Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:11
- S.3
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den 1. November 1945
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Hunger und dieser Welt ist die Tat
Tiroler Tageszeitung
Nr. 113 Seite 3
Karkeddt onter Baita
österreichische Kriegsgefangene aus Frankreich kohren heim
die österrei sche Kriegsgefangenenpost“ die zeitung für die österreichischen Kriegsgefangezen in Frankreich und seinen Kolonien, übernittelt eine freudige Nachricht: Die Rück ührung aller österreichischen Kriegsgefangenen n die Heimat ist im Prinzip beschlossen worden, nd die nötigen Vorbereitungen für die Durchübrung dieser Aktion si.# bereits im Gange. de österreichischen Kriegsgesangenen werden lüer Kehl nach Bregenz in die französische zoe gebracht und dort wieder den Boden ihres gfteiten Heimatlandes betreten. Der erste (kansport dürfte Mitte November abehen. Da es sich insges t um rund 30.000 niegsgefangene handelt, wird die administra#e und technische Durchführung der Heimbesderung wohl mehrere Wochen in Anspruch ichmen. Es besteht aber
begründete Hoffnung lu ein großer Teil der österreichischen Kriegsgangenen das Weihnachtsfest in der Hei##t wird feiern können.
urteile des mittlere Gerichtes der Militärregierung
Innsbruck, 30. Oktober.
der 24jährige Staatenlose Staszec Kasimir ##urde wegen unerlaubtem Waffenbesitz vom mittuen Gericht der Militärregierung zu fünf Jahren suchthaus verurteilt. Die 19jährige österreichische taatsangehörige Kowatsch Frieda wegen deseben Vergehens zu 14 Monaten Gefängnis, woin 4 Monate sofort abzubüßen sind und der ast bei fünfjähriger Straffreiheit erlassen wird. iu 26jährige österreichische Staatsangehörige ch R wegen Besitz von Militäreffekten zu 2000 schilling Geldstrafe. Der jugoslawische Staatsanwörige Kuklie Zivota wegen unrechtmäßigem bsitz von zu Personenautos zu 8 Monaten Gesungnis und Beschlagnahme der Wagen.
zunkenflug verursacht Schadenfeuer
In 30. Oktober kurz nach 5 Uhr nachmittag sluch im Betonwerk des Ing. Josef Retter in zusbruck, Höttinger Au Nr. 80, ein Brand ##der in kurzer Zeit trotz raschen Eingreifens #belegschaft de Firma und der Berufsfeuer#unter Kommando des Oberbrandmeisters Burner die ganzen Lagerräume einäscherte in Brande fielen mehrere Lastkraftwagen, eine ## Baumaterial und sämtliche Maschinen zum er. Der Schaden ist sehr groß.
sach einstündiger anstrengender Löscharbeit m die Gefahr für die Nachgarobjekte gebannt n die Berufsfeuerwehr konnte wieder einrükin sie ließ eine Brandwache zurück. Der Brand #aste durch Funkenflug aus einem Holzgasauto eistanden sein.
Kaminbrand in der Lohbachsiedlung
Am 29. Oktober kurz nach 12 Uhr mittag ent stand in Innsbruck in der Lohbachsiedlung Nr. 2 aus unbekannter Ursache ein Kaminbrand. der von der Berufsfeuerwehr unter Kommando des Brandmeisters Mair rasch gelöscht wurde. bevor weiterer Schaden entstanden ist.
Ein Milchdieb als Mörder
In Ellbögen ertappte am 28. Oktober kurz nach 6 Uhr früh der 47jährige landw Arbeiter Valentin Holzknecht auf der Ellbögner Straße einen unbekannten Burschen. der aus den zum Abtransport bereitgestellten Milchkannen Milch entnahm und in eine mitgebrachte Kanne schüttete Holzknecht geriet mit dem Milchdieb in einen Wortwechsel und wollte ihn festhalten. Der Bursche riß sich los, zog ein Messer und versetzte dem Holzknecht mehrere Stiche ins Gesicht und am Hals. Der Schwerverletzte schleppte sich noch ins Haus und erzählte den Vorgang.
