Tiroler Tageszeitung 1945

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Seite 2 Nr. 118
*Tiroler Tageszeitung
Donnerstag, 8. November 193
Wienee Bericht
Keine Vereinigung zwischen Sozialisten und Kommunisten
Gegenüber den im ganzen Lande verbreiteten Gerüchten gibt der Vorstand der Sozialistischen Partei Österreichs heute bekannt: „Die Sozialistische Partei denkt nicht daran, vor oder nach den Wahlen die Selbständigkeit der Partei in irgendeiner Weise durch eine Vereinigung mit der Kommunistischen Partei österreichs aufzugeben.“
Der russische Staatsfeiertag
Der heutige sowjetrussische Staatsfeiertag, der 28. Jahrestag der Oktoberrevolution, fand hier starken Nachhall. Montag hatte bereits eine feierliche Kundgebung im großen Musikvereinssaal stattgefunden, bei der Staatskanzler Dr. Renner und Marschall Koniew Ansprachen hielten. Heute widmen sämtliche Morgenblätter ihren Leitaufsatz Rußland.
Das Organ der Volkspartei, „Das Kleine Volksblatt“, schreibt:
„Eingedenk der Bemühungen, in denen sich die Sowjetregierung mit den westlichen Verbündeten zusammenfand, um unserem Vaterland bei seinem Neuaufbau behilflich zu sein, vereinigt sich Österreich mit allen anderen, vom nationalsozialistischen Joch befreiten Völker, um der Sowjetunion an diesem für sie so bedeutungsvollen Staatsfeiertag seinen Dank und seine Verbundenheit zu bekunden.“
Die kommunistische „Österreichische Volksstimme“ zählt die Leistungen. Sowjetrußlands für Österreich auf: die große Lebensmittelhilfe vom 13. Mai, einen Kredit von 600 Millionen Mark, Freilassung von 50.000 österreichischen Kriegsgefangenen in österreich, der Tschechoslowakei, Ungarn und Rußland, Beistel
lung von 50.000 Tonnen Kartoffeln, Spende von 2 Millionen Schilling und großen Mengen Baumaterial für den Neubau der Staatsoper, Wiederherstellung von 104 zerstörten Eisenbahnbrükken, 250 Lokomotiven, 1905 Personenwagen und 7644 Güterwagen.
Die Lohnzahlung an Feiertagen
Wien, 7. November. Das Staatsamt für soziale Verwaltung verlautbart: Die Bezahlung der Feiertage im einzelnen regelt die eben erlassene Verordnung des Staatsamtes für soziale Verwaltung vom 29 Oktober 1945 Als Grundgesetz wird dabei aufgestellt, daß für den Feiertag jenes Entgelt zu leisten ist, das dem Dienstnehmer gebühren würde, wenn der Tag ein Werktag wäre. Bei Dienstnehmern, die im Akkord=, Stück= oder Gedinglohn stehen, ist das Entgelt nach dem Durchschnitt der letzten zwölf Wochen zu bemessen. Wird an einem Feiertag auf Grund geltender Ausnahmebestimmungen gearbeitet, so gebührt außerdem noch das auf die geleistete Arbeit entfallende Entgelt. Hierbei ist bei einem noch nach Monaten bemessenen Entgelt ein Sechsundzwanzigstel des
Monatsentgeltes, bei einem nach Wochen bemessenen Entgelt ein Sechstel des Wochenlohnes zugrunde zu legen.
