Tiroler Tageszeitung 1945

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2 Nr. 111
Tiroler Tageszeitung
Dienstag, 30. Oktober
Gute Aufbauprojekte
(Nach einem Radiovortrag von Dipl.=Ing Rudisch)
Wir müssen Werte schaffen, um uns die notwendigen Lebensmittel und Rohmaterialien für unsere Veredlungsindustrie eintauschen zu können Es ist daher notwendig daß unsere großzügigen Aufbauprojekte vor allem solche Arbeiten in Betracht ziehen, welche im wesentlichen mit heimischen Rohstoffen. Holz. Zement, Eisen usw., das Auslangen finden, damit die notwendige Einfuhr auch durch einen großzügigen Arbeitsbeschaffungsplan nicht beeinträchtigt wird Diesen Hauptforderungen entsprechen vor allem zwei große und sehr verwandte Projekte:
1. Intensiver Ausbau unserer Wasserkräfte, also unserer weißen Kohle;
2. Ausbau und Elektrifizierung unseres Eisenbahnnetzes.
Kohle ist heute viel mehr unersetzbarer Rohstoff als Brennmaterial. Elektrische Energie ist Kraftquelle und Exportware In Österreich ist die Frage des Wertbewerbs zwischen Schiene und Straße eindeutig, insbesondere bei Massentransporten, zugunsten der Schiene mit weißer Kohle entschieden. österreich hat durch seine OstWest=Lage eine natürliche Brückenaufgabe von der Wirtschaft des Ostens zu der des Westens und umgekehrt Es gilt daher, diese echte europäische Ost=West=Achse in jeder Form leistungsfähig zu gestalten. Die OstWest=Transporte auf vielen 100 Kilometern Streckenlängen bringen wertvollste Guthaben ins Ausland und beleben die österreichische Gesamtwirtschaft Die Westbahn ist von Wien bis Innsbruck im wesentlichen leistungsfähig und als
zweigleisige Strecke ausgebaut. Es erhebt sich daher von selbst die Forderung nach einer systematischen Leistungssteigerung, bzw. nach dem zweigleisigen Ausbau der Arlbergbahn und einzelner Vorarlberger Strecken.
Zum Andenken eines großen Toten
Weitschauende Österreicher haben den Arlbergtunnel schon vor vielen Jahren zweigleisig gebaut. Diese beiden großen Arbeitsbeschaffungsmöglichkeiten setzen unser Vaterland in die Lage, den Aufbau so zu steuern daß der Baufortschritt auf viele Jahre verteilt, sich der Gesamtwirtschaftslage elastisch anpassen läßt. Die jetzt ausgebauten Energiequellen der österreichischen Bundesbahnen können etwa 300 Millionen KWh im Jahre leisten. Durch die Fertigstellung des zu 60 Pro
zent ausgebauten Tauernkraftwerkes Uttendorf lassen sich weitere 90 Millionen KWh gewinnen. Die Schwierigkeiten der Schwankungen zwischen Winter= und Sommerenergie können durch zahlreiche vorliegende Speicherprojekte gemeistert werden. Allein beim Tauern=Moossee ist eine Erhöhung der Speicherfähigkeit von 21 Millionen Kubikmetern auf
46 Millionen Kubikmeter vorgesehen. Für unsere engere Heimat soll hier nunmehr mit
aller Energie die Fertigstellung und Elektrifizierung der Reschen=Scheideck=Bahn gefordert werden.
Die hiefür nötigen elektrischen Energie=Mengen sind vorhanden. Alle Arbeiten, die hier genannt wurden, erfordern fast nur vorhandenes Material und sind ausgesprochen geeignet, das Gespenst der Arbeitslosigkeit auf Jahre hinaus zu bannen. Auf der gleichen Linie liegen selbstverständlich die gleichlaufenden Projekte der Elektrifizierung unserer Südachse, der Semmeringbahn. Dieser Weg Wien—Triest, den uns die Vereinten Nationen zum direkten An schluß an die Weltwirtschaft öffnen wollen, gibt uns ganz neue Möglichkeiten, unsere Leistungsfähigkeit im friedlichen Wettbewerb unter Beweis zu stellen.
