Tiroler Tageszeitung 1945
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Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „C. C.“, Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4. — Druck: Cprolie Innsbruck, Andreas-Hofer-Str. 4
Montag, 22. Oktober 1945
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Österreich hat wieder
eine Regierung
Wir stehen nun also vor dem erfreulichen Augenblick, in dem das österreichische Volk wiederum durch eine eigene Regierung verteten wird. Bisher gab es ja nur Landesregierungen, deren Befugnisse über bestimmte Grenzen nicht hinausreichten und die vor allem nicht als Sachwalter und Dolmetscher allgemein österreichischer Angelegenheiten aufzutreten vermochten. Dabei gibt es eine Reihe von brennenden Fragen, die nach der Autorität einer Gesamtregierung gebieterisch verlangen.
denken wir nur an das reiche Arbeitsgebiet, das die Aufnahme der Beziehungen österreichs zum Ausland darstellt. Nur eine von den Machten anerkannte Gesamtregie rung vermag die notwendigen Verbindungen anzuknüpfen, die wir brauchen, um in der Angelegenheit der Friedensverträge unsere Stimme zur Geltung zu bringen und vor allem um den wirtschaftlichen Raduus so zu erweitern, daß wir über die drohenden Krisen der nächsten Monate hinwegkommen können. Die Hilfe der großen Organisationen, welche dazu eingesetzt sind, um den Wiederaufbau des verwüsteten Europa zu erleichtern, kann nur mobilisiert werden, wenn eine handlungsfähige Gesamtrgierung des Staates die notwendigen Fäden knüpft.
Man vernimmt immer wieder Einzelheiien, die uns die Hoffnung vermehren, daß die wirtschaftlichen Hilfskräfte österreichs üel bedeutender sind, als sie von obersüächlichen Beobachtern eingeschätzt werden. ist selbstverständlich, daß nur eine zielbewußte, von lokaken Egoismen freie Gesantregierung die Auswertung dieser Reseinen in richtiger Weise betreuen kann. Die Anerkennung einer österreichischen Gesamtregierung macht also auch den Weg frei für eine gedeihliche Arbeit des wirt
schaftlichen Wiederaufbaues. Wir brauchen nur anzudeuten, daß die Lösung der Währungsfrage, von der wiederum das ganze säderwerk unseres wirtschaftlichen Betriebes abhängig ist, ohne die Autorität einer Gesamtregierung nicht möglich wäre.
Eine Betrachtung verdient auch wohl der Umstand, daß die Anerkennung der österreichischen Gesamtregierung fur österreich eine moralische Werterhoyung mit sich bringt. Dadurch kommt nämlich der Wunsch der Allierten zum Ausdruck, daß Österreichs Freiheit und Unabhängigkeit in möglichst kurzer Zeit voll hergestellt werden möge. Es ist ein unwiderleglicher Beweis des Vohlwollens und des Ernstes, mit dem die Alierten an den Grundsätzen der Moskauer Deklaration vom Jahre 1943 festhalten.
So darf ohne übertreibung behauptet werden, daß die Wiederherstellung einer einheitlichen Staatsautorität über das österreichische Staatsgebiet einen wesentlichen und wichtigen Fortschritt bedeutet. Wir österreicher aber müssen bedenken, daß setzt die äußeren technischen Voraussetzungen für staatsmännische Wiederaufbauarbeit bereitliegen. Mögen wir nicht versäunen, die Moglichkeiten, die sich uns jetzt darbieten, zu ergreifen. Möge der Gedanke der Zusammenarbeit über alle Einflüsterungen obsiegen, mit denen kleinlicher Parteihader ein gutes Werk von seinem Beginne an vergiften könnte Arbeiten und nicht streiten! Das muß unsere Parole werden,
mit der wir dem Entgegenkommen der Alierten antworten wollen.
Neuestes vom Tage
Zwischen Frankreich und Argentinien wurde iin Handelsabkommen abgeschlossen.
Die Debatte über die Stellung König Leopolds im beigischen Senat wurde auf unbestimmte Zeit vertagt.
Der amerikanische Richter Jackson wird einen Besdachter zum ungarischen Volksgerichtshof, der die ungorischen Kriegsverbrecher aburteilen soll, entsenden.
Der sowjetische Oberkommandierende in Deutschland besimmte, daß die alliierte Militärmark die einin güttige Währung in seiner Zone ist.
