Tiroler Tageszeitung 1945
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Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der T. T.“, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4, Telephon Nr. 39 41. — Druck: Tyrolia, ebendort.
Donnerstag, 29. November 1955
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Die Folgen der Wahlentscheidung
Von unserem Wiener A. R.=Korrespondenten
Wehen der Nachkriegszeit
Seit dem Ende des Krieges geht eine Welle von Riesenstreiks über jene Länder hinweg, welche in der Kriegsproduktion führend waren. Besonders nachhaltig werden die Vereinigten Staaten von dieser Bewegung heimgesucht. Aus kleinen Ausständen, die da und dort ausbrachen, wurde jetzt ein Streik, der mehr als eine halbe Nillion Arbeiter umfaßt. Die Stahlindustrie lehnte es ab, eine tägliche Lohnerhöhung von zwei Dollar zuzugestehen. Darauf leerten sich die Betriebsstätten bei allen den weit über das Land verstreuten und verzweigten Unternehmungen der berühmten General Motors Comp. Es ist noch keine Aussicht vorhanden, daß dieser Konflik: rasch beigelegt werden könnte. Es scheint vielmehr, daß die Streikenden zur Schützenhilfe für ihre Forderungen die
Transportarbeiter aufbieten wollen. Das Gespenst des Streikes geht auch in anderen Industrien und Industriebereichen um. Vie ist es heraufbeschworen worden und wie will man es beschwören?
Es ist natürlich kein Zufall, daß die riesenhaften Lohnbewegungen im Reiche der Stahl= und der Autoindustrie ausgebrochen sind. Die hier beschäftigten Arbeiter hatten während des Krieges ein durch die Konjunktur bedingtes Höchsteinkommen bezogen, das ihnen durch die Umstellung der Industrie auf den Friedensbetrieb genommen purde. Die Arbeit während der Kriegszeit in den Schlüsselindustrien der Kriegstechnik war an und für sich gut bezahlt. Am einträglichsten jedoch par die Entschädigung für die überstunden, für die hohe Sätze festgesetzt waren. Der Genuß dieses Einkommens ermöglichte dem amerikanischen übeiter ein Lebenshaltung, die ihn der kleinlichen Sorgen zu entheben schien. Kaum war der Kriegszustand beendet, so wurden die Riesenaufnäge des
Staates storniert. Große Teile des für die Rüstungsindustrie bestimmten Maschinenparks ausgewechselt werden. Vor allem aber, und des war am schmerzlichsten fühlbar, fehlte die überstundenentschädigung in der Lohntüte. Nanhrauchte keine überstunden mehr. Diese Einkommensschmälerung wirkte sich um so stärker aus als auf der anderen Seite die Preise für die Verbauchsgüter sich auf jener schwindelnden Höhe hielten, die sie während des Krieges erklettert hatten und von der sie durchaus nicht weichen vollen. Es hörte nicht nur die Entschädigung für die überstunden auf. Manche Betriebe wurden überhaupt stillgelegt. Gewiß nicht in der Absicht, sie geschlossen zu halten, sondern zu dem Zwecke, die notwendigen maschinellen und technischen Umstellungen für
die Friedenserzeugung durchführen zu können. Das bedeutete schon nicht mehr bloße Schmälerung des Einkommens, sondern völliger Entzug des Einkömmens.
Präsident Truman hat ebenso wie die maßgebenden Männer des Wirtschaftslebens die große Gefahr für die Ruhe des Landes, die hier im Entstehen begriffen war, rechtzeitig erkannt und sich dafür eingesetzt, daß Maßnahmen ergriffen werden, die der Arbeitslosigkeit steuern und dem Nißverhältnis zwischen Preisen und Löhnen wirkungsvoll begegnen sollen. Seit Wochen diskutiert die amerikanische Presse mit einem vorbildlichen Verständnis die Frage, wie der Arbeitsfriede erhalten werden kann. Es soll damit die Stimmung vorbereitet werden, damit die Führer der Industrie und die Vertrauensmänner der Arbeiter in gemeinsamen Beratungen zu einer Einigung über die vorkehrungen gelangen, die im Interesse des Virtschaftsfriedens notwendig sind. Bei den geschilderten
Verhältnissen ist es ganz klar, daß die Industrie sich keineswegs grundsätzlich gegen Lohnerhöhungen verschließen kann So hat zum Leispiel der Arbeitsminister Schwellenbach ein
gegriffen, um eine Forderung der Gewerkschaft der Olarbeiter nach einer Lohnerhöhung um dreiiig Prozent sicherzustellen.
