Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:12

- S.90

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Ausgaben dieses Jahres – 1945
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Seite 8 Nr. 156
Tiroler
Mantag. 24. Dezemher 1945
zbischen Krieg und Frieden
1. Wiederholte Rekord=Weizenernten in Nordamerika ermöglichten die Anhäufung großer Vorräte, aus welchen der gesamte Weltzuschußbedarf an Brotgetreide gedeckt werden kann, sohald genügend Schiffsraum verfügbar ist. Bis Ende des Jahres sollen 19 Millionen Tonnen Weizen allein nac, Europa verschifft werden.
2. Die Viehherden sind fast auf der ganzen Welt zur Deckung des Heeresbedarfes stark dezimiert worden, und selbst in den USA. führten die Rekordschlachtungen zu einem akuten Viehmangel. Kanada hat neuerdings die Fleischrationierung eingeführt, um einen geringen Export nach Europa zu ermöglichen.
3. Rohbaumwolle gibt es erfreulicherweise im überfluß; die Produzenten haben sogar schwere Absatzsorgen; dagegen fehlten bis jetzt die zur Verarbeitung notwendigen Arbeitskräfte. Auch Rohwolle ist in ausreichenden Mengen verfügbar, so daß sich die Lage auf dem Textilmarkt doch rasch entspannen dürfte.
4. Zucker wird noch auf Jahre hinaus ein knapper Artikel bleiben, da die fernöstlichen Plantagen unter japanischer Besetzung schwer vernachlässigt wurden und der Wiederaufbau der europäischen Rübenzuckerindustrie lange Zeit beansprucht. Kuba nimmt gegenwärtig praktisch eine Monopolstellung ein und verlangt einen entsprechend hohen Preis für sein gesuchtes Produkt.
5. Der Weltbedarf an Kaffee ist bei weitem nicht gedeckt. Brasilien, das wichtigste Erzeugungsland, verzeichnet vor allem wegen der überalterung der Plantagen, aber auch infolge ungünstiger Witterung katastrophal schlechte Ernten.
6. In Argentinien zeigt sich, wie sehr die Wirtschaft entfernter Kontinente miteinander verhängt ist. England hat Kohlensorgen und mußte den Kohlenexport nach Argentinien einstellen. Argentinien kann sich nirgendwoanders eindecken und heizt deshalb seine Dampf kessel mit Maiskolben. Infolge der langen Trockenheit verzeichnet es jedoch schlechte Ern ten, so daß es seinen Brennstoffbedarf nur decken kann, indem es die Futtermittelexporte einschränkt, was wiederum die Aufzucht der europäischen Viehbestände verzögert die vom Import des argentinischen Futtermaises abhängt.
7. Das tropische Afrika hat seit Kriegsbeginn als Rohstoffproduzent außerordentlich an Beden tung gewonnen Die Exporte von Ölsaatel und pflanzlichen Speiseölen, deren Europa so dringend bedarf, bleiben indessen hinter den Erwartungen zurück, weil der Ausfall an Reisimporten aus dem Fernen Osten zu einer starken Erhöhung des Konsums von Olfrüch ten durch die Eingeborenen geführt hat. 8. Wie alle Länder, die ihren Bedarf an Indu
strieerzeugnissen vorwiegend durch Importe decken, konnte auch Südafrika seit Jahren
veraltete Maschiten und Transportmittel nicht mehr ersetzen, was die eigene Wirtschaftsentwicklung hemmt und die Ausfuhr von Landesprodukten beeinträchtigt.
9. Nach der überaus starken Steigerung der Erdölförderung fließt am Persischen Golf auch das Geld in Strömen. In der ganzen Welt wird jetzt mehr Erdöl gewonnen und auch die Tankerflotte ist größer denn je, so daß bald überall genügend flüssige Brenn= und Treibstoffe verfügbar sein werden.
10. Der Wiederaufbau in den kriegsverwüsteten Gebieten und der Weiterausbau des Produktionsapparates in der ganzen Sowjetunion haben nach dem neuen Fünfjahresplan Priorität vor der Befriedigung des laufenden Konsums. Noch tragen deshalb die Völker Rußlands den Gürtel sehr enggeschnallt.
