Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:12
- S.37
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Seite 2 Nr. 145
Dienstag, 11. Dezember 1945
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Landsleute.
Vir alle haben von dem großen Brandunglück ghört, das kürzlich unser einst so schönes Bergdof Grins heimgesucht hat. Da gibt es wohl keiien Menschen, der dabei nicht Mitleid in seinem berzen fühlte. Jetzt, wo der Winter einbricht, kein Dach mehr zu haben, von Kleidung, Schuhen, Läsche entblößt zu werden, ist wahrlich eine Kanstrophe für Erwachsene und Kinder!
In einer Nacht sind 52 Wohnhäuser samt Ställu und Scheunen in Schutt und Asche versunken, zit ihnen der Hausrat und die in Mühe und schweiß hereingebrachte Ernte des Jahres. u 400 Leute haben knapp das nackte Leben genttet.
Mitleid ist ein Gefühl, das den Menschen erst cdelt, wenn es den Willen zur Hilfe auslöst. Mit zreuden können wir berichten, daß unser Tiroler solk in allen Schichten und Lagern zu sofortiger hife entschlossen war. Zahlreiche Einzelpersonen nnd Vereinigungen haben spontan Mittel zur berfügung gestellt und Sammlungen eingeleitet.; d aber die Not so groß ist, muß der Kreis der hifsbereiten immer noch verbreitert werden. Es purde deshalb ein Landesausschuß gebil#et, der allen Einzelaktionen übergeordnet ist und die Hilfsmaßnahmen zusammenfaßt.
Vir brauchen neben Geldspenden dringend kleider, Wäsche, Strümpfe, Socken, Schuhe und bettzeug für Kinder und Erwachsene, aber auch Zaumaterialien, vor allem Bretter, Geräte aller ir für Haus und Wirtschaft. Jeder Flecken, jedes uch schadhafte Stück bedeutet Hilfe!
Weihnachten ist vor der Tür!
Die Not der Zeit macht es heute unmöglich, unseren Kindern, Eltern und Bekannten Geschenke u machen, die gerade deshalb Freude bereiten, veil sie über die Deckung der Lebens=Notdurft mnausgehen. So mancher von uns hat deshalb uch keine rechte Weihnachtsstimmung, er kann licht „friedensmäßig“ geben, wie er so gerne nöchte. Das Elend dieser Abbrändler von Grins gibt uns aber reichlich Gelegenheit, auch mit alten, abgelegten Sachen Freudentränen auszulösen.
Liebe Hausfrau! Liebe Bäuerin!
Rustere nochmals deinen Kleider= und Wäscheschrank, du findest bestimmt noch ein entbehr
Ausgabe von Kartoffeln
auf die Abschnitte 2 und 3 der vom Ernähungsamt der Stadt Innsbruck abgestempelten Enkellerungsscheine werden sofort je 2 Kilosramm, zusammen also 4 Kilogramm Kartoffeln usgegeben. Die Verteiler haben die Abschnitte abzutrennen und in der üblichen Form dem Erjjährungsamt zur Abrechnung vorzulegen.
Ausgabe von Schuhereme
Es wird nach Maßgabe der Herstellungsmöglichkeit eine Dose Schuhereme pro Haushalt gegen Vorweisung und Abstempelung des Haushaltpasses ausgegeben. Für jede Dose Schuhereme muß eine alte reine Schuheremdose abgegeben werden. *
Wahlergebnis in Leutasch (Richtigstellung): Leulasch I (Oberleutasch): ÖVP. 407, SPö. 10, KPS. Leutasch II (Unterleutasch): SVP. 54, SPö. 1,
WPö. 6.
Nachbarland Schweiz
Besuch in Rheineck Von Irmgard Schulz
Diesmal dürfen wir hinüder über die Grenzbrücke des alten Rheins, der zwischen den zwei Sperrbalken, genau unter dem roten, bedeutungsvollen Strich seine eidgenössischen Wellen mit denen unseres guten Österreich brüderlich mischt, ehne deshalb hier wie dort rascher zu fließen in der starren Ruhe des Vorwinters.
Ja, diesmal sollen wir sogar hinüber. Ein Rief lag da vom Herrn Bürgermeister, in dem k uns freundlich einlädt, ihn auf Schweizer Boden zu besuchen. Die Freude, nach allen den kriegswirren friedliche und freundnachbarliche beziehungen wieder anzuknüpfen, sei gegenseitig, o schreibt er.
