Tiroler Tageszeitung 1945

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- S.53

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Samstag, 15. Dezember 1945
Tiroler Tageszellung
Nr. 149 Seite 3
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Das internationale Leben der Vorkriegszeit wurde durch die Rohstofffrage beherrscht. Die Achsenmächte, die damals das Feld beherrschten, waren arm daran. Dies macht den auf die Neuaufteilung und Verteilung dieser Rohstoffe ausgeübten Druck verständlich.
Die Achsenmächte sind inzwischen vom politischen Horizont verschwunden. Heute hingegen führen die Großen Drei, die an vielen Stoffen überfluß haben bis auf eine Ausnahme: Petroleum. Die Erschöpfung der amerikaWallace nischen Quellen läßt
den Kampf um diese kostbaren Fundstätten immer härter werden. Die Gegensätze zwischen den amerikanischen und englischen Öltrusts haben zugenommen. Zudem will es das Unglück, daß sich einzelne Fundstätten an Orten befinden, die auch ohne deren Gegenwart genügend Zündstoff bergen: kurz der gesamte Westen Asiens.
In der Tat dürfte wohl die Petroleumfrage an der neuesten „Volkserhebung“ Persiens nicht unbeteiligt sein. Die ihre Autonomie verlangenden Distrikte zählen zu den Hauptfundstätten, für welche amerikanische Gesellschaften gerade Konzessionen zu erlangen hofften. Am Morgen nach dem Treffen Truman=Attlee hat Rußland Amerika gezeigt, daß es in seinem Spiel noch einige Atouts in Händen hält.
In Wallstreet, dieser dunklen Schlucht zwischen den Wolkenkratzern des Broadway, hat man diesen Schachzug wohl bemerkt. Es ist nicht sicher, ob nicht einflußreiche Persönlichkeiten dieses New Yorker Viertels, wo die Vermögen entstehen und vergehen, sich nach Washington begaben, den Präsidenten Truman zu beraten.
93 Jarteien in Srie kenland
Eine Volksabstimmung oder der Rücktritt eines Ministers dürfte, so sollte man meinen, nur für das Land Bedeutung haben, in dem sie sich ereignen. Doch das ist nicht so: Wenn eine Volksabstimmung vorgenommen wird oder ein Ministerium zurücktritt, so buchen unter Umständen andere Mächte einen Punkt. Die Welt ist zum Schach Damaskinos brett geworden.
In Griechenland ist eine innere Krise ausgebrochen. Damaskinos, dessen Autorität als maßgebender Mann der Widerstandsbewegung es bislang gelungen war, die 93 Parteien, die um die Macht kämpfen, in der Hand zu behalten, demissioniert und nimmt seinen Rücktritt wieder zurück. Der Grund für die Krise liegt in der Frage, ob die Abstimmung über die Wiedereinführung der Monarchie auf drei Jahre hinausgeschoben werden soll oder nicht.
Aber hinter dieser Frage stehen gewisse gegensätzliche Auffassungen Englands und Rußlands. Aus folgenden Gründen hält England die Aufrechterhaltung seines Einflusses in Griechenland für wichtig: Erstens: liegt Griechenland am
Agäischen Meer, am Ausgangspunkt der Meerengen. Die Macht, deren Einfluß dort vorherrscht, hat eine Hypothek auf diesen Wasserstraßen liegen. Zweitens; besitzt England im östlichen Mittelmeer nur mittelmäßige Marinestützpunkte: Haifa, Smyrna und Alexandrien reichen als Stützpunkte für die englische Flotte nicht aus. Das wurde in London schon 1935 unangenehm bemerkt, als die in der Reede von Alexandrien zusammengepferchte Flotte S. M. ein gesundenes Fressen für die Luftwaffe Mussolinis bedeutete. Wenn schließlich England seinerzeit der Eroberung Athiopiens durch Italien mehr oder minder untätig zusah, so ist diese erzwungene britische Passivität letzten Endes auf diesen Umstand zurückzuführen. Dafür besitzt Griechenland die schönsten Häfen des
Mittelmeeres: Saloniki. Cavalla und diese Unzahl natürlicher Schlupfwinkel für Unterseeboote.
