im Lager unmenschliche Prügel eintagen konnte. Oft genug schlugen die vertierten SS=Burschen eines geringfügigen Anlasses wegen vor versammelten Publikum die Gefangenen blutig; gesetzte Männer wurden von blutjungen 88 Wächtern geohrseigt, Fußtritte gab es und Stöße mit dem Gewehrkolben. Manchmal ging freilich die Sache für den Peiniger
selbst schief aus. So einmal in der Höttinger Au; wo ein S8Nächter einen der ihm ausgelieferten Gesangenen unbarmherzig zu prügeln begam. Sofort schritten Passanten ein, und als der 88=Kerl Zureden nicht zugänglich war, wurde er selbst von einigen handfesten höttingern nach Noten durchgeprügelt. Der ame Gefangene freilich wird später im Lager nichts zu lachen gehabt haben, die Buthunde, die zu Wächtern über die Gesangenen gesetzt worden sind, werden wohl aihm ihr Mütchen gekühlt haben. Menschlickeit — dieses Wort stand ja nicht im SPörterbuch
imnmer wieder haben die NSDAP.=Bonzen die Bevölkerung gewarnt, Kriegsgei#ngene menschlich behandeln zu wollen. As besonders strafwürdig wurde bezeich#t, wer einen bei ihm beschäftigten Kriegs##fangenen mit am Tische sitzen und mit der Familie gemeinsam essen lasse. Der Kriegsgefangene mußte, so verlangte es die Kazi=Kultur, wie ein Hund behandelt werden. Die Tiroler Bauern dachten in ihrer goßen Mehrheit freilich menschlicher wie die Nazibonzen und deren Pfeifendeckel, und sagten sich: „Wer mit mir gemeinsam arbeitet, der soll auch gemeinsam mit mir essen.“ — Bei vielen Nazidamen, die sich eine aus ihrer Heimat verschleppte Ukrainerin „zugelegt“ hatten, damit die Gnädige noch ungestörter dem süßen Nichtstun obliegen konnte, wurden die
Ukrainerinnen ost genug wie Sklavinnen gehalten. — Aber auch die fremden „freiwilligen“ Arbeiter wurden mit dem Stempel der Minderwertigkeit behaftet, die einheimische Bevölkerung immer wieder daran erinnert, daß der Fremdvölkische, wie der schöne Ausdruck lautete, abgrundtief unter dem deutschen Edelmenschen stehe und entsprechend behandelt werden müsse. Der rassische Dünkel der Nazi, ihre Bestialität dem begner gegenüber kannte keine Grenzen, unzählige Menschen, Deutsche und Nichtdeutsche, haben darunter Unsägliches zu leiden gehabt, haben, gepeinigt und gehunden, immer wieder geschworen, an ihin Peinigern blutige Rache zu nehmen, de Forderung aufgestellt, nach dem Zusammenbruch der Hitlerei müßten die Nazi den Nazigesetzen und der
Nazistrafpraxis entsprechend behandelt werden!
Der braune Gewaltstaat ist zusammengebrochen, die großen Kriegsverbrecher sitzen, soweit sie nicht der Verantwortung ausgewichen sind, indem sie sich das Leben nahmen, hinter schwedischen Gardinen; viele der kleineren Führer sehen gleichfalls ihrer Strafe entgegen, und manche, die heute noch frei herumlaufen, werden sich wahrscheinlich nicht allzu lange ihrer Freiheit erfreuen. Wobei zu sagen ist, daß die Bevölkerung vielfach und mit Recht nicht versteht, warum der oder jener noch nicht im Kittchen sitze! Warum manchmal die kleineren Sünder schon sitzen, während die größeren sich noch einer ungehinderten Freiheit erfreuten? ...