Also schwenken wir den roten Grenzpassiershein, endlich erhalten, tatenlustig in der Hand, güßen in das hölzerne Guckhäuschen des Grenzkommandos und machen wohl die unschuldigsten Augen der Welt, da man uns nach unserer Valuta stagt. Nein, meine Herren, Schweizer Franken, de gibt es bei uns nicht und Schillinge — muß Perst geben. Wir haben nichts, rein gar nichts bi uns. Nur guten Mut, den haben wir. Denn un sind wir auch schon höflich und freun turch die Hände der schweizerischen Grenzkonnolle gegangen, wir haben fremden Boden bereits betreten, nun gilt es, zu repräsentieren.
österreich in Ehren im Ausland zu vertreten. dieses österreich, von dem man so viel hofft und ttwartet, dessen Schmerzen der Wiedergeburt iinst Freuden seiner Wiedergenesung sein sollen.
Wir vergraben also nicht unsere Hände in die Nanteltaschen, obwohl wir das gar nicht ungern mten bei dem eisigen Wind, der vom Fluß her
liches Stück, lege es diesen Unglücklichen zurecht! Wir wissen doch, daß die wahre Weihnachtsfreude jeder Mutter und Hausfrau im Geben und nicht im Empfangen liegt. Du weißt es am besten, wie einer anderen Mutter zumute ist, wenn es ihren Liebsten am Not##ndigsten mangelt. An diesem ersten Weihnachtsfest ohne Kanonendonner und Sirenengeheul wollen wir in echt christlicher und wahrhaft sozialer Gemeinschaft kein Tirolerkind im bittersten Elend lassen.
Tiroler Jugend!
Hilf den Kindern von Grins und bitte die Eltern um eine Spende für deine Landsleute und Altersgenossen, die alles verloren haben. Zur Weihnacht erfüllt jede Mutter, jeder Vater eure Wünsche. Tragt die Gaben zu einer Sammelstelle und bringt hiefür den Empfangsschein „Weihnachtshilfe für Grins“ nach Hause. Legt ihn unter den Christbaum als Zeichen der Hilfsbereitschaft und des Gemeinschaftssinnes, in welchem Geiste wir unser Vaterland aufbauen wollen. Die Erwachsenen sind meist guten Willens. In der Sorg und Hast des Tages finden sie aber kaum Zeit, Gaben zu suchen und zu bringen. Sei daher du Anwalt dieser Armen und sorge in deiner bekannten Zähigkeit dafür, daß heuer auf keinem Gabentisch des Landes die „Weihnachtshilfe für Grins“ fehlt.
Sammelstellen: Für Innsbruck: die bisher errichteten Sammelstellen und Zentralsammelstelle Landesbauernschaft Tirol, Marktgraben 2. Für die Landgemeinden: Jeder Obmann der Orts
bauernschaft.
Der Landesausschuß „Weihnachtshilfe für Grins“: Dr. Ing. Weißgatterer, Landeshauptmann Msgr. Lechleitner, apost. Administr. Innsbruck
Ök.=Rat Muigg, Landesobmann der Tiroler Bauernschaft
Komm.=Rat Miller, Präsident der Tiroler Handels= und Gewerbekammer Oehm, Sekretär der Gewerkschaften, Landesgruppe Tirol
Graf Trapp, Landeskonservator
Tödliches Rodelunglück eines Kindes
Am 8. Dezember fuhr die fünfjährige Erika Maule aus Hötting in der Schneeburggasse mit einer Rodel direkt in einen Obus hinein. Sie kam unter die Räder und wurde auf der Stelle getötet. — Am gleichen Tage stürzte bei der Patscherkofel=Talstation ein Skifahrer und brach sich den rechten Oberschenkel; er wurde mittels Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht.
Am späteren Nachmittag des 8. Dezember brach sich ein Kind beim Skifahren in Mühlau den Fuß. In Mühlau verunglückten am Sonntag zwei Jugendliche beim Rodeln. Einer erlitt einen Schienbeinbruch, der andere eine Fraktur des Unterschenkels,
In allen Fällen wurden die Verunglückten von der Rettungsabteilung ärztlicher Hilfe zugeführt.
überweht. Wir gehen aber auch nicht aufgepflanzt wie über einem unsichtbaren Zaunstecken, stoischen Gleichmut heuchelnd angesichts der ungewohnten Genüsse in den Schaufenstern.
