Tiroler Tageszeitung 1945
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- S.75
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stummer 131 7 1. Jahrgang
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Freitag, 23. November 1915
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Feuerchen oder Feuer?
1 Iran oder wie es früher hieß Persien war von Ascher ein Schnittpunkt der Interessen jener grosen Mächte, die Mittelasien beherrschen: England #und Rußland. Die beiden entschlossen sich zu einer gemeinsamen Aktion, als im Jahre 1941 für den Transport des Kriegsmaterials nach Rußland ein sicherer Weg gebahnt und offen gehalten werden nußte. Russische, englische und amerikanische Truppen haben damals die wichtigsten Stütz
runkte Irans besetzt. Unter dem Drucke der Nächte erfolgte auch der Sturz des Schah, der anscheinend im Begriffe stand, sich mit deutschen ägenten ins Benehmen zu setzen. Nach dem Einnarsch in Persien erklärten die Alliierten, daß ihre Truppen nur solange dort verweilen würden, als es die strategischen Notwendigkeiten erforder
ten. Tatsächlich hat schon vor einiger Zeit der Ab
narsch der russischen und englischen Kontingente begonnen. Teheran selbst, das von den Engländern besetzt war, soll in der allernächsten Zeit von den letzten Einheiten, die noch dort verblieben sind, geräumt werden.
Seit Tagen werden nun merkwürdige Bewegungen in Nordpersien gemeldet. An der Grenze zwischen Persien und der Türkei ist ein Aufstand der Kurden entbrannt. Man erinnert sich vielleicht aus den Jahrzehnten, die dem Sturz der Türkei al Großmacht vorangingen, daß Erhebungen dieser kriegerischen Bergstämme nicht selten das Vor
piel internationaler Konflikte waren. Aus russi
scher Quelle wurde gemeldet, daß die Türkei gevisse Truppenbewegungen angeordnet habe. Anbra hat diese Nachricht sehr scharf dementiert. kan hat übrigens auch nichts weiteres darüber #nfahren, welche Gestalt und Ausdehnung der Aufuhr der Kurden angenommen hat. Jedenfalls verschwindet er völlig an Bedeutung gegenüber den Ereignissen, die sich in der nordpersischen Aserbeidschan abgespielt haben. Dort bachsämlich ein Aufstand aus, der es sehr rasch zumRange eines internationalen Gesprächsstoffes bachte. Die persischen Berichte bezeichnen diesen Aufstand als eine separatistische Bewegung, welche die Losreißung der Provinz Aserbeidschan von fersien und deren Vereinigung mit Sowjetrußland will. Die persischen Berichte sagen weiters,
Truppen, die zur Niederwerfung der Erkebung ausgesandt wurden, von russischen Abtilungen, die seit 1941 in Nordpersien stehen,
zafehalten worden seien. Die Moskauer Nachsichtenagentur hat darauf erwidert: „Reaktionäre lélemente begannen die demokratischen Organi
sationen in Nordpersien zu verfolgen. Der Zweck sdieser Angriffe ist, die demokratischen Strömunigen, die unter der nordpersischen Bevölkerung #terrschen, zu unterdrücken. Die Bevölkerung Kordpersiens setzt sich zum großen Teile aus Be
Avohnern von Aserbeidschau zusammen, die bei Den Wahlen zu einer Selbstverwaltungskörper
schaft eine Anzahl von Grundforderungen stellten, die auf ihren nationalen Wünschen beruhen.“ —
Diese Darstellung macht es verständlich, weshalb #es die persische Regierung für notwendig gefunden hat, raschestens eine diplomatische Mission nach Moskau zu entsenden, um über die Bereinigung dieser so plötzlich aufgeworfenen Frage zu verhandeln. Der sowjetischen Botschaft in Teheran
wurde eine Note überreicht, in welcher Rußland ersucht wird, jegliches Einmischen in die Hand
lungsfreiheit der iranischen Armee und Gendar
nerie im Nordwesten Irans zu unterlassen. Auch der englische Außenminister Bevin ist mit Erklärungen an die Öffentlichkeit getreten.
