Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:11
- S.84
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KUNST „ LITERATUR „ WISSENSCHA
PROF. ANDREAS KARALIS ERZAHLT
Von unserer ständigen Mitarbeiterin Irmgard Schulz
„Ja sehen Sie. Musik, das ist etwas, was alle] Ich kann nicht umhin zu bemerken, wie wunVölker der Erde, alle Sprachen, in denen wir uns derschön seine Ouvertüre zur Oper „Tannhäuser“ nicht verstehen. gleich verbindet. Natürlich faßt war.
jedes Volk und jeder Menschenschlag sie anders auf. Die Innsbrucker zum Beispiel“ — er lächelt scherzhaft — „haben auch ihr eigenes Kunstverständnis. — Aber ich bin sehr zufrieden damit, es ist nicht das schlechteste“, fügte er, ernst werdend, lebhaft hinzu.
„Ich bin viel gereist. Wien war von jeher das Ziel meiner Sehnsucht. Ich war Schüler der
Leschtschetitsky=Schule in Wien. Ein System, das auf alten, klassischen Vorbildern aufbaut.
Musikalität, wissen Sie, das ist beim Künstler viel. Sozusagen bis ins Höchste gesteigerter und verfeinerter Kunstgeschmack. Aber es gehört unbedingt das Musikgewissen dazu Und dieses gebietet uns, auch die rein technische Seite daran, die unbedingte und immer wieder kontrollierte Fähigkeit, sein Instrument absolut zu beherrschen, nicht zu gering zu achten. Gewiß bleibt es immer nur das Zweite. Der geistige Intellekt. im Spiel, die feelische Durchdringung eines Tonwerkes — die Eigenpersönlichkeit, die sich in der Interpretation des Künstlers als dessen Eigenart spiegelt, ist sicher das Höchste. — Aber was wollen Sie mit dieser ganzen hohen Erkenntnis, wenn das technische Können nicht standhält.
Ich wär zuletzt Leiter der Meisterklasse der Musikschule der Stadt Wien. Meine Konzerte dort beriefen mich auf diesen ehrenden Posten. Ich habe sehr begabte Schüler gehabt, junge Men
„Ja sehen Sie — „Tannhäuser“. Diese Epoche muß man verstehen. Ich habe „Tannhäuser“ aus dieser Zeit der romantischen Vorstellungen literarisch zuerst genauestens studiert. Dann habe ich mich auch gefühlsmäßig hinein vertieft. Wenn ich zu spielen beginne, bin ich in jener Zeit und in jenem Stil. Das muß der Zuhörer fühlen.“ Und Prof. Karalis fährt fort:
„Ich liebe überhaupt außerordentlich alte Geschichte. Wenn ich nicht Musiker geworden wäre, dann bestimmt Historiker.“
Griffbereit liegt neben ihm das Buch Oberhammers mit den prachtvollen Bildwerken der Erzstandbilder unserer „Schwarzen Mander“ in der Hofkirche. Er nimmt es und blättert darin. Dann schreckt ihn eine Frage von mir hoch und er ist wieder ganz Musiker.
„Ja — Klavier. Es ist ein nicht sehr reiches Instrument. Es hat viel weniger Ausdrucksmöglichkeiten als andere. Mit diesen vorhandenen Ausdrucksmöglichkeiten aber die Wiedergabe jaller Tonvorstellungen zu erreichen, muß höchstes Ziel des Spielers sein. Auch Ziel der Umbearbeitung anderer Instrumente auf Klavier. Nicht immer gelingt es restlos. Auch Liszt ist es nicht ganz gelungen. Ich selbst arbeite mit Liebe daran, aber es ist schwierig. Wenn Orgel ist, muß Orgel klingen ...“
Er steht auf und legt mir seine Eigenbearbeitung Bach=Karalis: Orgelfuge g=moll vor. Auch andere Kompositionen. Sein Finger fährt über die Manuskripte, während er mir die Tonmittel erklärt. Es sind Instrumentalwerke dabei, Kostbarkeiten, die er zum Teil auch erst in Innsbruck schrieb oder vollendete, zum Teil aber auch bei seiner Flucht aus Wien am 10. April ds. Is. als größten Schatz mitnahm.
„Ja so war es bei mir“, lacht er und klappt die Hefte zu. „Andere Leute hatten gerettete Lebensmittel in ihren geretteten Koffern, ich nur Partituren. Glauben Sie nicht, daß die anderen Leute wenigstens für die erste Zeit besser daran warenz“ 10
Nein, das glaube ich nicht. — Und selbst die Ananas aus Hawai, von denen er mir nach Darlegung seiner Pläne für Gastspielreisen nach Paris und Rom als ausländische Künstlergabe eine wundervolle Kostprobe auf den Teller legt, können mich davon nicht überzeugen.