Bei Straßen= und Aufräumungsarbeiten sieht man hie und da die 88=Leute von einst und andere Sünder wider den Geist allgemein=menschlicher Gesittung mit Schaufel und Pickel hantieren und Ziegel schupsen. Aber wie ganz anders ist die Behandat se. 16, Servie] iuneg dieser Zwangsarbeiter gegenüber der,
Landh#### a##n die die Kazi ihren Gefangenen angedeihen rloh= ließen? Hier gibt es keine Prügel, hier
Wien, 19. September.
Zwei Ereignisse zeichneten den gestrigen Tag in Wien aus. Die österreichische Hauptstadt erlebte ein seltenes Schauspiel. Von jeher nannte man Wien den Kreuzweg der Nationen, von jeher ist es die alte Vindobona gewohnt, den Kämpfen, aber auch der innigen Verbrüderung fremder Völker beizuwöhnen. Indessen, was sich gestern tat, war neuartig und bezwingend.
Die längst geplante Auszeichnung des Marschalls Koniew durch General Bethouart-fand am gleichen Nachmittag statt, an welchem das berühmte Calvet=Quartett dem österreichischen Volne durch den Zauber seiner französischen Musik einen zarten Gruß aus Frankreich brachte.
Um halb 4 Uhr nachmittags bezog das 159. Infanterie=Jägerregiment seinen Platz vor dem reizenden Gärtchen, das unweit von Schönbrunn das Technische Museum umgibt. Als Hintergrund das geradlinige und streng weiße Gebäude des Museums in seinem festlichen Fahnenschmuck. Die Trikoloren bilden den würdigen Rahmen für die rote sowjetrussische Flagge; links wehen die österreichischen Farben, rechts nochmals die französischen. Die Ankunft der Generäle wird durch das Ertönen der russischen Volkshymne und der darauffolgenden Marseillaise verkündet. General Bethouart und Marschall Koniew schreiten die Front ab; in ihrer Begleitung befindet sich General Du Payrait und General Blagadatoff, zwei von den vier Statthaltern Wiens. Jetzt kommt der erhebende
Augenblick. Die Ansprache Generals Bethouart ist kurz und innig. Marschall Koniew antwortet auf russisch. Das hohe Kreuz der Ehrenlegion mit der Kriegsauszeichnung
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Hohe Kreuz der Ehrenlegion für Marschall Koniew.
schmückt nunmehr seinen Waffenrock. Die beiden ruhmreichen Feldherrn umarmten einander und nochmals spielt die Militärmusik die beiden Volkshymnen.
Zusammen fahren nun General Bethouart und Marschall Koniew in das Konzerthaus, wo das Calvet=Quartett und Jacques Fevrier am Klavier den wundervollen Nachmittag würdig beschließen. General MeClark, Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen, und General MeCreery, Oberbefehlshaber der englischen Truppen, sind ebenfalls erschienen. Die vordersten Reihen sind von den hohen Generälen der Militärmissionen gefüllt. Aber weiter rückwärts sitzt das Wiener Publikum, das liebe, kunstverständige, kritische, neugierige Wiener Publikum. Der Mozartsaal ist überfüllt. Sessel für Spätlinge werden allenfalls noch hier und dort untergebracht. Alle halten den Atem an, denn dieser Besuch der französischen Musikträger wurde hier ungeduldig erwartet und heiß
erwünscht.
Schon nach dem ersten Streichquartett von Ravel rauschte Beifall. Die Musiker des Quartetts verbeugen sich zweimal, dreimal und werden ein viertes Mal hervorgerufen. Als Jacques Fevrier ans Podium tritt, ist der Saal schon erwärmt. Die Klaviersonate ertönt von einer fernen Landschaft untermalt, sie schwillt an und klingt aus und das Publikum schwingt mit, glückselig lächelnd, ehrlich begeistert.Das bekannte und oft verkannte Klavierquartett von Gabriel schließt den Abend, den weder Franzosen noch Wiener so bald vergessen werden.
Wieder einmal ist Frankreich österreich nähergekommen, wieder einmal fühlt jeder Wiener, welch tiefer Kulturschatz in Frankreich geborgen ist. A. D.
Die Lebensmittelhilfe Amerikas für Europa
Washington, 18. Sept.