Bevin sprach zunächst nicht von den Vorfällen in Aserbeidschan. Er behandelte von der Regierungs bank aus nur die Frage, wie die englischen In#teressen in Iran gewahrt seien. Er schilderte, in
s welchem Tempo die Räumung des Landes von britischen Truppen erfolgte, „Nur schwache Kräfte verbleiben noch im äußersten Südwesten Per
## siens“ (die Gegend der großen Ölfelder!). Der konservative Abgeordnete Mellor fragte den Mi
##nister, ob er nicht irgendeine Erklärung über die
Lage in Persien abgeben könne. Darauf erwiderte Bevin: „Wie ich höre, ist eine politische Gruppe in der Provinz Aserbeidschan, die für die AutoInomie dieser Provinz agitierte, zu Gewaltmaß
1 nahmen gegen die persische Regierung geschritten.“
Wie ernst man die Dinge in Teheran auffaßt, * zeigt auch ein Hilferuf. den die persische Regie#tung nach Washington gerichtet hat. Der kranische Botschafter in Washington Hussein Ala erklärte nämlich auf einer Pressekonferenz: „Wir hoffen. daß die Vereinigten Staaten mit ihren hohen moralischen Grundsätzen in Moskau und jeder Konferenz der drei Großmächte ihren Einfluß geltend machen werden, damit Iran Recht und Gerechtigkeit widerfährt.“
Die Frage der deutschen Westgrenze
Erklärungen von Murville und Byrnes
Washington, 22. Nov. Maurice Couve de Murville erklärte bei einer Pressekonferenz, daß es jetzt an der Zeit sei, die Frage der deutschen Westgrenze zu bereinigen. Er bezeichnete als Hauptfaktor für die Sicherung des zukünftigen Friedens, daß Deutschland alle erdenklichen Mittel zur Entfesselung eines neuen Krieges entzogen werden. Ein solches Programm sei nicht nur für das Ruhrgebiet das Beste, sondern für alle Länder Europas. Es sei nicht beabsichtigt, Deutschland jedes Anteils an der Kohle zu berauben, jedoch müsse eine Kontrolle der Kohlenverteilung seitens der Alliierten aufrechterhalten werden. Zum Gedanken einer Volksabstimmung im Rheinland zwecks Bestimmung seiner politischen Zukunft meint Murville, daß dieses ganze Problem sich erst in Zukunft
lösen lasse. Er könne auch nicht sagen, ob Frankreich für eine solche Volksbefragung sei. Auf die Frage, ob es vielleicht die französche Absicht sei, im Rheinland einen Pufferstaat zu schaffen, antwortete Murville,
daß es sich nur um das Problem des industriellen Potentiales innerhalb Deutschlands und darum handle, ob Deutschland in der Lage sein werde, einen weiteren Krieg vorzubereiten.
Außenminister James P. Byrnes wies darauf hin, daß die französisch=amerikanischen Besprechungen in herzlicher Weise verliefen. Byrnes betonte, er habe über den Standpunkt der amerikanischen Regierung hinsichtlich des Ruhrgebietes und des Rheinlandes keine Erklärung abgegeben. Jede Frage, die territoriale Veränderungen mit sich bringe, müsse bis zur Friedenskonferenz aufgeschoben werden. Er sagte aber auch, daß die Vereinigten Staaten ihr Interesse an einer Bereinigung der Besatzungsprobleme des Reiches klar zum Ausdruck gebracht hätten. Diese Bereinigung wird momentan noch durch einen Mangel an Einmütigkeit innerhalb der alliierten Kontrollkommission für Deutschland verzögert. Weiters erklärte Byrnes, daß die Vereinigten Staaten sich an das
Abkommen von Potsdam gebunden halten, dem zufolge eine alliierte Zentralverwaltung Deutschlands ins Auge gefaßt war.
