Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:11
- S.92
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Seite 2 Nr. 134;
Dienstag, 27. November 1945 gienstag.
Betrachtungen zum Nürnberger Prozeß
Von Didier Lazard
Die „Tiroler Tageszeitung“ wird in gewissen Abständen allgemeine Betrachtungen zum Kriegsverbrecher=Prozeß aus der Feder ihres Spezial=Mitarbeiters veröffentlichen.
„ Nürnberg, Ende November.
Es wird immer wieder betont, daß der Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß einmalig in der Geschichte dasteht: einmalig durch die Persönlichkeiten der Angeklagten, einmalig durch die gigantischen Ausmaße der Verbrechen, über die zu Gericht gesessen wird und einmalig dadurch, weil noch niemals ein Krieg im Gerichtssaal endete.
Die Verteidigung bringt diese Argumente vor. Das Gericht behaupte, im Namen der Zivilisation zu handeln und verletze eines der Grundprinzipien des Rechts Man könne sich nicht auf ein umständehalber ins Leben gerufenes internationales Recht stützen Dieses Argument erscheint schlagkräftig Das Strafrecht fordert Sühne für den Mord an einem anderen Wird die Schwere eines Verbrechens durch die ins Ungemessene wachsende Zahl der Opfer abgeschwächt?
Die Verneinung dieser Frage gibt dem Nürnberger Prozeß seine rechtliche Grundlage.
Der Gerichtshof wird es vermeiden, in allgemeiner Form in Punkten Anklage zu erheben, die durch die Berufung auf das Recht, die Handlungsfreiheit oder die Befehlsautorität des Staatsmannes oder Soldaten abgeschwächt oder widerlegt werden könnten. Sie wird ganz spezielle. sehr konkrete Fälle anführen, deren Enthüllung den Angeklagten die peinlichsten überraschungen bereiten wird.
Zweifellos wird die Anklage sich aber auch mit der grundsätzlichen Berechtigung der Aburteilung der als Kriegsverbrecher gebrandmarkten ehemaligen deutschen Staatsmänner, Parteiführer und Soldaten auseinandersetzen.
An der überzeugungskraft, mit der sie sich selbst vertreten können wird, wird es liegen, ob das Urteil über die Kriegsverbrecher als Rechtsspruch oder als Rechtswillkür aufgefaßt werden wird.
Hierin liegt die idealste Aufgabe des Nürnberger Gerichtshofes, denn in der Tat wird mit dem Kriegsverbrecherprozeß in weitestgehendem Maße juristisches und politisches Neuland betreten. Die Tatsache, daß die Angeklagten selbst das Recht mißbraucht haben, hat die Anklage keinen Augenblick in Erwägung ziehen lassen, ihnen das Recht zur uneingeschränkten Verteidigung zu nehmen Die eigene Anwendung der Methoden, über die man zu Gericht sitzt, würde eine Verletzung des Rechtes selber bedeuten Deshalb die strenge Einhaltung auch der äußeren Form, die absolut unparteiische Art des Eingehens auf sachliche Argumente der Verteidigung. Es wurde eine große Arbeit bis zum Beginn des Prozesses geleistet. Man bedenke, daß sich noch vor einem halben
Jahr sämtliche Angeklagten in Freiheit befanden, daß Tonnen von Beweismaterial in den verstecktesten Schlupfwinkeln aufgestöbert, gesichtet, geordnet, übersetzt, vervielfältigt bearbeitet werden mußten, daß ein ungeheurer technischer Aufwand in einer fast dem Erdboden gleich gemachten Stadt notwendig war, um einen Ablauf des Prozesses sicherzustellen.