Der herbeigerufene Arzt Dr. Steiner aus Matrei legte dem Holzknecht Notverbände an und ließ ihn durch das Rettungsauto ins Innsbrukker Krankenhaus überführen Während des Transportes ist der Mann seinen schweren Verletzungen erlegen. Der Täter ist unerkannt entkommen.
Tagung des Kolpingwerkes in Innsbruck
LHK. Am Sonntag, den 28. Oktober 1945, fand die erste Delegierntagung des Kolpingwerkes Tirol (Ges llenvereine) im Kolpinghaus in Innsbruck statt. Die zahlreichen Vertreter aus allen Teilen des Landes beschlossen, aktiv am Wiederaufbau des neuen Österreich teilzunehmen. In einer Entschließung richteten die Teilnehmer an der Tagung einen besonders herzlichen Gruß an die Brüder in Süotirol und gaben ihrer Hoff nung Ausdruck, auch mit diesen recht bald zu einer neuerlichen, engsten Zusammenarbeit kommen zu können.
Todesfälle
In Innsbruck starben: Johann Wielandner, Portier, 65 Jahre alt; Alois Fischler, Taglöhner, 75 Jahre alt; Maria Schlögl, geb. Nitzlnader, Rentne##, 84 Jahre alt; Christine Mazurides, 76 Jahre alt; Franz Xaver Pi
namonti, Justiz= und Kassenrat beim Oberlandesgericht, 65 Jahre alt; Max Haider, Zahntechniker, 47 Jahre alt; Balthasar Fuchs, Gemischtwarenhändler aus Westendorf, 70 Jahre alt: Emil Zelinka, Bundesbahnrevident a D., 66 Jahre alt; Katharina Moosbrugger, Ordensschwester 48 Jahre alt; Jakob Greil, Bundesbahnschaffner a. D., 82 Jahre alt; Anton Kokoska, Bundesbahnpensionist, 71 Jahre alt.
In Fulpmes starb nach langem Leiden Frl. Helma Mair im Alter von 28 Jahren.
In Mötz starb im 64. Lebensjahre Alois Krabacher.
Hämatologie — die Wissenschaft vom Blute
Innsbruck, 31. Oktober.
Dieses große, umfassende Thema wählte Herr professor Dr Anton Hittmair für die Abhalung seiner Antrittsvorlesung an der Innsbrukner medizinischen Klinik, die er als Vorstand hernommen hat.
Professor Hittmair, dessen Persönlichkeit bereits in einem gestrigen Artikel gewürdigt wurde. gilt in Fachkreisen als einer der hervorragendsten Experten der Hämatologie. In seiner Antrittsvorlesung führte Professor Hittmair unter anderem aus: „Als ich mein Kolleg beginnen mußte, sprach ich Ihnen, meine jungen Kollegen. davon, daß ich mir der Ehre und der Verantwortung wohl bewußt bin, lehren zu dürfen an der Klinik, an der ein Rokitansky, Ortner, Rudolf Schmidt schon zu ihren Hörern sprachen und wo ich selbst unter diesen, vor allem aber nter A. Steyrer, dem ausgezeichneten Diagnostiker, meine fachliche Ausbildung genoß. Nun hat mich das Vertrauen des hohen Professorenkollegiums und der Landes= und Staatsregierung auf diesen Lehrstuhl berufen. Auf
welchen Wegen ich mich bemühen werde, das in mich gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen, setze ich Ihnen, meine jungen Kommilitonen, ebenfalls auseinander. Ich will die Tradition der alten Kunik Steyrer fortsetzen, deren erstes Ziel es war, tüchtige und gute Arzte auszubilden. Sie wissen, daß ich dabei nicht nur auf meine und meiner Vorgänger Erfahrungen und Erlebnissen aufbauen will, sondern daß dazu noch zwei Grundsteine gehören: die Schulweisheit und die Wissenschaft. Sprach ich Ihnen das erstemal von allgemein wissenschaftlichen Problemen, so soll die heutige Vorlesung meinem speziellen
Wissens= und Forschungsgebiet, der Hämatologie, gelten, der Wissenschaft vom Blute.“
In den nun folgenden Ausführungen gab Prof. Dr. Hittmair einen interessanten Einblick in ein Fachgebiet der Medizin, das sehr bald den Rahmen der inneren Mer zin gesprengt hatte und in allen Teilgebieten der gesamten Medizin Anwendung fand, der Hämatologie Er gedachte auch eines großen Schülers von Pappenheim, Hans Hirschfeld, der ihn die alte Unitarische Lehre kennen lehrte und sein arbeitsreiches, nur der Wissenschaft und den Kranken gewidmetes Leben im berüchtigen KZ.=Lager Auschwitz beschloß.