Churchill reist nach Australien
London, 21. November. „Daily Harald“ meldet, daß Churchill England im Dezember verlassen werde, um Australien und Neuseeland zu besuchen. Er werde nicht vor Anfang März nach London zurückkehren. Während seiner Abwesenheit wird ihn Eden als Führer der Opposition vertreten.
Italienisches Statut für Südtirol?
Rom, 22. November.Sovrano“ für die Anwendung des Selbstbestim
Der Ministerat hat einen Gesebentwurf über österreichischen
die politische und rechtliche Organisation Südtirols angenommen. Das Kommüniqué besagt, daß die ergriffenen Maßnahmen von der Politik der Gerechtigkeit, welche das italienische Volk in Bezug auf die deutschen Minderheiten zu verfolgen gedenkt, inspiriert ist. Sie sollen das Nationalitätenproblem der Einwohner Südtirols gemäß der durch den Deutsch=Italienischen Vertrag von 1939 geschaffenen Si tuation bereinigen. Der Gesetzentwurf legt unter anderem die notwendigen Bedingungen fest, die zur Wiedererlangung der italienischen Staatsbürgerschaft für die, welche sie verloren haben, erfüllt werden müssen und gibt die nötigen Anweisungen für die Aufstellung der Wahllisten. Der Gesetzentwurf wird der konstituierenden Nationalversammlung zur Begutachtung
vorgelegt werden.
Ernesta Battisti — eine Kronzeugin im Kampf der Südtiroler
Cesare Battisti war vor und während des ersten Weltkrieges der Führer der Trientiner Irredentisten und ein bekannter Sozialist. Nun hat die Witwe dieses Kämpfers für die Zugehörigkeit des Trentino zu Italien, Ernesta Battisti, sich kürzlich in einer Zuschrift an die Zeitung „Il Popolo
verlangt gerade von den Trientinern Verständnis für die Wünsche der Südtiroler, da sie sich ja bis zum Jahre 1918 in einer ähnlichen Lage befanden, wie heute Südtirol. Wenn das Trentino seinen Traditionen treu bleiben will, sagt Frau Battisti, muß es zu verhindern trachten, daß die Südtiroler das Opfer eines Schachers werden, der das Ideal Battistis vom Selbstbestimmungsrecht der Völker um materieller oder parteipolitischer Interessen willen verleugnet.
Katholische Bischöfe der USA. über die Politik der Alliierten
Washington, 22. Nov.
Am Beginn ihrer jährlichen Konferenz veröffentlichten die katholischen Bischöfe der Vereinigten Staaten eine Botschaft, in der sie die Politik der Alliierten gegenüber Italien. Deutschland, Österreich und Ungarn näher untersuchen. Es heißt darin im Besonderen: „Wir müssen den besiegten Nationen helfen, den Platz wieder einzunehmen, auf den sie in der Familie der Nationen ein Recht haben. Sie im Geiste des Revanchegedankens zu behandeln, wäre weder recht noch klug.
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Kniversität Straßburg — Stätte der deutschen Atomforschung
Jean Bedel, der Sonderberichterstatter der „Libération“, macht interessante Enthüllungen über die von den Deutschen während der Besatzungszeit zu einem der Zentren auf dem Gebicte der Erforschung der Atomenergie ausgebauten Aniversität Straßburg. Demnach waren die von den Deutschen allein für das physikalische Institut jährlich ausgeworfenen Summen doppelt so hoch als die, die jetzt für alle fünf Fakultäten zusammen zur Verfügung gestellt werden können. Das physikalische Institut der Universität diente ausschließlich der Erforschung der theoretischen Grundlagen der Akomenergie. Der vom amerikanischen Spionageabwehrdienst später in Deutschland als Leiter des Institutes aufgespürte Prof. Dr. Fleischmann befindet sich jetzt in den Vereinigten Staaten Als
die Deutschen an die Räumung Straßburgs denken mußten, begannen sie auch mit der systematischen Zerstörung der aufs großzügigste ausgestattelen Hörsäle und Laboratorien. Bei ihrem Rückzug nahmen sie nicht nur das von ihnen selbst herbeigebrachte Forschungsmaterial mit, sondern auch alle französischen Instrumente.
