Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:11
- S.34
Suchen und Blättern in knapp 900 Ausgaben und 25.000 Seiten.
Gesamter Text dieser Seite:
35
W
Seite 2 Nr. 121
Tiroler Tageszeitung
Montag, 12.
1935
Rede Attees der der Abreise nach Washingten
Weltproblem und Atomenergie
London, 10. November. Der britische Premierminister Clement Attlee erklärte in einer Rede welche er anläßlich eines Abschiedsbanketts hielt, das ihm zu Ehren vom Bürgermeister von London kurz vor seiner Abreise nach Washington gegeben wurde:
„Hauptzweck meines Besuches in Washington ist, mit Präsident Truman und dem kanadischen Premierminister Mackenzie über die Weltprobleme im Lichte der Entdeckung der Atomenergie zu sprechen. Ich habe den Eindruck, daß die meisten Menschen hier noch keine rechte Vorstellung davon haben, was diese Entdeckung für die Welt bedeutet. Ich glaube, die wenigsten haben bisher recht begriffen, wie weit wir unsere gesamte Begriffswelt umstellen müssen. Wir haben bereits Proben davon gehabt, wie sich die Atombombe in der Praxis auswirkt Aber wir haben keine Garantie däfür, daß die Wissenschaft im Dienste der Kriegstechnik nicht noch andere grauenvolle Kampfmittel erfindet. Die Frage lautet nicht so sehr, wie können wir diese neue und vernichtende Kraft
kontrollieren, die von der Wissenschaft entfesselt worden ist — die Frage lautet vielmehr: Wie sieht die neue Weltordnung aus, da ein paar Bomben die größten Städte in Schutt und Asche legen können, da das Werk von Jahrhunderten menschlichen Aufbaues plötzlich vernichtet werden kann. Meiner Ansicht nach müssen wir vor allem der einen Tatsache ins Auge sehen: Wenn wir nicht bessere Beziehungen zwischen den Menschen herstellen, als sie bisher all die Jahrhunderte hindurch bestanden haben, dann ist unsere ganze Zivilisation dem Untergang geweiht.
Ein Friede der Herzen
Die Grundlagen der Weltordnung müssen in den Herzen der Menschen gelegt werden. Mit diesem Ziel vor Augen gehe ich mit Sir John Anderson nach Amerika Ich will mit dem amerikanischen Präsidenten und dem Premierminister von Kanada beraten über die Frage, wie wir dem einfachen Mann die würgende Angst nehmen können, die heute auf ihm lastet. Mit Truman und Mackenzie will ich beraten über den besten Weg zur Verwirklichung unserer und der wirtschaftlichen Wohlfahrt für alle Völker. Man hat das 20. Jahrhundert das Jahrhundert des einfachen Mannes genannt Ich glaube an den einfachen Mann. In diesen schweren sechs Kriegsjahren standen oft Männer,
aber Männer von geschichtlicher Größe an der Spitze ihrer Staaten, aber gerettet hat die Welt der einfache Mann mit seinem Mut und seiner Tüchtigkei. Ich will eine Welt, in der der einfache Mann ruhig und sicher leben kann.
Attlee über die Schaffung internationalen Vertrauens
Der Geist der Duldung wächst nur langsam, aber ohne Duldung können Freiheit und Demokratie nicht bestehen. Vom gegenseitigen Vertrauen hängt der Frieden ab. Wir wollen eine Welt, in der das Recht herrscht, wir wollen eine Welt sozialer Gerechtigkeit. Das zu schaffen ist heute unsere wichtigste Aufgabe.“
Atombomben zur Verfügung Rußlands
London, 10. November. Der diplomatische Korrespondent des „Daily Sketch“ berichtet, daß Attlee und Truman den Vorschlag prüfen werden, eine gewisse Anzahl von Atombomben der russischen Regierung zur Verfügung zu stellen.
