Tiroler Tageszeitung 1945
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Freitag, 5. Oktober 1905
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Befehl und Veraniwortung
Ein Tiroler Beitrag zur Bildung des Österreichertums
„Führer befiehl, wir folgen Dir!“, das war die gefährliche Zauberformel des Massenwahns, der, wie ein bedeutender aus
ländischer Psychologe vor einiger Zeit fest
stellte, über ein Jahrzehnt lang Deutschland in Bann hielt. Sie barg von Anfang an das unausweichliche Ende, die Kata
strophe der totalen Staatsideologie in sich. denn jene Parole war die Formel, mit der nan sich ebenso skrupellos um Verantworung drückte wie „Widerspenstigen Ele
nenten“ der persönliche Verantwortungsnut aberzogen wurde. Die totale Befehlspolitik des Dritten Reiches konnte ja solche ausgeprägt individualistisch veranlagte Nänner besonders im öffentlichen Leben nicht brauchen, da diese die natürlichen begner des Staates werden mußten. Das Deutsche Reich hat die mit ungeheurem Stimmaufwand verkündete Propagandaparole von Unfehlbarkeit des Führers so teuer bezahlt wie noch nie ein Staat.
Wir erkennen heute, daß diese Vergewaltigung der männlichen Selbstverantwortung eines der größten Verbrechen ist, das man gegen die menschliche Natur begehen kann. Güücklicherweise haben sich gerade in unserem Vaterlande Österreich im Laufe dieser letzten seben Jahre nicht wenige Männer gegen diese Verknechtung aufgelehnt, da sie alle pürten, daß damit an ihrer geistigen und nenschlichen Existenzgrundlage gerührt wurd. Wir können hinzufügen, daß sich in ihnen hmit einer der besten Bestandteile jenes isterreichertums zur Wehr setzte, das als nitteleuropäischer Geistesbegriff weit höher Unzuschätzen ist als der Menschentyp des Beschlsstaates.
Selbstverantwortung auf Grund einer iigenen Leistung und des persönlichen Mutes haben zu unserem Glück und zum Wohle unPseres neuen Vaterlandes viele Männer gezeigt, die in einem entscheidenden Moment Viderstand wagten.
1 Ein Vorgang aus unserer engen Heimat Tirols, der in den Tagen des Kriegsendes spielte, mag an Stelle vieler anderer als Be weis hierfur berichtet werden. Eines der größten elektrischen Kraftwerke Tirols, das, abgesehen von der betreffenden Stadt, auch eines der wichtigsten Industriewerke mit Strom versorgt, sollte beim Herannahen der allüerten Truppen laut allgemeinem militärischem Befehl in die Luft gesprengt werden. Dies hätte unter anderem auch die Lahmund den Produktionsausfall dieser für Jahre bedeutet. Der der sein Lebenswerk bedroht sah, versuchte, seinen Blick in die Zukunft richtend, noch vor dem Zusammenbruch aller maßgeblichen zivilen und militärischen Stellen des Landes den unermeßlichen zukünftigen Schaden klarzumachen. Vergebens! Um
einen zeitgewinn herbeizuführen, der in diesem galle alles bedeuten konnte, setzte er seine sersona ufs Spiel, indem er eigenmächtig das straftwerk abschalten ließ, um so die Aufnerksamkeit zunächst von dem Zerstörungsplan weg auf sich zu lenken.
Er war sich der Tragweite seiner Handlung voll bewußt, denn er konnte ja bei seiner sofort darauf folgenden Verhaftung wegen Sabotage zu seiner Rechtfertigung nichts andetes vorlegen, als eine Geheimanweisung des Küstungsministeriums, „daß deutsche Kraftverke nur vorübergehend lahmzulegen seien“, während die ortlichen militarischen Befehlsstellen laut Führerbefehl seine Er
schießung fordern konnten. Eine Anfrage bei der höheren militärischen Dienstbehörde schien auf dieses Dokument des Rüstungsministe
i tiums hin geboten. Nur dem schnellen Ein
marsch der alliierten Truppen in Innsbruck war es zu verdanken, daß die beiden erwähnten Sofortmaßnahmen sowohl gegen den Leiter dieser Fabrik wie gegen das Werk verhindert wurden.