Der Allüierte Kontrollrat gestattete die Wiedererrichtung den Gewerkschaften in Berlin.
Der frühere japanische Außenminister erklärte daß der Mikado nicht zurücktreten werde, da er sich für die Erfillung der von den Alliierten auferlegten Verpflichtungen verbürgt hat.
Die Amerikaner haben den Hafen von Neapel s die stalienische und britische Verwaltung übergeben.
Stabilisierung der tschechischen Währung
Prag, 21. Oktober. Der Wert der neuen tschechoslowakischen Krone ist offiziell mit 200 Kronen für ein Pfund Sterling und 50 Kronen für den amerikanischen Dollar festgesetzt worden. Das Umrechnungsverhältnis der neuen zu der alten Währung wird später bekanntgegeben werden.
Eine Verordnung der Regierung setzt fest, daß monatlich nur ein Höchstbetrag von 600
Kronen von Privatpersonen von den Bankkonten abgehoben werden darf. Alles deutsche und ungarische Geld sowie tschechische und slowakische Kronen müssen bis zum 15. November abgeliefert werden. Vom 29. Oktober an werden alle Löhne in der neuen Währung gezahlt. Nach einer Prager Schätzung hat sich der Umlauf des Geldes seit März 1939 um das Siebenfache erhöht.
Die Aberreichung der Anklageschrift an die Kriegsverbrecher
Nürnberg, 20. Oktober. Der Prozeß gegen die 24 Hauptnaziführer wird vor dem 22. November beginnen. Den Angeklagten wurde die Anklageschrift überreicht. Sie haben dreißig Tage Zeit, um ihre Verteidigung vorzubereiten. Sie dürfen sich selbst ihre Verteidiger wählen.
Alliierte Offiziere gingen von Zelle zu Zelle, um den Gefangenen die Anklageschrift zu überreichen und ihnen mitzuteilen, daß der Prozeß am 20. November beginnen werde. Die meisten Angeklagten nahmen die Anklageschrift unbewegt entgegen.
Nur der frühere Reichswirtschaftsminister Funk brach zusammen und weinte: „Ich möchte sofort meinen Verteidiger bestellen! Das darf ich doch? Oder schicken Sie mir einen Gerichtsbeamten, damit ich meinen Fall mit ihm bespreche.“ So sagte er, nachdem er sich einigermaßen erholt hatte. Man gab ihm die Versicherung, er werde genügend Zeit zur Vorbereitung seiner Verteidigung haben, worauf er schreiend erklärte: „Ich bemühe mich, meine Gesundheit zu erhalten, und habe das größte Interesse, daß dieser Prozeß bald sein Ende finde.
Göring wünschte einen Verteidiger, aber ein Dolmetscher, so meinte er, würde für ihn noch wichtiger sein. Streicher studierte sorgfältig das Verzeichnis der deutschen Anwälte und bemerkte: „Ich will doch keinen Juden als Verteidiger haben.“ Jodl wollte wissen, ob er einen Verteidiger in Strafsachen oder einen Spezialisten des internationalen Rechtes bekomme. Großadmiral Dönitz überreichte dem Offizier, der die Anklageschrift gebracht hatte, ein Verzeichnis der Anwälte, die er haben wollte. Hans Frank forderte mehr Licht in seiner Zelle. Feldmarschall Keitel erklärte, er wolle mit seinem Schwager in Hannover in Verbindung treten, damit dieser einen Verteidiger für ihn besorge. Auf seine Briefe habe er bisher von seinem Schwager keine Antwort erhalten.
Verhaftung eines Kriegsverbrechers
Salzburg, 20. Oktober. Der ehemalige Kommandant des 17. Wiener Militärbezirks Major Neumann wurde verhaftet. Er hat beim Rückzug der Deutschen aus Wien den Befehl gegeben, den Stephansdom in Brand zu stecken.
New York, 21. Oktober. Wie die Blätter berichten, ist es der amerikanischen Wissenschaft gelungen, Energie in Masse zu verwandeln.
„New York Herald Tribune“ berichtet darüber: „Es handelt sich um eine Maschine, die in einem kleinen, sehr kleinen Maßstab den schöpferischen Vorgang nachahmt, der das gesamte Naturgeschehen verursacht. Diese Maschine wurde im Laboratorium der General electrie entwickelt. Sie vollzieht die Umwandlung der Grundelemente der Schöpfung. Gleichzeitig aber vermag sie auch den umgekehrten Vorgang zu leisten, d. h. Masse in Kraft zu verwandeln. Diese Umwandlung der Energie in Masse ist praktisch das Gegenteil dessen, was bei der Atombombe vollbracht wird, wo durch die Zerstörung von Masse Energie freigesetzt wird.