Italienischer Waffenstillstandsvertrag veröffentlicht
London, 7. November. Politische Kreise in London erklärten, daß der italienische Waffenstillstandsvertrag, der heute veröffentlicht wurde, eben nur einen Waffenstillstand bedeute und keine Unterlage für einen Friedensvertrag sei. Der Vertrag enthält keine Andeutung einer endgültigen Regelung und nennt nur die Bedingungen der Beendigung des Krieges gegen die Alliierten und der Liquidierung des Faschismus. Als eine der schwersten Bedingungen des Waffenstillstandsvertrages bezeichnet die italienische Regierung die noch immer bestehende Besetzung Italiens durch Alliierte Truppen. Die Italiener drängten vor kurzem auf den Abschluß eines provisorischen Friedensvertrages, der ein endgültiges übereinkommen über die endgültigen Bedingungen zwischen den
Großmächten offen läßt. Im Hinblick auf den Abbruch der Außenministerkonferenz halten es unterrichtete Kreise in London für zweifelhaft, daß die restlichen
Klauseln des Waffenstillstandsvertrages bald auf, gehoben werden In London sympathisiert man mit dem italienischen Wunsche, das gegenwärtige Zwischenstadium zu beenden, aber man meint. daß die Schwierigkeiten für den Abschluß eines provisorischen Friedensvertrages genau so groz sein werden wie für den endgültigen Friedensschluß.. Es ist jedoch möglich, daß noch einige Waffenstillstandsbedingungen abgeändert oder aufgehoben werden.
Die Bedingungen
Washington, 7. November. Die gesten veröffentlichten Waffenstillstandsdokumente, die in allem 40.000 Worte umfassen, enthalten ein vollständige Aufzeichnung aller Verhandlungen mit Ausnahme gewisser unwichtiger Korrespon denzen, die, wie es heißt, über die Grundzüg des Waffenstillstandes nicht viel Klarheit brin gen. Abgesehen davon sollen keine Auslassungn oder Streichungen vorgenommen worden sein
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Vor der Neuordnung in Spanien
Österreichisch=amerikanische Gesellschaft gegründet
Wien, 6. Nov. Im Sitzungssaal des Landtagsgebäudes wurde heute die österreichisch=amerikanische Gesellschaft gegründet. Zu Ehrenvorsitzenden wurden gewählt: Graf Ferdinand ColloredoMansfeld, Staatssekretär Leopold Figl, Staatssekretär Ernst Fischer, Unterstaatssekretär Doktor Karl Gruber.
Wiedersehen mit Wien
Es ist wirklich so, daß man seine Ungeduld bezähmen muß. Der Schnellzug ist kein Schnellzug, der übergang über die Demarkationslinien vollzieht sich schleppend, da und dort stehen wir wieder, ohne zu wissen, warum — aber einmal, endlich, sind wir doch in Wien=Westbahnhof.
Und plötzlich haben wir gar keine Eile mehr weiterzukommen. Unwillkürlich stockt uns der Fuß, ein Bangen kommt uns an, eine ganz heiße, jähe Angst. Wir erzittern davor, den Klang, das Bild, das uns österreichischen Menschen von dieser Stadt immer irgendwie begleitete, wo wir auch waren, nun ganz zerstört und zertreten vor uns zu sehen.
Sehr zögernd beginnen wir die Mariahilferstraße hinunterzugehen. Die innere Stadt und die Außenbezirke getrauen wir uns zuerst überhaupt nicht zu besuchen. Und dann treibt es uns doch und wir sind sehr schnell überall dort, wo unsere Gedanken am meisten weilten in jenen letzten sturmbewegten März= und Apriltagen, da wir uns diesem armen Wien mehr verbunden fühlten, als jemals zuvor in fröhlichen Tagen.
Wir mögen nicht miteinander sprechen, das ist wahr. Wir sind ernst und still und wenn wir sehr langsam durch die Kärntner Straße gehen, vor dem Stephansdom stehen, am Schwarzenbergplatz, am Donaukai oder im 10. Bezirk, da greift uns schon eine schwere Erschütterung an, mit der wir ringen.
Wir gedenken des kürzlich getanen Ausspruches brasilianischer Offiziere, die Wien besuchten. „Königin ohne Hermelin — das ist jetzt Wien!“
Aber dann legt sich die schweigende Erregung, unser Blick wird freier, wir sehen außer Trümmern und Ruinen auch noch anderes: daß sich das Leben regt in dieser, von der Kriegsgeißel schwer getroffenen Stadt. Daß es pulst, ein starker, lebendiger, gesunder Strom, der sich selbst
ungeahnte Kraftreserven aufgebrochen hat und nun daraus schöpft.