England braucht eine weitgehende Verfügungsgewalt über diese Häfen und Buchten und keine andere Macht darf ihm dabei ins Gehege kommen. Drittens: Da England aus den erwähnten Gründen Griechenland immer unterstützt und beträchtliche Summen dort investiert hat. ist die rührige griechische Wirtschaft stark unter britischen Einfluß gelangt. Die Eisenbahn, die Tabakregie und das Zollwesen wurden durch unzählige Transfusionen belebt. England wird umsomehr über diese Investierungen wachen, als seine eigene finanzielle Lage nicht rosig ist.
Parallel zur griechischen Krise fanden Wahlen in Jugoslawien und Bulgarien statt. Sie erbrachten absolute Siege Titos und Georgieffs. Der eine wie auch der andere sind Exponenten des Aufgehens Bulgariens und Jugoslawiens in einer großen, etwa nach dem Muster der Sowjetunion organisierten BalkanFöderation. Der ganze Norden Griechenlands ist also der Gefahr ausgesetzt, dem beständigen Druck einer bedeutenden mit russischer Unterstützung operierenden Macht zu unterliegen. Darüber hinaus sind Jugoslawien und Bulgarien bestrebt, Griechenland aus Mazedonien zu verdrängen und Saloniki zu erwerben. Das Geschehen kann allerdings in dem Augenblick einen
anderen Verlauf nehmen, in dem sich vielleicht eine griechische Volksrepublik der neuen Balkanunion anschließt. Das würde bedeuten, daß der russische Einfluß die ganze Halbinsel umfassen würde und somit das Meerengenproblem zu seinen Gunsten gelöst wäre. Man versteht also jetzt, warum Großbritannien besonders eifersüchtig sein Augenmerk auf Griechenland richtet, sowie die gewisse Ungeduld, mit der Bevin in der Kammer Entgegnungen abgetan hatte.
Bevin hat übrigens in Griechenland die Politik Churchills wieder ausgenommen. Es ist eines der Geheimnisse der gewaltigen Wirksamkeit der britischen Macht, daß die Außenpolitik niemals durch Splittertendenzen abgeschwächt wird. Im Foreign=Office gibt es weder Arbeiter noch Tories, dort gibt es nur Briten.
China und die USA
Mehr als Tschiankaischek hat Amerika den Krieg um China gewonnen. Der Generalissimus u. Staatsmann Chinas steht wohl auf einem Höhepunkt der politischen Macht; der chinesische Markt aber vermehrt den Reichtum Amerikas. Alle Vorgänge, die den Fernen Osten berühren, rufen Byrnes daher in Washington
ein starkes Echo hervor, wenn es auch manchmal scheinen mag, daß dieser Widerhall verschiedene Tonarten hat. Man erinnert sich vielleicht, daß Amerika, nachdem es eine beträchtliche Zeitspanne hindurch von der Weltpolitik Abstinenz geübt hatte, sich plötzlimit großer Entschiedenheit in den Strudel der Ereignisse hineinstürzte. Diese Ereignisse aber waren keine anderen als die Angliederung der Mandschurei an Japan. Nicht genug damit: Japan suchte sein Vorgehen zu tarnen, indem es die Mandschurei als selbständigen Staat ausrufen ließ. Es kam aber noch besser. Zum Oberhaupt dieses Staates bestellte Japan den Prinzen Puyi, einen Abkömmling des entthronten chinesischen Kaiserhauses. Damit war die Mandschurei als das Sprungbrett des japanischen
Imperialismus nach China bezeichnet. Man versteht, daß diese Vorbereitungen den Vereinigten Staaten nicht gleichgültig sein konnten. Sie gefährdeten die Sicherheit des ertragreichen chinesischen Marktes. In diesem Augenblick erwachte Amerika zur Erkenntnis der drohenden Gefahren.