11. Zur Verwirkliching ihrer Aufbau= und Ausbaupläne bedarf die Sowjetunion der Auslandshilfe. Sie ist jedoch imstande, dafür mi: Erzeugnissen ihrer intakt gebliebenen Industriezweige, vor allem mit Erdöl und Holz fabrikaten, zu bezahlen.
12. In seinem achtjährigen Verteidigungskrieg ge gen Japan hat China außerordentlich schwer gelitten. Seine Wirtschaft ist desorganisier: Es wird Jahre dauern, bis China seine für den Ernährungshaushalt der übrigen Völker Ost= und Südostasiens so wichtigen ReisSoja= und Maisexporte wieder aufnehmen kann.
13. Die Kriegszeit war für die Walfische eine ausgesprochene Schonzeit und sie haben sich stark vermehrt. Trotzdem sind keine guten Fangergebnisse zu erwarten, weil die europäische Fangflotte im Krieg sehr gelitten hat. Gegenwärtig werden in England einige Verarbeitungsschiffe eingesetzt, die damit erstmals für die Ernährung der europäischen Bevölkerung nutzbar gemacht werden sollen.
4. Die Bereitstellung von Schiffsraum für den Zivilbedarf bildete bis zur Kapitulation Japans das Kernproblem der ganzen Weltwirtschaft. Nun löst sich dieses Problem von selbst doch zeigt es sich jetzt, daß bei den meisten lebenswichtigen Rohstoffen und Waren die Vorräte fehlen, um den verfügbaren Schiffsraum zu füllen — Die Stichworte auf den Schiffahrtslinien bezeichnen die wichtigsten Güter, die auf den betreffenden Routen nach Europa verschifft werden.
15. Naturgummi wird wohl noch auf längere Zeit hinaus einer der knappsten Rohstoffe bleiben da unter japanischer Besetzung die Plantagen in den britischen und holländischen Kolonien nicht gepflegt wurden, anderseits jedoch eine gewaltige Nachfrage herrscht Die malaiischen Gruben werden indessen Zinn, das knappste aller Metalle, bald wieder liefern können.
16. Drückender Mangel an Industrieprodukten und teilweise auch furchtbare Kriegsverwü
stungen werden im gesamten Raum der bisherigen japanischen Machtausdehnung der Wiederankurbelung der für die ganze Weltwirtschaft so unentbehrlichen Rohstoffproduktion in starkem Maße hemmen.
17. In Australien hat die katastrophale Dürre Millionen Schafe vernichtet, und auch die Getreideernte reicht nur für den Inlandbedarf
aus, wenn die Verfütterung stark eingeschränkt wird. Das wird die Ausfuhr von Milchprodukten zumindest stark beeinträchtigen, wenn nicht gar verunmöglichen, 3. Nach jahrelanger Trockenheit und Dürre setzten unlängst in der Südhemisphäre endlich ausgiebige Regen ein — zu spät allerdings für die diesjährigen Ernten.
naraker eter Nackt!
Schnee lag über der Welt und am blauschwarzen Himmel hing funkelnd ein einsamer Stern. Er schien von all seinen strahlenden Brüdern verlassen, aber sein mildes Licht erglänzte so stark, daß die beiden, der rüstig ausschreitende Mann und die blonde Frau, die auf einem zottigen Eselchen saß, ihren Weg fanden.
Immer war der Stern über ihnen. Unbeirrbar sog er seine Bahn und sie folgten ihm. Sie kamen zurch einen tiefen, dunklen Wald, aber auch da chwebte er ihnen voran, glitt über die Wipfe! er Bäume hinweg, von seinem Licht erglänzten ilbern die Stimme und der Schnee schimmerte die ein Tuch aus Seide zu ihren Füßen. Um den kopf der Frau lag ein heller Schein, verklärt uchte ihr Blick immer wieder den Stern. Sie lauschte in sich hinein, spürte, wie etwas mit zagem Finger an ihr Herz klopfte, und sprach zu dem Manne:
„Nun werden wir bald da sein, Joseph!“
Der nickte. Lautlos fiel der Schnee von den Zweigen auf sie herab.
