Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:12
- S.61
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Rontag, 17. Dezember 1945
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Brotkürzung vorübergehend — bis zum Einlangen der Weizentransporte
General Bethouart empfängt führende Persönlichkeiten
Am 15. Dez. empfing General Bethouart, französischer Oberkommandierender in Österreich, in Gegenwart des Herrn Administrateur General Boizard, Chef der französischen Militärregierung in Österreich, verschiedene Persönlichkeiten.
Nacheinander empfing er Dr. Gamper, VizeLandeshauptmann, Herrn Wechner, Provikar, Vertreter des Bischofs, Dr. Platzgummer, Vorsitzender des Landtags und der Tiroler Volkspartei, Herrn Knechtelsdorfer, Leiter der Gewerkschaften, Stellvertreter des Herrn Hüttenberger, Vorsitzender der SPÖ., sowie Herrn Konczay, Vorsitzender der KPS.
Die Verhandlungen, die in einer Stimmung gegenseitiger Einvernahme verliefen, behandelten verschiedene politische und wirtschaftliche Fragen. Insbesondere wurden die Probleme der Ausrottung des Nazismus sowie der Versorgung besprochen. Diesbezüglich gab General Bethouart seinen Hörern die Kürzung der Brotrationen bekannt. Diese Kürzung, die nur als vorübergehend zu betrachten ist, ist Folge der Transportschwierigkeiten. Die vorherige Ration wird wieder eingesetzt werden, sobald die erwarteten Weizensendungen in unserem Besitze sind.
Ländertagung der Österreichischen Demokratschen Freiheitsbewegung
Bregenz, 15. Dez. Am 14. und 15. Dezember versammelten sich in Bregenz die bevollmächtigten Vertreter der Widerstands= und Freiheitsbewegungen aus ganz Österreich mit Ausnahme von Kärnten. Die Freiheitsbewegungen haben den Alliierten den besonders auf der Moskauer Konferenz geforderten Beitrag zur Befreiung österreichs durch ihren schweren Kampf in den Jahren 1938 bis 1945 geleistet. Die zahlreichen Opfer des Freiheitskampfes sind ihre stillen, aber beredten Zeugen. Die ideologischen Werte jener harten Zeit sind lebendig und bilden die geistige Grundlage der Freiheitsbewegung. Die Freiheitsbewegung lehnt jede gewaltsame, militante oder faschistische übermachtung des Volkswillens ab und unterstützt als zwischenparteiliche Organisation alle Kräfte,
die dem demokratischen Aufbau österreichs dienen wollen.
Bei der in Bregenz tagenden Länderkonferenz der Widerstands= bzw. Freiheitsbewegungen Österreichs, bei der alle Bundesländer vertreten sind, erfolgte der Zusammenschluß dieser Organisationen zur Ö D F B. (Österr. Demokr. Freiheits=Bewegung). Die Tagung hat gleichzeitig mit Genugtuung zur Kenntnis genommen, daß noch vorhandene Splittergruppen sich aufgelöst haben. Somit stellt die 8DFB. eine geschlossene und einbitliche Organisation für ganz Österreich dar.
Riteilung der Österreichischen Demokratischen Freiheitsbewegung
Die Landesleitung der Österreichischen Demokratischen Freiheitsbewegung in Tirol ersucht uns mitzuteilen, daß die Auflösung der Österreichischen Widerstandsbewegung in Tirol in keiner Weise die Österreichische Volkspartei berührt.
Tod in den Bergen wegen mangelnder Ausrüstung
Im hintersten Zillergrund wurde in diesen Tagen von einer Streife der Zollwache Mayrhofen die Leiche des Elektromechanikers Anton Rozza aufgefunden. Der 1905 in Wien geborene Tote wollte am 30. September 1945 mit seiner Begleiterin Kathi Jungmann, zuletzt wohnhaft in Bregenz, nach Südtirol hinüber. Obwohl schon ein Meter Schnee lag und trotz der Warnung der Einheimischen, ließen sie von ihrem Vorhaben nicht ab. Beide waren für eine Bergtour in dieser Jahreszeit äußerst mangelhaft gekleidet und ausgerüstet, so daß sie vermutlich wegen Erschöpfung oder durch Erfrieren umgekommen sind. Da Frl. Jungmann bisher in St. Peter, wo sie Verwandte besuchen wollte, nicht eingetroffen ist, muß man befürchten, daß auch sie den Tod in den Bergen gefunden hat.