Präsident Truman erklärte:
„Die Regierung der Vereinigten Staaten ist jetzt in der Lage, die Haupterfordernisse Europas zu decken. Ausgenommen sind Zucker, Fette und Öle. Die Forderungen der Regierungen der befreiten Länder und der UNRRA können von jetzt an bis zum 1. Jänner nächsten Jahres erfüllt werden. Diese Bereitstellung von Zuschüssen bedeutet nicht, daß die Bevölkerung Europas auch nur ein Existenzmini
mum erreichen wird. Die Versorgung der befreiten Völker wird nun nicht mehr durch die Transportkrisen beschränkt, sondern durch ein doppeltes finanzielles Problem bestimmt:
1. Durch die Bereitstellung von Krediten oder den Abschluß anderer finanzieller Vereinbarungen mit den europäischen Regierungen.
2. Durch die Flüssigmachung zusätzlicher Fonds für die Notstandshilfe der URRRA.“
Neuestes vom Tage
Die alliierten Besatzungstruppen in Japan werden in sechs Monaten nur noch 200.000 Mann betragen.
Die amerikanische Armee hatte am Abschluß des Krieges 1600 Generäle. Während des Krieges gegen Japan hat die amerikanische Armee
200.000 Tonnen Schiffsladungen verloren. Die insgesamt beförderten Warenmengen betrugen
43.500.000 Tonnen.
Der deutsche Feldmarschall von Busch ist in britischer Gefangenschaft gestorben. Er war der Oberkommandierende jener deutschen Armee, die gegen Leningrad vorging.
Die spanische Regierung hat beschlossen, den Falangistengruß abzuschaffen. Der Falangistengruß war etwas ähnliches wie der römische Gruß in Italien und der Hitlergruß in Deutschland.
Der französische Ernährungsminister hat angekündigt, daß in Frankreich ab 1. November die Brotkarte aufgehoben werden wird.
Die ungarische Regierung hat bei den Alliierten gegen die Ausweisung der ungarischen Minderheiten aus der Tschechoslowakei Protest erhoben.
Seitz und Goerdeler
Wien, 18. Sept. Bürgermeister Seitz erklärte einem Berichterstatter des britischen Rundfunk, der Leipziger Bürgermeister Goerdeler habe ihn in Wien besucht, um im Falle des Gelingens des Attentates auf Hitler seine Mitwirkung zu erlangen. Da er die Fragen Deutschlands und Oesterreichs als gesonderte Angelegenheiten betrachtet habe, gab Seitz keinen endgültigen Bescheid. Am 20. Juli 1944 wurde Seitz von der Gestapo verhaftet und dann in das K. Z. vensbrueck gesteckt.
Chamberlains Besuch rettet Hitler
London, 18. September. Der ehemalige deutsche Generalstabschef Helder erklärte, daß der Besuch Chamverlains in München die für den gleichen Tag vorgesehene Verhaftung Hitlers verhindert habe. Feldmarschall Keitel hat diese Enthüllungen bestätigt. Helder sagte, Hitler sei durch und durch verlogen, obsolut nicht vertrauenswürdig und jeder Vernunft vollkommen abhold gewesen, wenn es sich um seine Lieblingsideen drehte. Seine militärischen Kenntnisse seien die eines mittelmäßigen Korporals gewesen.
Am Trieft und Istrien
London, 18. Sept.
