Tiroler Tageszeitung 1945

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Seite 6 Nr. 149
Tiroler Tageszeitung
Samstag, 15. Dezember 1945
6e
KUNST „ LITERATUR „ WISSENSCHAFTN
AMERIKANISCHE LITERATUR
Im zweiten und dritten Jahrzehnt des 20. Jahr
hunderts erreichte die amerikanische Literatur eine beachtenswerte Höhe. Sie ging ihre eigenen Wege und ihre Werke waren denen der großen europäischen Meister, wie Proust, Joyce und Galsworty durchaus ebenbürtig. Die amerikanische Literatur trat in diesem Zeitraum gleichsam in eine nachklassische Periode ein, in der Talente und Ideen zu höchster Blüte gelangten. Zu Beginn des ersten Weltkrieges befand sich die Literatur noch in einer übergangsperiode. Aber schon in den Zwanzigerjahren beherrschten bedeutende Schriftsteller wie F. Scott Fitzgerald, Robinson Jeffers, der die Tradition von Haw
thorne, Melville und Poe fortsetzte und Erzähler wie Sherwood Anderson, der gegen den gefühlstötenden Materialismus, wie ihn das Zeitalter der Maschine in Amerika mit sich gebracht hatte, ankämpfte, das literarische Leben der Vereinigten Staaten.
Der Realismus löste jetzt die einstigen viktorianischen Moralbegriffe gb und wurde schließlich wieder durch die unter Führung Ernest Hemingways stehende Bewegung verdrängt. Für Hemingways waren die Grundlagen und die äußere Gestaltung des amerikanischen Lebens unbefriedigend. Besessen von Ideen, die das Ende aller herkömmlichen Gesellschaftsformen zu bedeuten schienen, stellte er das Individuum gegen den Staat und trat damit in die geistigen Fußspuren Thoreaus. Während Sinelair Lewis eine ganze Gesellschaftsschicht wegen ihrer überheblichkeit und Hohlheit angriff, stellte Hemingway in seinen Büchern das asoziale Individuum dar.
Diese jungen amerikanischen Schriftsteller, die im Krieg aufgewachsen waren. kannten keine Ruhe. Jeder von ihnen setzte sich mit den Problemen seiner Zeit auf seine eigene, stark individuelle Weise auseinander. Allen gemeinsam aber war die Erkenntnis des Freiwerdens und des überhandnehmens der Triebkräfte der Anarchie und der Gesetzlosigkeit in aller Welt. Die Bücher der Dreißigerjahre, die sich von jeder altüberlieferten Form lossagten und neue revolutionäre Wege gingen, bewiesen Eigenart und persönlichen Stil. An der Spitze der Literatur stand die dem jungen Geschlecht wesensgemäßeste Form der Dichtung, der Roman Die weltweiten Auseinandersetzungen zwischen den politischen Ideologien des 20. Jahrhunderts, die einen so umwälzenden Einfluß auf die
europäische Literatur ausübten, berührten die amerikanischen Schriftsteller wenig. Allmählich begannen die europäischen Schriftsteller sich für die amerikanische literarische Entwicklung zu interessieren. In engen Kontakt aber kamen amerikanische und europäische Literaten hauptsächlich erst durch berühmte Emigranten, wie Thomas Mann, Hermann Broch, Franz Werfel und viele andere, die sich nach ihrer Flucht aus Deutschland in Amerika niederließen, um dort ihr literarisches Schaffen frei fortzusetzen.
Die heutigen stürmischen und gärenden Zeiten veränderten die amerikanische Lebensauffassung verhältnismäßig wenig. Die neuen Ideen scheiterten und die alten Werte der christlich=griechischen Kultur blieben siegreich. Wesentlich verändert aber hat sich die geistige Atmosphäre, in der Amerika lebt. Sie muß einer Welt gerecht werden, die sich in zwanzig Jahren so grundlegend gewandelt hat. Immer mehr aber greift der amerikanische Leser heute zu den Werken der klassischen Literatur, die eine Zeit lang im Hintergrund blieben. Whitmans „Year of the Modern“ gehört wie seine „Passage to India“ geradezu zur zeitgenössischen Literatur und Emersons „Essays“ sind uns heute wahrscheinlich besser verständlich als seinen Zeitgenossen.
