Tiroler Tageszeitung 1945

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summer 103/ 1. Jahrgang
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Samstag, 20. Oktober 1945
ammersänger
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Die Anklageschrift gegen die
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Berlin, 19. Oktober.
Die Anklageschrift gegen die 24 Hauptkriegsverbrecher klagt die Naziführer an, 25 Jahre hindurch auf die Erringung der Weltherrschaft hingearbeitet und in Verfolgung dieses Zieles die Theorie der rassischen überlegenheit „verbreitet, das internationale Recht vergewaltigt, den totalen Krieg begonnen zu haben und außerdem die Verantwortung für die Ermordung und Folterung von vielen Millionen Menschen zu tragen.
Die Formulierung der Kriegsverbrechen
n Hitlers Stelle steht an der Spitze der Liste on höchster Schn, der Angeklagten der von ihm als sein Nachfolger dete Erscheinung bestimmte Hermann Wilhelm Göring. — Die
len Bühnenkunst Anklagen gegen die Kriegsverbrecher lau
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Jahre vom 8. Mai 1939 an der Planung, Vorbereitung, Anstiftung und Führung von
Angriffskriegen teilnahmen, von Kriegen, die eine Verletzung internationaler Verträge, Abkommen oder Zusicherungen darstellen; daß die Angeklagten in der Zeit vom 1. September 1939 bis zum 8. Mai 1945 Kriegsverbrechen begangen haben, und zwar in Deutschland und in allen von den deutschen Streitkräften seit dem 1. September 1939 besetzten Ländern sowie auch in Österreich, der Tschechoslowakei, in Italien und auf offener See;
. daß die Angeklagten in den Jahren vor dem 8. Mai 1945 in Deutschland und anderwärts Verbrechen gegen die Menschheit begangen haben, darunter die Ermordung und Verfolgung aller jener, die der Feindschaft gegen die Nazipartei oder gegen den „gemeinsamen Plan“ zur Begehung von Verbrechen
verdächtigt waren.
Die angeklagten Personen
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deus Mozart. OsSambader und H. Drichtendienst. 19.15 rr. Gesellschaft der 930 Uhr: Paris, sterreichische Presse korchesiers. Leitung
Alfred Rosenberg, dem die geistige und ideologische Schulung der NSDAP. oblag und der zum Keichsminister für die besetzten Ostgebiete ernannt wurde; Martin Bormann, Hitlers Stellverteter; Robert Ley, Führer der Deutschen Ar(Innsbruck). 18.30 beitsfront und Mitorganisator der „Zentralinspek8.45 Uhr: Streich, ion für die Befreiung der ausländischen Arbeiter“; Walter Funk, Hitlers Wirtschaftsberater und Reichswirtschaftsminister; Hjalmar Schacht, ftüherer Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister; Franz v. Papen, Vizekanzler und früherer deutscher Botschafter in der Türkei; Arthur Seyß=Inquart, österreichischer Bundeskanzlr. Julius Streicher, Hauptschriftleiter der antisemitischen Zeitung „Der Stürmer“; Wilhelm Keitel Chef des Oberkommandos der Wehrmacht;
Großadmiral Raeder, Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine; Ribbentrop. Speer usw.
Alle Angeklagten sind, wie es in der Anklageschrift heißt, für ihre eigene Handlung und für die Handlungen anderer Personen, die zur Ausführung ihrer Pläne und Verabredungen dienten, einzeln und persönlich verantwortlich.
Göring wird als Urheber der Konzentrations lager bezeichnet.
Rosenberg, Ley und Streicher werden
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rasse und des Antisemitismus bezeichnet. Dazu erfolgt die Feststellung, wie weit den Verschwörern die Verwirklichung ihres Zieles gelungen ist. Das kann nur aus der Tatsache ermessen werden, daß die Ausrottung der Juden in vielen Gegenden Europas vollständig war. Von 36 Millionen Juden, die in den unter der Nazi
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schen Gründen in Konzentrationslager verschleppten Franzosen sind nur noch 28.000 am Leben. Die Russen erklären, daß im Konzentrationslager Maidenegg 1.5 Millionen und im Konzentrationslager Auschwitz rund 4 Mill. Menschen umgebracht wurden. In der Gegend von Lwow haben die Deutschen rund 700.000 Sowjetbürger und im Lager Ganow 200.000 friedliche Bürger ausgerottet. Aus Rußland allein wurden 4,978.000 Menschen in die Sklaverei verschleppt. — Der letzte Teil der allgemeinen Anklageschrift bezieht sich auf
die Ausplünderung
der besetzten Länder, wodurch Millionen von Menschen dem Hunger ausgeliefert wurden. Rußland veranschlagt seinen materiellen Gesamtschaden mit 679 Milliarden Rubel.