Eine amtliche Mitteilung über die gestrigen beiden Sitzungen des Rates der Außenminister lautet:
„Der Rat der Außenminister hatte vorgesehen, heute die Ansichten der Regierung Jugoslawiens, der britischen Dominion und Italiens in der italienisch=jugoslawischen Grenzfrage zu hören. Der Sitzung wohnten der Außenminister Australiens und der geschäftsführende Hochkommissär der südafrikanischen Union bei. Der Vorsitzende teilte jedoch mit, er habe von der jugoslawischen Abordnung einen Brief empfangen, in welchem dem Rate mitgeteilt wird, daß die jugoslawische Ab
ordnung eben erst in London angekommen sei und daß ihr Führer Dr. Kardeli unwohl sei. Darauf beschloß der Rat die Ansichten der einzelnen Regierungen über die jugoslawisch=italienische Grenzfrage morgen Vormittag zu hören und setzte seine Erwägungen über die Grundsätze fort, von denen die Abordnung bei Vorbereitung des Entwurfes des Friedensvertrages mit Italien geleitet sein werde. Dieser Entwurf soll dem Rate in seiner zweiten Sitzung vorgelegt werden.“
Die Meinung der „Times“
Die „Times“ schreibt: „Es ist noch zu früh, um sagen zu können, wie der Rat der
wird"nichts Unmögliches von den Arbeitenden verlangt, hier wird auch der Nazi als Mensch behandelt! Hier braucht keiner schweigend zu schuften, hier braucht sich niemand bei der Arbeit überstürzen, hier steht keiner unter der Aufsicht vertierter S8Kreaturen!
Die Nazi mögen sehen, daß wir trotz sieben Jahre organisierter Bestialität keine Bestien geworden sind, erkennen, daß wir auch dem Gegner gegenüber auf dem Standpunkt des Rechtsstaates stehen, daß wir Menschen geblieben sind trotz aller Unmenschlichkeiten, die die Braunen in den Jahren ihrer Herrschaft gepredigt und auf sich geladen haben.
Das bedeutet freilich nicht, daß die Schuldigen, die Großen und die Kleinen, unge
straft davon kommen sollen. (Die Nazi mögen ja nicht in dem Irrwahn verfallen, Menschlichkeit etwa als Schwäche unsererseits auslegen zu wollen.) Wer schuldig oder mitschuldig ist an dem furchtbaren Elend dieser Zeit, der soll und muß dafür sein Teil Strafe auf sich nehmen! Aber die Strafe soll die Schuldigen treffen, nicht weil wir uns rächen, sondern weil wir uns schützen wollen vor der Wiederholung eines Gewaltsystems, das die Menschheit frevelhaft in ein Meer von Blut und Grauen stürzte! Wir wollen auch hier zeigen, daß wir ein Kulturvolk sind, nichts gemein haben wollen mit der zum Staatsprinzip erhobenen Brutalität des Nazibarbarismus!
Karl Gvatter.
Außenminister in dieser Frage entscheiden wird. Doch besteht die Möglichkeit einer vernünftigen Lösung. Nach allem, was man bisher erzählen kann, wird Jugoslawien einen erheblichen Teil des Julischen Karstes erhalten. Triest selbst soll nach dem Wunsche der Westmächte internationalisiert werden. Eine Entscheidung in dieser Richtung würde dem. Wunsche nach Internationalisierung der europäischen Hauptwasserstraßen entsprechen. Wenn dieser Hafen auf Grund der vorwiegend italienischen Bevölkerung nominell unter italienischer Oberhoheit bleibt, könne der Hafen, wie es auch die Morganlinie vorsieht, durch einen breiten Küstengürtel mit der italienischen Grenze verbunden werden. Die auf Grund der Bevölkerungszugehörigkeit in dem jugoslawischen
Memorandum dargelegten Ansprüche auf den julischen Karst werden fast sicher angenommen werden. Sie sind gut begründet und man erwartet, daß die alliierten Regierungen westlich der alten Wilsonlinie die neue Grenze ziehen wird. Jugoslawien wird einen größeren Teil des julischen Karst erhalten, als ihm die Wilsonlinie vorgesehen hat.
Dem amerikanischen Kriegsministerium wurden 110 000 Tulpenzwiebeln als Spende des niederländischen Volkes überreicht, damit die amerikanischen Soldatenfriedhöfe mit Blumen geschmückt werden können.
Die Sachverständigen der amerikanischen Militärregierung haben reiches Material in Händen, das beweist, daß die J.G. Farbengesellschaft ein großes internationales Spionagezentrum war.