WEIHNACIITLICHE STADT Von Anita Franck
Die Kälte klirrt, der Frost hat Silberringe, Kunstvoll geicobene, um die Stadt gelegt,
Von tieferem Flügelschlage ist die Zeit beiegt, Und leis verwandelt scheinen alle Dinge.
Es geht ein heimliches, verhaltenes Klingen Durch alle Gassen, durch des Tages Hast,
Und viele Herzen tragen leichtere Last,
Da milde Stimmen durch das Dunkel schiingen.
Der ferne Wald hat seine schönsten Träume, Die wcundersamsten, ihnen zugeschickt,
Und wieder ruhn die Blicke, sanft entzückt, Im Zauberkreis der weihnachtlichen Bäume.
Originalzeichnung von W. Gotschkt.
WINTER IM DORF
APHORISMEN
Nur der Zufall kann witzig sein; das Schicksal hat keinen Sinn für Humor.
Wen Gott verderben will, den läßt er mit sich zufrieden sein.
Gedanken, vor denen man erschrickt, kommen der Wahrheit am nächsten.
Wer erwas formen will, muß selber in Form zeinohne Gestalt keine Gestaltung.
Es sind nicht so sehr die großen Geheimnisewie vielmehr unsere kleinen Fleimlichkeiten, die unzern Freunden Kopfzerbrechen machen.
Neid und Eifersucht sind die Dornen im Rozengarten der Liebe.
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BEETHOVENS 175. GEBURTSTAG
Mit dem 16. Dezember 1770 wurde der Menschheit ein Mann geschenkt. der unter all den Großen der Musik mit einmaliger Ehrfurcht genannt wird: Ludwig van Beethoven.
Als Sohn eines angesehenen Musikers zu Vonn am Rhein geboxen wurde Beeth wen schon seit seiner frühesten Jugend in engste Verbindung mit der Musik gebracht was für seine svätere Entwicklung von großer Bedeutung war. Sein Name wurde zuerst als der eines hervorragenden Pianisten und Organisten bekannt, und erst viel später nahm das Schaffen eigener Werke den größten Platz in Beethovens Leben ein. Der Boden, der ihm zur segensreichsten Basis für seine musikalische Laufbahn wurde, war Wien, wo er mit Mozart und Haydn in Berührung kam. In den Werken seiner ersten Schaffensperiode ist der Einfluß Mozarts unverkennbar, doch in seinen späteren Werken gelangte er zu vollkommen neuen Pfaden und rang sich in seinem Schaffen ganz zu seiner
eigenen Persönlichkeit durch. Zu dem Streben nach Schönheit und Klarheit trat dasjenige nach Charakteristik, nach Vertiefung des Ausdrucks und Bereicherung der musikalischen Mittel. Im Zuge dieses Strebens erschien im Jahre 1800 unter anderem die erste seiner neun Symphonien sowie die ersten Quartette. Doch schon in dieser Zeit, also noch in der ersten Hälfte seiner komposilorischen Schaffenszeit, stellten sich beginnende Anzeichen jenes unheilvollen Ohrenleidens ein, das dann später zu völliger Taubheit führen sollte. Nun widmete er sich nur noch seinen Kompositionen, da er weder als Pianist, noch als Dirigent oder Lehrer noch wirken konnte Diese Wendung fällt ungefähr in das Jahr 1803 und vonimn an können wir die reifste und fruchtbarste Sthaß
fensperiode des Meisters beobachten in der auch das Verständnis seiner Werke Bahn zu brechen begann Ein Markstein auf dem künstlerischen Wege des Meisters und damit in der Musikgeschichte überhaupt ist die III Symphonie, die Eroica, deren Gedankengehalt die ureigenste Prägung seines Geistes zeigt. Seit 1804 beschäftigte sich Beethoven mit einer dramatischen Arbeit. aus der dann nach mehreren Umarbeitungen die uns heute vertraute Oper „Fidelio“ entstand. Zu besonderer Bedeutung gelangte unter Beethovens Händen die Sonate, der er mit der tique, der Appassionata und der Mondscheinsonate höchsten geistigen Inhalt gab Das größte unter seinen Werken bleiben jedoch die Symphonien, deren gewaltiger Abschluß die Neunte ist, in der Beethoven zur
Bewältigung des ungeheuren Stoffes die vokale Musik mit der instrumentalen vereinigt. Schillers Hymnus „An die Freude“ ist der Mittelpunkt dieser gewaltigen Tonschöpfung, die in ihrer Art keine zweite neben sich kennt.