Triumph der Technik
Als am 30. Oktober 1941 der Fürsterzbischof von Salzburg, Dr Sigismund Waitz starb, war es nicht möglich, dem langjährigen Oberhirten der Administratur Innsbruck=Feldkirch damals eine Würdigung in der Zeitung zu schenken.
In unserer Erinnerung steht der verstorbene Fürsterzbischof als der soziale, unermüdlich arbeitende, heimattreue Bischof.
Er war als Professor in Brixen einer der ersten Hochschullehrer, die schon um die Jahrhundertwende über die soziale Frage lasen und seinen Schülern das Verständnis für diese wichtigste Frage zu erschließen suchte. Es blieb nicht dabei Eine Reihe sozialer Werke schuf Msgre Waitz: das Jesuheim in Girlan für Unheilbare, um die sich niemand gekümmertehatte, das große und schöne Krankenhaus für die Vaterstadt Brixen, den Landesverband Barmherzigkeit in Innsbruck, der vielen Kindern Heim und Erziehung
vermittelte, die von Bischof Waitz angeregte Kinderlandverschickung im ersten Weltkrieg, der Austausch der Kriegsgefangenen usw. Außerdem vertrat er die sozialen Interessen auf ungezählten Konferenzen und in Artikeln in Zeitschriften und hatte die Genugtuung, daß das große Soziale Rundschreiben Pius XI. „Quadragesimo anno“ in vielen Punkten mit dem kurz vorher erschienenen Hirtenbrief der österreichischen Bischöfe wörtlich übereinstimmte.
Den unermüdlichen Seelsorger lernten wir auf den Visitationsreisen kennen, bei seinen oft hinreißenden Predigten. in Exerzitien und religiösen Wochen. Sein Werk „Paulus“ dessen 6. Band, im Frühjahr 1938 erschienen, von den Nazis eingezogen und eingestampft wurde, bietet dem Seelsorger Einführung in den großen Seelsorger, den Apostel Paulus. Für die Heranbildung des Klerus schuf er das Knabenseminar Paulinum in Schwaz.
Als der Weltkrieg 1918 zu Ende ging und Italien Ansprüche auf Südtirol erhob, trat Bi
Wichtige Erfindung für die Schiffahrt
Washington, 28. Oktober. Der Küstenschutz gab heute bekannt, daß eines seiner ehemals strengst gehüteten Geheimnisse, ein System, welches Schiffen und Flugzeugen ermöglicht, bei jedem Wetter ihren Standort zu bestimmen, sich als große Hilfe für die Handelsmarine erweisen wird. Dieses System hat die Bezeichnung „Loran“ (Long range aid of navigation). LangstreifenNavigationshilfe „Loran“ verwendet Sender, die von der Küste elektrische Impulse aussenden. Das Schiff berechnet, wie lange diese Impulse vom Sender bis zu ihm brauchen. Da sie sich mit gleichbleibender Geschwindigkeit fortpflanzen, kann die Entfernung gleich bestimmt werden und der Schiffer findet seinen Standort in einigen Minuten. 2
Ein automatischer Blindenführer in Entwicklung
Das amerikanische Kriegsministerium gab bekannt, daß die Armee derzeit einen automatischen Führer, der Blinde an Hindernissen vorbeileiten soll, entwickelt. Die Nachrichtentruppen arbeiten in ihrem Laboratorium in Bradlex Beach in New Jersey an einem Modell, das es den Blinden ermöglicht, die Umgebung in einem Umkreis bis zu 6 Meter abzutasten. Das Gerät arbeitet nach dem Radar=Prinzip, obwohl ein Lichtstrahl an Stelle von ausgesandten Mikrowellen die Grundlage bildet. Der von einem Gegenstand zurückgeworfene Lichtstrahl bringt einen Kopfhörer
zum Tönen. Drei Signale zeigen. Gegenstände in einer Entfernung von 5—6 Meter, 3—5 Meter und 2—3 Meter an. Generalmajor Harry C. Ingles, der Chef der Nachrichtentruppen, erklärte, daß das Gerät für den praktischen Gebrauch noch nicht genügend entwickelt sei, daß aber Fortschritte erzielt werden. Die augenblicklichen Nachteile des Gerätes sind sein Gewicht von viereinhalb Kilogramm und die Tatsache, daß es auf kleine Gegenstände wie schmale Pfosten und Drähte nicht reagiert.
