Tiroler Tageszeitung 1945
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- S.52
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Seite 2 Nr. 105
Tiroler Tageszeitung
Dienstag, den 23. Oktober 196
Wie stehts mit unserer Krastpost
Dank des großzügigen Entgegenkommens der Besätzungsbehörden und der wertvollen Hilfe, die die Division P. T. T. der Militärregierung den österreichischen Behörden bei der Wiederaufnahme des Verkehrs im Lande leistete, konnte der Kraftpostverkehr bisher auf folgenden Linien aufgenommen werden: Innsbruck—Rinn,
Innsbruck — Mühltal, Innsbruck — Grinzens, Innsbruck — Gries i. Sellrain, Steinach — Gschnitz, Seefeld—Oberleutasch, Jenbach—Achenkirch, Kufstein—Landl, Kufstein—Ellmau, Wörgl —Auffach, Kufstein—Erl, Kufstein—Kössen, Kössen—St. Johann i. T., Imst—St. Leonhard, Imst=Postamt—Bahnhof, Telfs—Nassereith, Ötztal—Zwieselstein, Imst—Reutte, Landeck—Galltür, Landeck—Nauders, Landeck—Zams, Reutte —Steeg.
Die werktägliche Führung nur eines Kurspaares auf jeder dieser Linien erfordert die Beistellung von monatlich 3000 Liter Benzin, 7200 Liter Dieselöl und 4500 kg Holz. Mit. Ausnahme des Holzes war es bisher nicht möglich, diese Treibstoffmengen zugeteilt zu erhalten. Mehrere Linien werden daher nur an drei Werktagen je Woche befahren. Eine Ausweitung des Postkraftwagenverkehrs in Tirol in der Art, daß bereits früher befahrene Linien wieder in Betrieb genommen werden, hängt einzig und allein von der Zuteilung des hierfür erforderlichen Treibstoffes ab. Bei einer Besserung der Treibstofflage ist die Verkehrsaufnahme auf folgenden Linien vorgesehen: Waidring—Fieberbrunn, Kufstein—St. Johann i. T., Ellmau—Wörgl, Kitzbühel—Mittersill, Zell a. 3.—Gerlos,
Mayerhofen—Hintertux, Mayerhofen — Ginzling, Brixlegg — Alpbach, Solbad Hall — Rinn, Innsbruck—Oberperfuß, Innsbruck—Reutte, Innsbruck—Rattenberg, Landeck—Feuchten, Reutte—Schattwald. Nach Maß
gabe der zur Verfügung stehenden Treibstoffmenge werden davon die dringlichsten Linien zuerst in Betrieb genommen. Für den Betrieb dieser Linien werden zusätzlich 2200 Liter Benzin, 5300 Liter Dieselöl und 3300 kg Holz benötigt.
In Vorarlberg kann bisher nur die Linie Dornbirn—Lustenau, Bezau—Schröcken und Dornbirn—Hittisau wieder in Betrieb genömmen werden.
Nach dem Stande vom 30. September verfügt die Bundespostdirektion Innsbruck über 69 fahrbare Omni busse, davon befinden sich 58 in Tirol und 11 in Vorarlberg. Da in Vorarlberg nur drei Linien verkehren, ist eine Abgabe von Omnibussen von Tirol nach Vorarlberg nicht möglich. Der oben angegebene Ausbau des Postkraftwagenverkehrs erfordert für Tirol 39 und für Vorarlberg 20, insgesamt 59 Omnibusse. Somit verbleiben nach dem derzeitigen Stande 10 Omnibusse, die nicht für den Liniendienst unmittelbar benötigt werden. Diese sind als Reserven vorgesehen, und zwar 6 für Tirol und 4 für Vorarlberg. Nicht fahrfähig sind in Tirol 92, in Vorarlberg 19, zusammen also 111 Omnibusse. Feststellungen, welche von diesen in technischer Beziehung instandsetzungsfähig
sind, besser bei welcher eine Instandsetzung noch wirtschaftlich tragbar ist, weiters welche Fahrzeuge zweckmäßigerweise zur Gewinnung von Ersatzteilen ausgeschrottet werden, sind für die nächste Zeit vorgesehen.
