Tiroler Tageszeitung 1945
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- S.35
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Rodaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „S. S.“, Innsbruck, Undreas-Hofer-Str. 4. — Drucke Crrolia. Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 8
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Die Mordseuche
Der Nationalsozialismus war nicht nur ein bloßes Gewaltsystem. Er war eine Tyrannei, welche sich mit der unerhörtesten Grausamkeit verbündet hatte. Die Unmenschlichkeiten, welche den deutschen Namen für immer beflecken werden, waren nicht etwa eine Begleiterscheinung der langen Kriegsdauer, welche die Gemüter verroht. Sie begannen an dem gleichen Tage, als Hitler die Macht ergriff und den Kampfruf zur Vernichtung der politischen Gegner ergehen ließ. Alle diese Scheußlichkeiten, die mit dem Begriffe des Nationalsozialismus eins geworden sind, wurden von der Presse und von der Propaganda der Partei, seit sie die Straße der deutschen Städte mit ihrem Lärm erfüllte, vorbereitet. Die Lobredner der „Härte“ und der „Rücksichtslosigkeit“ wurden nicht müde, die
Absage an jedes menschliche Gefühl als Inbegriff deutscher Tugend anzupreisen. Wer an der Meinung festhielt, daß Barmherzigkeit und Güte die Menschheit zieren soll, wurde als „Weichling" und „Entarteter“ auf die Liste der grundsätzlichen Staatsfeinde gesetzt. Die Erziehungsmethode, welche die nationalsozialistische Partei und ihre Formationen auf die jungen Menschen anwendete, war ein einziger Appell zur lebensverachtenden und lebensvernichtenden Roheit. Der Acker für jede blutrünstige Untat war also wohl bestellt, als Hitler und seine Leute die Macht erlangten, alles das zu tun, was sie wollten. Die individuelle Roheit war so wohl ausgebildet worden, daß sie, so bald das Stichwort der Machtergreifung gefallen war, als ein unaufhaltsamer Strom von kollektiver
Brutalität über die Welt verwüstend dahinbrauste.
Die Erscheinung, die es zu beschreiben gilt und die aus den fürchterlichen Enthüllungen über die Konzentrationslager und die Massenmorde in den von den Deutschen besetzten Ländern in ihren Formen genugsam bekannt ist, würde nicht völlig begriffen, wenn man es unterließe, darauf zu achten, welche Rolle der Wissenschaft in den Mordplänen der Führer des Dritten Reiches eingeräumt ist. Es begann mit den von deutschen „Gelehrten“ aufgestellten Theorien über die Vernichtung „lebensunwerten Lebens“. Diese Theorien, die ja bereits vor Hitler in Büchern und volkstümlichen Broschüren herumgeisterten, gelangten zu einer schauerlichen Verwirklichung. Den Theoretikern folgten die Praktiker der Gestapo, die wie Heyderich und Himmler die Gehirne ausgeprägter
Sadisten und die Laboratorien der Giftgaschemiker zur systematischen Mordarbeit vereinigten. Diese unerbittliche, wissenschaftliche Gründlichkeit, mit der sich die hoch gezüchtete Roheit verband, drückt den Blutorgien des Nationalsozialismus ein besonderes Brandmal auf. Darauf beruht die Einzigartigkeit dieses fluchbedeckten Valtens eines Wütens, das schließlich zum Vernichtungswahnsinn werden mußte. Diese firchterliche „moral insanity“ einer hemtungslosen Mordsucht tobte nicht nur unir den Spitzen, sondern sie ergriff Tausene und Hunderttausende, denen die Verbreitung von Tod und Qual nur mehr kalt und sachlich — als „Dienst am deutschen Volke“ erschien.