Der dreidimensionale Film
Moskau, 29. Oktober. Die Sowjetfilmindustrie hat soeben einen Stereoskopfilm „Robinson Crusoe“ produziert. Der Film wirkt absolut dreidimensional. Der Hersteller sagt, die Illusion sei so vollkommen, daß die Zuschauer glauben, Vögel oder Flugzeuge fliegen auf sie zu.
Der größte Wolk nkratzer der Welt in Rußland Moskau, 28. Oktober. Am „Palast der Sowjets“, der mit seinen 455 Meter der höchste Wolkenkratzer der Welt wird, soll jetzt weitergebaut werden. Das Bauwerk wird damit größer sein als der bisher höchste Wolkenkratzer der Erde, das „Empire Building“ in New York. Es wird 6000 Wohnungen für 40.000 Arbeiter enthalten. Für die Sitzungen des obersten Sowjet=Rates ist ein Amphitheater mit einem Fassungsraum für 21.000 Personen vorgesehen, ein kleinerer Sitzungsraum wird für 6000 Personen Platz bieten.
Spendel füf den Kriegsopferionas!
schof Waitz in erster Linie ein für die Erhaltung
der Einheit des Landes. Durch seine gen nach der Schweiz, nach Frankreich und dis England versuchte der Oberhirte Freunde für End. tirols Sache zu gewinnen und die maßgebenden Regierungen durch sie zu beeinflüssen. Leider war dies damals vergeblich. Die Italiener unterschät, ten die Arbeit des Bischofs nicht: sie erschwerter ihm jahrelang die Einreise nach Rom, sie beein flußten vatikanische Kreise gegen Südtirol, sie verwehrten ein Dezennium lang dem Bischof der Aufenthalt in Südtirol und überwachten ihn as in der Folgezeit, so oft er über den Brenne reiste. Den als kaisertreuen Österreicher weit b. kannten Bischof verfolgten nach dem März 198 die Nazis mit großer Gehässigkeit. In einer gia ßen Jugendkundgebung vor der bischöflichen Voh. nung in
Salzburg hetzten sie die jungen Leute Kinder, zu Schmährufen auf gegen den Bischef bald darauf machten sie ihn wohnungslos, hielten ihn unter ständiger Aufsicht und wüteten in Vr# sammlungen gegen ihn.
Doch erlebte der Fürsterzbischof noch wenig Tage vor dem Tode einen großen Triumph: al er in einer begeistertey Christkönigskundgebung im Salzburger Dom vok 6000 Zuhörern in mann hafter Predigt Protest erhob gegen die No gewaltigung der Religion in Schulen und Krau kenhäusern, jubelten ihm trotz Gestapospitzel Mäu ner und Frauen, Soldaten und Jugend zu De mals sprach er, die schwere Verantwortung seineAmtes und die erhobenen Anklagen gegen dRegime unterstreichend, die eindrucksvollen Wone „Ich bin ein alter Mann und weiß nicht, wan ich vor dem Richterstuhl arscheinen muß.“
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Um so tiefer war der Eindruck, als vier Tan später die große Domglocke das plötzliche des Erzbischofs verkündete.
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Bei den Aufräumn. Kadl wurde aus halde in der Amra peste männliche Leilei dem die Fabrik 10. April 1945 statt. lenische Arbeiter C 6 März 1896, festge berdigung übergeb
Mit ihm war ein mannhafter Streiter d# Herrn, ein großer Bischof und ein treuer öster reicher von dieser Welt geschieden. Wo
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sand, ist am 27. D uf der Flucht dur ärztlicher Pflege zu
Streiflichter
Rede Trumans
„Eine große, eine kluge, aber eine allzu abstrakte Rede.“ („L"ordre“ über die Rede Trumans.)
