Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:12

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Seite 12 Nr. 158
Tirolek Tageszellung
Montag, 24. Dezember 1943
Aür Radt Aiser Zaita
Ansere Heimkehrer
Aus der Umgebung von Toulouse (Frankreich) ist neuerlich ein Transport von Kriegsgefangenen im Auffanglager Reichenau angekommen, der sich wie folgt zusammensetzt:
598 für die englische Zone 220 flr die französische Zone 123 für Wien
424 für die amerikanische Zone.
Unsere Polizisten als Weihnachtsmänner
Das war einmal etwas anderes als das „Sie. herunter vom Trittbrett — wie ist Ihr Name? 3 Schilling Strafe!“ — Die Polizei hat am 22. Dezember um 5 Uhr nachmitags 54 Kinder aller politischen Parteien — je 15 von jeder Partei und den Rest von im Kriege gefallenen ode: vermißten Vätern aus den Reihen der Polizei — mit ihren Eltern zu einer stimmungsvollen Weihnachtsfeier im Direktionsgebäude in der Sillgasse und beschenkte die Kleinen so reichlich mit Gaben, die zu 90 Prozent von den Polizeiangehörigen selbst aufgebracht worden waren. daß so manches der Kinder gleich nach der Bescherung in seliger Selbstvergessenheit im großen Speisesaal der Direktion mit dem eben empfangenen Pferdchen oder der Eisenbahn zu spielen anfing und daß so mancher Mutter
Tränen der Rührung und der Freude über die Wangen liefen angesichts der vielen Dinge, die man jetzt so gut brauchen kann: Wolle, Stoff, warmes Unterzeug für den Mann, eine Keilhose usw.; dazu Lebensmittel und andere nützliche Dinge des Alltags. Unsere braven Polizisten hatten sich gehörig ins Zeug gelegt und den größten Teil des prachtvollen Spielzeugs in ihrer Freizeit selbst gebastelt.
Darüber hinaus aber bewiesen sie mit der Einladung von Kindern aller drei politischen Parteien, daß sie ihre Aufgabe überparteilich auffassen und schließlich, daß ihnen daran liegt, mit der Innsbrucker Bevölkerung in einem herzlichen Verhältnis zu bleiben oder, wie es der Obmann der Personalvertretung ausdrückte: „Die Bevölkerung soll den Polizeimann nicht als gefürchteten Mann durch die Straßen gehen sehen, sondern als Beschützer und Retter.“
Die Feier im großen. mit Rot=Weiß=Rot und Tannengrün liebevoll geschmückten Speisesaal des Direktionsgebäudes nahm einen würdigen und eindeucksvollen Verlauf. Nach einleitenden Märschen der von Oberleutnant Ringer erst vor zwei Monaten unter unvorstellbaren Mühen ins Leben gerufenen Polizeimusikkapelle leitete Oberstleutnant Wunsch, dem das Hauptverdienst an dieser schönen und hochherzigen Geste der Polizei zukommt, mit schlichten. gemütvollen Worten eine Ansprache des Polizeidirektors Dr. Junger ein, der die Anwesenden, Kinder und Eltern, begrüßte und dem Gefühl der Verbundenheit zwischen Polizei und Bevölkerung Ausdeuck gab. Hierauf erfolgte die Bescherung durch Frau Herma Junger, die charmante Gemahlin des Herrn Polizeidirektors,
unter deren Ehrenschutz die Weihnachtsfeier stand. Lieder und Märsche der Polizeimusikkapelle und zum Schluß „O du mein Österreich!“ ließen diesen Abend ausklingen, der jedem, der ihn miterlebte, in dankbarer Erinnerung bleiben möge. Leo Ulbrich.