Sie gehen uns ja auch gar nichts an, denn für uns wurden sie nicht hergestellt. Trotzdem lassen wir unser dichterisches Organ nicht weniger in uns erklingen, frei variierend das schöne Mahnwort: „Trinket, Augen, was die Wimper hält ..“
Doch schon sind wir am Rathaus
Ein im Sinne des schweizerischen Heimatstiles umgebautes, hübsches Bürgerhaus, dessen geschmackvolle Inneneinrichtung die zweckgebundene Sachlichkeit der Amtsräume vornehm überkleidet. Besonders sehenswert ist der Gerichtssaal mit den wertvollen, von den „gnädigen Herren Landvögten“ geschenkten Wappenscheiben und den originellen Wandmalereien eines Rheinecker Künstlers.
Der Herr Bürgermeister ist hier nicht der Herr Bürgermeister, sondern der „Ammann“. Als plötzlich in unserer Unterhaltung die ersten Worte „Schwyzerdütsch“, St. Gallener Dialekt, auf unser schweres Tirolerisch treff n, da ist der Kontakt ein vollkommener, obwohl wir gegenseitig erst verdolmetschen müssen. Aber dazu nehmen wir uns später bei einer Schale gutem Bohnenkaffe und einer ganzen Menge Schweizer „Leckerli“ Zeit. Jetzt müssen wir, bevor der frühe Abend einbricht, die Stadt besichtigen
Hübsch und anheimelnd, in wenigen, aber gepflegten Straßen und Plätzen locker auseinandergezogen, mit einigen Baulichkeiten von bedeutender historischer Vergangenheit und angenehmer, architektonischer Schönheit, bietet sie am Fuße eines dunklen, bewaldeten Höhenzuges ein überaus freundliches Bild. Wohl braust mehrmals bei
Der Alpenverein genehmigt
Wie wir von der Vereinsleitung des Alpenvereins erfahren, wurde der durch den Sicherheitsdirektor am 20. September 1945 für ganz Österreich genehmigte „Alpenverein“ (A. V.) durch die französische Besatzungsbehörde am 19. November 1945 bestätigt. Damit ist die Meldung einzelner Blätter über die Auflösung des „Deutschen Alpenvereines“ (D. A. V.) insofern unzutreffend, als dieser seit 20 September 1945 ja gar nicht mehr besteht.
Der Alpenverein galt stets als eine unpolitische Vereinigung. Diesem Grundsatz ist er allerdings nicht treu geblieben. Der „Deutsche und Österreichische Alpenverein“ wurde geradezu zu einem Hort nationalsozialistischer Betätigung. Er hat in der sogenannten illegalen Zeit sehr viel zur verbotenen Tätigkeit der nationalsozialistischen Partei beigetragen; erinnert sei an den Schmuggel von Waffen und Sprengmaterial durch Mitarbeit der Pächter der Schutzhütten und der Alpenvereinsmitglieder. Wir hoffen, daß hier durch die Säuberung des Vereines gründlich Wandel geschaffen wurde und daß sich der Alpenverein wieder auf den Grundsatz seiner unpolitischen Haltung besinnt.
Kommt Tolomei wieder?
Wie die Zeitung der Südtiroler, „Dolomiten“ vom 23. November meldet, beabsichtigt die italienische Regierung, den berüchtigten Faschisten und Bedrücker Südtirols, Ettore Tolomei, wieder nach Südtirol zu senden und mit einer Aufgabe im italienischen Kampf um den Weiterbesitz Südtirols zu betrauen. Angesichts dieser Meldung gewinnen die italienischen Beteuerungen über eine demokratische und brüderliche Gesinnung den Südtirolern gegenüber, die Ankündigungen, daß der Faschismus bis zur Wurzel ausgemerzt werden soll, einen merkwürdigen Charakter. Ettore Tolomei ist als Prototyp des imperialistischen Faschisten zu bewerten. Er war geradezu ein Vorkämpfer des imperialistischen Faschismus und hat immer engstens mit Mussolini und dessen Unterführern
zusammengearbeitet.
Sammelergebnisse in Kematen. Die vom Bürgermeister in Kematen veranstaltete Sammlung für die Abbrändler von Grins ergab rund 7000 Mark. Weiters veranstaltete der Bürgermeister zugunsten der Kriegsopfer im Gemeindegebiet eine Sammlung, die ein Ergebnis von 6707 Mark brachte.
Die Innsbrucker Verkehrsbetriebe verteidigen sich
Einer unserer Schriftleiter hatte Gelegenheit, mit einem leitenden Beamten der Innsbrucker Verkehrsbetriebe A. G. zu sprechen und ihm einige Fragen vorzulegen, die alle Straßenbahnfahrgäste bewegen.