„Es ist Zeit“
London, 10. November. „Times“ schreiben: „Nach der Rede Molotows und Bevins gibt es keinen falschen Schein mehr. Es ist der Augenblick gekommen, von der Tribüne herabzusteigen und sich um den Beratungstisch zu versammeln, um im Verein mit allen friedliebenden Nationen eine bessere Welt zu schaffen.“
Dementi aus Washington
Washington, 10. November. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes erklärt, es besteht gegenwärtig keinerlei Vereinbarung über die Wiedereröffnung der Konferenz der Außenminister.
Deutsche Wissenschafter gehen nach Amerika
Le Havre, 10. November. Neunzig deutsche Wissenschafter warten auf die Einschiffung nach den Vereinigten Staaten in einer Mission, über die, wie „New York Harald Tribune“ gestern berichtete, die begleitenden Beamten die Auskunft verweigerten. Das Blatt fügt hinzu, diese Gruppe habe keinen Zusammenhang mit den 1200 deutschen Wissenschaftern, die sich kürzlich angeboten haben, nach Amerika zu gehen, um dort einige deutsche Kriegsgeheimnisse zu enthüllen.
General de Gaulle an amerikanische Soldaten
Paris, 10. November. General de Gaulle hat an die Frankreich verlassenden amerikanischen Soldaten eine Botschaft gerichtet, in der es heißt: „Ich begrüße euch mit den herzlichen Wünschen aller französischen Soldaten und dem Dankesgruß des gesamten französischen Volkes. Wir werden euch niemals vergessen, denn wir haben gemeinsam gekämpft, gemeinsam gelitten und gemeinsam gesiegt. Unsere beiden Länder müssen Hand in Hand der Zukunft entgegengehen.“
Die Kosten der deutschen Besatzung in Frankreich
Paris, 10. November. Die deutsche Besatzung hat Frankreich eine runde Summe von 4897 Milliarden Franes gekostet. Diese Summe setzt sich zusammen: Plünderungen 2346 Milliarden, Pensionen 351 Milliarden, Sonstiges 2 Milliarden. Der Vermögensverlust beträgt 75.300 Franes pro Kopf jedes Franzosen.
Island als Flugstützpunkt Amerikas
London, 10. November. Die „Times“ berichten, daß die Regierung der Vereinigten Staaten in Verhandlungen mit Island steht, um dort Flugstützpunkte zu erwerben.
Streiflickter
Gegen die Gleichgültigkeit
„Die Tugend der Vaterlandsliebe verlangt es, daß der Christ sich um die öffentlichen Angelegenheiten kümmert.“ („La Croix“, 6. Nov.)
Frankreich
„Die Haltung Frankreichs wird auf die ganze übrige Welt zurückwirken, die in diesem Augenblick zwischen Demokratie und Kommunismus schwankt.“
(New York Telegramm, 5. November.)
Europa und Deutschland
„Europa nimmt in der Welt nicht mehr den Platz ein, der ihm gebührt und in seiner Mitte klafft eine schwärende Wunde.“
(„La Croix“, 5. Nov.)
Hitlers Propaganda
„Der Antibolschewismus hat Nazideutschland sehr viel genützt; dafür hat ihm der Antisemitismus umso mehr geschadet.“
(„L"Ordre“, 3. Nov.)
„Wir Österreicher sollten gelernt haben, daß die Folgen der politischen Trägheit furchtbar sein können.“
(Unterstaatssekretär Dr. Gruber im „Kleinen Volksblatt")
Polen
„Freier Handel kommt in den nächsten fünf Jahren für Polen nicht in Frage.“
(Minister Jedrychowski auf einer Pressekonferenz.)
Der Wiederaufbau der Bundesbahn in Tirol=Vorarlberg
Um die Brixlegger Brücke
Im Bereich der Bundesbahndirektion Innsbruck schreiten die Wiederaufbauarbeiten rüstig weiter. Insbesondere wurden die zerstörten Oberbauanlagen in den Bahnhöfen Wörgl, Solbad Hall i. T. und Innsbruck=Hauptbahnhof (Güterbahnhof) zum großen Teil wieder instandgesetzt. Auch der Wiederherstellung der zerstörten Hochbauanlagen in den zerstörten Bahnhöfen wird volles Augenmerk zugewendet. Wichtig wies sich die Wiederhersteuung der zerstörten Fahrdrahtleitungen, um die wiederhergestellten Gleise mit elektrischen Fahrzeugen befahren zu können.