Eine Fahrt im Dezember 1826 nach Wien warf Beethoven auf e Krankenlager, von dem er sich nicht mehr erheben sollte. Standhaft trug er diese letzten Leidenstage: jedoch am 26. Mänz 1827 entriß der Tod Beethoven der Menschheit, die er so unendlich bereichert und beglücktihat und die er ewig neu beschenlken wird mitseinen unsterblichen Werken. 3
OH BEL ENFANT JESUS
Von Marguerite Janson
Am Nachmittag jenes Weihnachtstages — es war der vierte meines Lebens und der erste. der mir in Erinnerung geblieben ist — verbreitete sich eine wundersame Kunde durch unser Haus: die Morgenpost hatte einen Brief gebracht aus Goldpapier mit himmlischen Siegeln, auf dem in azurnen Schriftzügen der Besuch des Christkindes für den Abend in Aussicht gestellt war. Keiner hatte zwar den Brief gesehen. Das Gerücht quoll zusammen mit mannigfach herrlichen Gerüchen aus den Fugen der Küchentür, wo Tante Alice unter Ausschluß der öffentlichkeit ihr geheimes Wesen trieb. Man durfte nicht hineingehen und sich erkundigen, wollte man nicht die Harmonie der Vorbereitungen und der Tante gute Laune gefährden. Und da auch alle übrigen kompetenten Leute hinter
verriegelten Türen unsichtbar blieben, so blieb einem nichts übrig. als diese zusätzliche Aufregung mannhaft zu tragen und sich bei seinesgleichen um einige Aufklärungen über den himmlischen Gotha umzutun Zu „meinesgleichen“ gehörten zwei Buben und Großmama, lauter Wesen also. die im Wunderbaren zu Haufe waren und gerne ihr Wissen mit mir teilen wollten. Sie hoben mich im Laufe des Nachmittags abwechselnd auf ihre Knie, um mir den Weihnachtshimmel zu eröffnen: das K stkind war, nach ihrer einmütigen und un
angezweifelten Aussage, ein zart=süßes Kindelein, lieblich von Angesicht, mit wissend gütigen Augen und seidenen Ringellocken. Es gehörte dem lieben Gott. Aber seit es vor vielen, vielen Jahren einmal richtig gelebt, gelacht und geweint hatte wie wir, so war es den Menschenkindern in Freundschaft verbunden geblieben. Das Geburtsfest des himmlischen Kindes sei fortan der schönste Tag der irdischen Kinder, und manchmal komme es auch herunter, sie zu besuchen. Großmamas Darstellung wich einzig darin von derjenigen der Knaben ab, daß sie an sein greifbares Erscheinen nicht glauben wollte. Nachdenklich, ängstlich fast schüttelte sie den Kopf zu ihren vehementen Beteuerungen. Man könne es nur mit dem Herzen sehen oder etwa nachts einmal seine holde
Gegenwart fühlen, wiederholte sie mit der sanften Hartnäckigkeit eines Menschen, der machtlos eine Katastrophe nahen sieht. Trotzdem ließ sie uns unsere Verslein repetieren. Von einer ganz neuen Seligkeit erfüllt schienen mir jetzt die Worte: „Oh bei
enfant Jésus, doux et pur agneau ...“, und ich saate sie nicht ohne ein süßes Würgen in der Kehle wie von ungeweinten Freudentränen.