„Mein Kampf gilt der Belebung der morphologischen Hämatologie Wissenschaft heißt ja kämpfen, ringen mit der Erkenntnis, mit der Wahrheit. Wir sind gewohnt, der Wahrheit mit logischen Schlüssen, Einteilungen und Begriffsbestimmungen zu Leibe zu rücken. Wir sind dazu gezwungen, um uns verstöndlich zu machen, um Geschehenes kurz und klar bezeichnen zu können.“
Zum Schlusse seiner bedeutsamen Vorlesung sagte Prof. Hittmair: „Ich glaube, Ihnen an einem kleinen Ausschnitt nur eines kleinen Teilgebietes der Hämatolo# e gezeigt zu haben, daß sie über alle Sonderfächer der Medizin hinaus auch für den praktischen Arzt ein gar wertvolles Hilfsmittel für die Erkennung und Behandlung der uns anvertrauten Kranken darstellt, daß sie uns aber auch tiofen Einblick in den Ablauf der Lebensvorgänge überhaupt und so mancher Krankheiten im besonderen gewährt und darum wohl zu Recht ihren Namen führt: Hämatologie — die Wissenschaft vom Blute.“
Zuschneidekurs. Zur Vorbereitung für die Meisterprüfung wird ein Zuschneidekurs für Herrenund Damenkleider durchgeführt. Beginn ist am 5. November 1945 in Landeck, Gasthof Schrofenstein. Anmeldung im Kurslokal am 5. November. 9 Uhr vormittags. Meister und Gehilfen, die an der Meisterprüfung nicht teilnehmen, können sian dem Kurs beteiligen.
Bund der Österreicher. Versammlung für Solbad Hall und Umgebung am Sonntag, 4. Nov um 3 Uhr nachmittags beim Kirchenwirt in Absam. Vortrag des General Kirsch.
Von der Sozialistischen Partei Tirols werden folgende öffentliche Versammlungen abgehalten Kundl: 3. November, 20 Uhr, Referent: Landeshauptmannstellv. Hüttenberger. Mühlau
3. November, 20 Uhr, Weyrer=Fabrik: Referentin Obermayr Adele, Referent: Landesparteisekretär Zechtl. Rum: 3. November, 20 Uhr, Rumer Hof Referent: Landesrat Heinz. Kramsach: 4. No vember, 14 Uhr, Referent: Landesrat Heinz Landeck: 4. November, 10.30 Uhr., Referent Wilberger Schönwies; 4. November, 14 Uhr Referent: Wilberger. Wiesing: 3. November 20 Uhr; am 4. November, 10 Uhr, in Achen kirch und 14 Uhr in Maurach. Oberau
4. November, Kellerwirt. Referent: Astl.
Musik
Die 1. Wiederholung des Sinfoniekonzertes findet nicht Donnerstag, 1. November, sondern Freitag, 2. Rovember, 19.30 Uhr in der Hofburg statt.
Memente meri
Die Österreichische demokratische Freiheitsbewegung gedenkt aus Anlaß des Allerseelentages der Befallenen, die im Kampf um die Freiheit Österreichs ihr Leben gelassen haben. Am Grabe des am 3. Mai vor dem Landhaus gefallenen Prof. Dr. Mayr wird an diesem Tag ein Kranz
niedergelegt. O. d. F.
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Veranstaltungen für den Landeskriegsopferfonds 1. November um 20 Uhr Veranstaltung des österreichischen Amtes für Kultur und Wissenschaft in den Kammerlichtspielen: „Gedenkfeier für die gefallenen Kriegsopfer.“
3. November um 20 Uhr im Landestheater: Wöhltätigkeitsveranstaltung: 1. Ouvertüre zu „Titus“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Dirigent: Siegfried Neßler. 2. Ansprache des Bürgermeisters der Landeshauptstadt, Herrn Dr Melzer. 3. „Die Ahnfrau“ von Grillparzer, mit Fred Liewehr zum letzten Male.