Für jeden der Angeklagten wird die Grundlage festgestellt, weshalb er in besonderer Weise eine persönliche Verantwortung zu tragen hat. So wird Papen nicht des Verbrechens gegen die Menschheit angeklagt, sondern der Förderung und Vorbereitung für den Krieg und der Mitwirkung an der Aufstellung politischer Pläne. Gegen Keitel wird die Anklage wegen bestimmter Verbrechen in Form von Mißhandlungen von Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung besetzter Gebiete erhoben. Die Anklageschrift umfaßt 85 Seiten. Diese schildert, wie die Angeklagten zunächst jeden Widerstand in Deutschland unterdrückten, bis sie schließlich unumschränkte Gewalt und totale Kontrolle erreichten. Dann gingen sie daran, alle Hindernisse, die ihrer Angriffslust im Wege standen, zu
beseitigen. Gemäß dem Naziplan war
Österreich das erste Opfer
Durch zwei Ultimaten wurde der österreichische Bundeskanzler Dr. v. Schuschnigg zum Rücktritt gezwungen und der Angeklagte Seyß=Inquart ersuchte Hitler, deutsche Truppen nach Österreich. zu entsenden. Es folgte der Schlag gegen die Tschechoslowakei und der nächste Schritt gegen Polen wurde vorbereitet.
Österreichs Unabhängigkeit wieder versichert werden sollte. Hitler jedoch erklärte sich, anstatt diese Versicherung abzugeben, zum Schutzherrn aller Deutschen. Die unterirdische Tätigkeit der Nazis in österreich nahm zu. Am 9. März 1938 kündigte Schuschnigg eine Volksabstimmung über die österreichische Unabhängigkeit an. Am 11. März sandte Hitler ein Ultimatum, in dem er verlangte, daß diese Volksabstimmung abgeschaffen werde, andernfalls die Deutschen in Österreich einmarschieren würden. Später am selben Tage drohte ein zweites Ultimatum mit dem Einmarsch, wenn Schuschnigg nicht innerhalb von drei Stunden zurücktreten würde. Schuschnigg trat zurück. Der Einmarsch begann am 12. März. Am 13. März maßte sich Hitler durch eine Proklamation das
Amt des österreichischen Staatsoberhauptes an und übernahm das Oberkommando über die österreichische Wehrmacht. Durch Gesetz vom selben Tage wurde Österreich Deutschland einverleibt.“
Der letzte Anhang enthält die lange Liste der internationalen Verträge und Abmachungen, die die Angeklagten vorsätzlich brachen und die Deutschland und die Welt vorsätzlich und planmäßig in den zweiten Weltkrieg stürzten.
Die Konzentrationslager
über die Konzentrationslager sagt die Anklageschrift: In den Konzentrationslagern war das Hygiene= und Arbeitssystem derart, daß die Sterblichkeitsziffer (angeblich durch natürliche Ursachen) riesige Ausmaße erreichte. Die zur Ausrottung angewendeten Methoden in Konzentrationslagern waren: schlechte Behandlung, pfeudowissenschaftliche Experimente (Unfruchtbarmachung von Frauen in Auschwitz und Ravensbrück), Studium der Entwicklung von Gebärmutterkrebs in Auschwitz, von Typhus in Buchenwald, anatomische Untersuchungen in Natzweiler, Herzinjektionen in Buchenwald, Verpflanzung von Knochen und Entfernung von Muskeln in Ravensbrück usw., Gaskammern, Gaswagen und Einäscherungsöfen.
Heute Anerkennung der Regierung Renner?
London, 19. Oktober. Die britische, amerikanische und französische Regierung werden die Regierung Dr. Renner in einer gemeinsamen Erklärung anerhennen, die unter der Voraussetzung, daß die Sowjetregierung damit einverstanden ist, am kommenden Samstag nach der Versammlung des Alltierten Kontrollrates veröffentlicht werden soll.