Ist es unbedingt notwendig, daß an jeder Elektrischen ganze Trauben hängen? Können Sie hier nicht Abhilfe schaffen durch Einschiebung von Wagen?
Eine Verkehrsverbesserung auf den Straßenbahnen ist gänzlich unmöglich. Die Innsbrucker Verkehrsbetriebe wurden während des Krieges zwanzigmal bombardiert, einige Male sogar sehr schwer. Man kann sagen, daß von allen öffentlichen Unternehmungen die Lokalbahn am schwersten gelitten hat Schienennetz, Fahrpark, Werkstätten, die Obus=Halle am Berg Isel und der Bahnhof selbst wurden sehr schwer beschädigt, ja teilweise sogar vernichtet. Die Kriegsschäden betragen fast drei Mil
lionen Reichsmark. Obwohl nur mit Hilfe der eigenen Bediensteten eine ungeheure Arbeit geleistet wurde — im Mai 1945 verkehrte ja nur noch die Linie 4 und diese nicht vollständig — so ist es bei bestem Willen nicht möglich, der ungewöhnlichen Frequenzsteigerung durch eine Verdichtung des Verkehrs entgegen zu kommen. Wir hoffen, daß noch vor Weihnachten auch die Arbeiten auf der Obuslinie nach Wiltenberg beendet werden und diese dem Verkehr übergeben werden kann. Trotz dieser Leistung der Verkehrsbetriebe, die damit ihre letzte beschädigte Linie wieder in Betrieb nehmen, sind diese nicht imstande, den ungeheuren Anforderungen des Publikums Rechnung zu tragen. Darüber einige Zahlen. 1937 wurden 3 Millionen Fahrgäste befördert, 1943 17.8 Millionen
mit der Hungerburg und Patscherkofelbahn sogar 20.3 Millionen, so daß sich also der Verkehr um das siebenfache gesteigert hat. Von 1918 bis 1938 war das beste Jahr für die Lokalbahn 1929 mit 5 Millionen Fahrgästen. Die Steigerung im Jahre 1943 war trotzdem viermal so groß. Wohl ging im Jahre 1944 und im ersten Halbjahr 1945 die Personenfrequenz stark zurück, der September 1945 erreichte jedoch die höchste Verkehrsziffer überhaupt. Im ersten Weltkrieg wurden pro Tag durchschnittlich 16.787 Personen befördert, heute sind es 26.832.
Und eine Verbesserung des Wagenparkes ist unmöglich?
Tag und Nacht der Schnellzug in Richtung Rorschach—Chur und tiefer ins Land hinein vorbei. Wohl ist unaufdringlich, aber deutlich die Zielrichtung Fremdenverkehr im Gepräge der Stadt zu spüren, aber unabhängig davon leben ihre Bürger in ruhiger Würde und eifriger Regsamkeit ihr Eigenleben.
Dieses ist gekennzeichnet durch einige ertragreiche Industrien — Seidengaze=Fabrik, Baumwollzwirnereien, Strumpf=, Wirkwaren= und Wäschefabrik, Marmor= und Granitwerke. Auch technische Feinbestandteile und anderes wird erzeugt. Bemerkenswert ist auch der Handel, der nach der glänzenden Blüte der Vorzeit noch immer auf beachtlicher Höhe steht. Man kann in den verschiedenen Schaufenstern, besonders jetzt zur Weihnachtszeit, alle erdenklichen Exporte sehen, sowohl in Genußmitteln als auch in Dingen des täglichen Bedarfes und ausgesprochenen Luxusgegenständen.
In dezenter, zurückhaltender Art, die die eigene Person nie in den Vordergrund schiebt, erzählt uns der „Ammann“ dies und jenes aus dem Gemeindewesen. Er verweist auf die redlich erworbene Wohlhabenheit der Bürger und ihre eifrige Bereitschaft, von dieser Wohlhabenheit auch zugunsten der darbenden Länder abzugeben.
Von österreich gehen täglich eine Anzahl Männer, Frauen und Mädchen als Grenzgänger zur Arbeit in die Betriebe der Stadt und immer ist es das Entgegenkommen und die Anteilnahme an unserem Geschick, das lobend hervorgehoben wird. Still hören wir zu und denken, wie einfach und natürlich die Beziehungen der Menschen zueinander doch wären, wenn nicht künstlich Hader und Zwietracht zur trennenden Scheidewand aufgebaut würden.