Der Prozeß selbst gleitet infolge der Verlesung und Vorlage des unendlich umfangreichen Beweis
materials oft in eine gewisse Monotonie ab. Die strenge, in ihrer Nüchternheit kalte Atmosphäre des Gerichtsaales tut das ihrige dazu. Die Bewegung, das Geräusch während der Verhandlung ist auf ein absolut unumgängliches Minimum beschränkt. Gelegentlich lautloses Kommen und Gehen von Voten oder Sekretären gelegentlich kurzes Verlassen des Saales durch einer der Angeklagten in Begleitung des diensthabenden Offiziers — das ist alles Man fühlt sich während der Sitzungen wie in einer anderen Welt. Der Eindruck, daß dieser Prozeß irgendwie aus der Umwelt hinausgehoben ist, daß er über der Zeit und dem Alltag steht, verstärkt sich, wenn man die Anteilnahme der deutschen Bevölkerung daran studiert Die meisten haben nur ein Achselzucken für die Umstände,
die mit Menschen gemacht werden, bevor man sie richtet Das furchtbare Elend des Nachkriegsalltags hat jedes Interesse des Volkes an Dingen, die sich nicht um die elementarsten Bedürfnisse des Lebens: Wohnung, Nahrung, Kleidung drehen, ausgelöscht. Nur die jüngere Generation ist vielfach noch nicht mit sich im Reinen. Zu fürchterlich und unvermittelt stürzte die Welt zusammen, die sich aus gläubigstem Idealismus aufgebaut hatten. Sie muß erst zu sich zurückfinden Für sie ist der Zusamenbruch Deutschlands eine Katastrophe, für die sie keine Erklärung findet. Den Anteil derer daran, über die man heute zu Gericht sitzt, kann sie nicht ermessen.
Hitlers Diener sagt aus ...
Oberst Lindbergh Zeuge im Göringprozeß
Nürnberg, 26. November.
Der Verteidiger Hermann Görings, Dr. Otto Stahmer, erklärte, er wolle den berühmten amerikanischen Flieger Oberst Lindbergh als Zeuge im Göringprozeß vorladen. Dr. Stahmer gab keine Erklärung, w lche Zeugenaussage er von Lindbergh erwarte. Oberst Lindbergh hatte Deutschland vor dem Kriege besucht und war von Hitler ausgezeichnet worden.
Die Folterknechte von Dachau
AFP. Dachau, 25. Nov. Die ersten acht Tage des Prozesses von Dachau brachten so viele Scheußlichkeiten zutage, daß sich jedes menschliche Empfinden sträuben würde, daran zu glauben, wenn nicht die unbewegliche Grausamkeit auf den Gesichtern der 40 Angeklagten ein nur zu deutliches Zeichen für ihre Wahrheit ablegen würde. Nach einer Darstellung der „Süddeutschen Zeitung“ war Dachau das „Schulungslager“ für die nazistischen Folterknechte, in dem sie den letzten Schliff in der Vervollkommnung der Torturen erhielten, die in den wie Pilze aus der
Erde schießenden Konzentrationslagern zur Anwendung kamen.
Massengrab mit KZ=Opfern entdeckt Bautzen, 25. November. Ein Massengrab mit 40 weiblichen KZ=Häftlingen in einer Sandgrube bei Salzenforst entdeckt. Die Opfer, zum größten Teil jüdische Frauen, gehörten zu einem Transport evakuierter KZ Häftlinge. Nach einer Rast in einer Scheune des Dorfes Rattwitz ließ der Transportführer die Frauen antreten. Auf zwei Lastwagen wurden sie dann zur Sandgrube gefahren, wo sie von den SS=Wachen ermordet wurden.
Bonn, 23. Nov. Hitlers Kammerdiener und Vertrauter, Artur Kannenberg, der heute vor dem Gerichtshof der britischen Militärregierung aussagte, berichtet über ein geheimes Versteck bei Berchtesgaden, wo
Hitlers Schätze im Werte von Millionen von
Mark aufbewahrt wurden.