Man mag sich das Seinige über den Treppenwitz der Geschichte denken, der darin besteht, daß die Zentralen der Wehrmacht und der Rüstung in einer so wichtigen Sache abweichende Befehle ausgeben, ohne sich gegenseitig zu unterrichten. Uns aber interessiert hier die Haltung des Mannes in jener Stunde: daß er nicht nur zu einer persönlichen Entscheidung, sondern auch zu
Darnand zum Tode verurteilt
Paris, 4. Oktober. Der Prozeß gegen den Leiter der Vichymiliz, J. Darnand, fand wie ursprünglich vorgesehen statt. Die Hauptanklage gegen Darnand lautete auf Hochverrat, auf dem die Todesstrafe steht. Er war angeklagt, Rekruten für Fremdmächte gegen Frankreich angeworben zu haben, auch an Versuchen sich beteiligt zu haben, den Staat zu zersetzen, und im September 1944 die betrügerischen Unterschlagungen von 300 Millionen Franes und eines Goldbetrages zugelassen und unterstützt zu haben, die von seinen Milizleuten genommen wurden. Als Chef der Vichymiliz stand Darnand unter der Anklage, gegen die französische Widerstandsbewegung des „Maquis“ Strafexpeditionen veranstaltet zu haben und den Tod der ehemaligen Minister Jean Zay und Georges
N. Mandel verursacht zu haben. Mandel war im ersten Weltkrieg Clemenceaus rechte Hand und Innenminister im zweiten Weltkrieg gewesen und wollte den Krieg gegen die Achsenmächte von Nordafrika aus fortsetzen. Darnand war ferner angeklagt, an der von den Deutschen vorgeschlagenen und in Deutschland gebildeten französischen Regie
rung teilgenommen zu haben, nachdem der Großteil von Frankreich von den Alliierten befreit worden war. Darnand wurde heute durch den Gerichtshof in Paris zum Tode verurteilt.
Zu den Wahlen in Frankreich
Paris, 4. Oktober. Die „New York Times“ bespricht die französischen Kantonalwahlen in einem Leitartikel. Die Vorhersage, daß Frankreich kommunistisch wählen werde, ist nicht eingetroffen.
Die großen Gewinne wurden von den Sozialisten und der neuen Partei, der christlichen Sozialisten des Außenministers Bidault, gemacht. Diese Gewinne gingen auf Kosten der Rechten und des Zentrums. Das Blatt verweist dann darauf, daß der Hauptwahlkampf erst am 21. Oktober stattfinden wird. Die französischen Wahlen zeigen die Tendenz aller jetzigen Wahlen: Es soll keine Rückkehr zum Konservativen geben. Aber eine radikale Wendung nach links ist ebenso wenig zu spüren. Das Volk hat nicht für Revolution, wohl aber für Fortschritt entschieden.
Großkundgebung für Südtirol in
Wien, 4. Oktober.
Gestern nachmittags fand in den Konzerthaussälen eine Großkundgebung der Wiener Bevölkerung statt, die auch vom Wiener Rundfunk übertragen wurde und bei der die alliierten Mächte offiziell vertreten waren. Es sprachen Staatskanzler Dr. Renner, Staatssekretär Ing. Figl für die österreichische Volkspartei, der Wiener Bürgermeister General Körner für die Sozialisten und Staatssekretär Dr. Honner für die kommunistische Partei.
Staatskanzler Dr. Renner verwies zunächst darauf, daß er als Präsident der Friedensdelegation von Saint Germain der konstituierenden Nationalversammlung der ersten Republik österreich in der Sitzung vom 6. September 1919 auch über das Ergebnis des monatelangen Kampfes der Delegation um die Selbstbestimmung des deutschsprechenden Teiles von Südtirol berichtet habe. Er fuhr dann fort:
„Für den Anspruch österreichs auf dieses Gebiet und für den Wunsch der Südtiroler selbst, bei Österreich zu bleiben, erhoben wir in der Note vom 18. Juli 1919 über die Grenzen Deutschösterreichs unsere Stimme, wobei wir ein Wort Wilsons an den Schluß punkt der Betrachtungen setzten:
„Niemals kann das einem Volke zuge fügte=Unrecht für diejenigen, die dafür der Geschichte gegenüber die Verantwortung übernommen haben, zur Quelle von Rechken werden.“
Heute berufe ich mich auf diesen Grundsatz, der im Namen einer der ersten Großmächte der Welt verkündet worden ist. Die Entscheidung von 1919 für Südtirol erfolgte zu Unrecht und niemals kann für Italien diese Entscheidung zur Quelle von Rechten werden. Ich wiederhole: Niemals!“
Auch wenn inzwischen die italienische Ansiedlungspolitik und der verräterische Pakt Hitlers mit Mussolini den Volksbestand dieses Landes einigermaßen verändert haben.