Die Reparatur der Personenwagen und Güterwagen schreitet weiter und es wird zur Zeit an der Herstellung der Beheizung und der Beleuchtung gearbeitet. Hierbei macht sich leider der Mangel an Material sehr bemerkbar. Was die Reparatur von Lokomotiven betrifft, so kann gesagt werden, daß die zur Erhaltung des Lokomotivparkes, besonders des elektrischen, nötigen Arbeiten einen zufriedenstellenden Fortgang aufweisen, so daß in nächster Zeit mit einer Vergrößerung unseres Lokomotivparkes zu rechnen ist. Wie aus dem von der Bundesbahndirektion Innsbruck herausgegebenen Taschenfahrplan für jedermann ersichtlich ist, ist der Verkehr auf manchen Strecken im Direktionsbereiche beinahe friedensmäßig. Hierbei ist zu bedenken, daß die personenführenden
Züge, insbesondere die Personenzüge, eine Besetzung aufweisen, wie sie nicht einmal durch die Verkehrsnot der letzten Kriegszeit gegeben war. Während z. B. früher die Oberinntaler Züge eine Besetzung von 400 bis 500 Personen aufwiesen, sind diese Züge in der heutigen Zeit schon bis zu 1400 Personen besetzt gewesen.
Auch im Lande Vorarlberg hat insbesondere der Lokalverkehr zugenommen. Als Ursache dieser Zugsüberfüllungen muß wohl der Ausfall der Autos infolge Benzinmangels, weiters die vielen Berufsfahrer, ferner die teilweise mangelhafte Ernährung in den Städten angenommen werden, welche den Menschen verleitet, sich Lebensmittel am Lande zu verschaffen. Neben den regelmäßigen personenführenden Zügen, zu denen auch drei Expreßzugspaare zu rechnen sind, laufen noch zahlreiche andere Transporte für die Besatzungsmacht und Züge mit Rückwandern und Kriegsgefangenen. Man kann wohl mit Recht behaupten, daß in keiner anderen Bundesbahndirektion ein derart weit ausgreifender Fahrplan vorliegt, von den Verkehrsverhältnissen im benachbarten
Deutschen Reich gar nicht zu reden.
Leider war der Verkehr im Unterinntal über Jenbach hinaus, bzw. über Brixlegg hinaus (Gegenrichtung), durch lange Zeit infolge Fehlens einer befahrbaren Eisenbahnbrücke über den Inn bei Brixlegg gestört, was für die Bundesbahnen eine schwere finanzielle Einbuße bedeutete. Der Güterverkehr mußte in dieser Strecke vollkommen eingestellt werden, während der Personenverkehr nach dem Einsturz der Brücke im August 1945 dank des Entgegenkommens der französischen Militärverwaltung durch beigestellte französische Lastkraftwagen durchgeführt werden konnte.
Die Zerstörung dieser schönen Steinbrücke geschah seinerzeit durch interalliierte Bomber derart gründlich, daß es sich lohnt, darüber einiges zu sagen. Der erste Angriff erfolgte am 16. März 1945. Bei diesem Angriff wurde das erste Brükkenfeld zerstört. Nach Wiederherstellung sollte die Brücke am 23. März 1945 dem Verkehr übergeben werden, als am 22. März 1945 der zweite Angriff erfolgte, bei dem sämtliche Brückenbögen zerstört und nur die vier Pfeiler bestehen blieben. Pioniere aus Schwaz stellten die Pfeilerstümpfe auf und legten Peinerträger darauf. Der Betrieb konnte am 30. März wieder aufgenommen werden. Beim dritten Angriff auf die Brücke am 8. April 1945 blieb die Brücke unversehrt. Der vierte Luftangriff am 9. April 1945 hatte schwere Schäden zur
Folge. Alle überbauten wurden zerstört, alle Stahlträger stürzten in den Inn. Im
die Joche erneuert, die Stahlträger wieder aufgebaut, so daß der Betrieb bereits am 13. April wieder ausgenommen werden konnte. Der fünfte Luftangriff erfolgte mit 240 Flugzeugen und zirka 1440 abgeworfenen Bomben am 19. wobei die Pfeiler schwer beschädigt wurden und auch im Bahnhof Briglegg schwere Verwüstungen entstanden.