Weihnachtsfeier der Bünken
Nach altem Brauch hat das Blindenheim am 20. Dezember seine Freunde zu einer schlichten Weihnachtsfeier eingeladen. Das Heim, das die letzten Jahre gut überstanden hat — einer der letzten Bombenangriffe auf Innsbruck ist ihm bedenklich nahe gegangen — ist heute überaus stark besetzt. Mehrere Kriegsblinde haben bereits dort Aufnahme gefunden, um für einen neuen Beruf umgeschult zu werden. Auch die Schule für blinde Kinder, die seit einigen Jahren eingestellt war, ist wieder eröffnet und mit tüchtigen Lehrkräften besetzt. Die Kleinen zeigten durch ihre kindlichen Darbietungen, daß sie mit Fleiß bei ihrer Arbeit sind. Ein besonderer Genuß aber ist es, den Sängern zu lauschen Die Lieder, die mit feinem Ge
schmack ausgewählt und zusammengestellt sind, haben durch den reinen und innigen Vortrag es wohl verstanden, die Zuhörer in die richtige Weihnachtsstimmung zu versetzen, Hirtenlieder, von einer Blockflötengruppe gespielt, leiten zu dem von lauter Blinden dargestellten Krippenspiel über. Ich glaube, der alte Reimmichl müßte selber seine helle Freude haben an der urwüchsigen Echtheit dieser Wiedergabe. So ließ der Abend, der am Dreikönig abend um 3 Uhr nachmittag eine Wiederholung finden wird, alle Besucher einen Einblick tun in ein Stück prächtiger, stiller Aufbauarbeit aus dem Geist christlicher Liebe. Man möchte nur von Herzen wünschen. dag das große soziale Werk der Anstalt nicht nur von seiten der Behörde, sondern auch der Bevölkerung, besonders
durch die Neubelebung des verdienstvollen Blindenfürsorgevereins die beste Förderung erfahre!
Christkindls Einzug in Mayrhofen
der Grinser Bevölkerung über die Not ihres Schicksals hinweghelfen werden. Herr Dr. Albert Nöbl versprach im Namen der Grinser Bevölkerung die erwiesene Hilfe nach besten Kräften
zum Wiederaufbau einer neuen Dorfgemeinschaft zu verwenden und mit eigenen Kräften mitzuhelfen und alles zu tun um diese bewiesene Hilfe durch die eiserne Tat zum Nutzen des Wiederaufbaus eines neuen Grins — hoffentlich im Jahre 1946 — zu verwenden.
Schadenfeuer in Landeck
Die Landecker Feuerwehr mußte diese Woche schon zweimal zu Löschaktionen ausrücken. Am 17. Dezember brannte der Dachstuhl eines von der Besatzungstruppe belegten Wehrmachtmiethauses aus ungeklärter Ursache fast völlig aus. Es gelang, den Brand zu lokalisieren und zu löschen. Am 19. Dezember abends ging zum anderen Male die Feuersirene, denn in der Fabrik der Textil=A.=G. war im Wollstock, wahrscheinlich durch Selbstentzündung, ein Feuer ausgebrochen, das beträchtliche Mengen Zellwolle vernichtete. Die automatische Löschanlage der Fabrik (Berieselung) setzte sofort ein und konnte den Brand löschen, wobei aber durch die Berieselung weitere bedeutende Mengen Zellwolle zerstört wurden.
H. W.
Das Christkindl hat es sich lange überlegt, ob es heuer schon seinen alten Brauch wieder aufnehmen soll, so wie früher am Sonntag vor Weihnachten Einzug und Umschau zu halten bei den Menschen. Es fühlt sehr gut, daß in diesem ersten Friedensjahr die Menschen in Tirol trotz allem noch nicht die rechte Weihnachtsfreude haben können, ohne daß wir viel über die Gründe zu reden brauchen. Aber da das Christkind von Natur aus neugierig ist, hat es sich zuguterletzt doch noch entschlossen, in Mayrhofen dem Christfest den alten, liebgewordenen Auftakt zu geben. Bei hereinbrechender Dunkelheit zog es durch die Straßen und Gassen der Gemeinde, hielt da und dort an, wo zu seinen Ehren Weihnachtslieder gesungen wurden, denn es hatte ja seinen ganzen Hofstaat
bei sich, die Hirten, die Engel, die Klöpfelsänger; eine kleine Schafherde, die Musikkapelle, fehlte natürlich auch nicht. Auch der französische Platzkommandant hat ihm das „laissezpasser“ nicht verweigert und sogar durch überlassung eines kleinen Maulesels beritten gemacht. Als es dann still und bescheiden das Dorf wieder verließ, so, als ob es sich schämen müßte, diesmal mit fast leeren Händen gekommen zu sein, da gaben ihm die neuen Glocken das Geleite, und der feste Glaube und die Hoffnung, diese stärkste Kraft im Menschenhergen, klangen darin mit, daß es uns versprochen hat, im nächsten Jahr besser ausstafsiert zu sein, als es heuer möglich gewesen ist. A. S.