Kannenberg sagt ferner aus daß er seit 1933 Hitlers „Majordomus“, der Verwalter von Hitlers Haushalt und zugleich der Verwalter des Offizierskasinos in der Reichskanzlei war, wo Hitler wohnte. Hitlers Schätze, die zum Schutze gegen die Bomben der Alliierten in dem geheimen Versteck bei Berchtesgaden aufbewahrt wurden umfaßten altes Porzellan, Silber, Teppiche, Möbelstücke und Flügel. Unter diesen Flügeln befanden sich die Originalinstrumente von Richard und Siegfried Wagner In seiner eigenen Wohnung habe er, so sagte Kannenberg aus. silberne und goldene Zigarettendosen mit Hitlers eingraviertem Namen. Er habe sich um diese Dinge für Hitler kümmern müssen, „bis sie wie
der zusammenkämen“ Kannenberg berichtet weiter, daß die Hälfte all dieser Sachen in seiner Wohnung Anfang Mai von SS Männern und das übrige — wie er gehört habe von amerikanischen Soldaten und Mädchen nach seiner Verhaftung fortgenommen worden sei Im Kreuzverhör sagte Kannenberg daß er von zurückbleibenden Nazis mit dem Tode bedroht worden sei, falls er nicht den Mund halte. Außerdem wollten sie, daß er ihnen ein wert volles Paket aushändigen solle, das Gold und Silber enthalte und das Hitler ihm gegeben habe Auf die Frage nach Evo Braun antwortete Kannenberg, daß Befehl gegeben worden war die Existenz von Eva Braun der deutschen Öffentlichkeit geheimzuhalten Wörtlich sagte er „Das war gar nicht nötig, denn wir und die Deutschen, die
in der Nachbarschaft wohnten, waren diskret genug.“ Auf weitere Fragen nach seinen Beziehungen zu Hitler antwortete Kannenberg: „Ich bin der Einzige, der den Mut hatte ihn siebenmalum die Entlassung zu bitten da ich nicht so bin wie die anderen die um ihn waren und ihn betrogen.
Das größte Fundbüro der
Das Rückerstattungsamt
DANA. Frankfurt, 24. November.
Mit dem Transport einer großen Menge von Gütern von Bremen nach den Niederlanden begann gestern das Rückerstattungsamt der amerikanischen Militärregierung seine Arbeit. Hunderttausende von Tonnen privaten und öffentlichen Eigentums, das von den Deutschen während des Krieges gestohlen wurde, müssen aufge spürt und den rechtmäßigen Besitzern zugeführ! werden.
Die Holländer haben ein Büro in Höchst am Main eingerichtet, das als Verbindungsstelle zwischen der Niederländischen Regierung und den Militärbehörden dient, Eigentum in der amerikanischen Zone identifiziert und für dessen Rücktransport sorgt. Die Liste der Gegenstände, die von Holland angefordert werden, ist sehr lang und umfangreich. Sie umfaßt Maschinen aller Art, Vieh, Eisenbahnmaterial, Diamanten, Möbel, Schiffe und vieles mehr, alles von den Deutschen
Klimabeeinflussung durch Alomenergie?
Von Eduard Ludl, Innsbruck.
Mit der Entdeckung der Atomenergie ist der Menschheit eine Möglichkeit in die Hand gegeben, die nach der negativen Seite zur Selbstvernichtung des Erdballs führen kann, nach der positiven Seite aber kann diese Entdeckung einen allgemeinen Wohlstand in die Wege leiten, wie ihn kaum ein Geschichtsabschnitt vor uns zu verzeichnen vermag.
Sind wir erst soweit, daß wir in Anwendung der Atomenergie, sagen wir einmal, um ein Beispiel zu nehmen, die Temperatur des Bodensees auch im strengsten Winter auf einer Temperatur von plus 25 Grad Celsius zu halten vermögen, dann ist unschwer einzusehen, daß dies in weiterem Umkreis klimatische Veränderungen mit sich bringt, deren Tragweite heute noch gar nicht abzusehen ist.
Was für den Bodensee gilt, gilt für jeden beliebigen anderen See, selbstredend mit Unterschieden je nach Größe, Lage, herrschende Windrichtung usw.
Allein jedes Ding hat mindestens zwei Seiten und es ist noch nicht ausgemacht, ob eine Klimabeeinflussung im Sinne einer größeren Erwärmung, die Niederschlagsmengen als solche nicht ungünstig beeinflußt, denn das wäre unter Um ständen kein Aquivalent für größere Erwärmung Auf alle Fälle wird man, wenn es erst soweit ist, sehr vorsichtig zu Werke gehen müssen in unter Heranziehung vieler Beobachtungsstatiom Daten sammeln, die einigermaßen sichere Schlüisse auf die verschiedenen Wirkungen derartige Klimabeeinflussung zulassen.