Auch diese Maschine verwandelt in einer ihrer Arbeitsphasen Masse in Kraft. Im Gegensatz zur
Energie in Masse
Freisetzung der Atomenergie erzeugt sie dabei jedoch nicht eine unkontrollierbare Explosivkraft, sondern ein schmales, alles durchdringendes Bündel von Röntgenstrahlen, deren volle Wirkung noch nicht festgestellt werden konnte. Schon jetzt weiß man, daß dieser Superröntgenstrahl in der Lage ist, das Uranatom zu zerstören. Diese neue Strahlung ermöglicht rasche und scharfe Photographien durch 30 Zentimeter dicke Stahlplatten. Sie bietet ferner eine neue Behandlungsmethode für die Krebskrankheit, da sie frei ist von hautverbrennenden Strahlen. Der Strahl ist auf kurze Entfernung zwar außerordentlich stark. Seine Wirkung nimmt aber mit zunehmender Entfernung sehr rasch ab.
Die Maschine wurde bereits vor zwei Jah ren erfunden, jedoch wegen des Krieges geheim gehalten.“
Erste Wahlergebnisse in Frankreich
Mehrheit für de Gaulle
Paris, 22. Oktober. Es liegen nunmehr ungefähr die Hälfte der Wahlresultate vor. Von den bisher gezählten 295 Sitzen entfallen auf die einzelnen Parteien:
Kommunisten und MURF 82 Sitze;
Sozialisten und ihre Alliierten von der UDSR 92 Sitze
Radikalsozialisten 11 Sitze
MRP 77 Sitze
Mittelparteien 31 Sitze
Restparteien 2 Sitze
Sämtliche Regierungsmitglieder sind gewählt worden, ausgen mmen der Verkehrsminister René Mayer. Auch der frühere Ministerpräsident Daladier wurde geschlagen.
Von den Persönlichkeiten, die gewählt wurden, seien besonders genannt:
Die Wortführer der Widerstandsbewegung in London Schumann (MRP) und Pierre Bourdan, von den Sozialisten André Philipp und Vincent Auriol, von den Radikalsozialisten Cot Pierre, der ehemalige Luftfahrtminister, und der frühere Ministerpräsident Herriot, von der Mitte Louis Marin, von den kommunistischen Führern Thorez und Ramette.
Zugleich stimmte das französische Volk über die Anderung der Verfassung bzw. über eine neue Verfassung ab. Bis gestern Mitternacht wurden 880.000 Wahlergebnisse für das Reverendum durchgesehen. Die überwältigende Mehrheit der Wähler spricht sich für die Aufstellung einer neuen Verfassung aus. Auch die zweite Frage (Regierungsvorschlag) erhielt eine starke Mehrheit. Es wurden 589.000 Ja und 290.000 Nein gezählt. Bei der zweiten Frage handelte es sich bekanntlich darum, daß während der Tagung der verfassunggebenden Nationalversammlung (sieben Monate) die von der Versammlung eingesetzte Regierung die volle legislative und exekutive Gewalt in Frankreich ausübt und nicht automatisch infolge Meinungsverschiedenheiten über einen Gesetzentwurf
gestürzt werden kann.
Deutsch — zweite
im Bozner Gebiet
Rom, 20. Oktober.
Das italienische Kabinett hat die deutsche Sprache als zweite Amtssprache für öffentliche Aufzeichnungen und für die Verwaltung im Bezirk Bozen genehmigt. Eine ähnliche Regelung wurde bereits früher für die französische Minderheit im Aostatal getroffen. Außenminister Dr. Aleide Degasperi erklärte, daß auch die slawischen Gruppen in Istrien die gleichen Rechte erhalten können.
Beschlüsse der Bundesregierung
Wien, 20. Oktober.