Dunk der Grinser Abbrändler
Landeck, 23. Dezember. Im Rahmen einer eindrucksvollen Feier in der Kirche von Grins, auf die wir noch näher zu sprechen kommen, dankte der Bürgermeister von Grins, Dr. Nöbl, namens der gesamten Bevölkerung von Grins und in Anwesenheit einer Reihe prominenter Gäste aus Innsbruck, Landeck und Zams, dem Landeshauptmann Dr. Weißgatterer, dem Landesbauernführer Josef Muigg als Obmann des Hilfskomitees für Grins, dem Direktor der Landesbauernschaft Bundesrat Dr. Lechner, dem Bezirkshauptmann in Landeck, dem Herrn Doktor Steinkelderer als Vertreter des Bischofs Dr. Rusch, dem Herrn Dekan von Zams und allen an der Hilfe für Grins beteiligten Stellen für die großmütige Aktion und die zahlreichen Spenden, die eine Aufbautätigkeit in Grins
ermöglichen und vor allem am Weihnachtsabend
Arztlicher Feiertagsdienst am 25. Dezember (von Montag 12 Uhr mittags bis Mittwoch 8 Uhr früh): Dr. Robert Fiala, Ordination Höttinger Gasse 28, Wohnung Stamserfeld 4, Tel. 34 55; Dr. Karl Oberhammer, Adolf=Pichler=Platz 6, Tel. 29 54, bei Nichtmelden 24 94.
Arztlicher Feiertagsdienst am 26. Dezember (von Mittwoch 8 Uhr früh bis Donnerstag 8 Uhr früh): Dr. Walter Köllensperger, Meraner Straße 3, Tel. 38 64; Dr. Edmund Seidl, Pradl, Amthorstraße 28, Tel. 7 67 13.
Apotheken=Sonntags= und =Nachtdienst. Apotheke Zur Triumphpforte, Leopoldstraße 12, und Nordkettenapotheke. Innsbruck=Mühlau, Haller Straße 1.
Von der Straßenbahn überfahren. Am 21. Dezember nach 2 Uhr nachmittags wurde in der Maria=Theresien=Straße beim überqueren der Fahrbahn eine Frau aus Mils von einem Straßenbahnwagen erfaßt und niedergestoßen. Sie wurde in schwer verletztem Zustande von der Rettungsgesellschaft ins Krankenhaus gebracht.
Die Stadtgemeinde Rattenberg am Inn hat den Abbrändlern von Grins den Betrag von 2000 Schilling überwiesen.
Tote
In Innsbruck starben: Kurt Großmann, 26 Jahre alt; Maria Mauracher, Barmherzige Schwester, 66 Jahre alt.
In Kriegsgefangenschaft starb Josef Breitenlechner, Soldat in einem Gebirgsjägerregiment. Bauer zu Vorderbrandter in Oberau bei Wörgl. Der Trauergottesdienst findet am 28. Dezembei in Oberau statt.
Im Kriegslazarett Langenberg, Rheinland, starb am 16. April nach schwerer Verwundung Gefr. Aldo Cigolla aus Thaur, 18 Jahre alt. Der Seelengottesdienst findet in Thaur am 13. Dezember statt.
In Innsbruck starben: Dr. Franz Rei nisch, Hofrat a. D., 73 Jahre alt; Peter Ar quin, Gärtnermeister, 84 Jahre alt. — In der Laurinallee ist am 21. Dezember der 1876 in Salurn geborene, in Innsbruck wonhafte Oberregierungsrat Richard Kohl bewußtlos zusammengestürzt. Der herbeigerufene Arzt stellte bald darauf den Tod durch Herzschlag fest. — In Solbad Hall ist die Schlossermeisterswitwe Anna Dumbowitsch, 68 Jahre alt, gestorben. — In dem Lager Lons Le Saurier (franz. Jura) ist nach diesjährigem Kriegseinsatz im 21. Lebensjahr Robert Recheis aus Solbad Hall gestorben.
Erleichterung bei Geldabhebungen
(Drahtbericht unseres Wiener A.=R.=Korrespondenten)
Wien, 23. Dezember. Nach einer Verordnung der Bundesregierung werden von heute an solgende Erleichterungen von den Beschränkungen des Schillinggesetzes eingeführt:
1. Wenn die auf den Formularen vorgemerkten, den ausgezahlten Umtauschbetrag übersteigenden Beträge nicht höher sind als insgesamt Schilling 200.—, können sie in der Zeit vom 1. Februar bis zum 31. März 1946 bar behoben werden.