Der Nachmittag rann in den Abend über Es kam die Stunde, da wir unterm Lichterbaum standen und mit vor gutem Willen und Erregung leise scherbelnden Kinderstimmen zu Mutters Klavierbegleitung „Stille Nacht, heilige Nacht“ sangen. In die letzte Strophe fiel ein ferner Klingelton, offenbar verfrüht, denn Tante
Alice hob mit der Miene, eines unzufriedenen Regisseurs die Schultern, bevor sie öffnen ging Angstliche, freudige, erwartungsvolle Blicke kreuzten sich, und endlich trat das Christkind ein.
Vielmehr: es wurde hereingeschoben. Ließ sich ergeben von der Schwelle aus zwei Schritte schieben, doch keinen darüber, um nichts in der Welt einen Schritt näher zum lichterstrahlenden Weihnachtsbaum! Flitterbehangen stand es nun dort wie ein betrübtes Opferlamm, angetan mit einem weißen Nachthemd Tante Alices. Ein Diadem krönte sein durch Schminke unkenntlich gemachtes Gesicht. Flügel baumelten an seinem fleischigen Rücken, über dem sich außerdem dünne Haarsträhnen ergossen wie bei einer ältlichen Wagnerdarstellerin. Aus den Armelenden aber wuchsen, vollerblühten Pfingstrosen gleich, zwei gute, rote, wohlbekannte Hände.
Wie aus weiter Ferne schlugen die plätschernden Stimmen der versleinaufsagenden Buben und ihr gutmütiges „danke Christkind“ an mein Ohr Im Hintergrund grollte das tiefe Organ meines Vaters. „Du treibst den Eifer und die Naivität wirklich zu weit, liebe Alice.“ Ich aber fühlte mich um alle Wahrheit, um alle Schönheit und alles Gute betrogen „Oh. bel entfant Jésus. doux ei pur agneau“ dachte ich emport und überlegte angelegentlich, ob ich den Muni groß a ufreißen und losheulen wolle in hohen schrillen Tönen oder ob ich den neubeschuhten!:
Fuß gegen die Usurpatorin heben solleTante Aliee oder gegen die ganze Welt! Ja gegen diese Welt der Großen, die nicht wußten.. die nicht verstanden
Das Christkind selbst hielt mich davon ab, indem es mir mit einer unbeholfenen und wie um Entschuldigung bittenden Geste. mit einer ganz schlichten, mütterlichen Gebärde eine Puppe hinstreckte Da schloß ich die Angen. nahm das Geschenk entgegen und sagte einfach: „Merch, Verta.“
Daraufhin verlor das Christkind den letzten Rest von Contenance und verließ fluchtartig das Zimmer, um bald in einer weißen Küchenschürze wieder zu erscheinen Großmama strahlte. Als sie aber Tante Aliees Augen auf sich gerichtet sah, legte sie ihr Gesicht in ernste Falten und sagte: „Il n"y a plus d"enjants“. Die Mutter saß noch am Klavier und brauchte nur die Hände auszustrecken, um mit Johann Sebastians Hilfe echte. gläubige Weihnachtsfreude wieder in den Raum zu zaubern
Seither ist das Christhind nie mehr in menschlicher Gestalt in unser Haus gekommen. Dafür aber halten wir es mit unseren alten Bräuchen, dem Christbaum oder der Weihnachtskrippe und den Gaben darunter. obwohl auch sie den prüfenden Kinderaugen mitunter nicht standhalten Und seit wir ohne Figuranten auskommen, will sein samerweise gerade jeder Hausbewohner irgendwo das Christkindl erblickt haben.
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