Der Kabinettsrat beschloß, an die alliierten Militärbehörden einen dringenden Appell zu richten, die Methoden der Zusammenarbeit zwischen ihnen und der österreichischen Verwaltung nunmehr so festzulegen, daß ein einheitlicher, über die Demarkationslinie hinweg für ganz Österreich gültiger Plan zur Bekämpfung der für den Winter drohenden Gefahr: Frost, Hunger, Seuchen ausgeführt werden könne. Weitere Schritte sollen das besonders dringliche Flüchtlingsproblem einer Lösung näher bringen. Sofortmaßnahmen sind notwendig, um bestimmte Schlüsselindustrien in Gang zu setzen, denen unter Umständen eine vorläufige Kredithilfe zuteil werden soll. Einem Berichte des Staatssekretärs für Land= und Forstwirtschaft Kraus war zu entnehmen, daß Niederösterreich
unter einem bedrohlichen Mangel leidet. Die Zuteilung in Niederösterreich beträgt nur 828 Kalorien täglich gegen 1550 Kalorien in Wien.
Punktesystem bei Wohnungs
anforderungen in Wien
Wien, 21. Oktober. Auf Grund der Durchführungsbestimmungsverordnung zum Wohnungsanforderungsgesetz wurden die Wohnungssuchenden in drei Klassen mit 50, mit 26—50 und 25 Punkten eingeteilt. Die Zuteilung mit Punkten erfolgt nach einem Schema, welches unter Berücksichtigung der Dringlichkeit ausgearbeitet ist.
Die Regierung Renner von den Mächten anerkannt
Wien, 21. Oktober.
Bei der heutigen Tagung des alliierten Kontrollrates wurde an Staatskanzler Dr. Renner ein Memorandum übergeben, in dem es heißt:
1. Der alliierte Rat hat über das Memorandum vom 28. September 1945 beraten, in welchem Dr. Renner die Beschlüsse mitteilt, zu denen die Länderkonferenz, die vom 24. bis 26. September tagte, gelangt ist. Die Mitglieder des alliierten Rates freuen sich, mitteilen zu können, daß ihre respektiven Regierungen ihren Vorschlägen zugestimmt haben, die Autorität der gemäß den Beschlüssen der Länderkonferenz erweiterten provisorischen österreichischen Regierung auf ganz österreich auszudehnen. Die Anerkennung erfolgt unter nachstehenden Bedingungen.
Die Bedingungen
2. Die provisorische Regierung wird unter der Führung und überwachung der obersten Behörde in Österreich, dem alliierten Kontrollrat, arbeiten. Die Kontrolle der Ministerien und Regierungsabteilungen wird durch die alliierte Kontrollkommission erfolgen. Bestimmte Regierungsfunktionen sind dem alliierten Kontrollrat vorbehalten. Nähere Mitteilungen über diese Funktionen werden Dr. Renner im Bedarfsfalle gemacht werden.
3. Eine der Hauptaufgaben der provisorischen
österreichischen Regierung wird die Abhaltung freier Wahlen sein, die sobald als möglich und nicht nach dem 31. Dezember 1945 stattfinden sollen.
4. Die provisorische österreichische Regierung ist ermächtigt, Gesetze zu erlassen, die für ganz Österreich Gültigkeit haben, vorausgesetzt, daß sie zuerst dem Alliierten Rat zur Genehmigung vorgelegt werden. Weitere Voraussetzung ist, daß dadurch Anordnungen nicht berührt werden, die in dem von den Streitkräften der Sowjetunion besetzten Teilen Österreichs zwischen dem 1. Mai 1945 und dem Zeitpunkt, an dem ein neues für ganz Österreich gültiges Gesetz an ihre Stelle tritt, erlassen wurden. In diesem Zusammenhang nimmt der Alliierte Rat zur Kenntnis, daß die Länderkonferenz beschlossen hat, die eben erwähnten Anordnungen zu studieren, und er wünscht, daß ihm das Ergebnis dieser Untersuchung zur begutachtung unterbreitet werde.
5. Der Inhalt dieses Memorandums ändert nichts an der Gültigkeit aller derzeit in Kraft befindlichen und noch zu erlassenden Gesetze der Militärregierung.
Neues Hauptquartier des Alliierten Rates in Wien
Wien, 22 Oktober Die Oberbefehlshaber der vier Besatzungsmächte traten heute zum erstenmal im neuen Hauptquartier des Alliierten Kontrollrates in Wien, Schwarzenbergplatz 4, zu ihrer regelmäßigen Sitzung zusammen. Das neue Hauptquartier wird auch für die Sitzungen des Exekutivausschusses verwendet werden. Außerdem wird dort ein dauerndes Sekretariat der vier Mächte Dient tun. „ 1