Die Frage einer Inbetriebsetzung weiterer Linien in Tirol und Vorarlberg ist also nur von der Zuteilung von Brennstoff abhängig. Die hierfür notwendigen Fahrzeuge sind vorhanden.
Notruf an das überfallskommando der Polizei: 61 61, Klappe 51.
Friedensappell des Dapstes an die Frau
Rom, 21. Oktober. Vor 3000 italienischen Frauen, die sich im Vatikan versammelt hatten, hielt Papst Pius XII. eine durch den Rundfunk übertragene Ansprache für die Friedensarbeit. Der Papst sagte: „Euer Tag ist gekommen. Katholische Frauen und Mädchen, das öffentliche Leben braucht euch!" Er warnte vor den Gefahren einer totalitären Staatsauffassung für die Familie und er wies zugleich auch auf die Gebrechen des Kapitalismus hin.
Er sagte: „Die Frau versteht nicht und kann auch nicht verstehen, daß Politik die Herrschaft einer Klasse über die andern bedeutet, daß sie ein ehrgeiziges Streben nach einem ausgedehnteren wirtschaftlichen und Nationalreich sein soll, gleichgültig, unter welchem Vorwand dies geschieht. Die Frau weiß, daß dies zu verstecktem oder offenem Bürgerkrieg, zu einer dauernden Gefahr, zu einer ständig wachsenden Häufung von Kriegsgeräten und einer dauernden Kriegsgefahr führt. Solche Verhältnisse sind für die
Familie höchst abträglich, denn dafür muß mit Blut bezahlt werden.“
„Keine kluge Frau stimmt für eine Politik des Kampfes oder Krieges. Ihre Stimme ist eine Stimme für den Frieden.“ Der Kapitalismus hat zu einer Anhäufung der Menschen in den Städten, einem Anwachsen der Großindustrie und der Arbeitslosigkeit geführt. Die Menschheit wird so das Opfer der Schrecken, die der materielle und wissenschaftliche Fortschritt, auf den sie früher so stolz war, mit sich bringt.
Der Sturz des ungarischen Dengö
Der Wiener Korrespondent der „Times“ schreibt, daß die Wertverminderung des Pengö immer raschere Fortschritte macht. Die Sozialisten geben der Partei der Kleinen Landwirte die Schuld, weil diese das Finanzministerium inne hat. Die Kleinen Landwirte schieben die Schuld auf die Kommunisten, die das Versörgungsministerium besetzt hatten
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Dipkamatie, Tresse und Tokitik
im Deitten Reich
Aus dem Tagebuch eines Journalisten 9. Fortsetzung
Die Werkstatt des deutschen Geheimdienstes
Einer der äußeren Gründe, die zum Verlust des Krieges führen mußten, war das restlose Versagen des Geheim= und Nachrichtendienstes. Das ist um so erstaunlicher, als der Polizei= und Gestapoapparat Himmkers auch den Spionage= und Abwehrdienst an sich gerissen hatte. Von der Befreiung Mussolinis abgesehen, gelang der Gestapo in all den Jahren nur ein überraschungstrick, durch den zwei englische Agenten im Jahre 1939 in der Nähe der holländischen Stadt Venlo in eine Falle gelockt und nach Berlin gebracht werden konnten. Dieser Vorfall wurde von der deutschen Propaganda groß herausgestellt. Es ist kein Fall bekannt, daß auch die Gegenseite die sicherlich großen Erfolge ihres Geheimdienstes aus Reklamegründen entwertet hätte. Die seinerzeit im
Ausland oft erörterte Frage, wie es möglich war, nach dem Muster der Londoner Exilregierungen auch in Deutschland Gegenregierungen zustande zu bringen und Männer, wie Subhas Chandra Bose, den Großmufti von Jerusalem Sayed Amin el Husseini und den iranischen Exministerpräsidenten Gailani nach Berlin zu bringen, findet ihre Aufklärung dadurch, daß auch diese Männer nicht durch die Gestapo sondern auf einem besonderen Wege mit Kuriermaschinen des Auswärtigen Amtes nach Deutschland gebracht wurden.