Neue Heilmethode für Kinderlähmung und Magengeschwüre
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Der Aberfall auf Österreich
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Die Anklageschrift schildert in sehr interessanter Leise den überfall Deutschlands auf Österreich. Sie sagt:
„Am 16. Okt ber 1935 sagten die Naziverschwöter: „Wir erheben keine territorialen Ansprüche in Europa.“ Als nächstem wandten sie sich dem genauen Plan der Einverleibung Österreichs und Tschechoslowakei zu. Am 21. Mai 1935 erklärte Hitler in einer Reichstagsrede: „Deutschland hat weder die Absicht noch den Wunsch, sich in die inneren Angelegenheiten Österreichs einzunischen, Österreich zu annektieren oder den Anschluß zu vollziehen.“ Am 1. Mai 1936, zwei Mo— der Wiederrrsetzung des nenen
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ner Sonniae 1613 des, erklärte Hitler: „Die Lüge wird wieder ver Auscumstr 1 breitet, daß Deutschland morgen oder übermorgen
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über Österreich oder die Tschechoslowakei her len wird.“ Dann bewirkten es die Naziverschwöter, daß am 1. Juli 1936 ein Vertrag zwischen osterreich und Deutschland abgeschlossen wurde, dessen erster Artikel lautete: „Die deutsche Regierung erkennt die volle Souveränität des Staates Österreich in dem Geiste der Verlautbarungen des deutschen Führers und Kanzlers vom Mai 1935 an.“ Unterdessen wurden Angriffspläne zur Verletzung dieses Vertrages gemacht. Eine einflußreiche Gruppe
der Naziverschwörer traf mit Hitler am 5 No
vember 1937 zusammen, um die Lage zu überprüfen. Sie erkannten, daß eine solche Eroberung wahrscheinlich auf Widerstand stoßen würde, der mit Gewalt niedergeschlagen werden müsse, und daß ihre Entscheidung zu einem allgemeinen Krieg führen könne. Aber diese Aussichten wurden außer Betracht gelassen, da das Risiko sich lohnte. Man zog in Erwägung, daß die Eroberung von Österreich und der Tschechoslowakei durch erzwungene Auswanderung von 2 Millionen Personen aus der Tschechoslowakei und
1 Million aus Österreich zusätzlich Nahrung für das Reich bereitstellen und die strategische Lage verbessern würde. So beirachtete man das Ziel des Planes gegen österreich und die Tschechoslowakei nicht als Endzweck, sondern nur als eine „vorbereitende Maßnahme“ für die nächsten Angriffshandlungen. Hitler berief am doch keine Grenz 8. Februar 1938 den Bundeskanzler Schuschnigg zu einer Konferenz nach Berchtesgaden. Bei dem Treffen gab Schuschnigglunter der Drohung des Einmarsches nach und versprach, die im Gefängnis befindlichen Nazis zu amnestieren und Nazis auf Ministerposten zu berufen. Er stimmte zu, sich bis zur Rede Hitlers am 20. Februar schweigend zu verhalten, einer Rede, in der
Washington, 19. Oktoher. In einem Krankenhaus in New Orleans wird eine neue Behandlung der Kinderlähmung erprobt. Diese Behandlung besteht im wesentlichen darin, die kleinen Patienten in ein Sauerstoffzelt zu legen, wo sie im Sauerstoff enthaltenes Kohlendioxyd — der Anteil des Kohlendioxyds an dem Gemisch beträgt 5 Prozent — einatmen.. In 12 Fällen von 13 konnten gute Erfolge gemeldet werden. Ein sicheres Urteil kann über diese Heilmethode noch nicht abgegeben werden, zweifellos verdient sie Beachtung. — Die medizinische gakultät der New Yorker Universität gab bekannt, daß durch Zufall eine neue Behandlung für Magengeschwüre entdeckt wurde, welche innerhalb von 24 Stunden den Schmerz lindert. Durch die Behandlung mit „Amigen“. einem
digerierten Protein, verschwinden in den meisten Fällen die Geschwüre innerhalb von zwei bis drei Wochen.
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der norddeutschen Provinz Wesinden Jriesen sollen an Dänemark Die dänische Regierung wünscht seerung.
In Tübingen wurde ein Verbindungsamt geschaffen, um die Verwaltungseinheit des württembergischen Staates, dessen Gebiet teils in die amerikanische, teils in die französische Besatzungszone fällt, aufrecht zu erhalten.
Die „Times“ warmt England, in der Palästinafrage die Araber zu verletzen.
In Paris wurde ein Kommissariat zum Studium der Atomenergie aufgestellt.