ERKENNTNISSE
Von Bernhard Shaw Glück ist ein Wein von seltener Rebe und scheint den niederen Seelen nicht zu munden.
Es gibt zwei erstrebenswerte Dinge im Leben: erstens das zu erreichen, was man will. Und dann, es zu genießen. Nur die Weisesten können das Zweite.
In der Liebe ist wirklich wichtig nur die Art, wie man auseinandergeht. Denn trennen muß man sich früher oder später — ob man sich nikn in lan
den eines Spinngewebes Schwäche — sie ist das Geheimnis aller Zwilisation.
Wenn das aus uns wird, was wir wirklich haben werden wollen, so schämen wir uns oft so sehr des Ergebnisses, daß wir uns einzureden versuchen wir hätten etwas ganz anderes gewollt.
Der Neid kleidet sich in das verschiedenste Gewand — selbst in das dröhnenden Beifalls.
Wie oft müssen wir nicht angesichts unserer Handlungsweise selbst denen gegenüber. die uns am liebsten sind, denken: „Wie kann man nur ein solches Biest sein.“ Unser einziger Trost ist, daß auch sie uns gegenüber ebenso gehandelt haben oder handeln werden.
Wir billigen die Wahrheit; mißbilligen aber das Vorurteil.
Wie töricht, zu erwarten, die Philosophen sollten gemäß ihren Lehren leben! Kann ein Mensch von Worten allein leben?
Wie viel gefälliger ist der Pessimismus der Jugend als der Optimismus des Alters!
Wir leben angeblich in der Gegenwart. Wann ist Gegenwart? Von der Zeit kann man nur sagen: „es war" oder bestenfalls „es wird sein“.
Was ist bitterer als zur Erkenntnis zu kommen, daß einem nur der Mut gefehlt hat, die Apfel vom Baume zu schütteln?
Wir sind wie die Insekten dazu bestimmt, und können nicht dagegen an, alle die Wandlungen durchzumachen, die unserer Art vorbestimmt sind.
Wer sich vornimmt, Gott zu dienen und dem Mammon, entdeckt gar bald, daß es keinen Gott gibt.
Die meisten Leute verkaufen ihre Seele und leben guten Gewissens von der Rente.
Alle Weltverbesserer leben in Häusern, die genau so groß sind, wie ihr Geldbeutel es zuläßt.
Zu glauben, wie wir alle es tun, daß wir nämlich reich sein könnten, ohne uns wie die Reichen zu betragen, ist dasselbe, als glaubte man, den ganzen Tag trinken zu können und doch völlig nüchtern zu bleiben.
„O Lust!“, singt ein Vogel in unserem Herzen. „O Freude!“, gibt ein anderer Vogel Antwort;
schen, die schon was konnten. Sie verstanden, was ger Ehe auseinanderlebt, sich scheiden läßt, kühle
der Komponist einer Tonschöpfung verschiedenen Stils, verschiedenen Volkes, jeweils ausgedrückt haben wollte. Aber sie haben dieses Wissen nicht immer gleichzeitig auch in den Fingern gehabt und darauf kommt es an.“
Kameradschaft daraus wird oder ob man im Zorn oder mit Lachen auseinandergeht.
Duldsamkeit ist das einzige Wort, das noch gilt. Sie verrät Schwäche?! Allerdings. Wer wagt von Stärke zu sprechen zwischen den verworrenen Fä
derweiten sitzt das Leben wie eine riesgelauern, Katze dabei und wartet.
Mit den Jahren werden wir hörperlich gebrs, licher, aber seelisch stärker Und die Drohungm: dem schlechten Gewissen zieht eines Tages na mehr.
Wenn wir einen Händedruck mit eisigen; gern erwidern, so ist es doch nur darum, we sie früher so elendiglich verbrannt haben.
Ich gäbe willig mein Leben hin für meinFreund; er soll mich aber nicht bitten, ein Parschnitzel für ihn aufzuheben.
Die Leute sagen. das Leben sei die große Sen Aber ich lese lieber!
„KARWENDELZAUBER
Von Roland Keihsler
Aus des Rebels dichten Schwaden der verschleiert und verhüllt der an grauen Felsjassaden trügt, in Fratzen grient und spielt, reißt sich eine Gipfelkrone steil und wild aus Nebelgrau reckt sich auf zum Trutz, zum Hohne zackenscharf ins Himmelblau!