Tiloler Maler stellen aus
Innsbruck, 16. Dez. Das Volkskunstmuseum in der Universitätsstraße gibt den stimmungsvollen und gediegenen Rahmen für die erste, unter dem Ehrenschutz des Landeshauptmanns von Tirol stehende Ausstellung der Künstlervereinigung „Der Bund Tirol“.
Nach einer musikalischen Einleitung eines Streichquartetts hielt der Leiter des Kulturinstitutes Landtagsabgeordneter Dr. Groder eine Eröffnungsansprache, in der er die Abwesenheit des durch Krankheit verhinderten Landeshauptmannes von Tirol bedauerte, und Herrn Haller, dem Obmann des „Bundes Tirol“ und verdienten Förderer der Ausstellung, sowie dem als Vertreter der Besatzungsbehörden in Begleitung seiner Frau Gemahlin erschienenen Oberst Lebeau für die Unterstützung der Bestrebungen des Künstlerbundes dankte.
„Der Bund Tirol“ hat sich zum Ziel gesetzt, auf seinem Schaffensgebiet, aus dem Boden, auf dem er steht, die besten Kräfte zu saugen. Er blickt mit froher Zuversicht in eine Ara, in der die Kunst nicht mehr Propaganda ist, sondern Ausdruck echt und tief empfundenen Erlebnisses.
Diesen Worten des Redners folgte der Gang durch die einfach, aber geschmackvoll ausgestatteten Kojen, in denen neben den eigenwilligen Werken des Seniors der Tiroler Malerei, Friedrich Hell, die der jungen Generation ihren Platz gefunden haben. Schon den ersten Außerungen des Publikums war zu entnehmen, daß diese Ausstellung der jungen Tiroler Künstler den Widerhall in der öffentlichkeit gefunden hat, auf den sie als Ansporn zu weiterem fruchtbarem Schaffen zu hoffen wagte.
Der „Bund Tirol“ lädt ein! Tiroler, kommt und lernt die Künstler eurer engeren Heimat in ihren Werken kennen! U.
Französisch=Österreichischer Verband (Féderation
France=Autriche)
Dienstag, den 18. Dezember, 20.15 Uhr, im Hotel „Grauer Bär“ Vortrag von Colonel Gadoffre: „Der Geist der französischen Musik“ (in Verbindung mit Schallplatten).
Verhaftung
Von der Innsbrucker Polizei wurde der 1922 in Beuthen geborene Arbeiter Hubert Novara verhaftet. Er war bei einem Bauern in Thaur nur zwei Tage lang beschäftigt; er benützte die Lokalkenntnisse dazu, um in dem Bauernhaus zwei Einbrüche zu verüben und Lebensmittel, Kleider und Bargeld wegzuschleppen. Ein Teil des gestohlenen Gutes konnte zustande gebracht werden.
Fahrt in"s Ötztal
Von unserer ständigen Mitarbeiterin Irmgard Schulz
Hei, wie der Schnee aufstäubt unter den eiligen Rädern! Das kleine Auto flitzt nur so durch die winterliche Landschaft.
Winter in Tirol!
Man muß es nicht in Schlagzeilen von den Wintersporthotels lesen. Man muß nicht einmal in sausender Skifahrt hoch vom Hang in die Tiefe stürmen, um von der ganzen Herrlichkeit dieser Vorstellung erfüllt zu sein. Man braucht nur so, wie jetzt wir, ein Tal sich erschließen sehen in überraschenden Ausblicken und Biegungen der Straße. Man braucht nur den frischen Schnee wie Wolle an den dunklen Waldbäumen und darüber die Kuppe des Berges sehen in seiner Winterpracht. Da vergißt man voll Begeisterung und voll Liebe zum eigenen Land, daß Winter auch und besonders heuer Not und Sorge und Entbehrung bedeutet.