Wir wollen aber gerne annehmen, daß die Vorteile etwa damit in Kauf zu nehmende Nachteile bei weitem aufwiegen:
Solche Vorteile wären darin zu erblicken, das zum Beispiel Wein und Kastanien, Zitronen und Feigen gezüchtet werden können, wo bislang bloß der Weizen gedieh, daß Weizen gebaut werden kann, wo bislang kaum der Roggen aus reiste.
im Oeient##zieß
„So, hier, bitte!“ Der Koffer wird mit einem kühnen Ruck in das Gepäcknetz gehoben, das Köfferchen fliegt ihm elegant und sicher nach. „Die Tasche auch?“ — Ja, die Tasche auch „So — macht drei Schilling fünfzig zusammen.“ Der riesenhafte Gepäcksträger — er hat tatsächlich „Schilling“ gesagt — öffnet diskret die Hand und schließt sie diskret über dem Geld und — ein paar Zigaretten. Ja, so ganz unbedingt friedensmäßig sind wir noch nicht.
Die hellerleuchtete Bahnhofsuhr tanzt ein wenig vor meinen Augen, auch die Ohren brausen mir! Ich bin doch zu schnell gelaufen, stelle ich fest — Aber nun dieser Fensterplatz! Ich lehne mich aufatmend tief zurück und lasse den Kopf an die hohe Stütze plumpfen. Weich und febernd gibt sie den Stoß zurück.
Ach, daß man wieder so fahren kann! Sechs Monate nach Kriegsende so fahren! Wohlig dehne ich meine Glieder, aber unauffällig, denn ich bin nicht mehr allein.
Mir gegenüber hat ein Herr Platz genommen. Kühn und energisch ist sein Gesicht, sein Anzug ist tadellos. Nachdem auch er den Gepäcksträger abgefertigt hat, starren wir zusammen auf unseren Plätzen in das tiefe Dämmern hinaus, das krum noch einen Tagesschimmer gibt.
Vor dem schmalen Gitterdurchlaß durch den ich als eine der ersten mit meiner Kontrollkarte glücklich schlüpfte, drängen und stoßen sich die Menschen. Unerbittlich einzeln und trotz der Eile sorgsam prüsend läßt sie die Bahnhofswache — strenge Amtsperson — durch. „Zählkarten, bitte — Zählkarten!“
Der Bahnhof wimmelt nun von Menschen. Sie drängen nach allen Seiten, laufen einander in den Weg, schimpfen, wogen auf und ab. Blitzschnel füllt sich unser Zug, ich habe kaum noch Zeit, den
ullt sich unser Zug, ich habe kaum noch Zeit, de Kopf rasch genug aus dem Fensterspalt zurückzu ziehen. Vor mir, neben mir, über mir nichts als
#. Wiedersehen, Wiedersehen!“ „Bleib brav,
zerl!“ „Bussi — Bussi!“ „Grüß noch — —“
Zug zieht an. Ich sehe überhaupt nichts mehr. Keine Bahnhofsuhr, keine Abfahrtshalle. Die Flut der Abschiedsküsse, die mir nicht gelten, mir
aber doch laut und „schmerzlich nahe“ sind, benimmt mir für eine Sekunde den Atem.
Dann wird es licht. Durch das heruntergelassene Fenster, das plötzlich leer ist, stößt der Wind. Der Zug kommt in rasche Fahrt.
„Darf ich?“ Mit ruhiger Hand zieht der Herr vis=à=vis die Scheibe hoch. Auf allen Plätzen ein
a=vis die Scheibe hoch. Auf allen Plätz
Drehen und Wenden. Hier der Mantel aus, hier wieder an — „ist es nicht zu kühl noch?“ — dort ein Apfel, ein Spiegel, eine Zeitung. Zigaretten und Feuer.
Ich schaue mir die Reisegesellschaft an. Zwei Herren außer dem „meinen“, drei Damen außer mir. Zwei junge, eine alte, wobei die junge zu der alten zu gehören scheint. Wenigstens sagt sie jetzt und schürzt schmollend die Lippen: „Bestimmt wird dir die Reise zu anstrengend, Mama. Warum konnte ich nicht allein fahren?“
„Weil du eben nicht konntest“ kommt die bündige Antwort, „es ist zu gefährlich.“
So, nun hängt dies Wort in unserer schweigenden Gemeinschaft. Kampfeslustig, wer etwa Widerspruch wage, blickt sich die alte Dame um. Aber nichts rührt sich. Man schweigt unergündlich, das andere junge Mädchen schlägt sogar die Augen nieder.