Trotz dieser etwas stürmischen Erscheinungen seht die amerikanische Wirtschaft mit einem recht gesunden Optimismus in die Zukunft. Wenn der
schmerzliche Prozeß der Umstellung auf den Friedensbetrieb erfolgt ist — so sagt man sich — wird die amerikanische Industrie der warenhungrigen Lelt ihre gerne angenommenen, ja ersehnten Dienste anbieten. Die Vereinigten Staaten selbst sind die Abnehmer einer ungeheuren Produktion, die alles herstellen wird, was der Krieg an Gütern zerstört hat oder deren Herstellung er verhindert hat. Daneben harrt die ganze Welt auf die Erzeugnisse der derzeit mit dem besten und leistungsfähigsten Apparat ausgerüsteten Indusrie der Welt. Die amerikanischen Wirtschaftssachleute glauben daher mit großer Zuversicht, bald schon eine Riesen=Konjunktur an
bricht.
Wien, 28. November.
Die provisorische Regierung Dr. Renner hat heute ihre Demission dem politischen Kabinettsrat unterbreitet. Dieser hat darauf die jetzige Regierung beauftragt, die Geschäfte provisorisch weiterzuführen. Die gegenwärtige Regierung wird in der ersten Sitzung des Nationalrates am 17. Dezember den Rechenschaftsbericht vorlegen und dann ihre Funktionen in die Hände des Parlaments zurücklegen. Am 20. Dezember konstituiert sich der Bundesrat (Vertre
Wien, 29. November.
Der Mitarbeiter unseres Blattes Dr. E. B. hatte heute Gelegenheit, den Bundesparteiobmann der SVP., Staatssekretär Ing. L. Figl, zu interviewen und berichtet darüber folgendes:
Es ist nicht leicht, Staatssekretär Ing. Leopold Figl, den Bundesobmann der Österreichischen Volkspartei, der durch einen" überwältigenden Wahlsieg dieser Partei mit einem Schlage in die vorderste Reihe der politischen Persönlichkeiten aufgerückt ist, zu sprechen, aber schließlich gelingt es doch und man steht dem Manne gegenüber, dem das österreichische Volk in einer wahrhaft geschichtlichen Stunde zusammen mit den anderen Männern dieser Partei das Vertrauen ausdrückte und die Führerschaft im Kampfe um die politische und wirtschaftliche Wiederaufrichtung seines schwer geprüften Landes übertagen hat. Die prachtvollen, künstlerisch wie historisch wertvollen, unter Denkmalschutz stehenden Räume des einstigen Palais Oppenheim, welche das Heim der
ÖVP. bergen, geben diesem Augenblick einen weihevollen Rahmen.
„Ich habe das aufrichtige Bedürfnis“ so sagt Bundesobmann Ing. Figl, „dem Tiroler Volke für das prächtige Bekenntnis für Österreichs Zukunft zu danken, das es durch seine Wahl bewiesen hat. Wir sehen in dem Ausgang der Wahlen ein absolutes Bekenntnis fürkösterreichs Demokratie, für Selbständigkeit, Freiheit und Unabhängigkeit unseres geliebten Vaterlandes. Ich bin freudig bewegt, daß der Wahlkampf loyal geführt wurde und das österreichische Volk den Ernst der Zeit erkannt hat. Man kann sagen, daß sich das österreichische Volk seiner Verantwortung in dieser bedeutungsvollen Stunde voll bewußt war.