Nach der Kapitulation wurden Pfeiler und Träger wieder ausgebessert, so daß der Verkehr am 10. Juni 1945 wieder aufgenommen wer, den konnte. Kaum war die Brücke durch einig Zeit wieder befahrbar, traf das Unterinntal eine Hochwasserkatastrophe, welche die Folge eine 18stündigen Wolkenbruches war. Trotz dreimaliger gewissenhafter Untersuchung am 9. Augusi konnte infolge des Hochwassers, bzw. der Wassertiefe, nicht bemerkt werden, daß das Hochwasser bei zwei Pfeilern Auskolkungen bis zu 6 Meter verursacht hatte. So kam es, daß gegen Mittag ein Pfeiler und zwei Brückenfelder einstürzten
Die Bauunternehmung Innerebner und Mayer wurde sofort mit der behelfsmäßigen Wiederherstellung der eingestürzten Brücke und einer neuen Behelfsbrücke zirka 30 Meter stromaufwärts beauftragt. Die steinerne Bogenbrücke (Behelfsbücke 1) ist seit 12. Oktober befahrbar, wurde aber am 5. November wegen neuerlichen Bauarbeiten gleichzeitig mit der Befahr barmachung der von der Firma Innerebner und Mayer erstellten Behelfsbrücke 2 (Holzbrücke) gesperrt.
Seit 5. November findet daher der Verkeht über die Behelfsbrücke 2 statt. Diese Brücke ist eine Trägerbrücke auf gerammten Holzjochen. Die Rammarbeiten wurden von der Firma In nerebner und Mayer besorgt, die Holzjoche wur den von deutschen Kriegsgefangenen unter Aufsicht der französischen Geniekompagnie erstellt und das Verlegen der Träger wurde vom Bahnbrükkenmeister durchgeführt. Es ist zu hoffen, das dieses Provisorium ebenso wie die Behelfsbrücke Nr. 1 durch einige Zeit für den Verkehr genügen wird, bis eine neue definitive Brücke mit zwei Fahrbahnen (Doppelgleis) ge baut werden kann.
An dieser Stelle muß bemerkt werden, daß gleichzeitige Bau der Behelfsbrücke 2 den Einsatz von 300 bis 400 Arbeitern erforderte. N die Arbeitsämter nicht in der Lage waren, diese Arbeitskräfte zu stellen, so hat eine freiwillige Aktion unter allen Eisenbahnbediensteten zusammen mit der Abordnung von Arbeitern aus einzelnen Bahnmeistereien dazu beigetragen, daß die Arbeiten an der zweiten Behelfsbrücke in ver hältnismäßig kurzer Zeit beendet werden konn ten.
Sonnta
Ja, wenn ind
Im blumeng den Rennweg Gefolges
stammten Erbe#
Schrecken und des Krieges u Ein prachtvollspann führt i nannstracht ie
Schützen in geleit.
Aber bevor selgeliebten, Ie
der über hmauszuschwei heres festliches
Laufe der Wiederinstandsetzungsarbeiten wurden farbe wieder friedensmäßig auszusehen.
Es ist auch lobend und dankbar hervorzheben daß die französischen Besatzungstruppen sow eine Abteilung amerikanischer Pioniere aus Rsenheim durch Beistellung von Gefangenen aber auch von eigenen Abteilungen sowie durch riallieferung die Wiederherstellungsarbeiten ve# sentlich gefördert haben.