Der Sieg im Fernen Osten läßt die Mandschurei an China zurückkehren. Die russischen Truppen, die während der Endphase des Krieges dieses Land besetzt hatten, ziehen sich jetzt zurück, um den Besatzungsmannschaften Tschiangkaischeks Platz zu machen. Diese Russen betraten, als sie in der Verfolgung der japanischen Truppen die Mandschurei erreichten, kein Neuland. Im Jahre 1904 hatten die ersten Schlachten des modernen Stiles in diesen Gebieten den japanischen Waffen die Oberhand über Rußland verliehen. Diese Niederlage bildete den Anlaß für das Aufflammen der ersten russischen Revolution. Sie wurde der Anstoß für eine Entwicklung, die zum Sturz der alten Mächte in Rußland führte. Das neue Rußland kann im Fernen Osten kaum andere Ziele
verfolgen, als das alte sie angestrebt hat. Dieses Ziel heißt: Stützpunkte am Pazifischen Ozean und Teilhaberschaft an der Entwicklung des chinesischen Reiches. Man könnte es —verstehen, wenn die russischen Truppen einen Augenblick gezögert hätten, die Mandschurei, diese wichtigste Schlüsselstellung des Fernen Ostens, bereitwillig zu verlassen. Böse Zungen wollten sogar wissen, daß die Schwierigkeiten, welche die chinesischen Kommunisten gerade in dem Augenblick, als die Räumung der Mandschurei erfolgen sollte, den Truppen des Marschalls Tschiangkaischek bereiteten, in Moskau nicht ungern gesehen worden wären. Jedenfalls sind diese Zwischenspiele in Washington recht übel aufgenommen worden. Unterdessen hat sich diese stürmische Entwicklung
rund um die Mandschurei beruhigt. In diesen Tagen zieht die Armee Tschiangkaischeks in das Land der berühmten Sojabohne ein. In Moskau aber werden sowohl Byrnes wie Bevin von ihren Fachleuten für die Angelegenheiten des Fernen Ostens begleitet sein. So vertraulich die Beratungen der drei Außenminister geführt werden mögen, das Wort Mandschurei wird man aus den Beratungszimmern heraushören.
Berater des Neaus
Abessiniens Kaiser Haile Selassie, der nach den Jahren seines europäischen Exils wieder seine Herrschaft in Addis Abeba zu stabilisieren sucht, hat sich zu diesem Zweck einen persönlichen Berater aus einem neutralen europäischen Lande zugezogen: den schwedi
schen Arzt Dr. Gunnar Agge. Dieser war schon früher im Dienst des Roten Kreuzes und im persönlichen Dienste des Negus tätig und hat sich damals das besondere Vertrauen des äthiopischen Monarchen erworben. Schon während seines Londoner Aufenthalts hat Haile Selassie den Wunsch ausgesprochen, nach der Vertreibung der Italiener: Abessinien dort europäische Berater anstellen zu können, die keiner der „großen“ Nationen angehören sollten, sondern der
Machtpolitik der Kolonialstaaten ganz fern ständen. Dr. Agge erschien ihm nicht nur wegen seiner Sprach= und Landeskenntnis besonders geeignet, sondern auch wegen seiner christlichen Einstellung. Die Abessinier und ihr Herrscherhaus sind ja
Dr. Agge
selbst bereits zu einer Zeit Christen gewesen, in der große Teile von Europa noch heidnisch waren.
Vor seiner Ausreise aus Schweden, die anfangs Dezember erfolgte, erklärte Dr. Agge in einem Radiovortrag, er hoffe. daß die Zivilisierung Abessiniens sich nicht nur auf die äußere technische Entwicklung beziehen würde, sondern im Zeichen religiös-sittlicher Bildung stehen solle Die Tätigkeit der christlichen Missionen, die in der Zeit der faschistischen Okkupation des Lan
des unterbrochen werden mußte, würde jetzt wieder aufgenommen. Als Mitarbeiter für seine spezielle Aufgabe, die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse Abessiniens, hätten sich nicht wenige seiner schwedischen Landsleute angeboten. Angenommen könnten aber nur hochqualifizierte Kräfte werden. Ende 1945 will der schwedische Arzt nach Europa zurückkehren, um eine Reihe solcher Mitarbeiter auszuwählen und Dienstverträge mit ihnen abzuschließen.