Selbst, die größten von langer Hand vorbereiteten Unternehmungen der Gegenseite an denen Zehntausende von Menschen beteiligt waren — wie z. B. die Landung in Marokko mit einer Flotte von über 1000 Schiffen— waren weder aus einem der Einschiffungshäfen der amerikanischen Ostküste noch aus Marokko selbst, wo seit Monaten alles für die Landung vorbereitet wär, dem deutschen Nachrichtendienst zur Kenntnis gelangt. Zwar hatte der Generalkonsul in Algier Doktor Auer, der schon damals für seine Berichte den Umweg über Tanger oder Lissabon wählen mußte, ein Warnungssignal an die deutsche Botschaft in Paris gegeben; seltsamerweise hat jedoch der Spezialkurier mit dieser äußerst wichtigen Mitteilung
Paris nie erreicht. Was sich die OKW.=Vertreter der deutschen Kontrollkommissionen in Marokko, wo gleichzeitig mit dem Vorstoß aus Agypten die anglo=amerikanische Zangenbewegung einsetzte, die die militärische Niederlage der „Achse“ einleitete, hinsichtlich ihrer Ahnungslosigkeit und Verantwortungslosigkeit geleistet haben, wird nur übertroffen von dem Verhalten des Luftwaffenkommandos Paris im Augenblick der Invasion, als der verantwortliche Generalfeldmarschall der Luftwaffe in der Nacht vom 5. zum 6. Juni 1944 sich verbat, während eines Festes im Palais Luxembourg mit „derartigen unsinnigen Gerüchten“ gestört zu werden! Der gleiche Generalfeldmarschall teilte wenige Wochen später seinem Stabe und seiner. Truppe seine „Amtsniederlegung“ über den
Fernschreiber mit.
Die Kette der folgenschweren Ereignisse rollte logisch und unerbittlich, doch stetig zur überraschung der amtlichen deutschen Stellen ab. Keine der Konferenzen der fremden Staatsmänner war hinsichtlich Ort und Termin vorher bekannt. Auskünfte über die Reisen Churchills und Roosevelts und anderer führender Männer der Alliierten wurden in Deutschland in den meisten Fällen erst durch die Veröffentlichungen der gegnerischen Presse bekannt. Um seine völlige Ahnungslosigkeit nicht vor aller Welt eingestehen zu müssen, ließ das Auswärtige Amt auf gut Glück wahrscheinliche Konferenzorte und Termine durch die inund ausländische Presse behaupten, um auf diese Weise die Gegenseite zu einer enthüllenden Stellungnahme herauszufordern. Mangels richtiger
Informationen ließ die deutsche Presse die Teherankonferenz in Täbris und die Yaltakonferenz auf einem Kriegsschiff im Schwarzen Meer stattfinden. Dabei war zahlenmäßig der deutsche Spionage= und Abwehrapparat mit Abstand der größte Europas. Dies schon deshalb, weil nicht etwa nach bewährtem englischen oder russischen Vorbild eine Zentralstelle die Fäden in der Hand hielt, sondern weil im Dritten Reich mehrere Dienststellen unabhängig voneinander und zum Teil gegeneinander arbeiteten und dem Gegner so die Abwehr sehr erleichterten.
5J.=Führer als „Meisterspione“
Der Chef des deutschen Géheimdienstes. A miral Canaris, war ein international anerkannter Fachmann, der im ersten Weltkrieg als Spion in Italien zum Tode verurteilt worden und mittels einer List in der Nacht vor der Hin
28. K
Der erste Glockenguß nach dem Kriege
Am Donnerstag, den 18. Oktober, nachmittags 3 Uhr, fand in der Gießerei der Brüder Graßmayr in Wilten der erste Glockenguß seit dem Krieg statt. über 80 Prozent unserer Glocken sind uns in Tirol durch das Naziregime und durch den Krieg verlorengegangen. Diese Stimmen des Friedens mußten eingeschmolzen werden, damit mehr Kanonen gegossen werden konnten. Den Gemeinden Stumm im Zillertal und Ellbögen im Wipptal ist es nun als erste beschieden, die Stimmen des Friedens neu erklingen zu lassen.