Man mag sich vieler Empfindungen bewußt werden, wenn man so zum erstenmal wieder seit den letzten schrecklichen Jahren Wien besucht. Einer Empfindung aber erwehrt man sich nicht: es ist ein starker Auftrieb spürbar. Die Menschen hier, die tapferen, die dageblieben sind und ausgeharrt haben, mit dem Schicksal ihrer Stadt unlösbar verbunden, kränkeln nicht. Sie haben den Willen zum Gesunden und sie gesunden auch. Wenn nicht an äußeren Garantien, von denen wir auch da und dort manchmal ganz leise Ansätze spüren, so doch an inneren ideellen Gütern, als da sind: Kraft und Mut und Freude — Freude!
Diese goldene Stadt, in die an den frühen Abenden jetzt die funkelnden Sterne herniederstrahlen in die lichtlosen Straßen — ein seltsames Erlebnis in einer Großstadt — freut sich. Trotz allem, was hinter ihr liegt und trotz allem, was vor ihr ist. Sie hat tausend kleine, bescheidene Quellen, die sie ausströmt und aus denen sie es den Besucher fühlen läßt: das oft besungene Wiener Herz, dieses starke jetzt, „Ritter Löwenherz“ möchte man es nennen, läßt sich nicht totschweigen. Es lebt. Und kann es nicht mehr aus der Fülle von außen leben, so kehrt es sich nach innen und besinnt sich auf seinen eigenen Reichtum.—
Und kommt es dann wieder zum Vorschein, so ist auch alles wieder da: Kunst, Musik, Anmut. Rhythmus — und unvergleichlicher Glanz österreichischen Wesens. Dieses Letzte, Beste gibt uns die Stadt mit, wenn wir sie jetzt verlassen. An ihren geliebten, über alles geliebten Häusern und Giebeln, auch wenn sie augenblicklich arm und zerstört sind, sehen wir diesen Glanz hängen und er ist uns ein tröstender Wegweiser in die Zukunft. Irmgard Schulz.
Lausanne, 6. November. Kreise, die dem spanischen Thronanwärter Don Juan nahestehen, erklärten, daß General Francos Vorschläge für die Anderung seiner Regierung in Spanien das Problem einer neuen Regierung nicht lösen wird. Die Vorschläge, die von dem spanischen Millionär Senor Jose Maria Oriol nach der Schweiz gebracht wurden, sind wenig interessant. Gleichzeitig bemerkte man, daß der Niedergang der Franco=Regierung durch die Haltung der Armeeführer verzögert wurde, die unfähig waren, gegen Franco gemeinsam vorzugehen, weil sie untereinander in Machtkämpfen verwickelt sind. Die allgemeine Tendenz der Generäle zielt dahin, die Wiedereinsetzung der spanischen Monarchie zu unterstützen. Aber es ist ihnen nicht gelungen, einen Plan zum
Sturze der jetzigen Regierung zustande zu bringen. Abgesehen von Offizieren wie General Moscardo, der während des Bürgerkrieges den Aleazar in Toledo verteidigte und ein begeisterter Anhänger Francos war, gibt es andere, die nur mit Widerwillen den Einfluß Francos auf die neue Regierung Spaniens ausgeschaltet wissen wollen. Dieser Wunsch, Franco auf einem wichtigen Posten im Hintergrund zu sehen, widerspricht dem Programm des Thronanwärters, der bei verschiedenen Anlässen erklärte, daß er darauf bestehe, daß Franco gänzlich aus der Politik verschwinde. Don Juans Be
rater erklärten, daß zur Durchführung eines Regierungswechsels in Spanien ohne Blutvergießen die Mitwirkung der Armee von äußerst großer Bedeutung sei und daß die Generäle untereinander zu irgend einem Entschluß kommen mußten.
bracht, wo die Indentität eines jeden Manns von einer Spezialkommission genau geprüft wird.