Es ist vollkommen klar, daß wir der Welt beweisen müssen, daß wir wert und würdig waren, Österreicher zu werden. Nachdem wir nunmehr freie Wahlen durchführen konnten, müssen wir auch unter Beweis stellen, daß wir die Fähig
Listenführer der Sozialistischen Partei in Tirol
ter der Länder) und hält eine erste Sitzung ab. Am 22. Dezember tritt die Bundesversammlung (Nationalrat und Bundesrat) zusammen und nimmt die Wahl des Staatsoberhauptes vor. Der neue Präsident ernennt sodann den neuen Bundeskanzler, der das schon vorbereitete Kabinett bekanntgeben und von der Bundesversammlung bestätigen lassen wird.
Personenfragen treten in den Hintergrund, ehe nicht das Arbeitsprogramm für den Nationglrat festgelegt ist.
keit für die Aufbauarbeit besitzen. Wir müssen unsere ganze Kraft einsetzen, um unserem Volk eine bessere Zukunft zu bereiten.
Dies ist aber nur möglich durch ein ehrliches Zusammenarbeiten aller die im Parlamente vertreten sind.
Tirol wird in der neuen Regierung vertreten sein
Daß das Tiroler Volk als der Typus eines freien Volkes durch diese Wahl bewiesen hat, daß es nach wie vor imstande ist, ererbte Begriffe von Freiheit, demokratischem Verständnis, Vaterlandsliebe zu wahren und im unbedingten Glauben an den Aufbau eines freien, glücklicheren Österreich heranzugehen, hat uns mit tiefster Genugtnung erfüllt. Wir hoffen, daß dieses Bekenntnis Tirols auch bei der Zusammensetzung der kommenden Staatsregierung einen Ausdruck finden wird.
Glaube an Südtirol
Wir werden uns mit unserer ganzen Kraft für ein einiges Tirol einsetzen, für die endliche Wiedervereinigung von Nord= und Südtirol zu einer untrennbaren Einheit gemäß den unauslöschbaren Gesetzen gemeinsamen Blutes, gemeinsamer Geschichte, in Entwicklung und Sprache. Für uns Österreicher ist die Südtiroler Frage keine Gesetzesfrage, sondern Herzensangelegenheit und diese werden wir mit aller Kraft verfechten; in diesem Sinne glaube ich fest und unerschütterlich an die glückliche Heimbringung. Südtirols.“
Die amerikanische außenpolitische Gesellschaft, eine pprivate Vereinigung, die sich mit dem Studium der wirtschaftlichen und politischen Probleme in außeramerikanischen Ländern beschäftigt, hat einen Bericht über die Ergebnisse der alliierten Besatzungspolitik in Deutschland veröffentlicht. Der Bericht gibt zunächst einen überblick über
die Säuberung des öffentlichen Lebens
von allen Spuren des Nationalsozialismus. Der Bericht erklärt in diesem Zusammenhang wörtlich: „Man kann ruhig sagen, daß die nationalsozialistische Partei als eine Organisa
tion in Deutschland gänzlich zu bestehen aufgehört hat.“ Die Säuberungsaktion ist in den verschiedenen Besatzungszonen nicht gleich weit fortgeschritten. Der Bericht der amerikanischen außenpolitischen Gesellschaft stellt fest, daß in der amerikanischen Besatzungszone die Verdrängung der Nazis aus dem politischen und industriellen Sektor am gründlichsten durchgeführt wurde.
Der Neuaufbau des politischen Lebens
hat in allen Teilen Deutschlands begonnen. Die Bildung politischer Parteien ist in der amerikanischen, britischen und französischen Zone Deutschlands gestattet, ohne daß jedoch ihre Tätigkeit gefördert wird. In der russischen Zone ist die Förderung der politischen Parteien weiter fortgeschritten. Unter russischer Führung haben sich gute Organisationen politischer Parteien gebildet, die einen antifaschistischen Block formen. Dieser Block ist die politische Grundlage für die verschiedenen deutschen Verwaltungsgruppen, die
Für die Aufhebung der vier Sonen
Wien, 28. November.
Der Wiener Korrespondent der Londoner „Times“ meldet heute, in alliierten Kreisen Wiens ist man sich dessen bewußt, daß die neue österreichische Regierung größere Machtbefugnisse erhalten muß als die bisherige provisorische Regierung.