Sinnend schweift unser Blick im Nebelhauch zu
Auch diese Frage kann nur negativ beantwortet werden. Auf den Linien nach Hall und Igls muß beispielsweise der Verkehr mit 28 Triebund 33 Anhängewagen abgewickelt werden. Davon sind vier Triebwagen und sieben Anhänger noch in Reparatur. Daß die Triebwagen schon 40 Jahre alt sind und infolge der ganz abnormalen Abnützung der letzten Jahre stark verbraucht, sei noch hervorzuheben.
Könnten Sie vielleicht dadurch Abhilfe schaffen, daß Sie die Kinder oder Schüler von der Beförderung ausschließen, daß Sie Haltestellen auflassen oder Fahrscheinnummern einführen?
Solche Vorschläge wurden von der Leitung der Verkehrsbetriebe in Erwägung gezogen. Ihre Durchführung in Innsbruck ist jedoch praktisch unmöglich. Die Ausschließung einzelner Gruppen von Fahrgästen führt immer zu Ungerechtigkeiten, da es Vorschrift ist, alle Reisenden gleich zu behandeln. überdies aber würde ein Ein= und Aussteigen von Fahrgästen mit Ausweisen oder Fahrscheinnummern derartige Verzögerungen im Verkehr nach sich ziehen, daß die letzten Dinge ärger wären als die ersten. Ein Auflassen der Haltestellen oder ein Entfernen der Sitzplätze aus dem Wagenpark wird von der Leitung der Verkehrsbetriebe abgelehnt, weil sie deme übel doch nicht ausschlaggebend zu steuern vermag und weil dieser Massenzustrom eben nur als sehr zeitbedingt
angesehen wird. Nach der Währungslösung sieht die Straßenbahn einer bedeutenden Frequenzverminderung entgegen, so daß wir glauben, daß dann jeder Fahrgast auf den vorhandenen Sizplätzen Platz findet. Die Entfernung der Sitzplätze auf der Plattform wird jedoch demnächst durchgeführt.
Erwarten Sie in naher Zukunft eine Verbesserung der Fahrtmöglichkeiten? Im Gegenteil! Ausgenommen, es würde die Frequenz infolge der Währungsreform abnehmen. Der Winter als solcher würde jedoch die Schwierigkeiten nur vermehren. Vor allem infolge des Material= und Schmiermangels. Dazu kommen aber noch die Stromschwierigkeiten, da das EWJ. infolge der geforderten Spitzenleistungen auch den gestellten Anforderungen kaum noch nachzukommen vermag. Die Aussichten sind also keineswegs rosig.
den fernen Vorbergen Vorarlbergs, um dann wieder an den beiden Kirchtürmen der Stadt, funkelnd im Abendlicht, an der nahen Burgruine und an dem hochgelegenen Luftkurort Walzenhausen, mit Seilschwebebahn von Rheineck aus zu erreichen, hängenzubleiben. Wundervoll wird dort von freier Bergterrasse aus der Blick über den eine Stunde entfernten Bodensee und das weitgedehnte Landschaftsbild gerühmt.
Die Schatten kriechen länger in die Gassen hinein, die Dämmerung webt Traumgespinste um die schmucken Schweizerhäuschen. Da statten wir noch rasch dem mächtigen, modernen Kuppelbau der katholischen Kirche einen Besuch ab. Außerordentlich farbenprächtig fangen die hohen Fenster das letzte Licht des Tages, in der Größe und Weite des Raumes scheinen wir beinahe zu verschwinden.
Viel erfahren wir auch von der bewegten Vergangenheit der Stadt. Oft in Kampf und Fehde mit selbstherrlichen Landesherren, manchmal auch zu Österreich geschlagen und zurückerobert, hielt es jederzeit mannhaft Ehre und Freiheit hoch und jederzeit durch Jahrhunderte zurück auch treue Nachbarschaft mit den österreichischen Grenzorten jenseits des Rheins.
Noch jetzt, während strenger Grenzsperre, öffnet sich langsam der Balken und ein Fuder Heu geht ächgend hinüber „ins Ausland“.
Bis zum letzten Schritt auf „seinem“ Boden begleitet uns der Bürgermeister. „Grüße an Österreich“ ruft er uns noch nach und die Scharen der Duckenten, die sich frierend und das Gefieder plusternd tiefer ins Ufergestrüpp verkriechen, scheinen es nachzuquäken in den verschwommenen Konturen und der großen abendlichen Ruhe der Landschaft zwischen — Schweiz und Österreich.