Immer rühmt man am Bauer vom Land, daß er alles habe, was wir nicht haben. Holz und Butter und Milch. Aber selten denkt man nach, welche harte Fron das Jahr des Bergbauern ist. Wenn er oft keinen ebenen Schritt Boden sein Eigen nennt, wenn er das gebündelte Almheu, im Sommer mühsam getragen, und die schweren Holzfähren im Winter zum Hof befördern muß, der oft selbst stundenlang von jeder größeren Siedlung entfernt ist.
So sind Gedanken und Gespräche vielerlei, während wir an dem schönen, bekannten Ötz vorbei durchfahren bis Umhausen.
In dem hübschen, modernen Hotel „Krone“ wärmen wir uns erst einmal tüchtig ein.
Freundlich erscheint der Herr Wirt, gefällig zeigt uns die liebenswürdige Hausfrau die echte alte Bauernstube im oberen Stock. Nach einer halben Stunde ist der Gottesdienst vorbei und nun füllt sich die geräumige Veranda des Gasthofes „Tiroler Adler“ mit einer Schar alter und junger „Tölderer“ In einer sehr markanten Versammlung lauschen sie aufmerksam der Rede des Landesbauernführers Landesrat Josef Muigg, der zur gewissenhaften Erfüllung der Ablieferungspflicht mahnt und aufruft. Großes Interesse wird auch den Ausführungen des Direktors der Landesbauernschaft Dr. Ing. Franz Lechner zur Detaillierung des neuen Schillinggesetzes entgegengebracht. Bezirkssekretär Wallnöfer von Imst spricht ebenfalls ermunternde und verpflichtende Worte.
Der Bürgermeister von Umhausen erzählt uns in schlichter Weise von seiner Gemeinde, die mit derzeit 1600 Einwohnern, davon 200 als Flüchtlinge und Südtiroler Umsiedler, auch noch die Fraktionen Esten, Tumpen, Niedertei und Köfels umfaßt.
In drei Klassen Volksschule werden 120 bis 130 Schüler und Schülerinnen von einem Oberlehrer und zwei Lehrerinnen auf das beste be treut.
Groß ist die Sorge um die Heimkehrer. Viele sind schon zurückgekehrt, aber immer noch sind 70 bis 80 ausständig, um die das Fragen und Bangen weitergeht
Was irgendwie geeignet und entbehrlich ist, wird zur Holzschlägerung in den Gemeinde
und Eigenwäldern verwendet. Was hier in der Stadt und weiterhin als Holzbedarf anfällt, wird in Hunderten von Tagschichten mühseliger Arbeit und Hunderten von Raummetern auch aus unseren Tälern beschafft. Das ist bei der Schwierigkeit der Beschaffung von Verkehrsmitteln und passenden Werkzeugen eine Leistung.
Bevor wir nach dem Mittagessen das Dorf verlassen, sucht unser Blick die verschneiten Bergwände ab, wo, kaum erkennbar in Grau und Weiß, hoch oben ein paar Bauernhöfe stehen: Farst. Drei davon brannten in diesem heurigen Brandjahr nieder. mit einem dieser Abbrändler hatten wir gerade vorher gesprochen. Eifrig sorgt und plant die Gemeinde für die Betroffenen. Auch das Bildnis des „Mistapostels“ schauen wir uns noch an 1817 in Ötz geboren. 1845 zum Priester geweiht, wirkte er 22 Jahre als Kaplan in Köfels und durchwanderte während dieser Zeit immer wieder ganz Tirol, in landwirtschaftlichen Lehrvorträgen der Bevölkerung wichtige Aufklärungen bringend.
Schwach kämpft sich die frühe Nachmittagssonne durch die tiefer hängenen Nebelschleier, empfindlich bläst uns die Talluft an. Wir fahren zurück.
In Ötz biegen wir seitlich ab und kommen mit unserem Wagen über eine steile Kehre hoch bis zur neu erstandenen Siedlung
Schrofen.