Der Korrespondent der „Times“ meldet ferner, daß General Mark Clark sich sehr für die Abschaffung der Demarkationslinien einsetzt. General Mark Clark erklärte ferner, er sähe keinen Grund dafür, warum die Besatzungstruppen der vier Mächte insgesamt die Zahl von 100.000 übersteigen soll.
Britische Beobachter
bei den österreichischen Wahlen
(AFP.) London, 27. Nov. In dem Bericht der offiziellen Vertreter der britischen Regierung bei den Wahlen in Österreich, der nunmehr in London eingelangt ist, wird hervorgehoben, daß die Wahlen vor allem durch die geringe Anzahl der kommunistischen Stimmen bemerkenswert seien. Die Wahlen selbst wären ruhig, einwandfrei und ordnungsgemäß verlaufen. Elf britische Vertreter hätten in den wichtigsten Wahlzentren den Wahlen beigewohnt. In dem Bericht wird im übrigen hervorgehoben, daß die Behauptung, wonach der Wahlerfolg der Österr. Volkspartei zum Teil der Unterstützung durch ehemalige Nationalsozialisten zu verdanken wäre, zurückgewiesen werden müßte. Vor den Wahlen wäre eine strenge Sichtung der Wählerlisten nach nationalsozialistischen Elementen
unter der Aufsicht des kommunistischen Innenministers getroffen worden. Bezeichnend für diese Wahlen sei fernerhin der hohe Prozentsatz von weiblichen Wählern gewesen.
In gutunterrichteten Kreisen Londons nimmt man an, daß die britische Regierung die neue österreichische Regierung in weitergehendem Sinne anerkennen wird und daß vor allem bald ein Austausch von diplomatischen Vertretern zwischen London und Wien vorgenommen werden wird.
England
„Ohne daß man von einer akzentuierten politischen Entwicklung oder von einer Anderung der politischen Richtung reden könnte, kann man trotzdem eine gewisse Unruhe der Geisier wahrnehmen.“ (Le Monde, 20. November.) Die Türkei
„Die Türkei nimmt ihre geschichtliche Aufgabe wieder auf. Sie will das werden, was sie einst war, Herz und Hand des Islams.“ (Carow in „Le Figaro“)
von den russischen Besatzungsbehörden ernannt wurden. Der Bericht gibt dann einen überblick über
die wirtschaftlichen und sozialen Maßnahmen
die von den Besatzungsbehörden in ihren Gebieten getroffen wurden. Die Maßnahmen der russischen Besatzungsbehörden haben den wirtschaftlichen und sozialen Aufbau Deutschlands in mancher Beziehung weitgehend beeinflußt. Schritte zur Aufteilung des Großgrundbesitzes der Junker wurden unternommen, das Eigentum der Großindustriellen wurde konfisziert. Wie der Bericht erklärt, befürwortet die Rote Armee jedoch gegenwärtig keineswegs ein kommunistisches Deutschland. Der Bericht der außenpolitischen Gesellschaft beschäftigt sich auch mit der Nahrungsmittellage
in Deutschland. Die Ernährungslage sechs Monate nach der deutschen Kapikulation wird als kritisch bezeichnet, so kritisch in der Tat, daß nach den Worten des Berichtes Deutschland für einige Zeit mit Lebensmitteln und anderen lebensnotwendigen Bedarfsgegenständen von außen her versorgt werden muß. Zusammenfassend stellt der Bericht der amerikanischen außenpolitischen Gesellschaft fest, daß zur überbrückung der durch die Zerstörung des Nationalsozialismus geschaffenen Leere die Notwendigkeit einer fortgesetzten alliierten Kontrolle in Deutschland besteht. Um den Neuaufbau eines demokratischen Deutschland in übereinstimmung mit den Berliner Beschlüssen zu erreichen, empfiehlt der Bericht eine weitgehende Vereinheitlichung der Maßnahmen aller
alliierten Besatzungsbehörden in Deutschland.
Verensilme zu Eueinel
Staatssekretär Ing. Leopold Figl grüßt das Volk von Tirol
Dr. Erwin Broniewski.
Ergebnisse der allierten Besatzungspolitik in Deutschland