Militärische Allerseelenfeier Zur Teilnahme an der Allerseelenfeier auf dem alten Pradler Militärfriedhof versammeln sich die Angehörigen der alten Armee am 2. November um 9.45 Uhr vor dem Friedhofeingang. Hierdurch wird die Verlautbarung in der gestrigen Zeitung, wonach die Versammlung um 9 Uhr stattfinden
sollte berichtigt
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Opiomatie, Tresse und Tolitik
im Deitten Reich Aus dem Tagebuch eines Journalisten 12. Fortsetzung
Die Hintergründe des 20. Juli 1944
n der zwölfjährigen Lebenszeit des Dritten sches und der vierzehnjährigen „Kampfzeit“ ##en Mord, Dolch und Bombe zwar stets in Be#ischaft, politische Attentate jedoch eine SeltenEs wird ein Geheimnis bleiben, wie viele nschläge auf Hi ler geplant, wie viele verübt unden. Ihre Verhinderung war die Aufgabe des zdefs des ständigen Begleitkommandos des Füh SS.=Standar.enführers Rattenhuber. Sicher hiller insbesondere zur Zeit seiner häufigen sien zwischen dem Hauptquartier in Ostpreu i und dem „Berghof“ meyrfach durch geplante Lentate bedroht gewesen Vorfälle wie Schienenzngungen und ähnliche Sabotageakte wurden sch streng geheim gehalten. Man fürchtete das sieckende Beispiel. Die Öffentlichkeit hat offi###nur von zwei Attentaten Kenntnis erhalten:
Perste am Abend des 8. November 1939 im Nichner Bürgerbräukeller; das zweite am zuli 1944 im „Führer=Hauptquartier“ in Ostdas Hitler zum Anlaß nahm, sich in mitternächtlichen Rede feierlich als „das besühzte Instrument der Vorsehung“ zu bezeichnen bei den üblichen Sicherungsvorkehrungen um # Person Hitlers war das Attentat von Mün ebenso überraschend wie unerklärlich. Ob F die Bauarbeiter laut Befehl der Gestapo
### saal erst nach Beendigung der Veranstaltung ,##er verlassen durften, war die Höllenmaschine 1 Pene Säule neben dem Rednerpult eingemauer:
Zur „Ehe trettung“ Himmlers wurde u Whein angeblicher Täter, gefaßt. Trotzdem wurde P Aier der ganze Vorfall in peinliches Stillschwein gehüllt, so daß sich die Vermutung immer ## verdichtete, daß es sich bei diesem „AttenTum die gleiche unheimliche Regie handelte En der ersiner Brand- und Mordnacht im 1 Föfahr 1933, in der der Reichstag in FlamFaufging — als weithin leuchtendes und sym # Fanal Die „Brandstiftung der Reak e sure dem eben zur Macht gelangten Reichs . Paler Adolf Hitler beim damaligen Reichsprä Laten von Hindenburg den Vorwand get „ das folgenschwere „Ermächtigungsgesetz
eezusetzen um das nunme beginnende Ter
egime nach außen zu legalisieren
„n 20. Juli 1944 hob zum ersten Male in der
egichte Preußens ein Offizier seine Hand zum
Anschlag gegen seinen „obersten Kriegsherrn“. Der Oberst im Generalstab Graf Werner von Stauffenberg, Stabschef des Befehlshabers des Ersatzheeres, der die Tellerbombe in Hitlers Kartenraum trug, war während des Afrikafeldzuges als Soldat mit höchsten Auszeichnungen dekoriert und mehrfach schwer verwundet worden Der Plan der militärischen Verschwörer war bis ins Letzte durchdacht. Politisch war die Stunde der Tat weder vorbereitet noch gemeistert Am Tage des Attentates waren die Männer der „Gegenregierung“ wie Gördeler, von Has sel, von der Schulenburg, Külz, Hell dorf, Leuschner und andere uneinig und hatten keine klare politische Linie, aber bereits meh rere „Kabinettskrisen“ hinter sich. Wäre das Ai tentat gelungen, womit Stauffenberg auch bei