Hier schlugen vor einem Jahr Hunderte von Brandbomben in die morschen Bauernhäuser ein, innerhalb weniger Stunden uraltes Besitztum vernichtend Nun steht zum Großteil schon fertig eine neue schmucke Siedlung da. Rot leuchten die Ziegelbauten, durch halbfertige oder schon fertige geräumige Wohnstätten führt uns Baurat Ing. Weingartner. Unter seinen fachkundigen Erklärungen lernen wir die Schwierigkeiten dieses Bauens auf knapp über der Talsohle liegenden Grund verstehen. Wir bekommen ein Bild von den vielen notwendigen Bemühungen zur Errichtung eines neuen Heimes in dieser Zeit. sind Heime, die praktischer und zweckmäßiger sind als das Haus der Ahnen und dadurch den Abbrändlern den Verlust leichter ertragen helfen. Wiederum plaudern wir mit
dem Bürgermeister des Ortes.
Hier in Ötz ist wohl noch jeder verfügbare Platz mit Flüchtlingen, die nicht heim können, vollgestopft, die Belastung der Gemeinde dadurch groß. Aber trotzdem wird geholfen, wenn es nur geht. „Wir werden es schon erpacken. Hauptsache, daß einmal der Krieg aus ist.“
Heimkehr.
Nun müssen wir uns aber beeilen. Die Dämmerung kommt rasch und bevor es „zunachtet“, wollen wir noch ein wenig in dem gemütlichen, geschmackvollen Bürgermeisterstüberl von Zirl sitzen. „„
Schwerer dunkler Winteravend, da wir in die Stadt einfahren Voll sind die Lungen von der reinen Winterluft, wir springen aus dem Wagen und wünschten, gleich so fest auf beiden Füßen zu stehen, wie wir es gesehen haben von den Bauern in den Bergen.
Gemeinschaft der Ruhestandsbeamten und Beamtenhinterbliebenen des Landes Tirol. Der Si
cherheitsdirektor der Landeshauptmannschaft Tirol hat in Verfolg einer Verfügung der französischen Militärregierung die Wiederaufnahme der Tätigkeit als unpolitischer Verein gestattet, wovon die Mitglieder hiedurch in Kenntnis gesetzt werden. Bis zur Einrichtung der neuen Kanzlei und Aufnahme der Sprechstunden, bzw. Wahl der Vereinsfunktionäre sind eventuelle Anfragen nur im schriftlichen Wege an die derzeitige Landesstelle: Innsbruck, Claudiastraße 18, zu richten. Die Mitgliedsbeiträge sind in gleicher Höhe wie bisher mittels Zahlkarte oder Postanweisung an Herrn Anton Stürzenbaum, Innsbruck, Schöpfstraße 24, einzuzahlen.
Hohes Alter. Frau Witwe Notburga Bilek die Schwiegermutter des SchuhmachermeisterAlois Schmied in Hall i. T., feierte am 30. November bei voller Gesundheit ihren 84. Geburtstag. Sie wird von ihrem Schwiegersohn in seiner Wohnung gut versorgt.
Tote
Am 7. Mai hat an der oberschlesischen Front Gefr. Herbert Pamer aus Innsbruck im Alter von 20 Jahren den Heldentod gefunden und ist seinem Bruder Erich in ein besseres Jenseits nachgefolgt. Der Heldengottesdienst ist am 22. Dezember um 7 Uhr früh in der Pfarrkirche Dreiheiligen.
In Innsbruck starben: Josef Kölblinger, Goldschmied, 62 Jahre alt; Josef Huber, Bauer aus Fügen, 62 Jahre alt; Anita Henn, geb. Kroto, Hausfrau, 42 Jahre alt; Lina Seelos, geb. Mösl, Bäuerin aus Baierbach bei Telfs, 54 Jahre alt; Karl Müller, Bauer aus Oberholz bei Lindau, 42 Jahre alt; Josef Kößler, Lokalbahn=Wagenführer, 54 Jahre alt; Alois Hartmann, Postbeamter i. R., 71 Jahre alt.