„In den internationalen Angelegenheiten entspringen die Schwierigkeiten weniger der Aufstellung als der Durchführung von Grundsätzen.“
(„Times“)
„Die Erklärung Trumans ist eine Philosophie der Diplomatie, die ganz gut eine gemeinsame Erklärung Frankreichs und der Vereinigten Staaten gewesen sein könnte.“
Der Sprecher des französischen Außenministeriums
„Die Rede Trumans ist ein Versuch, über den toten Punkt hinwegzugelangen, der zwischen den westlichen Armeen und Rußland durch den Fehlschlag der Außenministerkonferenz entstanden ist.“ „Observer“
Internationale Tagesfragen
„Sowjetische Quellen weisen darauf hin, daß Stalin während des letzten Jahres versichert habe, eine Koalition, die fähig gewesen sei, den Krieg gegen den Faschismus siegreich abzuschließen, werde gleicherweise fähig sein, einen erfolgreichen Frieden zu schaffen.“
„United Preß“ aus Moskau
„Amerika muß stark bleiben. Amerikas Macht ist an sich eine Abschreckung für Angreifer.“
„New York Times“
„Ein militärisch starkes Amerika ist eine # besten Garantien gegen das Weltchaos.“
„Sunday Dispats
„Die politischen und wirtschaftlichen Entwic lungen in Südosteuropa sind das Kernproblem“ „Observer“
Im Allgemeinen vurden in letzter Z. berübt. Als Täter saatenloser Ukrain Gut wurde zustande
„Kein vernünftiger Mensch zweifelt daran, des
die Vereinigten Staaten nur im Interesse Bereinigten #####“##von, das Geheimt
Weltsicherheit beschlossen haben, der Atomhombe für sich zu behalten und esne mit anderen zu teilen." „Sunday Chronie#
„Im übrigen weiß man, daß die Zeiten Tyrannei der Entwicklung der geistigen Din wenig günstig sind.“
„Revue de L"Alliance Franeast
Wahlen in Österreich
„Nach Schätzungen, angestellt auf Grund m Außerungen aus allen Parteilagern und Beachtungen der Verhältnisse, wird die Österreichisch Volkspartei 50 bis 55 Prozent, die Sozialisten# Prozent und der Kommunismus 10 Prozent d Stimmenzahl in Österreich erlangen.“
„Temoignage Chre „In einer so wichtigen Frage wie der Aberks nung des Wahlrechtes für die Nazi, durch diea das Wesen der Demokratie gerührt wird, solln von einer endgültigen Festlegung nicht gespie chen werden, bevor nicht auch das letzte und zu verlässigste Mittel der Demokratie, die Volkead stimmung, ausgeschöpft ist.“
Dr. Josef Feuerstein in den Vorarlbeig# Nachrichten
Einbrück
In einem Lebens straße wurde einer Nark und Lebensn dem Hofraum Andshasen gestohlen. — u Platz 4 ist ein vorden. — Bei eine Kranebitten wurder nenfahrrad, Kleide samtwerte von über
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Dipkamatie, Tresse und Jolitik
im Deitten Reich
Aus dem Tagebuch eines Journalisten
(11. Fortsetzung)
Das Chaos der politischen Kriegführung
Als die düsteren Schatten der niedergehenden Sonne des dritten Reiches immer länger und die Vorboten des Zusammenbruches immer drohender wurden, suchte die deutsche Propaganda krampfhaft doch vergeblich nach irgendeiner „Führertat“ oder einem beispielhaften Ereignis, an dem sich das von Krieg und Bombenhagel müde und apathisch gewordene Volk hätte aufrichten können Der Nimbus der „Unfehlbarkeit“ und des militärischen Genies Hitlers war seit Stalingrad endgültig zerstört. Je näher der Propaganda=Minister den Dämon der Stunde fühlte, desto tiefer griff er in seinen regelmäßigen Ermunterungsreden vor den Leitern der Reichspropaganda=Amter und den „Reichsrednern der NSDAP.“ in die Vergangenheit zurück, um Bilder siegreich bestandener Krisen
zu beschwören und dadurch die Hoffnung auf ein erträgliches Kriegsende im Volke wachzuhalten.