75. Geburtstag Dr. Renners
(Von unserem A. R.=Korrespondenten)
Wien, 14. Dez. Bei einer Sitzung des Kabinettsrates am Donnerstag sprachen Staatssekretär Raab, Staatssekretär Koplenig, Staatssekretär Dr. Schaerf dem Staatskanzler anläßlich seines 75. Geburtstages die herzlichsten Glückwünsche aus und dankten ihm für seine dem Vaterland gewidmete Aufbauarbeit. Doktor Renner dankte in bewegten Worten. Die Aufbauarbeit der letzten Monate sei nur dank der Tüchtigkeit und Hingabe der Mitarbeiter möglich gewesen, die er in der provisorischen Regierung gefunden habe. Anschließend an die Sitzung des Kabinettsrates sprachen die Beamten der Staatskanzlei unter Führung des Generalsekretärs für die auswärtigen Angelegenheiten Dr. Heinrich Wildner beim Staatskanzler Dr. Renner vor, um ihm die Glückwünsche
darzubringen.
Sämtliche Wiener Blätter widmeten ihre Leitartikel diesem Anlaß. Ing. Figl, Altbürgermeister Seitz und Staatssekretär Fischer sprachen namens der drei Parteien Dr. Renner ihre volle Anerkennung aus.
Viteslav Novak 75 Jahre alt
(Kast) Die nationale musikalische Naturbegabung der Tschechen hat Europas Kunstmusik stark befruchtet. Viele ihrer echten Musikantennaturen haben Weltruf erlangt. Smetana und Dvorak an der Spitze. Ein Schüler des Letztgenannten, Viteslav Novak, hat ebenfalls über die Grenzen seines Heimatlandes von sich reden gemacht. Am 5. Dezember war sein 75. Geburtstag. Er war ein Günstling von Brahms. In Prag studierte er Philosophie. Jus und Musik. Am Konservatorium wurde er Kompositionslehrer an der Meisterschule, 1919 Rektor des Institutes.
Der tschechische Tonsetzer zählt nicht nur zu den bedeutendsten, sondern auch zu den fruchtbarsten seiner Landsleute. In seine Themen flicht er nationale, namentlich an slowakische Volksmelodien sich anlehnende Weisen ein. Melodienreichtum, originelle Rhythmik mit häufigen Synkopen, Klangschönheit, ein weicher slawischer Zug, Hereinnahme von Kirchentonarten sind besondere Eigenarten seiner Schöpfungen. Aus seinen viekseitigen Schaffensprodukten seien die bekanntesten hervorgehoben: die Ouvertüren „Maryea“, „Lady Godiva“, die symphonischen Dichtungen „Von ewiger Sehnsucht“, „Pan“, „In der Tatra“, „Tomas und die Waldfee“, böhmische und walachische Tänze, mehrere Opern, u. a. „Burgkobold“, „Großvaters Vermächtnis“.
Zur Umgestaltung von Burg= und Marktgraben
Die verkehrstechnische Seite des Problems ist schon oft besprochen worden und die Ansichten darüber sind wohl ungeteilt. Die gefährliche Enge der beiden Straßenzüge muß beseitigt werden.
Herr N. („T. T.“ v. 4.11.) möchte sich mit der Zurückversetzung der Vorbauten begnügen und nennt als Beispiel den Ladenbau des Donauhofs, der seit etwa 1910 zusammen mit dem Czichna=Haus den Eingang in die Herzog=Friedr.=Straße verunstaltet.
Die Häßlichkeit aller Vorbauten ist wohl von jedem erkannt und der ästhetische Gewinn, der durch ihre Entfernung dem Stadtbild erwächst, bedarf in der Öffentlichkeit wohl keiner Erörterung mehr. Dabei muß freilich zugegeben werden, daß die im Volkskunstmuseum gezeigten Fassadenlösungen nicht befriedigen konnten und tatsächlich den Eindruck von Nüchternheit und Kälte erwecken mußten. Dies kann aber nicht heißen, daß die grundsätzliche Lösung im ganzen falsch ist, sondern nur, daß dieser Lösungsvorschlag nicht restlos befriedigt.
