Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:12

- S.55

Suchen und Blättern in knapp 900 Ausgaben und 25.000 Seiten.





vorhergehende ||| nächste Seite im Heft

Zur letzten Suche
Dieser Monat – 1945_12_TT
Ausgaben dieses Jahres – 1945
Gesamter Text dieser Seite:
1*. Desember 1945
Nr 149 Seite 5
Tiroler Tageszeilung
Nerüber die Melt lackt
Chemische Realtion
Ein Unentwegter: „Nieder mit der Reaktion!“ (L’euseignement)
Besserung
— Man könnte sogar sagen, du seiest dicker gevorden! (Le Canard enchainé)
Ae Con
Späte Heimkehr
„Rühr dich nicht, Eulalia! In dieser klassischen Rellung möchte ich dich ewig in Erinnerung behalten.“ (Saturday Evening Post)
Kl
echen-Chrenik
Kein Schutzmittel gegen die Akombombe Der britische Atom=Physiker Professor Oliphant erklärte auf einer Versammlung in Vir mingham: „Die ganze Sache der Atom Energie ist so riesengroß, so ungeheuer wichtig und so bedeutsam für die ganze Menschheit, daß in diesem Falle die ganze Geheimdiplomatie über Bord ge worfen werden sollte, über die Atom Energie kann man nur vor aller Welt und in aller Öffentlichkeit diskutieren, denn wir sind jetzt zu dem Punkt gekommen, wo wir entweder jeden Krieg abschaffen können oder uns einfach damit abfinden müssen, daß eine Viertelstunde nach der Kriegserklärung alle Städte dieses oder eines anderen Landes, das in den Krieg verwichel: worden ist, in Schutt und Asche liegen werden, wobei die Bomben wahrscheinlich
nicht durch Flugzeuge, sondern durch Raketen zum Ziel gesteuert würden. Die Wissenschaft kein Schutzmittel gegen die Atombombe. Unsere Wissenschafter sagen nichts, wei! sie Angst haben, eines Morgens im Gesängnis aufzuwachen wegen Verrats von Geheimnissen. Auch ich werde vielleicht bald im Gefängnis sein. aber ich habe das Gefühl, daß ich sagen mußte was ich gesagt habe.“
zur Verhinderung des 3. Welikrieges Die unter dem Vorsitz von Dr Erich Mann in Rew York ins Leben gerufene Society for the Prevention of World War UII“ hat bereits begonnen. sich über das gesamte Gebiet der Vereinigten Staaten auszudehnen. In anderen amerikanischen Großstädten — Chicago ging mit gutem Beispiel voran — werden Zellen der Gesellschaft gegründet, die sich die Erhaltung des Weltfriedens nach Beendigung des gegenwärtigen Krieges auf ihr Banner geschrieben hat überall genießt die Gesellschaft die Unterstützung der Universitäten, der Radiogesellschaften und anderer mehr oder weniger offizieller Körperschaften.
Kreuzworträtsel
EEN
— Nachdem wir jetzt verlobt sind, Schatz, möchte
ich dir auch meine Schwester vorstellen
(Collier"s)
„Deer Krüger ist wirklich der größte Schafskopf #nr der Sonne!“
„Emil, du vergißt dich!“ (Politiken)
— Wären Sie so freundlich und würden es mir sagen, wenn der Doktor ankommt, der mich nicht geheilt hat ... (Espagnol)
Rätsel um Goyas Masa Im Jahre 1802 starb in Madrid 40jährig Cayetana de Silva. Herzogin von Alba. die seiner zeit allgemein als Urbild von Goyas berühmten Majabildern, der Nackten und der Bekleideten Maja, galt. Wenn dies auch nicht verbürgt ist, so hat die Herzogin doch in nahen persönlichen Beziehungen zur Umwelt von Goyas Schaffen gestanden. Sie war in die Intrigen am Hof Karls des IV. und der Marie Louise verwickelt, des Herrscherpaares, dem die Porträts des großen Malers zu zweifelhafter Unsterblichkeit verholfen haben. Die Königin und ihr Freund Godoy sollen erklärte Feinde der schönen Cayetana gewesen sein. Als sie plötzlich starb, war das Gerücht von einem Giftmord in der Hauptstadt verbreitet, und der König verlangte von Godoy eingehende
Untersuchung und Berichterstattung. Um, wenn möglich, die bis heute nicht gelösten Fragen zu klären, hat man dieser Tage die Exhumierung der einbalsamierten Leiche vorgenommen. Man will nicht nur untersuchen, ob noch Spuren von Gift in den überresten nachweisbar sind, sondern möchte, wenn möglich, auch feststellen, ob die Herzogin wirklich Goya als Modell gedient hat. Die Rätsel haben sich nun aber noch um ein weiteres vermehrt: zur großen überraschung der Anwesenden, unter denen sich der Herzog von Alba selbst und seine Tochter befanden, stellte sich heraus, daß die Füße der Toten abgesägt waren und daß sich nur noch der eine im Sarge befand. Der Leichnam wurde inzwischen wieder beigesetzt; das Ergebnis der Untersuchung steht noch aus.