Nur der Herr mir gegenüber lächelt leicht „Warum sollte es gefährlich sein, gnädige Frau?“ fragt er mit einer warmen Stimme
„Russen“ kommt es wie ein Schlag zurück.
„Aber es sind doch keine hier“, wage ich einen leichten Einspruch. „Ich fahre doch auch allein.“
„Ihre Sache. Es sind überall welche. Und sind es nicht Russen, sind es eben andere — Männer.“
Die zwei Herren über ihren Zeitungen schauen belustigt auf. Der eine beugt sich etwas vor mit einer leichten Verneigung.
„Vereeihung — Dr. Voleslav. Aus Ungarn. Von Wien nach Paris fahrend — und wieder zurück“ Er spricht das Deutsche kurz, mit unverkennbarem Akzent, der mir schon vorhin bei der Mantelfrage aufgesallen war. Seine dunklen Augen lassen die alte Dame vor ihm nicht los.
„Nach den Russen sind wohl wir die gefätrlisten — Männer?“ fragt er mit scherzendem Spott der ohne Schärfe ist
„Ja, wir wohl nicht“, lacht der andere, groß. blond, schlank.
„Ing. Kirsten. Stockholm“ stellt er sich der besorgten Mutter und uns allen vor.
„O, Sie fahren durch Österreich?“ fragt der Ungar lebhaft. „Ja, ich war in Wien. Österreichische Schwerindustrie — interessiert uns sehr für später. Nun fahre ich nach den westlichen Bundesländern, Tirol, Vorarlberg. Wasserkraftzerke — sie haben eine Zukunft dort mit ihrer eißen Kohle.“
Ein lebhaftes Gespräch kommt in Gang, der kühle“ Schwede ist gar nicht mehr kühl, nur dezent. Nun ja, er hat die Bussi vorhin bei Zugsabfahrt ja auch nicht geworfen, das haben die Damen reichlichst besorgt und für das „Herzer!“ einem kleinen, reizenden Wiener Mädel gegenüber, mache ich den „gefährlichen" Ungarn verantwortlich.
Allerdings, man merht jetzt nur große Note. Er spricht über Ungarn, Krieg und Nachkrieg dort, er nennt Österreich auch jetzt noch „geistige Struktur“. Er ist Wissenschaftler und fährt nich in der Welt herum, um dunkle Geschäfte zu machen, wie er versichert.
„Geschäfte, verstehen Sie was von Geschäften wendet er sich plötzlich an „meinen“ Herrn, der bis jetzt nur Kunst des kultivierten Zuhörens bewiesen hat.
„Ich?“ Unbekümmert lacht er auf und zeigt eine Reihe blendendweißer Zähne. „Gestatten Sie —“, er verbeugt sich und nennt den Namen eines bedeutenden österreichischen Künstlers.
„Ich bin im Wolkenkuckucksheim zu Hause. Höchstens noch in Bühne und Film. Wenn ich ganz verstiegen bin, habe ich manchmal architektonische Pläne, da mich die Raumgestaltung und Raumverwertung schon immer gereizt hat. Aber
Geschäfte — —“ Er schnippt mit dem Handschuh
die Zigarettenasche ab.
„Ja, aber“, wird plötzlich die jüngere Dame zaghaft laut und lächelt. „Die Kunst schreit nach Brot und bei Film und Bühne gibt es Riesensummen zu verdienen.“
„So, meinen Sie“, kommt es leicht sorkastisch zurück Dann ernst werdend: „Erstens sind wir nicht in Amerika. Zweitens haben wir hier Nachkrieg — es muß alles erst wieder aufgehaut werden Und drittens darf wahre Kunst nie nach Brot gehen — wissen Sie das nicht?“
Sie tut mir leid. die schlanke Dame neben mir. Sie hat es bestimmt nicht so gemeint, sie ist ganz erschrocken.