Am Rande des Waldes verhielt das Eselchen den Schritt. Es bewegte seine langen, haarigen Ohren und schnob durch die Rüstern, dann schüttelte es erstaunt den Kopf. Vor ihnen im Schnee stand auf schlanken Beinen ein junges Reh und äugte aus glänzenden Lichtern herüber. Neben ihm saß auf den Hinterläufen ein Hase, machte neugierig Männchen, die Enden seines Schnurrbartes erzitterten vor lauter Staunen.
„Tirilli“ sang eine Vogelstimme Auf dem verschneiten Zweig einer Tanne saß eine Blaumeise. legte das Köpfchen zurück, über der kleinen Kehle wölbte sich das seidige Gefieder. „Tirilli“ immer wieder trillerte das Vögelchen sein Lied. Es spreizte den Schnabel weit auf und konnte sich gar nicht genug tun.
Der Stern war schon ein gutes Stück weiter sewandert, und da ergriff der Mann des Eselchens Halfterband und führte es weiter Rehlein. Häs lein und Vögelchen aber folgten ihren Spuren els gehörten sie mit dazu.
Inzwischen waren vom Himmel zwei Engel her ibgestiegen Sie trugen ihre langen, faltigen Ge wänder gerafft und hielten die Last die sich darinnen verbarg, mit beiden Händen fest. Langsam schwebten sie der Erde zu In ihren Flügeln, weis wie Schwanengefieder, erglänzte das Licht des einsamen Sternes.
An einem Hüttchen, das ganz verloren in der weißen, schweigenden Einsamkeit stand, hielten sie an. Sie öffneten die Tür, die lose in den Angeln hing. Wie kalt es hier drinnen war. Schnee und
Von Nellie Porten
Wind kamen durch die Ritzen der Wände, ach, ewar nicht viel mehr als eine Scheune, ein Stall, so ärmlich und ohne jeden Schmuck.
Die Engel öffneten ihre Gewänder. Ein Bündel Stroh und ein Bündel Moos hatten sie hierhergetragen und nun begannen sie ihre Arbeit
Mit flinken Händen verstopfte das eine mit dem weichen Moos die Ritzen und Spalten, damit Kälte und Schnee nicht mehr herein konnten. Das andere schichtete das Stroh, das glatt und glän zend wie Gold war, auf einer Krippe, strich immer wieder mit den Händen darüber hin, damit es schön glatt läge und weich sei.
Sie mußten sich beeilen, die kleinen Geschöpfe, denn dort, vor den schneeüberwehlen Hügeln tauchten schon die Erwarteten auf. Der Stern schwebte jetzt dicht über ihnen. Das Eselchen nickte bei jedem Schritt bedächtig mit dem Kopf. Das Gesicht der Frau war weiß wie ein Blumenblatt, bevor es der Hauch der Morgenröte tifft, des Mannes Shritt war eilend. In weitem Abstand folgten die Tiere des Waldes.
Nun war die Hütte gerüstet zum Empfang. Der Stern stand still, grad über dem schindelgedeckten Dach, er verbreitete Helligkeit und Wärme und tauchte alles in sein magisches Licht.
Sanft hob der Mann die Gefährtin von dem Rücken des Eselchens herab und führte sie über die Schwelle. Die Tür zur Welt fiel hinter ihnen
Tief neigten die Engel ihre Häupter, ihn schneeweißen Flügel waren der einzige Glanz in diesem Raum der Armut.
Die Tiere kauerten sich in eine dunkle Ecke, das Vögelchen versteckte den Kopf in den Federn und war im Nu eingeschlafen Die Frau sank mit eschlossenen Augen auf das Lager aus Stroh, ihr zu Häupten stand der Mann. Draußen flirrte der Stern und ließ den Schner silbern erglänzen
Die beiden Engel raften ihre Gewänder und verließen auf leisen Sohlen den Raum ten ihre Arheit getan, nun hieß es noch ein Weilhen warten, bis sie Hallelujg singen durften, stechts und links vom Eingang knieten sie nieder ind hielten Wache
Dann kam der Ruf der Glocken erst leise und ögernd. dann immer tiefer anschwellend So er hatten sie den Weg gefunden, nun riefen sie ihre Botschaft über die Erde:
„Christ ist erstanden!"
Jubelnd fielen die Engel in ihr Hallelusu ein und schon nahten die drei Weisen aus dem Norgenlande, um dem Kinde ihre Gaben darzubringen ..