In Hall starben: Frl. Magdalena Plank, 59 Jahre alt, und Albert Lachmann, Postrat i. P., 66 Jahre alt.
PIGU STAiC von Ernst Zahn
5 Alle Rechte Deutsche Verlagsanstalt Stuftgart
„Wir brauchen Hilfe“ sagte Frau Sixta. „Und
gerade jetzt findet man sie schwer.“
Das hörte sich ihm schon besser an. Er war nicht abgeneigt, den Dank abzutragen, den er ihr für die Gewährung der Nachtherberge schuldig war. über er meinte: „Eigentlich weiß ich bei den Pferden Bescheid. Da taugt man nicht zum Handlanger.“
„Pferde haben wir auch“, sagte Frau Sixta, „aber wie Ihr wollt. Jeder nach seinem Geschmack.“
Sie stand auf. Es verletzte sie nicht, daß er sich so zurückhielt. Es lag darin etwas von ihrer eigenen Art. Aber sie mochte auch nicht länger zunden. Zudem kam jetzt die Kellnerin zurück. Sie verließ die Stube.
Markus saß in sich gekehrt da. Er achtete nicht darauf, daß die blonde Anna wieder da war. das wie ein Band hatte sich ihm umgelegt, etwas, nas ihn festhielt. Er war schon entschlossen, zu bleiben, ohne es noch zu wissen. Es war ihm, als nüßte er von der merkwürdigen Frau und ihrer Umgebung noch mehr kennenlernen.
Die Kellnerin trat an seinen Tisch und begann auch ihrerseits ihn um Weg und Geschäft zu fragen.
Er wich ihr aus. Zerstreut und entgegen seiner bewohnheit weder ihre Hübschheit noch ihre Zuünlichkeit mehr beachtend, gab er Bescheid. Als unach einer Weile sich erhob, um sich schlafen zu
legen, fragte er nach der Wirtin, mit der er noch sprechen wollte.
„Sie ist wohl in der Schreibstube“, antwortete die Anna. „Da darf man sie nicht stören.“ „Schreibstube?“ fragte Markus gedankenlos. „Ja“, bestätigte die andere eifrig. „Sie hat immer die Bücher geführt und mit der Sekretärin zusammen alle Schreibereien besorgt. Es gibt viel davon in dem großen Betrieb.“
„Wenn Ihr sie noch seht“, sagte Markus, „so sagt ihr, daß ich hierbleiben will, solange sie mir
Die Anna feixte: „Ei, schön! Herr Kollege also!“ Und sie bot ihm die Hand. Der Fremde gefiel ihr, wie schon mancher andere.
Er reichte ihr die seine, aber er gab ihr den bedeutsamen Druck nicht zurück, mit dem sie ihn bedachte. Er wünschte ihr gute Nacht und begab sich in seine Kammer.
Die Anna freute sich über den Mann mehr, der im Hause war. Und seine Zurückhaltung steigerte ihre Neugier Sie wollte gern sehen, wie der sich noch anließ.
Markus öffnete sein Fenster und sah in die Nacht hinaus. Sie war kalt und klar und so still, daß die Sterne, die in geringer Zahl, aber mit einem unerhörten Glanz aus dem schwarzblauen Nachthimmel leuchteten, zu tönen schienen, während sie flirrten und flammten. Dann klang aus einem nahen Stall das Geräusch sich regenden Viehs. Markus fuhr sich über die Stirn. Seltsam, wie er hier Statt und Rast gefunden! Hoch über den dumpfen Niederungen! Und morgen gab es Arbeit. Er sah plötzlich so etwas wie ein Ziel nach einer Irrfahrt. Das Herz weitete sich ihm. Und wieder mußte er an Frau Sixta denken. Sie flößte einem eine merkwürdige Achtung ein! Es war
einem wie ein Vorzug, nun in ihrem Dienst zu stehen!