Es ist selbstverständlich, daß die öffentliche Erörterung über diese dämonischen Ungeheuerlichkeiten noch lange nicht abteißen wird, denn beinahe jeder Tag bringt Enthüllungen, die das schon Bekannte in den Schatten stellen. Die über solche Greuel entsetzte Menschheit wird nicht nur Sühne von den unmittelbar Schuldigen fordern. die hat auch ein Anrecht darauf, sich, soweit dies möglich ist, die Gewähr zu verschaffen, daß eine derartige Mordseuche nicht wieder die Welt verheert.
Dr. Anton Klotz.
Amerika fül Anekkeimung der Regierung Lenner
Washington, 16. Oktober.
Das Außenministerium gab bekannt, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, die provisorische Regierung österreichs anzuerkennen. Es seien nur noch einige Förmlichkeiten zu erledigen für die Herstellung normaler Beziehungen, wie etwa der Austausch von Botschaftern.
Die Bekanntmachung hat folgenden Wortlaut: „Laut Beschluß des Alliierten Rates für Österreich vom 19. Oktober haben die Mitglieder des Rates ihren Regierungen empfohlen, die Zuständigkeit der provisorischen österreichischen Regierung, unter der Voraussetzung der Leitung und Aufsicht durch den Alliierten Rat als der höchsten Autorität in österreich, auf ganz Österreich auszudehnen. Die amerikanische Regierung hat ihrem Vertreter bei der österreichischen Regierung Anweisungen in diesem Sinne erteilt. Im Zusammenhang mit ihren Emp
fehlungen erklärten die Mitglieder des Alliierten Rates, daß eine der Hauptaufgaben der provisorischen österreichischen Regierung die Abhaltung von Nationalratswahlen sei, die bis längstens Ende Dezember 1945. stattfinden sollen. Der Rat hat ferner beschlossen, der demokratischen Presse in Österreich die Betätigung zu gestatten. Die amerikanische Regierung billigt diese Vorschlüge und betrachtet sie als einen wichtigen Schritt zur Verwirklichung der Erklärung über österreich vom 1. November 1943. Diese Erklärung, die von den Mächten abgegeben wurde die im Alliierten Rat heute vertreten sind, sah vor, daß
österreich von der deutschen Herrschaft befreit und als freier und unabhängiger Staat wiederhergestellt werden soll.“
Der amerikanische Generalstabschef General Marshall sagte in einem Bericht an den amerikanischen Kriegsminister:
„Die Militärregierung Österreichs unter
scheidet sich wesentlich von der in Deutsch
land.
Obgleich das Programm der Denazisierung und Entmilitarisierung von Deutschland auf Österreich ausgedehnt wird, werden die Vereinten Nationen alles daran setzen, um Bedingungen zu schaffen, die zu der Errichtung eines freien, unabhängigen Österreichs führen werden.“
General Clark, der amerikanische Oberbefehlshaber in österreich, der sich derzeit in Amerika aufhält, erklärte, die für einen neuen Lebenswillen österreichs mehren sich. General Clark wurde befragt, ob er Spuren einer Anschlußbegeisterung in Österreich habe feststellen können. „Ganz im Gegenteil“, lautete die Antwort. „Die Deutschen sind heute in österreich wirklich nicht beliebt.“ General Clark ist entschlossen, die mehr als 110.000 Nazis aus dem Reich, die während der deutschen Besetzung nach österreich gekommen sind oder nach österreich geschickt wurden, um dort für die Partei zu werben
und zu wirken, dorthin zu schicken, woher sie gekommen sind. Die bisherigen Ergebnisse, der von den Österreichern selbst durchgeführten Säuberungsaktion bezeichnet General Clark als befriedigend.
Kinder für — Experimente
Lüneburg, 16. Okt. Ein russischer Film über das Konzentrationslager Auschwitz zeigt
viele hundert Kinder unter acht Jahren, die zu Experimenten mißbraucht wurden,
ferner Männer, die mit Aussatzbazillen infiziert worden waren.