Und der Sturm beginnt zu brüllen peitscht das graue Nebelkleid, dessen Falten noch umhüllen — tiefster Kare Einsamkeit, von den sonnennahen Graten
durch der Schluchten Labyrinth, über steiler Wände Platten bis es tausend Fetzen sind.
Bis die Morgensonne höher
steigt am hellen Firmament,
bis dem Herzen nah und näher#
Sonnlichtglanz entgegenbrennt.
Und dem Rebel jäh entrissen von des Sturmes rauber Hand Gipfel sich an Gipfel schließen herrlich weiß im Firngewand
der Karwendelhöhen an dem klarsten Herbstestag ließt mich tausend Wunder sehen bis zum Abendglockenschlag!
„Der kleine Herr Niemand“ und seine Damen
Photo: Landesbüdstelles
DIE SCHAUSPIELERIN
Von Eveline Hold
In dem Augenblick, als Bettina Greif sich vom Spiegel wegwandte und ihre Hände nach Hut und Mantel griffen, wußte sie, daß sie heute abend zum letzten Male auf der Bühne stehen würde. Sie hatte lange gewartet, bis sie zu diesem Entschluß gekommen war, hatte immer wieder versucht, zwischen sich und Ulrich einen Ausgleich zu finden, der sie ihrem Beruf erhielt und die Schatten über ihrer Ehe vertreiben konnte. Ulrich, ihr Mann, hatte zu allen diesen Bemühungen wenig gesagt. Sie wußte, daß er ihre Worte durch Schweigen vernichten konnte, wie mit einem einzigen, lautlosen Faustschlag. Aber das war es eben: er liebte sie, ohne sich zu offenbaren, er wollte sie ganz für sich, ohne alle Einschränkungen, manchmal war er Bettina unheimlich in seinem wilden,
verschlossenen Lieben. Zuerst, ganz am Anfang, hatte er lächelnd gebilligt, daß sie weiter Theater spielte, den Menschen gehörte, die ihr Abend für Abend zujubelten, aber mit den Jahren war alles anders geworden. und Bettina hatte erschreckend gefühlt, wie ihre Kraft langsam erlahmte und ihr Widerstand zerbrach.
Sie hörte Ulrich im Nebenzimmer telephonieren. Als er geendet hatte, öffnete sie noch einmal die Tür. „Kommst du heute abend?“ fragte sie. „Ich weiß noch nicht — vielleicht, Bettina.“ Also vielleicht... Bettina ging ohne Eile durch die Straßen. Die Stadt lag in der Nachmittagsdämmerung, ausgekühlt und von einem wolkigen Himmel überdeckt. Der Weg zum Theater war nicht weit. Während sie nachdenklich an der belebten Straßenkreuzung stand und wartete. bis der übergang frei war, hörte sie neben sich Stimmen und
plötzlich auch ihren Namen. „Guten Tag, Bettina!“ Erstaunt blickte sie zu dem jungen Diplomaten auf, der ihr mit einem unbekümmerten Lächeln die linke Hand hinreichte, denn die rechte lag in einer breiten schlichten Binde und durfte sich nicht rühren. „Du Harald?“
Erst allmählich kam ihr die Erinnerung an Ulrichs Jugendfreund, während sie an Harald Bergers Seite weiterging, an seine tiefen, unverdrossenen Werbungen um sie, als sie eben anfing. ihren Namen bekannter zu machen, bis sie endlich, fast mehr aus einer raschen Laune heraus als innerer Wahl, Ulrich den Vorzug gegeben hatte. Jetzt war sie ihm dankbar dafür, daß er die Zeit nicht wieder auftauchen ließ in dem Gespräch, das sich zwischen ihnen entspann, genau so unbekümmert wie vor fünf Jahren.