Die Rotmundin hatte an diesem Abend noch lange zu tun. Ihr Erbe war groß, und sie fertigte ein neues Kapitalverzeichnis an. Die Gemeinde Bergmatten, zu der die Paßhöhe und das Wirtshaus zur Brücke gehörten, wollte die Steuer haben. Spät erst schloß sie ihren Schreibtisch. Dann machte sie wie an jedem Abend die letzte Runde durch Haus und Ställe.
Mitternacht war vorüber, als sie ihre Schlafstube aufsuchte.
Diese nahm wohl den Raum dreier Gastzimmer ein. Aber sie war kahl. Kein einziges Möbel, das ein bequemes Ausruhen gestattet hatte, befand sich darin. Selbst das zweischläfrige Himmelbett glich einer harten, großen Kiste. Die beiden Stühle hatten gerade, hohe Lehnen. Der Waschtisch trug Geschirr aus kaltem, gelbweißem Steingut. Es war kein freudiges Gemach, war es nie gewesen.
Frau Sixta legte sich zu Bett. Aber sie vermochte die Gedanken noch nicht vom Werk des vergangenen Tages und neuen ihrer wartenden Aufgaben zu lösen. Sie blieb halb aufrecht sitzen, den Kopf auf den starken, weißen Arm gestützt, von dem der Armel ihres Nachtgewandes zurückfiel. Während sie unten gerechnet und geschrieben hatte, waren die Jahre, die ihr an der Seite ihres Mannes vergangen, wieder lebendig geworden, deutlicher auch der ganze Umfang ihres Besitzes ihr vor Augen getreten. Dieser Besitz bedeutete Reichtum. Sie hatte das längst gewußt, denn obschon Xaver Rotmund selig viel Lärm gemacht und in den Augen der Leute als der Meister gegolten, hatten doch die Zügel des Haushalts und Geschäfts längst in ihrer Hand geruht Aber sie hatte mit
Befriedigung, was sie wußte, bestätigt gefunden.
Sie schätzte die Menschen nicht hoch ein, und sie war froh, von ihnen unabhängig zu sein. Auch von dem Talammann, der ihr heute so eindringlich seine Dienste angeboten. Sie wußte, daß er nach ihr und ihrem Eigentum schielte und zielte. Und sie empfand eine Art grimmiger Freude, daß sie seiner nicht bedurfte. Sie liebte ihn nicht. Wen liebte sie überhaupt? dachte sie. Mit sechzehn Jahren hatte man sie an den reichen Rotmund, den Herrn des Brückegutes, gegeben. Sie hatte sich nicht gesträubt, da er gleich ihre ganze Familie, Vater, Mutter und zwei Brüder, mit ihr zu sich genommen! Aber es sollte sie keiner fragen, was sie dafür in all den Jahren ihrer Ehe erduldet. Der viele Anhang, den sie mitgebracht, war ihr hundertmal vorgehalten worden. Aber das Schicksal
hatte langsam, langsam alle Last abgelöst, erst die zarte, stille Mutter hinweggenommen, die Dulderin, die Trägerin eigener und Mitträgerin ihrer, Frau Sixtas, Bürde. Dann den leichtsinnigen Vater, den es mit dem älteren Bruder zusammen im Winterschneesturm begrub Es hatte den zweiten Bruder durch die Lawine holen lassen und diesem Raubtier des Gebirgs zuletzt auch die Drangsal aller. Rotmund. den Herrn, vorgeworfen. Alles das bewegte Frau Sixta jetzt in ihrem Herzen. Und auf einmal fiel ihr ein, daß sie von diesen Dingen heute schon einmal gesprochen, und sie erinnerte sich des fremden Gastes wieder, den sie im Hause hatte Er wollie dableiben, hatte ihr die Kellnerin noch gesagt. Hm! Mochte er! Er war ein Geschlagener wie sie selbst! überhaupt ein
ungewöhnlicher Gesell! Was war das nur schon für ein Einfall, ohne Zweck und Ziel in die Welt zu fahren Hm! Sie wollte den merkwürdigen Menschen auch der Otti schildern, wenn sie ihr morgen schrieb. (Fortsetzung folgt!)