Bei der Feier des Glockengusses war die Kirche durch Fürsterzbischof Dr. Rohracher aus Salzburg, das Land Tirol durch Landeshauptmann Dr. Weißgatterer und die Stadt Innsbruck durch Bürgermeister Dr. Melzer vertreten.
Dem Guß ging ein einführender Vortrag des Meisters Knitel über Geschichte und Verlauf der Glockengießerei voraus. Währenddem heizten die Arbeiter ständig den Ofen nach und brachten das Metall zum Fließen. Dann nahm der Meister eine Probe heraus und überzeugte sich von der Richtigkeit der Legierung und der Temperatur. Als es so weit war, daß der Guß beginnen konnte, sprach Fürsterzbischof Dr. Rohracher das Gebet. Darauf gab der Meister mit den Worten: „In Gottes Namen fangen wir an!“ die Anweisung zum Guß; der Zapfen wurde eingestoßen. Leuchtend quoll das flüssige Metall aus dem Schmelzofen und fand den Weg durch den Kanal zur ersten Form. Mit einer Fackel wurde das Gas entzündet, das aus der Form strömte. Nach wenigen Minuten hatte
sich die Form gefüllt, und der glühende Strom wurde in einen neuen Weg zur nächsten Form gelenkt. Eine Form nach der andern wurde voll; der Guß war gelungen. Arbeitern und Zuschauern rannen die Schweiß
perlen vom Gesicht bei der Hiße, und Kän standen ihnen in den Augen, verürsacht durch den Rauch, der den Raum erfüllte. Aber auf allen Gesichtern stand zugleich ein Leuchten der daß das Werk des Friedens gelungen war.
Es wurden insgesamt acht Glöcken gegossen. vier für die Gemeinde Stumm und vier für Ellbögen. Sie haben zusammen ein Gewicht von 7550 Kilogramm, die schwerste wiegt allein 2400 Kilogramm. Das Geläute für Stumm ist au die Töne c, e, g, a gestimmt, das Geläute für Ellbögen auf die Töne es, g. d, e. Die Stumme Glocken sind mit Verzierungen nach Entwürfen des Bildhauers Moroder aus Mayrhofen zt. schmückt. Sie tragen Bilder von Heiligen, einen Fries, die Jahreszahl der Entstehung sowie den Namen des Meisters, der sie gegossen hat. Außerdem trägt die große Glocke die Wappen von österreich und von Tirol. Die Glocken für E bögen tragen Verzierungen nach Entwürfen die Meisters Kuen.
In den nächsten Tagen werden die Glocken au der Grube ausgegraben, gereinigt, auf die Reinheit des Klanges geprüft und an ihre Bestimmungsorte gebracht. In Ellbögen findet an 27. Oktober, 3 Uhr nachmittags, der feierlich Empfang der blumengeschmückten Glocken unte den Klängen der Dorfmusik und des Kirchenchors statt, und am Sonntag, den 28. Oktober, wirh P. Heinrich Schuler, der Abt vom Stifte Bil ten, die Weihe vornehmen. Danach wird Landehauptmann Dr. Weißgatterer eine Ansprach halten. Die Weihe der neuen Glocken für die Ge meinde Stumm wird Fürsterzbischof Dr. Rohnacher, zu dessen Diözese Stumm wie alle du meinden rechts der Ziller gehören, am Sonniag den 18. November, vornehmen.
Literatur und
Festakademie der österreichischen humanistischen Gesellschaft
Die österreichische humanistische Gesellschaft, die, im heurigen Frühsommer begründet, es sich zur Aufgabe gesetzt hat, die überzeitlichen Werte der Antike im Sinne eines zeitgemäßen Humanismus zu pflegen und überdies für die Erhaltung und innere Belebung des humanistischen Gedankengutes in einem humanistischen Gymnasium einzutreten und dessen Interessen auf jede Weise zu fördern, wendet sich nunmehr mit einer Festakademie an die Oeffentlichkeit.