Es stellte sich heraus daß Harald Berger, der hier seinen Urlaub verlebte, wie Bettina zum Theater wollte. „Ich habe deinen Namen auf dem Zettel entdeckt — ich muß doch sehen, was aus der kleinen Bettina Greif geworden ist ...“ — „Eine große Bettina Greif noch nicht, Harald“. Der Diplomat schwenkte im Gehen lachend den unverletzten Arm. „Was nicht ist, kann noch werden ...“ Nein, dachte Bettina plötzlich, es kann nicht mehr werden, das Spiel ist aus. Sie gingen das letzte Stück zum Theater schweigend nebeneinander her. „Sehen wir uns nachher noch einmal?“ fragte er dann, als sie sich vor dem Portal trennten. „Ulrich kommt vielleicht ... er freut sich bestimmt, dich wiederzusehen.“
Noch vor. Beginn der Aufführung suchte Bettina durch den Vorhang hindurch nach Ulrich. Sein Platz war leer. Statt dessen entdeckte sie Berger im Kreise einiger Freunde in einer der ersten
Parkettreihen; sie unterhielten sich angeregt. Auch während des Spieles später sah Bettina sein Gesicht mit den schönen, dunklen Augen gespannt zu sich aufgerichtet. Ulrich war noch immer nicht erschienen. In diesen Minuten, während ihre Blicke immer wieder in den regungslosen Zuschauerraum drangen, gewann ihre Stimme eine seltsame, leidenschaftliche Kraft. Sie begann selbst zu spüren, wie die Menschen gebannt nur auf ihr Spiel achteten. Dabei wanderten ihre Augen immer wieder in die ersten Parkettreihen, als erhielten sie erst dort die Bestätigung, wie gut sie spielte. Vor dem Ende des ersten Aktes bemerkte sie auch, wie Ulrich seine Loge betrat. Sein Gesicht war ernst und müde. Sicher hat er wieder bis zur letzten Minute gearbeitet, dachte sie, er müßte
einmal ausspannen.
In der Pause kam Harald Berger zu ihr in die Garderobe. „Herrlich, Bettina!“, rief er ihr schon von der Tür aus entgegen und sein Gesicht leuchtete. Er reichte ihr einen Strauß tiefdunkler Rosen. „Der großen Bettina“, sagte er mit einer scherzhaften Verbeugung, „mehr waren leider nicht aufzutreiben.“ Er deutete auf die Blumen. Gleich darauf erschien auch Ulrich. Die beiden Freunde begrüßten sich, ils hätte die Zeit sie niemals auseinandergerissen. „Bettina ist eine wunderbare Schauspielerin geworden“, sagte er später leise zu Ulrich, als Bettina sich vor dem Spiegel für den nächsten Auftritt zurechtmachte, „du kannst wirklich stolz auf sie sein.“ Dann verabschiedete er sich schnell. „Sehen wir uns nachher noch?“ — „Natürlich, Larald, wir müssen doch das Wiedersehen
feiern.“
Ulrich wandte sich Bettina zu. Er sah, hinter ihr stehend, im Spiegel ihr Gesicht, es schien ihm blaß, gar nicht wie sonst, wenn sie vom Eifer
des Spieles gepackt war. „Bist du mide tina?“ Sie nickte. Und während sie sah hilflos dastand und nach Worten suchte vor ihr plötzlich die Gestalt Harald Bergender sie eben verlassen hatte, jung, strahlend #. ler Lebensmut. Hatte sie wirklich falsch damals? Hatte sein Anblick, seine Nähe siche hin ihr Spiel gesteigert und beschwingt An schlaffte ihr Wille nun nicht auf einmahme sobald sie ihn nicht sah? Sie mußte dies zurückdrängen, wenn sie daran dachte.
Jetzt fühlte sie Ulrichs Hände auf ihrendSchultern. Zitterten sie nicht bei der Verihm „Ich habe dich vorbin spielen sehen, Bettina“ wenige Minuten. Du warst wirklich gut#sn wie nie.“ Was sagte er da? Gut wie niet alles nur, weil in einer der vorderen # reihen ein Mann gefessen hatte, den sie vielnoch immer liebte ... Aber liebte sie Ulrich“ viel mehr? Ihr Kopf sank nach vornein # Hände, jetzt sah es wirklich aus, als weines.
„Wollen wir es nicht aufgeben, Bettinal #n war dicht neben sie getreten. Sie sprang auf fes Erschrecken war in ihren Augen. „Was: rich, was?“ Sie griff nach seinen Schultem: klammerte sich an ihn. Ulrich nahm ihren in beide Hände. „Den Kampf“, sagteer gärtlich. „den Kampf wollen wir aufgeben tina. Ich weiß seit heute, daß es noch etwasg was ein Recht auf dich hat. Ich will versuchen
Die Klingel zum Auftritt ertönte. Missen uns nachher mit Harald?“ fragte er tina schon hinauseilte. „Nein“, rief sie, gnein.: wollen allein sein, Ulrich .“ Sie kann mal zurück, küßte ihn und sagte leise Ohr, als stände sie mitten auf der niemand brauche es zu hören: „Ganz allein
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