Nun ist es Aufgabe unserer guten Architekten, die Form zu finden, die dem Charakter unserer Altstadthäuser wie den modernen Bedürfnissen entspricht. Die Aufgabe ist nicht leicht und verlangt ein starkes Einfühlungsvermögen. Doch muß für jedes Haus die passende Erdgeschoßgestaltung gefunden werden, die sich aber auch dem Gesamtbild der Straße harmonisch einfügt. Daß nicht nur die Innsbrucker Künstlerschaft, sondern jeder Mensch mit Geschmack dieser Meinung ist, ist gewiß.
Schwierigkeiten bereitet nur die praktische Seite: die Schaffung neuer Läden in ähnlich guter Geschäftslage. Ein Teil der bisherigen Verkaufslokale kann sicher in die Häuser der beiden Straßenzüge zurückverlegt werden, für den anderen Teil muß Ersatz geschaffen werden. Diesen wird in bescheidenem Ausmaß der Wiederaufbau des durch Bomben zerstörten Servitenklosters in der Maria=Theresien=Straße bieten.
Eine andere Möglichkeit würde sich vielleicht ergeben, wenn bisher tote Straßenzüge in das Geschäftsleben einbezogen würden Der beiderseits unverbaute Verbindungsweg zwischen Maria=Theresien=Straße und Erlerstraße, beim Sparkassengebäude könnte zum Beispiel einige Läden aufnehmen. Auch die Angerzellgasse nahe am Stadtzentrum und an der Haupttrambahnlinie gelegen, ist geschäftlich nahezu ungenützt. Dabei könnte sie bei einiger Geschicklichkeit im Aus= und Umbau nicht nur einer beträchtlichen Anzahl von Läden Raum geben, sondern einen bisher vernachlässigten und verwahrlosten alten Stadtteil zu neuem, reizvollem Leben erwecken Wenn in dieser Straße ein Streifen des FranziskanerGartens für Geschäftsbauten verwendet würde. wäre wenig
dagegen zu sagen.
Dagegen zeugt die Idee, diesen Garten „zum Abstellplatz für Auto mit teilweiser Parkanlage“ zu gestalten, von einer Verständnislosigkeit und
Gefühllosigkeit gegenüber baukünstlerischen Belangen, die ihresgleichen sucht: Aufbauend auf der historischen Tatsache, daß der alte Stadtkern ehemals von einem Graben umgeben war, soll der an die Stelle des Grabens getretene Straßenzug wenigstens annähernd diese Illusion aufrechterhalten Durch die Einmündung der Maria=Theresien=Straße klaffen in der geschlossenen Begrenzung von Burg= und Marktgraben ohnehin starke Lücken und nun möchte Herr N. durch die Entfernung der Mauer des Franziskaner=Gartens ein weiteres Loch reißen, nun soll der Graben in einen Platz verwandelt werden.
Neben diesen Erwägungen muß aber auch ein anderes beachtet werden:
Die Hofkirche, die Grabkirche Kaiser Maximilians, soll weiterhin abseits vom geschäftigen Getriebe wenigstens etwas von ihrer feierlichen Ruhe bewahren und vom Frieden des klösterlichen Gartens umgeben bleiben. Denn Garten und Kloster gehören zur Kirche, die Franziskaner sind seit ihrer Erbauung als die Hüter des Grabes bestellt. Die Wegnahme des bescheidenen Gärtleins aber würde den Klosterbetrieb unmöglich machen. Deshalb und aus anderen Gründen ist auch der im Volkskunstmuseum ausgestellte Plan, der an Stelle dieses Gartens eine Passage vorsieht, keine annehmbare Lösung.
Nach den Schrecken des Krieges ist uns ein kultiviertes Stadtbild verhältnismäßig wenig beschädigt erhalten geblieben. Es ist unsere Pflicht, das Erhaltene zu pflegen und nicht leichtfertig preiszugeben. Und setzten Endes wird ein schönes Stadtbild auch mehr Gewinn bringen, als ein durch lieblose Anhäufung von Kaufläden verschandeltes, besonders wenn die schönsten und ehrwürdigsten Punkte dadurch profaniert werden. Dr. J. G.