Ich nenne leise meinen Namen und fragessie nach ihrem Beruf. „O, Kunstgewerblerin!“ Hen N. ist sofort entwaffnet, die verwandte Seite berührt ihn.
„Wissen Sie, es gibt so viele falsche Vorstel lungen von uns“, sagt er entschuldigend. „Mondän in dem Sinne dieses leeren Wortes sind wohl die wenigsten von uns Künstlern. Wir alle haben unsere Ideale.“
Rrrr! Zum Abendessen! Der weiße Kellner läuft vorbei, seine Klingel klingt uns wirklich Wenigstens mir, denn ich habe Hunger. Und so gan ohne Marken, so ganz groß wie früher, wiegen durch die Gänge zum Speisewagen gehen zu kön nen — wunderbar!
Orientexpreß! Große Note, wie früber!
Der „gefährliche“ Ungar verbeugt sich scharmant vor der „behüteten“ Tochter, die strenge Mama sendet gar keine ängstlichen Zornesblitze umher denn der „kühle“ Schwede bietet ihr galant den Arm. Herr N. aber, echt österreichisch, wienerisch hängt sich bei uns beiden Verbliebenen rechts und links unbeschwert ein. „Diese kunstgemerblerische Seite und diese kleine Tiroler „Schreiberin“ werde ich auch noch zusammen erpacken“, sagter scherzend und faßt herzhaft fester unter.
„Beim ersten Glas Wein jetzt, das wir nicht mehr gewohnt sind, verringert sich das Schwergewicht sowieso nach allen Seiten“, fügt er lachend hinzu und läßt elegant die Schiebetür hinter uns zuspringen. Das Abteil, wohlig geheizt und polsterschwellend, ist leer.
„Schlafwagen ist überfüllt“, höre ich neben mit eine ein bißchen örgerlich grunzende Stimme. Ah — Schlafwagen! Natürlich, das gibt es ja auch. Aber ich wünsche nicht zu schlafen, verehrtes Reisepublikum, ich nicht!
Wir sind schon in dem heiter bewegten Rummel weit nach vorne gedrungen, da ruft die alte Dame plötzlich bebend zurück:
„Um Gottes willen, jetzt ist niemand bei unserem Gepäck geblieben! Wenn jetzt alles gestohlen ist. bis wir wiederkommen!“ ——
„Bei uns wird nicht mehr gestohlen“ könt es in allen Seiten zurück. „Jetzt nicht mehr!“
„Bald nicht mehr!“ „Im Augenblick überhaupt nicht! Gott sitzt auf unseren Koffern!“
Gott sitzt auch auf unseren Tellern, denke ich eine Viertelstunde später und preise ihn — den Orientexpreß. Amrt
der USA.=Militärregierung
gestohlen übrigens wurde Königin Wilhelmings Hofzug, den die Deutschen ebenfalls mitgenommen hatten, bereits wieder nach Holland zurückgesandt.
Der Wert der Gegenstände, die die niederländische Regierung als gestohlen anmeldete, ist im Vergleich zu der nur 9 Millionen Köpfe betragenden holländischen Bevölkerung sehr groß. Er beträgt mehr als 3 Milliarden holländische Gulden Möbel, Fahrräder und Vieh können kaum aufgefunden werden und werden daher auf das Reparationskonto gesetzt werden. Aber die Holländer glauben, daß sie kund ein Viertel aufspüren werden.
Die höchste Forderung, die von dem holländischen Büro gerichtet wurde, kommt von der Royal Dutch Shell Company, die die Rückgabe des gesamten Maschinenparks einer ölraffinerie fordert, einer der größten Euepas.
Wir erhal Angeregt der Nr. v. 1 tag
durch
und war e nun wieder harrt
Wegräumung
Straßen in
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auch in Zulschützen, das Straßen zu wie Papier, sondere we 1 Schüler auf
ber zu halt
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1 des Gewär
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* Vielleicht manchmal z lichkeit herkörperlichen Zweck errei soll neues als zur Na# merkte, wen der Samme
Am 23. Hauptbahnh österreichisch ein. Insgese und Vorarlb die Wehrmen gebracht un lassen.
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