vorsichtigster Abwägung der Umstände rechnen mußte wäre er als der Mann in die Geschichte einge gangen, der dem deutschen Volke unendlich viele vergebliche Blutopfer, den furchtbarsten Niedergang in die Hoffnungslosigkeit, das Chavs und den Verfall erspart und viele seiner kulturellen. moralischen und materiellen Werte gerettet hätte
Stauffenberg im Hauptquartier
Als der Oberst von Stauffenberg kurz nach Mittag des 20. Juli 1944 mit eiligen Schritten eben den letzten der fünf Sicherungskordons des „Führer=Hauptquartiers“ passiert hatte, ließ eine gewaltige Explosion ie im mittäglichen Sonnenglast ruhende weite ostpreußische Landschaft zwischen Rastenburg und Lötzen erzittern. In dem erlösenden Gefühl, den in höchster Spannung in Berlin wartenden Mitverschwörern, den Generälen Beck, von Witzleben, Olbricht Höppner und zahlreichen anderen die Meldung vom Gelingen d Planes erstatten zu können, sprang Stauffenberg in das wartende Auto, das ihn in rasender Fahrt zum etwa 12 Kilometer ent fernt liegenden Flugplatz brachte. Als häufiger Besucher des Hauptquartiers war Stauffenberg im Besitze aller Ausweise, so daß
die den Flugplatz des Führers bewachende Mannschaft der Leibstandarte Adolf Hitler“ nicht daran dachte, den übereiligen Start der Kuriermaschine; nac Berlin zu verhindern.
Während die „Ju 88“ unter einem wolkenlosen Himmel den Mann, dessen Gedanken einzig um die nächsten nun zu ergreifenden Maßnahmen kreisten, Berlin entgegenflog, glich das Führer hauptquartier einem aufgewühlten Ameisenhau fen. Unmittelbar nach der Explosion des „Block hauses für Chef=Besprechungen“ war eine wilde Panik und Kopflosigkeit ausgebrochen. Sämtliche Leitungen und Verbindungen waren zerrissen. So wurde die erste Meldung über das Attentat erst
nach drei Stunden, kurz vor 16 Uhr, vom PresseHauptbüro — Dr. Diettich — dem stellvertretenden Reichspressechef Sündermann nach Berlin durchgegeben, der um 17 Uhr eine Sonderkonferenz für die In= und Auslandspresse im Pro gaganda=Ministerium einberief. über die FunkFernschreiber= und Hellschreiber=Apparate der deutschen Nachrichtenagenturen erfuhr nunmehr die Welt das Attentat. Um 17.32 Uhr funkte die Transozean=Europa=Preß=Agentur“ als erste die nhaltsschwere Kurzmeldung als Sonder=Blitztele jramm in den Ather. Zwei Minuten später scho ram die Gegenmeldung der amtlichen britische lgentur „Reuter“. Es folgten in kurzen Abstän en die amerikanischen Pressebüros, die der Mei gung bereits Kommentare anfügten. Die Nackicht raste um die
Welt. Nur die deutsche Pressi durfte zunächst nur den lakonischen amtlichen Text des Deutschen Nachrichtenbüros veröffentlichen. Der von Goebbels gesteuerte Propagandasender Königswusterhausen sandte mit Richtstrahlern ununterbrochen in die Welt hin aus: der Führer lebt —— der Führer lebt ——
In San Franzisko, Tschungking, Kairo, Kapstadt hielt man für Sekunden den Atem an Extrablätter wurden auf den Markt geworfen Börsenmanöver gestartet, Kabinette traten zu Sonderberatungen zusammen: aber noch waren keine Einzelheiten über den Hergang der Tat und ihre Auswirkungen bestätigt. War Hitler tot? Verschwieg seine Umgebung die Schwere der Verletzungen? Hatte ein höheres Schicksal im Augen blick der letzten gewaltigen dramatischen Steige rung eines Zerstörungsprozesses von bisher ungeahnter Grausamkeit in das Räderwerk der Geschichte eingegriffen? War die Aussicht auf ein vorzeitiges Ende dieses blutigsten aller Kriege durch eine jähe Explosion in den Bereich der Mög lichkeit gerückt? Tagelang füllten die möglichen, Folgen des Attentates