Das staatsmännische Profil General de Gaulles ist vielleicht selten so scharf hervorgetreten wie in seiner letzten Rundfunkansprache, mittels deren er die französischen Wähler über die Bedeutung der Abstimmung vom 21. Oktober unterrichten wollte. Aus den Pressestimmen zu schließen, ist der Eindruck dieser Kundgebung sowohl bei jenen, welche die Ansichten des Chefs der povisorischen Regierung teilen, wie auch bei jenen, die ihnen ablehnend gegenüberstehen, außerordentlich gewesen. General de Gaulle, der die so mühsamen Arbeiten für die Wiedererhebung Frankreichs nach dem Sturze von 1940 geleistet hat, will die Sicherheit des Vaterlandes, soweit es menschenmöglich ist, gewährleistet wissen. Als das erste Erfordernis hiezu hat er — und er machte sich
damit zugleich zum Dolmetsch der Klarblickenden und Einsichtigen — die Reform einer Verfassung erkannt, die gerade dann, wenn es großer und starker Entschlüsse bedurfte, versagte.
In der Rundfunkrede de Gaulles konnte man aber auch die seelische Größe des Mannes bewundern, dem Frankreich so ungeheuer viel verdankt. Er machte keinerlei Rühmens aus diesen Leistungen, denen nicht nur sein Vaterland, sondern die ganze Welt die höchste Achtung zollt. In aller Schlichtheit erklärt er sich bereit, die großen Vollmachten, die er seit fünf. Jahren ausübte, in die Hände des Volkes zurückzulegen. General de Gaulle ist einer jener Großen, die nach der Parole handeln: „Ich diene“. Welcher Gegensatz zu jenen so abstoßenden, ruhmredigen Tiraden, mit denen ein gewisses „Führertum“ seine überheblichkeit in die Welt schrie! Der Chef der provisorischen Regierung Frankreichs liebt die Bescheidenheit und Sachlichkeit. In diesem Ernst der Arbeit, die
keines Theaterpomps bedarf, um sich hervorzuheben und hervorzuleuchten, liegt das Geheimnis der großen Erfolge beschlossen, die General de Gaulle für Frankreich errang. Diese Erfolge sind sicherlich die beste Wahlpropaganda für jene Erneuerung des Staatswesens, die reif wurde, als der Krieg Frankreich überfiel und die ihre Formen empfing, als die Franzosen die Not und Schmach, die über sie gekommen waren, durch eine heldenmütige Entschlossenheit zum äußersten Widerstand überwanden.
Der Geist dieser Widerstandsbewegung belebt weiterhin das politische Leben Frankreichs. Es wird vergeblich sein, danach zu fragen, ob sich die französische Wählerschaft für rechts oder für links entschieden haben wird. Diese Unterschiede stehen nicht zur Debatte. Die ehemaligen Rechtsparteien sind, so gut wie vom Erdboden verschwunden. Warum? Weil sie sich zu sehr mit den Männern von Vichy, mit den Kollaborationisten verbunden hatten. Seien es ideologische, seien es rein materielle Beweggründe gewesen, welche diese Gruppen während der gefährlichsten Zeit Frankreichs in das Zwielicht stellten, die Geschichte hat über sie ein Verdikt gefällt, gegen das es keine Berufung gibt. Selbstverständlich sind die Aufgaben, welche konservative politische Gruppen zu
erfüllen haben, deshalb nicht hinfällig geworden. Diese Aufgaben bleiben auch nicht unbetreut. Nur sind es neue Kräfte, die sich ihrer annehmen werden. Kräfte, die aus der Widerstandsbewegung hervorgegangen sind. Die Gefahren und Opfer, welche die Widerstandsbewengung von den einzelnen forderte, hat ein großes, neuartiges Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen lassen, das zur Folge hat, daß die innerpolitischen Gegensätze zwischen rechts und links vorläufig wenigstens den schroffsten Charäkter verloren haben. Der konservative Mann der Widerstandsbewegung achtet den Sozialisten, der mit ihm im Maquis zusammen kämpfte, und der Sozialist, der sich am Freiheitskampf beteiligte, erblickt im „rechten Flügelmann“ eine notwendige Ergänzung, die zur
Aufrechterhaltung des geistigen und politischen Gleichgewichtes notwendig ist. Genau genommen gibt es heute in Frankreich eine einzige Partei, die man ausgesprochen als eine Linkspartei ansprechen kann: die Kommunisten. Ihnen folgen aber, wenn man eine Reihenfolge von links nach rechts einhalten wollte, nicht etwa die Sozialisten, sondern eher die Radikalsozialisten, die früher beinahe eine Partei der Mitte waren. Diese Hinweise mögen genügen, um die innerpolitischen Verschiebungen zu kennzeichnen, die Frankreich während des letzten Lustrums erfahren hat, und insbesondere, um vor falschen und voreiligen Schlüssen zu warnen.
Die Ausübung des Wahlrechtes bringt diesmal große Neuerungen. Nicht nur das französische Mutterland, auch die Kolonien sind zur