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Das Ende der spanischen Blauen Division Algecircas, 7. Nov. Als gestern die spanische „Blaue Division“, die Freiwilligen für Hitler, in Algiras ankam, war es nur der Militärbehörde erlaubt, den Landungssteg zu betreten. Die Truppen wurden später unter militärischer Bedeckung auf Lastwagen außerhalb Algecircas gebracht und in einem eigenen Lager unterge
Wie den meisten Tirolern, insbesondere abe den Hallern und Innsbruckern, bekann ist, hat sich das spanische Freiwilligen=Bataillos das vom Juni bis Oktober vorigen Jahres i Hall stationiert war, nicht besonders rühmlich hervorgetan. Das sollte sich auch nicht änder als die Einheit Ende Oktober 1944 geteilt wurde und ein Ausbildungsbataillon in die Südsteien mark, das Ersatzbataillon aber nach Hollabrum (nördlich Wien) verlegt wurde.
Da den Spaniern, die zum Teil schon untr Munoz Grande gekämpft hatten, das Leben bein Ersatzbataillon nicht zu behagen schien, wechselten sie in hellen Scharen zur Waffen=SS. hin über. Es trat nun das Kuriosum ein, daß sich de Kommandeur des spanischen Ersatzbataillons Hauptmann Graefe, an das OKH. um Hilt wenden mußte, da die SS. mit allen Tricks und Finessen unlauterer Propaganda versuchte, de abenteuersuchenden Söhne der Pyrenäen=Halbin sel zu sich herüberzuziehen Das OKH. nahm zu vorliegendem Falle in de Art und Weise Stelkung, daß jeder spanische Son dat, der sich von der Einheit unerkaubt entfernte ohne Rücksicht auf den Beweggrund als Fahnenflüchtiger betrachtet werden müsse Das in Wien stationierte SS.=Divisions=Kom
mando reagierte darauf insofern, als es die Sra nier kurzerhand nach Italien sandte. Es wärebstimmt noch sehr interessant geworden, den wi teren Verlauf des Rennens Wehrmacht kont SS. zu verfolgen. Doch eines Tages standen Russen in Wien und wenig später käche ganze mühsam aufgebaute Dritte Reich zusam
Urteile
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Der 21jährige Anton 1n iiner Pistole un
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Die wackeren „Toreros“ aber „flohn in all Welt hinaus“ und nahmen lediglich das ### wußtsein mit, auf einen hoffnungslosen Aufen seiter gesetzt zu haben. Oskar Lehner
Welt und Wis
überschwemmungen in der Rom, 6. Nov. Ein großer Teil der Poebene in Norditalien ist durch andauernde Regenfälle und das schnelle Anschwellen des Po überschwemmt worden.
Eine Maschine zur Feststellung von Kriegsverbrechen
Paris, 7. November. Wie eine amerikanische Nachrichtenagentur heute berichtet, wurden aus den Reihen von acht Millionen deutscher Soldaten und Zivilisten mit Hilfe einer Maschine zur Aufdeckung von Verbrechen 100 Kriegsverbrecher festgestellt.
Eine neue Gehirnkrankheit Goeteborg, 7. November. Schwedische diziner suchen die Erreger einer ansteckene Gehirnerkrankung festzustellen, die in letzterze in Schweden aufgetreten ist und an der in Goetborg 100 Personen erkrankt sind.
Das „Reich“ machte Goebbels reich London, 4. Nov. Wie bekanntgegeben wich verdiente Goebbels durch die Herausgabe und die Mitarbeit an dem Wochenblatt „Das Reich zu nächst jährlich 200.000, später 300.000 Mark. A. 1944 erhielt Goebbels für jeden Artikel 100# Mark.
Wenn einmal ist, tritt an die zur regelmäßi hrer Schulaufg nun nach den nicht so leicht den Zweck der sestigen, sie sol keit, Fleiß, Ger Ausdauer förde i sich um schri igkeit und gef aben können ziehlichen Wert werden.