2. Die Verfügung bis zu 40 Prozent der eingezahlten Beträge für die im Gesetz angeführten Verwendungszwecke gilt jetzt auch für Einzahlungen aus der Zeit vom 1. bis 22. Dezember 1945, jedoch nur dann, wenn der Verfügungsberechtigte kein ausreichendes Guthaben auf einem aus anderen Terminen stammenden Guthaben hat.
3. Die vorstehend angeführte Erleichterung gilt auch für Betriebe zur Bestreitung notwendiger Betriebsauslagen bis zu einem Barabhebungsbetrag von 500 Schilling und darüber hinaus für Steuerüberweisungen.
4. Wer über ein Konto bis zu Schilling 2000.— verfügt, kann über mehr als 40 Prozent davon verfügen, und zwar wenn er in der Zeit vom 1. bis 22. Dezember 1945 Lohn, Gehalt, Rente oder Pension bezogen hat, bis zu 150 Schilling, ferner über jeden Betrag der in den Monaten Dezember 1945 und Jänner 1946 für Gas=, Wasser= oder Stromrechnungen im Haushalt nötig ist.
5. über die nach dem 1. Dezember 1945 erlegten Beträge kann bis zu 40 Prozent des Standes vom 22. Dezember 1945 ohne Verwendungsnachweis verfügt werden. Öffentliche Körperschaften, politische Parteien und der Österreichische Gewerkschaftsbund können gleichfalls ohne Verwendungsnachweis über 40 Prozent ihrer Guthaben an diesem Tag verfügen.
6. In besonderen berücksichtigungswürdigen Einzelfällen ist das Bundesministerium für Finanzen ermächtigt, auf Antrag weitere Erleichterungen zu gewähren.
österreichtsches Institut
für Kultur und Wissenschaft
Die Fachschaft „Bildende Kunst“ des Kulturinstitutes bittet, von einer Vorlage von Arbeiten zur Begutachtung durch die zuständigen Fachreferenten während der Weihnachtszeit bis zur ersten Jännerhälfte abzusehen. Im neuen Jahr werden die Sprechstunden der Fachreferenten wieder jeden Mittwoch und Samstag in der Zeit von 10 bis 12 Uhr aufgenommen.
Notüber die Nelt lacht
Ausstellung über Weihnachtsbider
un luseum Ferdinandeum
Zum viertenmal hat da Museum Ferdinandeum in diesem so bewegten und ereignisreichen Jahre seine Freunde zu einer Sonderschau eingeladen, die diesmal so recht dazu angetan ist, uns wenigstens für einige Stunden mit jener so lange ersehnten Ruhe und Frieden zu erfüllen, nach denen die ganze Menschheit dürstet. Das Motto dieser Ausstellung erklang einstens aus Engelsmund, das Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus, bonae voluntatis! Der Sinn dieser Frohbotschaft sollte die Menschen nicht nur in den Tagen der Weihnacht erfüllen, er sollte der Leitstern sein für all unser Tun und Handeln, dann könnten si che Katastrophen, wie wir sie jetzt erleben mußten, vermieden werden. Und diesen Sinn zu wecken, zu kräftigen und zu stärken ist eine der
Absichten dieser Ausstellung.
Mit feinem Geschmack und mit viel Liebe hat der Kustos des Museums. Dr. V. Oberhammer, aus den Schätzen des Institutes eine Schau von alten Weihnachtsbildern aus fünf Jahrhunderten zusammengestellt, die am Donnerstag im Beisein eines Vertreters der französischen Behörden und in Anwesenheit offizieller Kreise aus Land und Stadt und vieler Freunde eröffnet wurde. Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch den Vortrag eines alten Südtiroler Weihnachtsliedes, das von einem Männerquartett des Bruder=Willram=Bundes, begleitet von Geigen und Schalmeien, gesungen wurde Den Satz besorgte Prof Dr. A Riester der auch die musikalische Leitung inne hatte Nach der kurzen Begrüßung durch den Vorstand des Museums, Herrn Kommerzialrat. Kunibert Zimmeter,
ergriff
tor Oberhammer das Wort zu seiner Einführung in die Ausstellung, die 28 Nummern Bildwerke.
wir hier in geschmackvoller Weise dargeboten, gedanklich geeint durch den Gegenstand, der seit mehr als anderthalb Jahrtausenden immer wieder ein Lieblingsthema unserer abendländischen Kunst bildete. Diese Ausstellung soll und darf nicht mit der Kälte abwägender Kunstkritik betrachtet werden — geschähe dies, so würde sie ihren Sinn ganz verlieren — sie muß mit kindlich=gläuhigem Herzen betrachtet werden, mit jener eingebornen ungekünstelten Naivität, mit der die Bildhauer und Maler diese heiligen und doch so menschlichen Geschehnisse im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gestalteten.