Das Volk Südtirols ist ewig, es ist im Herzen Österreichs und in seiner Muttersprache deutsch, jetzt und für alle Zeiten. Jene beiden Staatsmänner aber, welche den Pakt vom Jahre 1938 abgeschlossen haben,
sind beide untergegangen.
Italien hat drei Gründe für die Annexion angeführt: Militärische, nationale und wirtschaftliche. In strategischer Hinsicht konnten wir uns auf italienische Militärsachverständige berufen, welche die sogenannte Cadornalinie über die Salurner Klause nicht weniger zur Verteidigung ungeeignet fanden als die Brennergrenze. Die nationale Argumentation war offensichtlich ebenso hinfällig: Die letzte Volkszählung hatte 221.266 Deutsche, 8661 Italiener und 12.290 Ladiner. Die letzteren waren allezeit an der Seite des deutschsprachigen Tirol gestanden. Ebenso sind, wie wir damals im einzelnen ausführten, die wirtschaftlichen und verkehrstechnischen Vorwände Italiens unzutreffend, denn alle Lebensadern des Landes chließen an Nordtirol einerseits, an Kärnten und Steiermark
andererseits an.
Und es war kein Segen mit diesem Unheil verbunden. Es hat nur neuerliches schweres Unrechterzeugt. Die Entrechtung der Südtiroler zugunsten einer Nation, deren Expansionsinteressen, soweit sie berechtigt sind, gar nicht in der Richtung nach den rau
hen Bergen des Nordens führen. Die forcierte Italianisierung des Landes hat in dem Vierteljahrhundert dem äußeren Anschein nach wohl einiges, im Wesentlichen aber so gut wie nichts geändert. Eine künstliche Kruste oberflächlicher Einrichtungen ist über das Land gebreitet worden, zahlreiche seiner standhaften Bewohner sind durch den Hitler= und Mussolinipakt aus dem Lande vertrieben worden und harren jetzt in Innsbruck vor den Toren desselben, um zurückzukehren und die 800jährigen Wohnsitze ihrer Altvorderen wieder in Besitz zu nehmen. Ich kann heute diese meine Worte nicht besser schließen als mit dem warmen Appell von 1919:
Die unerschütterliche Brüderlichkeit der Bewohner von Tirol ist festgewurzelt in ihrer ganzen Vorstellungsweise, in ihren Sitten, in ihrem gesamten Denken, in den Härten ihres althergebrachten Lebens unter dem Hauche der Gletscher, auf den Felsabhängen und in den engen Tälern; sie sind vereint durch die alten Sagen, die Volkslieder, die Erinnerung an Triumphe und Leiden, an ruhmvolle Siege und heroische Niederlagen, kurz an alles, was in der Seele eines Volkes die patriotische Gesinnung und das Solidaritätsgefühl erzeugt. Dem rauhen und ungezwungenen Ton der Bergbewohner in ihrem gegenseitigen Verkehr entspricht das warmherzige Einvernehmen. mit welchem die Tiroler zusammenstehen, wachsam gegen jeden Angriff auf alles, was ihnen das Heiligste ist:
Ihre Freiheit, ihre Einheit, ihr Glaube und ihr Vaterland.
Mit diesen Worten verbinde ich den Mahn
ruf an die alliierten Mächte: Gebt den
Südtirolern ihre Heimat, gebt den Süd
tirolern ihr Vaterland Österreich wieder!
London
London, 4. Oktober. Hier ist man der Meinung, daß der englische Außenminister Bevin anfangs der kommenden Woche eine Erklärung über die Unterbrechung der Londoner Konferenz abgeben wird. Außenminister Bevin besprach sich gestern mit Ministerpräsidenten Attlee und anderen Regierungsmitgliedern über die Möglichkeit einer Fortsetzung der Beratungen in naher Zukunft.
Die Berichterstatter der Presse, die an einer Konferenz des amerikanischen Außenministers Byrnes teilnahmen, erklären, daß die vermittelnde Haltung des Außenministers erwarten läßt, daß demnächst eine Konferenz der fünf Großmächte stattfinden wird.