Der Schrecken von Hadamar
Wiesbaden, 16. Oktober. Heute wurde das Urteil im Prozeß gegen Wärter der Irrenanstalt Hadamar gefallt, die angeklagt waren, 470 polnische und russische Fremdarbeiter mittels chemischen Injektionen getötet zu haben. Drei von den sieben Angeklagten wurden als Kriegsverbrecher schuldig erkannt und zum Tode durch den Strang verurteilt. Die anderen erhielten hohe
„Vertrag auf Lieferung von Menschen“
Frankfurt a. M., 16. Okt.
Seitz, der fünf Jahre im Konzentrationslager verbrachte, erklärte in einer Predigt über seine Erlebnisse in Dachau: „Die SS. hatte mit einer Privatfirma einen Vertrag auf Lieferungen von Menschen abgeschlossen. Nach einigen Tagen kam eine Liste von 200 „durch Tod abgegangenen“. Sie waren in den Hermann=Göring=Werken vergast worden. Die Leichen gingen in die Werke der chemischen Industrie. Aus den Knochen wurde Schmierseife hergestellt. Im Jahre 1942 sind 2400 Menschen auf diese Art in die chemischen Fabriken gewandert, darunter 100 katholische Priester. Laut ist der Ruf nach Sühne für diese ungeheuerlichen Verbrechen.“
Or. Tschurtschenthaler — Landeshauptmannstellvertreter in Kärnten
Klagenfurt, 16. Oktober. Doktor Tschurtschenthaler wurde zum Landeshauptmannstellvertreter von Kärnten be
Präsident Truman an Italien
Newyork, 16. Oktober. In einer Botschaft an den italienischen Ministerpräsidenten Parri erklärte Präsident Truman, der erste Friedensvertrag in Europa müsse in hohem Maße realistisch gerecht und vernünftig sein.
Die Hinrichtung Lavals
Paris, 16. Oktober. Pierre Laval wurde heute um 13.32 Uhr im Gefängnis von Fresnes durch ein Exekutionskommando hingerichtet. Er lehnte es ab, sich die Augen verbinden zu lassen. Er erwartete sein Ende, indem er sein Gesicht dem Hinrichtungskommando zuwandte. Laval starb tapfer. Er fragte den Kommandanten des Pelotons, ob er selbst den Befehl zum Feuern geben darf. Dieses Verlangen wurde abgelehnt. Unmittelbar darauf wurde der Feuerbefehl erteilt und Laval sank tot zu Boden.
Als Laval die Hinrichtung mitgeteilt worden war, nahm er Gift. Dieses Gift, das er bei sich trug, seit er im August dieses Jahres Deutschland verlassen hatte, schien jedoch seine Kraft verloren zu haben, denn es wirkte nicht. Sobald Laval sich erholt hatte, wurde der Vollzug der Hinrichtung angeordnet.
Dr. Benesch über die Ausweisung
der Sudetendeutschen
In einer Radioansprache im Prager Sender erklärte Präsident Dr. Benesch, daß 90 Prozent der deutschen Bevölkerung in der Tschechoslowakei die Pläne der Nazi für die Zerstörung des tschechoslowakischen Staates aktiv unterstützt haben. Wörtlich sagte er: „Die Deutschen haben sich während dieses Krieges derart benommen, daß es für die Tschechoslowaken unmöglich ist, mit ihnen in einem Staate zusammenzuleben. Die deutsche Bevölkerung in der Tschechoslowakei muß unter allen Umständen nach Deutschland zurückkehren. Die Durchführung der Ausweisungen soll menschlich, anständig, gerecht, moralisch organisiert und von den Alliierten gebilligt sein.“
Schwierigkeiten in Jugoslawien
London, 15. Oktober. Reuters diplomatischer Korrespondent betrachtet den Rücktritt des Außenministers Subacie aus der Regierung des Marschalls Tito als den Beginn einer schweren innerpolitischen Krise.