In feinsinniger Weise sprach Dr. Oberhammer von dem künstlerischen und kunsterzieherischen Zweck, den das Museum mit diesen Ausstellungen verfolgt. Auf die gegenwärtige Weihnachtsbilderschau s#terleitend kam der Vortragende auf die Bedeutung des Gegenständlichen zu sprechen, das hier — scheinbar vom gestellten Prinzip abweichend — in den Vordergrund gestellt wird, aber gerade bei unserem Thema eine ganz andere Stellung des Künstlers zur. Aufgabe notwendig macht als etwa die Darstellung eines von Lichtzaubern umfluteten Stillebens. So stark ist die Bindung des Ge enstandes zum allgemein Menschlichen hin, daß trotz der verschiedenen Richtungen und Stile, die sich in der Gesamtheit der ausgestellten Kunstwerke offenbaren, immer wieder ein
Grundmotiv durchklingt, die Volksliedhaftigkeit die alle stilistisch auseinanderstrebenden Schöpfungen verbindet. Ein zweites Charakteristikum, das eine Gruppe von Werken verbindet, sieht Dr. Oberhammer in der gedanklichen Hintergründigkeit, wie sie jeder Volkskunst anhaftet, al Verkörperung von allgemein menschlichen Vorstellungen, deren Sinn sich zwar oft verwischt, aber durch das Beharrungsprinzip sich erhält. Dr. Oberhammer wies in diekem Zusammenhange auf die seit der Frühgotik übliche rassische Differenzierung bei den
Gemälde m: Leschnungen umfaßt. Werke der gotik übliche rassische Differenzierung bei den
Hochgotik bis zur Kunst der Defreggerzeit finden Drei Königen hin, zu der sich die unterscheidung
in drei Lebensalter gesellt, ein ikonographisches Merkmal, das bis in die Gegenwart sich behauptete.
In den Ablauf der Entwicklung und Entfaltung zwischen diesen beiden Polen künstlerischen Schaffens reihen sich die ausgestellten Kunstwerke ein die pretiösen Tafeln des Wiltener Meisters von 1410 mit seinen ritterlichen Idealgestalten vor geheimnisvollem Goldhintergrund, die innige traute Anbetung des Kindes eines Pustertaler Meisters mit ihrer emailartigen Farbengebung, die große Krippenszene mit der Anbetung des Kindes von Marx Reichlich, in der sich der Realismus der Pachernachfolge in echt tirolischen Zügen und Gepräge offenbart — dasselbe gilt auch für einige spätgotische Reliefs, schließlich das ins Religiöse gesteigerte Mutterthema in dem zauberhaften Tafelbild des Hans Baldung Grien und von da, über Egyd Schor überleitend, zu den immer lauter und
lebhafter werdenden barocken Schöpfungen mit ihren Licht= und Schattenspielen, den lebhaften Gebärden und Bewegungen, den Wundern des Staunens, des lauten Entzückens und mit vollendeter Volkstümlichkeit. wie es auch unzählige Weihnachtslieder aus Nordund Südtirol schildern (Werke von Glantschnigg. Troger, Holzer, Kremer, J. Ph. Greill Mildorfer und Platzer). Heroisierend faßt unser I. A. Koch das Thema auf, wobei das Landschaftliche stark mitspricht. Als vollendetes Genre mit höchster Steigerung und Verseinerung des rein Malerischen klingt das Thema mit dem Sternsingerbild von Alois Gabl aus. Den Schlußakkord in der Reihe müßte das Weihnachtsbild von Egger=Lienz bilden, das das Museum leider nicht besitzt.
Möchten doch diese Ausstellungen dazu beitragen, dem Museum Ferdinandeum recht viele Freunde zu gewinnen, mit deren Hilfe die empfindlichen Lücken in dem Bestand an guten Bildern tirolischer Maler der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Laufe der Jahre geschlossen werden könnten. Dr. Ringler.
„Ja, meinst Hiasl, daß dir bei derer a so warm wird wie da drinnen!?“
„Sie sagten doch, daß Sie mir jeden Wunsch erfüllen würden, Herr Selbstherrlich!“
„Aber mit dem größten Vergnügen, schönes Kind!“ „Dann befreien Sie mich bitte von Ihrer GegenWart.“