Diese findet am Mittwoch, den 24. Oktober, 19.30 Uhr, in der Aula der Neuen Universität statt. Zunächst wird Univ.=Prof. Dr. Karl Jax über das Thema „Unser Humänismus und die österreichische humanistische Gesellschaft“ sprechen. Der weitere Teil des Programms ist unter das Motto „Götter von Hellas“ gestellt. Es finden sich hier ein kurzer Vortrag des Privatdozenten Dr. Otto von Lutterotti, sowie eine Lesung aus griechischer Dichtung (Sappho, Alkaios, Homerische Hymnen, Aischylos, Sophokles, Kleanthes) in besten deutschen Uebersetzungen, wiedergegeben durch Hermann Kinzl und Paul Sundt. Der Abend wird
umrahmt durch musikalische Darbietungen du Kammermusikgruppe der Universität, die d Ouvertüre und das Allegro aus der Triose nate in D=Moll und die Sarabande aus da Englischen Suite in G=Moll von Joh. Sebastian Bach zum Vortrag bringen wird. Zur frei und unentgeltlich zugänglichen Festakademie sind alle Mitglieder, Freunde und Gönner der Gesellschaft und alle Förderer ihrer Ziele herzlichst einze laden.
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Aus der französischen Geisteswelt
Wie wenig ist notwendig, um uns zu rein oder zu verderben!
Maupassanl
Die Schönheit ist nichts, ohne die Tugend, un die Tugend ist nichts ohne die Schönheit.
Larochefoukäuls.
Es ist erstaunlich, wie leicht wir das Leid um seres Nebenmenschen ertragen können.
Larochefoucauld
Seit ich mich entschlossen habe, alt zu. werdeh bin ich um zwanzig Jahre jünger geworden
Georges Sand.
richtung entkommen war. Doch Canaris war der Gefangene seiner Dienststelle. Er wurde wie alle führenden Männer von Himmler auf Schritt und Tritt überwacht. Die Gestapo suchte einen Anlaß, um die Gesamtorganisation des Nachrichtendienstes in ihre Hand zu bekommen. Der unterirdische Krieg zwischen Wehrmacht und SS. war auf diesem Sektor besonders erbittert und mancher Agent ist diesen internen Intrigen zum Opfer gefallen. Bezeichnenderweise gab es aber noch eine dritte Organisation, die sich mit der gefährlichen und subtilen Aufgabe des Nachrichtendienstes befaßte: die Hitler=Jugend! Da die HJ.=Führer entsprechend dem Grundsatz „Erziehung der Jugend durch Jugend“ kaum ausgewachsene Knaben waren, verwechselten sie die harte Wirklichkeit mit
ihren aus Abenteuergeschichten und Kolportageromanen gewachsenen romantischen Vorstellungen. Das hinderte sie aber nicht, im Ausland munter drauf los zu spionieren. So ging im Sommer 1938 eine kleine HJ.=Kolonne nach Amerika, um ausgerechnet für Japan gewisse amerikanische Küstenbefestigungen auszukundschaften. Der erste Helfershelser, den man brauchte, ein Telephonboy der Western=Union=Gesellschaft, hatte sofört erfaßt, was los war und Anzeige erstattet. Als die HJ.Spione eines Tages Informationen über die amerikanische Flotte verlangten, erhielten sie mit größter Vertraulichkeit Photokopien aus einem im Druck befindlichen amerikanischen Flottenkalender, den man kurze Zeit später in jedem Buchladen für ein paar Dollar kaufen konnte Gänz wie