Die Eltern so neren Kindern, kümmern; si äindlichen Leist zeigen lassen, un kinder zu nehn keinen überblick aben und vo lewahrt bleibe sein, sich mit setzen und die tern. Freilich # inen um die 2 übel sein, wen gaben selbst ma Wir kommen iberhaupt bei en? Wenn daganz allein zu ig gewähren Interesse tald erkennen,
Copyrighi by „Tiroler Tageszeitung“
Dipkamatie, Tresse und Talitik
im Deitten Reich
* Aus dem Tagebuch eines Journalisten
14. Fortsetzung Hitler und die Diplomaten
Im Großdeutschen Reiche, wurde die Diplomatie in eine Welt geheimnisvoller Zauberformeln
gestellt, die ausschließlich von romantischen Vorstellungon lebte. „Dinla###### war genau so 3
stellungen lebte. „Diptomalte war genau so zum billigen Schlagwort geworden, wie der mißdeutete Begriff der sogenannten „Realpolitik“ die Hitler zu treiben vorgab. Je undiplomatischer man mit dem Säbel rasselte und je unverhülltei der „Herrschaftsanspruch“ betont wurde, desto lauter wurde von Diplomatie geredet; und je mehr Wunschträume, falsche Vorstellungen, Stimmungen und Ressentiments den außenpolitischen Kurs bestimmten, desto lauter sprach man von „eiskalter Realpolitik“
Schon bald nach der „Machtübernahme“ wurden die deutschen Diplomaten mit prunkvollen Uniformen ausgestattet. Die äußerlich wuchtigschillernde Wirkung des neuen Diplomatentypus stand jedoch meist in umgekehrtem Verhältnis zu seinen diplomatischen Fähigkeiten auf der geistigen Ebene seiner subtilen Aufgabe. Eigene Gedanken oder gar Intiativen waren daher selten und überdies unerwünscht. Botschafter, die eigene Wege zu gehen versuchten, wurden sehr bald abberufen. In den Krisenstürmen des Jahres 1943 war das Deutsche Reich an vielen international wichtigen Plätzen, wo für gute Diplomaten dankbarste Aufgaben warteten, nur durch „Geschäfts
träger“ vertreten. Die Botschafter und Gesandten saßen in Berlin oder in Krummhübel, der Ausweichstelle des Auswärtigen Amtes in Schlesien, und warteten vergeblich auf die Entscheidungen Hitlers.
Wie auf allen Sektoren, hat Hitler auch die Diplomaten nach einem Einheitsschema erziehen und ausrichten lassen. Hierzu diente ein „Schulungshaus für Diplomaten“ in Berlin=Dahlem, das, bis zu seiner Zerstörung im Bombenhagel des 3. Februar 1945 eines der vielen ständigen Streitobjekte zwischen Rosenberg, dem Leiter des „Außenpolitischen Amtes der NSDAP.“ und Ribbentrop geblieben ist, der als der ehrgeizige außenpolitische Berater Hitlers seit 1931 in der sogenanten „Dienststelle Ribbentrop“ einen großen Verwaltungsapparat mit eigenen Auslandsvertretern unterhielt, mit dem er — nach der Episode als Botschafter in London 1938/39 — in das Haus Wilhelmstraße 76 einzog, von wo“ aus einst Bismarck die deutsche Außenpolitik gelenkt hatte .....
Das Amt des Reichsaußenministers hatte Hitler dem damaligen Kaufmann Joachim von Ribbentrop schon lange vor dem 30. Jänner 1933 zugesagt Es war der Preis für die Vermittlung jener für den Sieg der NSDAP. entscheidenden Verhandlungen und Unterstützungen in den Jahren 1930 bis 1933 in Köln, Godesberg und Berlin mit gewissen westdeutschen Industriegruppen und Bankenkonzernen um den Baron von Schroeder, die die Partei finanzieren halfen. Bei diesen Besprechungen, die später in der „Villa Ribbentrop“ in Berlin fortgesetzt und beendet wurden, lernte. Hitler den Politiker und Diplomaten Franz oon Papen näher kennen.