Um diese Zeit bereits ließ die politische Kriegführung jede einheitliche Linie vermissen. Die durch Torschlußpanik zu einer fieberhaften Scheintätigkeit aufgeputschten Parteiorgane machten nunmehr Politik auf eigene Faust. Jeder Gauleiter verfolgte eigene Pläne und Interessen.
Zentralgewalt des Reiches existierte nur in der Theorie. In diplomatischen Kreisen Berlins flüsterte man sich die ausgefallensten Gewaltlösungen zu und die politische Gerüchtemacherei vernebelte zeitweilig die völlige Ausweglosigkeit der Lage Während Ribbentrop noch einmal mit unzulänglichen Mitteln und kompromittierten Vermittlern über Spanien und Schweden versuchte, England zu einer Sonderregelung zu gewinnen, zerstörte Dr. Goebbels in sei
nen Wochenendartikeln im „Reich“ auch diese letzte Illusion, indem er gleichzeitig plumpe Anbiederungsversuche beim östlichen Gegner unternahm. Als dann das militärische Desaster im Osten durch die gewaltige übermacht der Russen und das Versagen der militärischen Führung auch in dieser „Abwehrschlacht der letzten Entscheidung“ offenkundig wurde, machten Ribbentrop und Dr. Goebbels eine politische Kehrtwendung von 180 Grad. Beide vertraten plötzlich eine gegenteilige Politik: Ribbentrop im Bunde mit gewissen SS.=Kreisen suchte nunmehr einen Kompromiß mit Rußland durch die Vermittlung des japanischen Ministerpräsidenten Tojo, der seine guten Dienste zu einem früheren und
vielleicht günstigeren Zeitpunkt so oft angeboten
des jar
hatte, aber trotz aller Bemühungen des japanischen Botschafters in Berlin, Oshima, von Hitler stets brüsk abgewiesen worden war. Dr. Goebbels hingegen befahl jetzt einen neuerlichen Greuelfeldzug gegen die Russen und beschwor gleichzeitig die Engländer, „Deutschland und Europa nicht im Stich zu lassen“. Dieses letzte „diplomatische“ Manöver mußte mißlingen, weil es zu spät war, die Männer, die es unternahmen, keinen Kredit hatten und die Gegenseite diese Kurven der deutschen Außenpolitik nicht mehr ernst nahm.
Führerhauptquartier als Propaganda=Zentrale
Dem Parteiführer=Korps ist in zunehmenden Krisenzeiten nichts anderes eingefallen, als die Person Hitlers so geschickt in den Vordergrund zu rücken, daß durch den künstlichen Nimbus um seine Person immer wieder der drohende Ernst verschleiert wurde und das „Wunder in letzter Stunde“ alle Gefahren verdunkeln sollte. Im Führerhauptquartier dagegen wurde eine regelrechte „Mutmachungs=Aktion“ für die Partei gestartet! Durch seinen Stabsleiter Sündermann und den Leiter des „Pressehauptbüros“. den HJ.=Führer Lorenz, ließ der Reichspressechef Dietrich auf Befehl Hitlers nach dem Muster der täglichen Tagesparolen für Presse und Rundfunk „vertrauliche“ Berichte über Aus
sehen, Haltung und Stimmung des Führers ausgeben. Durch sie sollten Zuversicht, Vertrauen und der „beispielhafte Durchhaltewillen“ der Parteimänner gestärkt werden. So geschah es, daß sich in den Amtsstuben der Ministerien und Behörden die zwar angsterfüllten, aber dienstbeflissenen Funktionäre nach bombendurchwachten Nächten geheimnisvoll=vielsagend zuflüsterten: „Der Führer ist zuversichtlich, wie noch nie" oder „der Führer sieht sehr frisch aus“, oder „der Führer hat lange Spaziergänge gemacht“ oder „der Führer hat mit seinem Hund gespielt". Mit solchen Parolen aus dem Hauptquartier wurde im Dritten Reich Innenpolitik gemacht! So sehr war jedes Eigendenken ausgelöscht und jede Vergleichsmöglichkeit genommen. daß sich Männer "in führenden
Stellungen hierdurch täuschen und lenken ließen. Der Wunsch schuf den Glauben, daß die von Hitler so oft versprochene „Wunderwaffe“ die Wendung bringen und das bereits entschiedene Schicksal bannen würde.