die Spalten der Weltpresse
Berlin in der Hand der Gegenregierung
Fast gleichzeitig mit der ersten Attentatsmeldung traf Oberst von Stauffenberg vom Militär flugplatz Berlin=Staaken kommend in der Bend lerstraße, dem Sitz des OKW und OKH., ein, wo seine Auftraggeber ihn erwarteten Nach der Schil derung Stauffenbergs schien alles programmge mäß verlaufen zu sein Weder er noch der Kreis der Mitverschwörer wußten oder ahnten in die sem Augenblick, daß das Schicksal bereits gegen ssie entschieden hatte. Die ersten Befehle wurden gegeben. General Olbricht setzte das unter Befehlstarnung bereits seit Tagen alarmierte Ersatz heer in Marsch. Generalfeldmarschall von Witzleben traf erste Anordnungen als neuer „Chef des OKW.“. Das verabredete Stichwort zur Verhaf
tung der Gauleiter wurde den Wehrkreiskommandanten durchgesprochen. Die Berliner Polizei wurde auf Befeh" des Polizeipräsidenten Helldorf kaserniert. Schon marschierten die ersten Truppeneinheiten durch die Straßen Berlins. Dreimal hatte der Chef des Ersatzheeres „übungsmärsche nach Berlin“ befohlen, um die Truppenmassierungen in der Nähe der Reichshauptstadt zu motivieren und keinen Verdacht aufkommen zu lassen. Das Wachbataillon Berlin begann mit der hermetischen Absperrung des Regierungsviertels. Gegen 18 Uhr konnte niemand mehr den Block der Ministerien und obersten Reichsbehörden zwischen Wilhelmstraße — Unter den Linden — Friedrichstraße — Voßstraße — Saarlandstraße — Potsdamer Platz betreten oder verlassen Sämtliche
Ausweise waren ungültig; es gab keine Ausnahme. Der fast 75jährige Verkehrsminister Dorpmüller, der seit dem ersten Kriegstage freiwillig sein Auto stillgelegt hatte und jeden Morgen und Abend mit der S=Bahn in seine Wohnung—in Zehlendorf fuhr, wurde ebenfalls von der Postenkette zurückgewiesen und mußte nichtsahnend in seinem zur Hälfte ausgebombten Ministerium die Entwicklung abwarten. Die Offiziere der Absperrmannschaften erhielten nur schriftliche Befehle, die sie quittieren mußten. Durch den Tiergarten rollten die ersten Panzer. Die SS.=Posten vor der Reichskanzlei wurden durch Wachen des Heeres abgelöst Noch immer verlief die Aktion planmäßig Die neue Befehlszentrale arbeitete fieberhaft Knapp zwei Stunden war sie im Besitze der Macht. Die
äußeren Umstände schienen den neuen Männern günstig: Himmler, Göring, Keitel, Bormann, Ribbentrop waren in Ostpreußen und konnten zunächst keine Befehle geben. In Berlin marschierten die Truppen der Gegenregierung, das Regierungsviertel war völlig zerniert, Verbindung mit dem Hauptquartier nur über Funk möglich.
In diesem Augenblick kündigte der Rundfunk eine wichtige Meldung an Immer noch warteten die Männer um Stauffenberg mit einer Erklärung an die ##entlichkeit. Auch der Befehl, das Funkhaus und das Haupttelegraphenamt zu besetzen, wurde versäumt. Da gab nach dem „Badenweiler=Marsch“ der Svrecher des Großdeutschen Rundfunks“ folgende Meldung durch: „Auf den Führer wurde heute ein Sprengstoffanschlag verübt ... Der Führer hat außer leichten Verbrennungen und Prellungen keine Verletzungen erlitten. Er hat unverzüglich darauf seine Arbeit wieder aufgenommen und — wie vorgesehen — den Duce zu einer längeren Aussprache empfangen .“ Fortsetzung folgt.
Sie lesen morgen: Die Fehler der Verschwörer.