Die „Victory“, das Schiff des Admirals Nelson Nelsons Admiralsschiff, die ehrwürdige „Vietory“ ist heil und ganz aus dem Krieg hervorgegangen, trotzdem sie in dem heftig bombardierten Militärhafen von Portsmouth vor Anker lag. Seit dem Tag, als Nelson 1805 nach der Vernichtung der französisch=spanischen Flotte bei Trafalgar auf der „Victory“ starb, hat sich nichts an Bord dieses alten Seeveteranen geändert.
Die „Vietory“ ist ein hölzernes 2397=TonnenSchiff von 57 Meter Länge und 13 Meter Breite; es galt schon zur Zeit von Trafalgar als ein altes Schiff, da man es bereits 1755 auf die Werft gegeben hatte. Nelson hatte es vor seiner Abreise neu ausstatten und die Seitenwände mit weißen und gelben Streifen, die innere Umrahmung der Kanonen rot bemalen lassen. Bis 1921 fuhr es auf dem Meere; und da damals der Moment gekommen schien, seine Holzteile auszubessern, legte man es auf eine Trockenwerft, auf der es bis heute geblieben ist. Die „Victory“ figuriert immer noch im Flottenregister und dient als Hauptquartier des kommandierenden Admirals von Portsmouth; deshalb wird jeden Morgen auf das Pfeifensignal des Quartiermeisters hin auf seinem Mast die
Admiralsflagge hochgezogen. Das alte Schiff gilt als Sehenswürdigkeit, denn noch heute können die zahlreichen Besucher auf Deck und Zwischendeck die Kugelspuren der Schlacht von Trafalgar sehen, die Stelle, auf der Nelson getroffen wurde, und den Raum, in dem er verschied, betrachten.
WAAGRECHT: I. Stadt in Südfrankreich. 4. Nebenbuhler, 7. Gebirge auf Kreta, 8. Stadt in Holland. 10. fleischige Pflanze, 13. einbalsamierter Körper, 14. Ruinenstadt in Armenien, 16. zu keiner Zeit, 17. Fürwort, 18. englische Zahl. 19. spanischer Küstenfluß, 20. Nebenfluß des Arno. 21. griechischer Kriegsgott, 23. Ort im Kanton Graubünden, 24. Ruhe. Pause, 25. unwandelbar ergeben, 28. aus einem seweren Metall, 29. ein Schiff auf eine bestimmte Art versenken.
SENKRECHT: I. Naturschönheit in Agypten, 2. holländische Käsestadt, 3. Stadt in Spanien, 4. Gebiet, 5. Einfall, 6. Gesamtheit des Schriftwesens (Meurzahl), 9. hoher Offizier, 11. Stadt in Nordfrankreich, 12. Teil des Kopfes (Mehrzahl). 15 spanischer Frauenname, 17. großef Gewässer, 22. Stadt in Pommern, 23. Vögel, 26. Gewässer, 27. Balkanmünzen.
Auflösung des Kreuzworträtsels in Nr. 143 vom 7. Dezember
Waagrecht: l. Zivilrecht, 7. Amoebe. 8. Ur, 10. Rue, 12. Ahle, 14. Trug, 15. Apis, 16. Oise, 8. Ur, 10. Rue, 12. Ahle, 14. Trug, 15 Apis, 16 Oise, 17. Rnka, 18. Null, 21. nie, 23. Ami, 24. Riegel, 25. Generation.
Senkrecht: 4. Zaunkönig, 2 Var, 3. Loch, 4. real, 5. Cer, 6. Thessalien, 9. Haribi. 11. Unikum, 12. Agen, 13. Earl, 19. Ufer, 20. Liga, 22. Ern, 23. Ali.
Schachaufgabe
A e er I I R I C II
Srtute uneselihe. M
# ililin. Wiliste
CnSe ig
Matt in zwei Zügen (Weiß zieht an).
Unscne medininische Rundschan
Die Wurzeln des Krankengeschehens Von Medicus
Wenn ein Mensch von einer Krankheit befallen wird, so sucht er selbst und alle, die ihm helfen wollen, nach der Wurzel des übels, also der Ursache, und man glaubt sie gefunden zu haben, wenn eine gleichzeitige oder kurz vorher eingetretene Anderung der Lebensvorgänge nachweisbar ist. Meist stößt man dabei auf äußere Umstände: Verletzungen, Erkältung, Möglichkeit
einer Ansteckung, einer überanstrengung oder einer Aufregung. Der primitive Mensch, dem derartige Zusammenhänge aus der Erfahrung nicht so geläufig sind, wird übernatürliche Einwirkungen, Zauber, Hexerei oder Bestrafung durch eine höhere Macht anschuldigen. Eine Abart dieser magisch=mystischen Beurteilung ätiologischer Vorstellungen findet sich auch bei Menschen unserer technisch und naturwissenschaftlich so weit vorgeschrittenen Zeit (Einfluß von Erdstrahlen, von luftelektrischen Vorgängen, von Radiowellen und kosmischen Einwirkungen auf die Gesundheit) Je weniger die Menschen über eine Naturkraft wissen und je unerforschter gewisse Einzelbeobachtungen sind, um so mehr ist man geneigt, sie als Ursache oder als Wurzel bestimmter, schwer
verständlicher Krankheitsvorgänge anzusehen.