Für die Ausländer und Diplomaten, die sich einen klaren Blick bewahrt hatten, schuf diese Tatsache immer wieder das große Rätselraten um die Seele dieses verratenen Volkes, das dem turbulenten, von Menschen= und Lebensverachtung, ungeduldigem Zwang und unersättlicher Machtgier angetriebenen Selbstzerstörungsprozeß nur den Widerstand seiner Opfer unbewußt entgegenstellte...
Der General „Heldenklau“
Selbst im „Oberkommando der Wehrmacht“ haben die Bluff=Parolen aus dem Hauptquartier eine große Rolle gespielt und sind von vielen und hohen Militärs gerne geglaubt worden. Einer der Gläubigsten unter ihnen war der General von Unruh, der sogenannte General „Heldenklau“, der sich als Chef der Auskämmungsaktion gegen u. k.=Gestellte in einer öffentlichen Rede im Großen Theatersaal des Reichspropagandaministeriums in Berlin am 17 Oktober 1943 feierlich zur Methode der anonymen Anzeige und Denunziation bekannte, um hier
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Landhau zu dem Dr. von reich vo
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durch bisher noch nicht eingezogene Männer a „Soldaten für den Führer“ zu finden. Um d gleiche Zeit wurden auf Anordnung Hitlers &# Wehrtauglichkeitsgrade ohne Untersuchung nerell um einen Grad heraufgesetzt. Das bei#### en gebeten.
tete, daß z. B. „bedingt Taugliche“ sofort Misge;
ohne ärztliches Gutachten k. v. geschrieben unasbel Leser ha die Front geschickt wurden. Die Stabsärzte, 3 die Untersuchungen der jungen Nachfolge=sau Die
gänge durchführten, bestätigten bei bisher ube Wir erhalten sol Gestellten oder Kranken statt einer Untersuchusaunzer oder 9. die von oben ausdrückliche befohlene Tauglch isere tecl
keit mit zynischen Bemerkungen wie: „Waus##ge übee.. Gewis sind Sie eigentlich noch nicht den Heldentod gerrtze über die vielfe storben“ oder „Genießen Sie den Krieg daszen des HitlerkrieFriede wird furchtbar“. Der General von Unus een Unglück trifft der im letzten Stadium des Krieges auf Best die diesen K.. Himmlers von dessen noch um einige Gras und ihn 1. 3 11 brutaleren Personalchef SS.=Obergruppenfühl# und gan## in Jüttner abgelöst wurde, arbeitete bis ##ßdie verwüst seinem Sturze in die Versenkung auf das eigu# Anschuldigen mit der Partei zusammen. Er befürwortete diseer Kriegsausbruc Wunsch der NSDAP., bei jeder militärischen 9 Wir schlagen förderung vorher befragt zu werden. In dn us Deutschlanz — Verwaltung war schon längst eine
Beförderun Der das nicht nur nach Einholung des politischen Gutachten sriegsanfaec der jeweiligen Ortsgruppe der NSDAP möglg ien ehen #e an Später war dann auch jede u. k.=Stellung beis Krieg, der Stellungnahme der Partei abhängig, ve- cheit erstickt halb in den wenigen noch vorhandenen Grs„Aitschuldig aber
städten der ständige Quartierwechsel der un sazipartei
Gestellten wegen dieser örtlichen Nachforschunge# ilem die Tunterstütz regelrecht organisiert worden war. Diese „d## ungen d####en kerwanderung“ nahm groteske Förmen an, a####her un Partei. auch noch der „Volkssturm“ aufgeboten wudestg###ergang“ un und Hotels und Pensionen Quartiere nur ausshgen Kriegt“,
Grund von Bescheinigungen der NSDAP 5u1s., Getreu dios.
fristig geben durften Den Ortsgruppe## und Tod Parteiorganen war damit das rigoroseste Au, Nazis & gefüh: zur „Auslese der Unbequemen“ in die Hand ## t sie, die e geben worden, wovon sie ausgiebigst Gebrau. ie heute
machten.
In der nächsten Fortsetzung Die Hintergründe des Hitler=A
tates vom 20. Juli.