Zu erwähnen wäre noch, daß im Zeitpunktde übernahme des Betriebes in Tirol und Vorat berg durch die wiedererstandene Bundesbahn direktion Innsbruck im ganzen 25 Brücken zerstört waren. Hiervon entfallen auf Tiri 21 und auf Vorarlberg 4. Wenngleich die Arbei ten an diesen Brücken, so insbesondere an den großen Brücken bei Ötztal (Ötztalerachbrücke) und bei Reith (Mittenwaldbahn) noch nicht vollständig beendet sind, so kann die Bundesbahndirektion Innsbruck mit Stolz hervorheben, daß alle zerstörten Brücken in ihrem Bereich (2 rol—Vorarlberg) seit längerer Zeit wiederbe fahrbar sind.
Auch die Bodenseeschiffahrt ist duch die Bundesbahndirektion Innsbruck wieder in Gang gesetzt worden; als erstes Passagierschiff nahm die schöne „Bregenz“ den Kurs von Bregenz nach Konstanz. Gegenwärtig wird auch das im Jahre 1938 erbaute Dieselmotorschiff „Ostmark“, das bald den Namen ändern wird weiß gestrichen, um durch Vernichtung der Tar
Es ist wie in
ärregierung ih Stramm, exakt sehen die Sold ier oder Rech
fanzösischen Ogegenüber der weiter oben we auf den Augen zen Tor der Hu# zösischen und 8 den Aufstellung zanfaren schmie anzösischen un
9 die französische General Be zard mit den sehmen die mi entgegen 1 nterbrochen spUnd es ist niFzuschauern, die den Rennweg schen besetzen, d jesse dieses glär folgt.
Hernach begel Mitgliedern de staatlichen Behr burg, von dem rehen.
Herbst in Südtirol
Noch fühle ich die Sonne auf der weißen Hausmauer glühen, seh mich an dem zierlichen, frischgedeckten Tischchen, am weitausladenden, sonnenbraunen Altan sitzen. Und vor mir Gärten, Gärten, Gärten: Braun=rot=golden=grünes Leuchten soweit das Auge reicht. Manche Bäume prangen noch im reichsten Herbstsegen, sind über und über beladen. strotzen in prallen, süßen Früchten. Ich seh die Hauswand, die sich dem Dach zu leicht einwärts neigt und nach unten auseinander geht, als wolle sie jeden der freundlichsten Aufnahmebereitschaft, der kühlsten Geborgenheit versichern. Denn drinnen im Haus steht die Luft still und herrscht eine erfrischende Temperatur, trotz der südlichen Wärme im Freien. Alle Hitze, die der strahlende Herbsttag noch aussendet, saugt gierig
das blühendweiße Mauerwerk ein.
Auf dem Rasensamt, der saftig bis an den Holzbalkon heranstrebt, liegen neben verwitterten, runzligen Blättern, halb versunken in den weichen, grünen Teppich, pauspäckig, wie gesundheitstrotzende Kindergesichter, die dicken Apfelwänste, welche die Zeit der Ernte nicht mehr abwarten konnten und sich so von ihrer, in königlichem Strahlenfeuer erglühenden Mutter gelöst hatten. Dazwischen ruhen gewaltige Birnen, die, ob sie wollten oder nicht, vom Baume herunter gemußt. Sie waren zu feist gewesen, um sich noch
länger in Gesellschaft ihrer kleineren Brüder zu fristen. Bauchige Kastanien in grünem Stachelkleide — kleine, putzige Igelchen — verstecken sich ängstlich hinter riesenhaften Wasenbüscheln. Bei manchen ist das Bäuchlein geplatzt, dunkel und glänzend quillt es da aus dem weißgesäumten Schlitz. Daneben einsam ein paar Feigen. Trübsinnig über langes, freudloses Liegen haben einige ganz braune, vergrämte Gesichtchen, sind leicht angefault. Durch die dunklen Stämme flammt die Abendsonne, überflutet sie halb mit starkem Licht und wirft lange Schatten über die buntgefleckte Wiese Die farbigen, wogenden Blätter stellen sich wie eine golden leuchtende Sperre der Sonne entgegen, die sie mit blitzenden Strahlenblicken durchbricht.