im Roman mußte auch der Luxusdampfer eine Rolle spielen und Fräulein Hoffmann, die schöne Leiterin des Friseursalons des Ozeandampfers „Bremen“ sah sich im Juli 1938 in New York ernsten Unannehmlichkeiten ausgesetzt, als sie bei der Landung des Schiffes von der New Yorker Polizei aufgefordert wurde, ihre mitgebrachte Post erst einmal durchlesen zu lassen. Der Skandal war groß, als daraufhin der ganze deutsche Spionageapparat in Amerika aufflog, der weniger durch seine Gefährlichkeit als durch seinen grotesken Dilettantismus Aufsehen erregte. Gestapo wollte Churchill und Roosevelt entführen Sicherlich hat sich der Admiral Canaris alle Mühe gegeben. Vielleicht hat es auch an geschickten Agenten gefehlt. Es war eine sehr undankbare Aufgabe auf,
diesem Sektor für Deutschland zu arbeiten, hatte doch die deutsche Führung die seltsame Angewohnheit, keine schlechten Nachrich
ten hören zu wollen. Objektive Tatsachen= und Lageberichte waren für jeden Absender höchstge fährlich; so haben beispielsweise über die wih liche Stärke der russischen Armeen und die Witd schaftskraft der Sowjetunion vor dem Kriege mit die vier in Moskau akkreditierten deutsche Journalisten wahrheitsgemäß berichtet und immet wieder vor einem Konflikt gewarnt. Botschafte, die anders berichteten, als der Führer wünschte, wurden abberufen oder — wie z. B. die Berichte des Botschafters von der Schulen burg aus Moskau — vom Reichsaußenministet peinlichst zurückbehalten. Hinzu kam, daß bis zum Ausbruch des Krieges die überwachung sast jedes Einzelmenschen so vollkommen wär, daß füt wirkliche Nachrichtenaufgaben kaum mehr Fachkräfte zur
Verfügung standen.
Wie ein Schlag ins Gesicht mußte für die Männer, die in jedem deutschen Menschen einen „Rundfunkverbrecher“ vermuteten, die großartig angelegte Flucht des französischen Generals Giraud wirken, der sich — wie schon im ersten Weltkrieg — durch ein geniales Manöver persön lich aus der Kriegsgefangenschaft befreite, gue durch Deutschland reiste und in dem Augenblick angesichts der erstaunten SS.=Grenzposten Schwei zer Boden betrat, als die deutschen Zeitungen die Belohnung von einer Million Reichsmark für sei nen Kopf veröffentlichten.
Anfangs 1944 wurde auch der Nachrichtendienst der Wehrmacht Himmler unterstellt, Admiral (a naris abgesetzt und der SS.=Obergruppenführe Kaltenbrunner mit der Leitung beauftragt In den entscheidenden Tagen und Stunden, wo man einen Nachrichtenapparat so dringend ge braucht hätte, war dieser nicht funktionsbereit, er sich in der „Neuorganisation“ befand. Er ist nicht mehr zum Einsatz gekommen, wie auch die Ausführung der Absicht des SS.=Führers Skorzenny unterblieb, Roosevelt und Churchill zu entführen ...
Die Akten des deutschen Geheimdienstes werden jetzt nach und nach bekannt. Es mutet fast wie Treppenwitz der Zeitgeschichte an, daß die Män ner, die auf dem Sektor der Vernichtung mit letzter Gründlichkeit, Brutalität und Originalität zu Werke gingen, auf der geistigen Ebene des Intel ligenz= und Nachrichtendienstes so kläglich sagten.
In der nächsten Fortsetzung lesen sie
Diplomatie und Frauen im Dritten
Wir erhalten so
Nach einer Unte Jahren fand am A. Oktober, im terkammer der hartei Tirols stat allen Teilen des
Nach einem aus obmannes, Landes tenberger, übe chem der Redner einer gründliche begweisend die sel behandelte und R die kommenden W über aktuelle Pre daten für den 25. neue Parteivorstar beschloß am End Tagung eine Anz iiste zu der S nimmt. Die Groß das Problem Sitd zuzuführen, indem des Brenners das kannt wird. Eine die Demokratisier Tirol.
Landeshauptman ger konnte als wort. feststellen, d