Der Laie gibt sich gewöhnlich schon zufrieden, wenn er eine Wurzel für die Entstehung seiner Krankheit gefunden zu haben glaubt, während im ärztlichen Denken das Zusammentreffen von mehreren Ursachen bei der Entstehung einer Krankheit fast zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist. Darnach könnte man die Ursache des Krankheitsgeschehens etwa folgendermaßen definieren: eine Krankheit entsteht dann, wenn
gleichzeitig von verschiedenen Seiten her eine umstimmende Anderung der normalen Lebensvorgänge eintritt. So gibt man sich z. B. mit
einer Teilabkühlung (Erkältung) als Erklärung für das Entstehen eines Schnupfens nicht mehr zufrieden. Es muß schon noch eine Infektion hinzukommen. Aber auch diese beiden Wurzeln reichen nicht aus, um einen Schnupfen aufblühen zu lassen. Schleimhautveränderungen in der Nase, Verbiegung der Nasenscheidewand, Ver
engerung der Nasengänge, Reizzustände des lymphatischen Gewebes können dabei mitwirken.
Auch bei Infektionskrankheiten und Seuchen, deren Erreger wir kennen, ist dieser nicht die einzige Urfache, die die Krankheit zum Ausbruch bringt. Vom Tuberkelbazillus wird wohl jeder Mitteleuropäer befallen, und doch erkrankt nur ein kleiner Bruchteil der Menschen an dieser Krankheit. Es ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn behauptet wird. daß sich der menschliche Organismus gegen jede. auch sehr schwere Krankheitsbedrohung erfolgreich zu wehren vermag und daß diese Abwehrkraft erst versagt wenn gleichzeitig mehrere andere ungünstige Umstände einwirken
Betrachten wir einmal ein etwas komplizierteres Krankheitsbild, die Basedowsche Krankheit. unter diesem Gesichtspunkt Seit vor etwa hundert Jahren Dr von Basedow diese Krankheit als erster beschrieb, wissen wir, daß es sich dabei um eine Funktionsstörung der Schilddrüse handelt. Die Schilddrüse ist ein drüsiges Organ,
das mit zwei Seiten= und einem Mittellappen vor dem Schildknorpel des Kehlkopfes liegt. Vermehrt sich das Bindegewebe, so entsteht ein knotiger, harter Kropf, wie man ihn bei vielen Menschen sieht. Dieser Kropf ist wohl auf Mangel an Jod im Trinkwasser und in der Nahrung zurückzuführen. Er kann verschwinden, wenn lange Zeit kleinste Mengen Jod (Normalsalz) gegeben werden. Vermehrt sich hingegen der drüsige Anteil des Schilddrüsengewebes, so entsteht ebenfalls eine Vergrößerung des ganzen Organs, es wird aber nicht so groß und behält seine weiche Konsistenz. Dafür tritt nur eine Reihe von Erscheinungen auf. die recht typisch ist und das Bild der Basedowkrankheit bestimmt: Herzklopfen, Abmagerung, nervöse Reizbarkeit, Beschleunigung aller
Stoffwechselvorgänge, Händezittern. Hervortreten der Augäpfel.
Die Aufdeckung der verschiedenen Wurzeln der Krankheit, zu denen auch die wechselweise Beeinflussung der verschiedenen Drüsen mit innerer Sekretion kommt (Hypophyse. Keimdrüse, Nebenniere, Tymus), ist nicht nur von theoretischer, sondern auch von größter praktischer Bedeutung und bestimmt die Behandlungsweise, an deren Anfang die beruhigende Wirkung der Baldriantropfen und an deren Ende die Röntgenbestrahlung und die operative Entfernung eines größen Teils der Schilddrüse stehen. Die Therapie kann sinngemäß angreifen an Schilddrüse, Hypophyse. Zwischenhirn. Psyche. Keimdrüsen und Jodstoffwechsel. Der Heilplan wird nach der Schwere der Erscheinungen der Dauer der Krankheit, der Art der Symptome und der Krankheitsvorgeschichte
aufgestellt und kann von verschiedenen Fronten aus angreisen Sehr wichtig sind auch diätische Maßnahmen und klimatische Kuren Der Zustand manches Schilddrüsenkranken hat sich bei der „Kriegskost“ zweifellos wesentlich gebessert, andererseits haben die Sorgen und Erschütterungen dieser Zeit auch zum Wiederaufflackern der Krankheit geführt.