Die fernen Berge sind herangerückt zu einer wundervollen Vergrößerung. Täler. Wälder, alles versinkt in spätsommerlichen Dunst, in einem Herbstduft, der gesättigt ist und trunken von Feuer und Sonnengold. Daraus tauchen die rötlich glimmenden Gipfel. die zu leben scheinen, die sich baden in den letzten Abendstrahlen Das spröde Gestein sprüht und flimmert in einem überirdischen Glanz Mein Blick verliert sich in dem satten Himmelsblau, kehrt zurück zu den stillen Gärten, über die schon leise Abendschatten wehen. ...... O Südtiroll einzig bist du!
Peter Wolf, Graßmayrstraße 10.
Nachbarsleute
Manch einer hat es wirklich gut. Die reizendsten Menschen wohnen in seiner Nachbarschaft. Er steht mit allen auf Grüßfuß, wird da zum Schnäpschen und dort zum Tarokkieren eingeladen, die Kinder reißen schon von weitem die Mütze herunter, wenn sie ihn sehen, und der Hund von seiner Nachbarin links beginnt mit dem Schweif zu wedeln, wenn er an ihrem Gartenzaun vorübergeht. über sich hat er taktvolle Zeitgenossen wohnen, die gleich nach dem Nachhausekommen in ihre Filzpatschen schlüpfen, damit nur ja kein Lärm durch die Decke schallt. Die Leute unter ihm lassen ihren Lautsprecher nur säuseln, damit er ja nicht gestört wird. So etwas gibt es. Ich habe es mir sagen lassen.
Auch ich habe die reizendsten Nachbarn. Gefällig, liebenswürdig, die ihre Nase nicht in meine Angelegenheiten stecken und mir bestimmt den besten Leumund ausstellen. Dessen bin ich sicher. Manchmal gibt es ein Plauscherl über den Zaun oder von Fenster zu Fenster und wenn man sich im Treppenhaus begegnet, grüßt man sich freundlich und fragt nach dem woher und wohin, oder berichtet sich gegenseitig über den Stand des Wetters. Zeige mir deine Freunde und Bekannten und ich werde dir sagen, wer du bist, diesen Satz hat mir einmal ein kluger Mann beigebracht.
Nur mein Nachbar zur Rechten macht mir
Kummer. Ich habe ihn einmal gekränkt, beleidigt, in einem unbedachten Moment, den der Teu fel erfunden haben muß, damit die Menschen sich gegenseitig wehe tun. Und nun wachsen in seinem Garten die Krautköpfe in überreicher Zahl. Zu gerne hätte ich einmal einen von ihnen denn Gemüse ist rar. Sie wissen es selbst. Aber ich traue mich ihn nicht zu fragen, ob er mir ein paar von seiner reichen Ernte abgibt. Er dreht immer den Kopf weg, wenn ich vorbeigehe, damit er mich nicht zu grüßen braucht. Selbst sein schwarzer Kater, der ab und zu durch den Zaun äugt, ist mir nicht wohlgesinnt. Ich mußte ihn einmal verjagen, weil er einen Maulwurf, so einen herzigen, pezigen Burschen, der ohnehin schlecht sieht, fangen und auffressen wollte. Offensichtlich hatte er ihn mit
einer Maus verwechselt. Seither faucht der Kater mich an und stellt den Schweif pfeilgrad in die Höhe, wenn ich ihn streicheln möchte Und das tut mir leid und git mir zu denken Und darum lieber, geneigter Leser. ziehe einen kleinen Rat aus diesen Zeilen: Bleib stets bemüht, auf gute Nachbarschaft zu halten. Denk an die Krautköpfe und daran, daß du einmal in einer Situation die Menschen wirst brauchen können, die deine Nachbarn sind. Und bemühe dich, mit ihnen auszukommen. Vergid ihnen ihre kleinen Schwächen, wie sie dir deine vergeben mögen, auf daß Frieden herrsche zwe schen den Zäunen... Ne. Po.
Frank