Wie Österreich „angeschlossen wurde
Berlin, 4. Oktober. Der United=Preß=Berichterstatter Clinten B. Conger berichtet von Aufzeichnungen aus Reichsmarschall Görings eigenem Geheimarchiv, die Göring als Fachmann für Gangstermethoden entlarven, der die österreichischen „Quislinge“ schon Monate vor seiner Besetzung durch die Deutschen befehligte.
Wie aus dem Artikel hervorgeht, betrachtete Göring, der nun seinen Prozeß als Kriegsverbrecher erwartet, die österreichische Armee und Luftwaffe schon 15 Monate vor
einem persönlichen Entschluß gelangte, daß er in einer Zeit, wo Millionen fassungslos, weil nur befehlsgewohnt, dastanden, jene Eigenschaften bewies, die auf weite Sicht gesehen, einem Staate wirklich nützten. Männer diesen Schlages haben sich über Parolen, wie „jedes Dorf muß verteidigt werden“, zu erheben vermocht und es ist bereits heute geschichtlich nachweisbare Tatsache, daß dieser Geist und diese Haltung in jenen entscheidenden Tagen besonders häufig in unserem Lande anzutreffen waren.
Die nazistische Ideologie behauptete ja, daß demokratische Staaten Schwächlinge, totalitäre Staaten aber Männer hervorbräch ten. Nun, das haben wie erlebt, was es bedeutet, wenn ein Staat Krieg führt, es seinen Angehörigen ober bei Todesstrafe verboten ist. darüber nachzude##nen, ob er einen Sinn und eine re#lle Gewinn=chance hat. Oder was es bedeutet, wenn einach befohlen wird,
Volksvermögen in die Luft zu sprengen, ohne daß es erlaubt ist, darüber nachzudenken, daß das Volk ja auch weiterleben muß. Letzten Endes hat der Führerstaat um des Befehles willen existiert, nicht aber, um den ihm anvertrauten Menschen die bestmögliche Zukunft zu sichern.
Das Gefühl, der Instinkt dafür hat eine Scheidewand zwischen unserem Weltbild und dem seinigen aufgerichtet. Denn wir glauben zutiefst daran, daß si. die Vorsehung eher denen zuneigt, die mit dem Begriff der Selbstverantwortung den des menschlichen und göttlichen Rechtes in sich tragen, nicht aber bloß von einer krankhaften und blinden Befehlserfüllung, gleich, wohin das führt, beherrscht sind. Männer wie dieser Tiroler Fabriksleiter haben, indem sie sich diesen Geist bewahrten, der österreichischen Zukunft einen wichtigen Baustein aus der Vergangenheit überliefert. Dr. Edith Kugler
dem Anschluß als Teil der Reichswehrmacht. In dem Archiv sind Einzelheiten über Konferenzen der Luftwaffe und des Generalstabes enthalten, aus denen hervorgeht, daß „Generaloberst Göring engste Zusammenarbeit mit Österreich“ empfahl. Das Dokument, das mit „geheim" bezeichnet wurde, wurde im Jänner 1938 abgelegt und enthält genaue Pläne, wie die österreichische Wehrmacht zum Sturz der Regierung durch einen Staatsstreich benützt werden könne.
Es wird darin Österreichs „klerikale Diktatur, die Versklavung, Herabsetzung der Geburten, Zerstörung der rassischen überlegenheit und Arbeitslosigkeit“ angegriffen. Es wurden auch die Schwierigkeiten aufgezeigt, Offiziere zur Unterstützung des Staatsstreiches zu bekommen und erklärt, daß nur 15 Prozent „Kämpfer“ für die Nazi vollkommen verläßlich wären.
Wie es in dem Artikel heißt, wird in dem Bericht nur das Notwendigste über den geplanten Verrat gesagt. Als etwas besonders Geheimnisvolles angeschnitten wurde, hieß es: „Ausführungsplan wird mündlich bekanntgegeben.“ Prophetisch sagte der Bericht voraus, daß 1938 das beste Jahr zur Durchführung des Staatsstreiches sein werde. Das österreichische Volk werde ihn bereitwillig hinnehmen und es wäre nicht allzuviel auswärtige Anteilnahme zu erwarten, da die Aufmerksamkeit der Welt auf Spanien und China gerichtet sind.