Um den Schein zu wahren, beließ Hitler in den ersten Jahren seiner Regierung die Diplo
maten Hindenburgs auf ihren Posten. Staatssekretär Otto Meißner, der Mann, der als Kabinettschef drei sehr verschiedenen Herren — Ebert, Hindenburg und Hitler — diente und sie überlebte, hatte ihm hierzu geraten. Nach dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund wurde mit dem Abbau begonnen, als auf Drängen des Parteiministers Heß der frühere Konsulatskanzler von Kairo, Schröder, seine Tätigkeit als „Ministerialdirektor und Personalchef des Auswärtigen Amtes“ begann und mit ihm unter dem Motto „Gleichschaltung des Außenamtes“ die Ara der ausgesprochenen Parteiführer=Diplomaten einsetzte, die sich für Deutschland so nachteilig und in SüdostEuropa geradezu verheerend auswirkte.
Die Geschichte einer seltsamen Karriere
Die wenigen Diplomaten der alten Schule, die in Amt und Würden verblieben, mußten umlernen. Sie alle waren zwar ebenso gute Deutsche, aber nicht so elastisch und weltanschaulich=wendig wie ihr Kollege von Papen, dessen einzigartige Karriere ein getreues Spiegelbild der Vorgeschichte und Geschichte des Dritten Reiches ist. Papen. Ribbentrops steter heimlicher Alpdruck, hatte sich schon im ersten Weltkrieg einen diplomatischen Namen geschaffen, insbesondere dadurch, daß er in kritischer Stunde in Amerika die berühmt gewordene „Rote Mappe“ mit Geheimdokumenten verlor, die den Vereinigten Staaten die notwendigen Unterlagen für den Eintritt in den Krieg in die Hand spielten. Hitler hat im Gegensatz zu seiner Partei und Papens eigenen Freunden große
Stücke auf den Präsidenten des „Preußischen Herren=Klubs“ und des „Union=Klubs“ gehalten. Nach seinem Einzug in Wien, wo von Papen 1937 deutscher Botschafter war, hef
tete er ihm für seine Verdienste um das Drite Reich die goldene Parteinadel an die Brust. Tav sächlich hat von Papen dem Führer als Verbin dungsmann zu kirchlichen Kreisen, zur Industr und zum Adel sowie in zahlreichen Sondermissie nen vor und während seiner Regierungszeit un schätzbare Dienste geleistet. Er war und blieb.— trotz der im deutschen Außendienst verdienten Männer wie Moltke, von Hassel, von der Schulenburg, von Mackensez Dieckhoff und vielen anderen — der einzig, Veteran der alten Schule, der die Geschicke des Hitlerreiches maßgeblich beeinflußt hat und Hiler bis zum Eintritt der Türkei in den Krieg an 1. März 1945 — als Botschafter in Ankara — treu gedient hat.
Als nach dem gescheiterten Blitzfeldzug in Osten und den ersten Winter=Mißerfolgen bei vielen die Erkenntnis aufdämmerte, daß der Krieg militärisch nicht mehr zu gewinnen, höch stens noch diplomatisch beizulegen war, brac eine regelrechte „Papen=Inflation“ aus da kein geeigneter Diplomat zur Hand war,
für die plötzlich so wichtig gewordenen Botschaf n in Stockhoim Madrid. Lissa
terposten in Stockholm Madrid,
bon, Bern. Vatikan oder in Ankara eingesetzt zu werden Bis zu diesem Zeitpunkt, an dem auch Hitler bisweilen Wert und Einfluz eines guten Diplomaten anerkennen mußte, hatten seine Gesandten und Botschafter kaum als die Rolle eines Geschäftsträgers, d. h. offiziellen Briefträgers des Großdeutschen ches spielen dürfen; denn für Beratungen jo der Führer höchst selten seine ausländischen Nusionschefs, sondern fast ausschließlich seine Parteiberater heran, von denen er wußte, daß in seinem. Sinne“ dachten.
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Giehlin geat. 112
(Fortsetzung Seite 3)
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