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Wien im Wahlfieber
Telephonbericht unseres Wiener A. R.=Korrespondenten
Das Wahlfieber hat heute, drei Tage vor der Wahl, seinen Höhepunkt erreicht. Ab 3 Uhr nachmittags jagen die Verhandlungen einander. Auf der Straße werden Auge und Ohr des Passanten eingefangen durch eine Propaganda, die ein bisher noch nicht gekanntes Maß an Vervollkommnung erreicht hat. Plakate und Lautsprecher aus den Häusern und von Kraftwagen herab geben Wahlparolen, Musikkapellen und Sprechchore werben für ihre Parteien. Die Zukunft des Landes hängt von dieser Wahl ab! Diese Erkenntnis suchen alle Parteien gleichmäßig der Bevölkerung einzuhämmern.
2000 Wahllokale stehen Sonntag von 7 Uhr früh bis 4 Uhr nachmittags den Wählern offen,
20.000 Menschen werden als Wahlvorsitzende, Schriftführer und Beisitzer die Abwicklung des Wahlaktes überwachen. Selbst in den Spitälern ist für die Stimmenabgabe vorgesorgt. Für die notwendigen zahllosen Wahlurnen und Wahlzellen mußte man sich mit Seitenbrettern der Luftschutzkeller behelfen. Nicht ganz eine Million erreicht die Ziffer der Wahlberechtigten in Wien — um
420.000 weniger als 1934. In den Bezirken 22 bis 26. die von den Nazi der Stadt einverleibt, jetzt aber wieder abgetrennt wurden, wird die Wahl noch von der Stadt Wien geleitet, die abgegebenen Stimmen zählen aber bereits für das Land Niederösterreich.
Die erste Brücke in Wien wiederhergestellt
Heute mittags wurde in feierlicher Weise die erste der wiederhergestellten Brücken Wiens dem Verkehr übergeben. Es ist die Kagraner Brücke über die alte Donau. Der Bau wurde von der Ingenieurabteilung der Roten Armee bewerkstelligt.
Die Säuberungsaktion in der Steiermark
Vorschlagsrecht durch Vertreter der steirischen Bevölkerung
Graz, 22. November. Wie wir von der Landeshauptmannschaft erfahren, werden über Weisung der britischen Militärregierung für das Land Steiermark ein sogenanntes Landesberatungskomitee sowie für eine Bezirkshauptmannschaft ein Bezirksberatungskomitee aufgestellt. Aufgabe dieser Komitees wird es sein, der britischen Militärregierung
Empfehlungen zu unterbreiten im Bezug auf solche Personen, die nach Ansicht dieser Komitees aus der Internierung entlassen oder in ihr ursprüngliches Beschäftigungsverhältnis eingestellt werden sollen, sowie in Bezug auf jene Personen, die nach Ansicht dieser Komitees zu internieren oder aus ihren Stellungen zu entlassen wären.
Den Vorsitz in der Landesberatungskommission wird der Landeshauptmann bzw. ein von ihm bestellter rechtskundiger Beamter führen. Das Komitee wird sich des weiteren aus je einem Vertreter der drei politischen Parteien und aus einer fünften Personen, die unpolitisch, unbelastet und ein allgemein angesehener Bürger sein soll, zusammensetzen. Die Bezirksberatungskomitees werden nach ähnlichen Gesichtspunkten gebildet werden. Diese Komitees werden in Kürze ihre Tätigkeit aufnehmen.
Ein Bild vom Wiener Westbahnhof. Wie überall an den Bahnhöfen Österreichs warten Ungezählte auf die Weiterfa.rt zu ihrem ersehnten Ziel. Wenn von den Bahnhöfen zumeist nur noch Trümmer stehen, so werden eben die Treppenaufgänge und die Steinreste zu Wartesälen