Ncucstes vom Tage
Vereinte Nationen
Der Vollzugsausschuß der Vereinten Nationen hat die Auflösung des Völkerbundes beschlossen.
England
Der englische Innenminister warnte davor, die kleinen Staaten von der Teilnahme an der Bildung der Neuen Welt auszuschließen.
Sowjetrußland
Die sowjetische Handelsflotte hat den Verkehr im Mittelmeer wieder aufgenommen.
Frankreich
Frankreich importiert leihweise aus der Schweiz Elektrizität.
In Paris hat die 27. Konferenz des internationalen Arbeitsamtes begonnen.
Der französische Naturforscher Rivet erklärte, daß die deutschen Wissenschafter, die knapp vor dem Abschluß der Forschung über die Atombombe standen, von den Russen auf der dänischen Insel Bornholm gefangengenommen und nach Rußland gebracht wurden. Die Aufzeichnungen und Geräte der deutschen Forscher wurden mitgenommen.
Naher Osten
Zwischen England und Amerika wurde ein Oelabkommen geschlossen, das, wie der amerikanische Sekretär Ickes erklärte, die amerikanischen Interessen im fabelhaft reichen Mittelosten schützen wird.
Wie der Sekretär der arabischen Liga bekannt gibt, wünscht diese Liga: Unabhängigkeit Transjordaniens, Unabhängigkeit Lybiens, Zurückziehung aller fremden Truppen aus Syrien und Libanon, ebenso die allmähliche Herbeiführung der Unabhängigkeit von Tunis und Marokko.
Vertreter der indischen Mohammedaner erklärten, daß die heiligen Staaten der Mohammedaner, wie Palästina, Hedschas und Persien, nicht durch nichtmohammedanische Regierungen verwaltet werden dürfen.
Italien
Vittorio Mussolini, ein Sohn Mussolinis, wird in Mailand vor ein Gericht gestellt werden.
Die kommunistische Partei Turins hat die Arbeiter der Fiat=Werke zum Streik aufgefordert.
Spanien
In Spanien wurde die Zensur der Auslandstelegramme aufgehoben.
Deutschland
Der Alliierte Kontrollrat in Deutschland hat am 12. Oktober die formelle Auflösung der NSDAP und deren Formationen ausgesprochen.
Der in Nürnberg als Kriegsverbrecher angeklagte Dr. Ley hat an Henry Ford ein Schreiben gerichtet, worin er den amerikanischen Großindustriellen um — eine Stellung bittet.
Das Gesetzgebungsrecht der Länder
Wien, 16. Oktober. Die von der provisorischen Regierung beabsichtigte Abänderung der vorläufigen Verfassung in dem Sinne, daß die Ländergesetzgebung wieder den Weg der Zuständigkeitsbestimmung der Verfassung von 1929 auf die Länder, und zwar vorläufig bis zur Durchführung der Landtagswahlen, auf die provisorischen Landesregierungen übergeht, wurde zugestimmt. Diese Gesetzbeschlüsse unterliegen der Zustimmung der provisorischen Staatsregierung, bzw. hat diese das Recht, binnen vier Wochen dagegen Einspruch zu erheben. Im Zusammenhang mit der Wiederherstellung des Gesetzgebungsrechtes der Länder ist in der Verfassungsnovelle die Errichtung des Verfassungsgerichtshofes vorgesehen.
Die Großglocknerstraße durch eine Lawine unterbrochen
Heiligenblut, 15. Oktober. Die Großglockner=Hochalpenstraße wurde in der Nähe des Finsterbaches auf ungefähr 300 Meter Länge durch abstürzendes Geröll und Schnee zerstört.
Neues Mittel gegen Typhus
Washington, 15. Oktober. Amerikanische Militärärzte berichten über ein Serum, das sie aus Kaninchen gewannen, die mittels durch die Körperlaus übertragenen Typhushazillen infiziert waren, als hervorragendes Mittel gegen epidemischen Frühtyphus.