Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:12
- S.101
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Donnerstag, 27. Dezember 1945
Tiroler Tageszeitung
Nr. 157 Seite 3
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Gesprechungen bei Geueral Bethouart
In der Reihe seiner verschiedenen Besprechungen empfing General Bethouart, Oberstkommandierender der französischen Besatzungstruppen in Österreich, am Montag, den 24. Dezember 1945, verschiedene österreichische Persönlichkeiten. Die Unterhaltungen fanden statt in Gegenwart von General Voizard, Militär=Gouverneur von österreich, und behandelten Probleme allgemeiner Natur sowie speziell Wirtschafts= und Syndikatsfragen. Nacheinander wurden empfangen: Landeshauptmann Dr. Weißgatterer, Dr. Melzer, Bürgermeister von Innsbruck, Landesobmann Muigg, M. Miller, Präsident der Handelskammer, M. Willberger, Landtagsabgeordneter und Chef der Gewerkschaftsbewegung, und Dr. Hetzenauer, Repräsentant der Christlichen Gewerkschaften.
Mit diesen verschiedenen Persönlichkeiten fand ein großzügiger Gedankenaustausch statt, der vom Geiste guten Einvernehmens und gegenseitiger Verständigung getragen war.
Die Weihnachtsfeiertage in Innsbruck
Erstmals konnten heuer wieder die Weihnachtsfeiertage in Ruhe und in Frieden gefeiert werden. Wenn auch viele Wünsche nicht nur der Kinder, sondern auch der Erwachsenen offen blieben und das ganze Leben noch die Zeichen der Nachkriegszeit an sich trug — beispielsweise wurde sogar der Christbaum vor dem Goldenen Dachl eines Großteils der elektrischen Birnen beraubt (bekanntlich auch eine Mangelware) — so konnten wenigstens alle die Feiertage unbesorgt und ohne Sirenengeheul verbringen. Die Mitternachtsmessen in den Kirchen der Stadt wiesen einen fast beängstigenden Besuch auf. Das Gedränge zum Beispiel in der Spitalskirche hätte unbedingt Kirchenordner erfordert, die nach dem Rechten gesehen hätten.
Zu unliebsamen Zusammenstößen ist es auch auf dem städtischen Westfriedhof gekommen, wo mangels anderer Weisungen die Friedhofswärter am Heiligen Abend auf den Friedhofsschluß um 17 Uhr bestanden. Den Besuchern war es daher nicht möglich, die Gräber mit Christbäumchen oder Lichtern zu schmücken. Was man durch Jahre infolge der Verdunklungseinrichtung vermissen mußie, mußte heuer unterbleiben, weil die Behörde zu kurz gedacht hatte.
Der Schnee glaubte spät, aber doch noch zu Leihnachten kommen zu müssen. In der Weihnachtsnacht schneite es, aber zu einem richtigen Winter hat es nicht gereicht. Was davon übrig blieb, war nur das lästige Glatsch auf den Straßen. Die Wintersportler sind daher nicht auf ihre Rechnung gekommen.
Weihnachtsfeier in Schwaz
Die Heeresamtnebenstelle und der Kriege opferverband Schwaz haben für die Kinder der Kriegsopfer eine Weihnachtsfeier veranstaltet, zu der die Vertreter der Behörden erschienen waren. Im festlich geschmückten Saal des Gasthofes „Kappe“ war eine Bühne errichtet worden für ein Kasperltheater und ein Bläserquartett sowie ein Orchester der Stadtgemeinde sorgten für feierliche Weihnachtsmusik. Herr Oberstleutnant Hübner eröffnete die Feier und begrüßte die Erschienenen. Er dankte allen jenen. die durch ihre Liebesgaben diese Feier ermöglichten. Besonders galt sein Dank Bezirkshauptmann Dr. Lauer, Bürgermeister Dr. Psenner und jenen, die persönlich am Gelingen dieses Festes beitrugen. Der Eröffner schloß seine Ausführungen mit den Worten: „Möge diese
erste
Friedensweihnacht mit den bescheidenen Gaben ein bißchen dazu beitragen, den Kriegsopfern ihr schweres Los etwas zu erleichtern!“
Der Obmann des Kriegsopferverbandes, Herr Schweiger, betonte in seiner Ansprache, daß die Kameradschaft in Schwaz sehr hochgehalten werde. Nun wurde ein Weihnachtsdialog durch ein Kasperltheater aufgeführt. Die Kinder taten selbst alles, um die von Herrn Schiermair inszenierte Vorführung zu einem wirklichen Erlebnis zu gestalten. Herzhaft wurde gelacht und die Freude war nicht mehr zu steigern, als der Weihnachtsmann kam und die vielen schönen Spielsachen (von Herrn Graber in Tag= und Nachtarbeit hergestellt) und Keks und Wurstbrote verteilte, nicht ohne den Kindern gute Lehren zu geben. Zum Schluß der Weihnachtsfeier gedachte Hochw. Herr Weiser der Gefallenen und die Bläsergruppe spielte das Lied vom guten Kameraden.
Ersbeben im Inntal
Am Christtag, 25. Dez., um 9.27 Uhr abends war in verschiedenen Orten des Inntales ein ziemlich starkes Erdbeben zu verspüren, das von einem unterirdischen Rollen begleitet war. Das Beben wurde in Schwaz deutlicher als in Innsbruck verspürt, so daß dort sogar Einrichtungsgegenstände in den Zimmern schwankten. Das Erdbeben währte etwa zwei Sekunden. Es dürfte sich um ein tektonisches Beben gehandelt haben, wie diese immer wieder im Inntal auftreten.
*
Abgängig. Am 19. Dezember um halb 5 Uhr nachmittags entfernte sich die 15jährige Else Goller aus der elterlichen Wohnung in Pradl und ist seither nicht mehr zurückgekehrt.
Sturz eines Radfahrers. Am 24. Dezember um 19 Uhr stürzte in der Höttinger Höhenstraße ein Angestellter aus Mühlau mit seinem Fahrrad und zog sich schwere innere Verletzungen zu. Er wurde von der Rettungsgesellschaft in das Krankenhaus überführt.
Heimkehrertransport. Am 24. Dezember um halb 7 Uhr früh traf in Innsbruck ein Trans
portzug mit 750 österreichischen Kriegsgefangenen aus Frankreich ein. Die Gefangenen wurden noch vor den Feiertagen in ihre Heimat entlassen.
Tote
In Innsbruck starben: Alois Mair,
Bäcker, 64 Jahre alt; Josef Monauni, Univ.= Beamter a. D. und Laborant, 83 Jahre alt; Hermine Hoffer, Edle von Sulmthal, geb. Jahner, Feldzeugmeisterswitwe, 85 Jahre alt; Sabine Baumann, Bedienerin, 70 Jahre alt; Schönlieb Ida, Finanzbeamtenswitwe, 82 Jahre alt; Gertrude Furgler, geb. Seelos, Kaufmannsgattin, 40 Jahre alt.
Am 22. Dezember starb in Innsbruck Heinrich von Kripp, Notar i. R., im 81. Lebensjahre.
Nicht rückwärts, sondern vorwärts schauen!
Am 21. Dezember hielt der neu zusammengesetzte Gemeinderat der Stadt Solbad Hall seine erste Sitzung ab. Einleitend gab Bürgermeister Dr. Schumacher einen Rückblick über die Tätigkeit des aus der Widerstandsbewegung hervorgegangenen Beirates. Dank dem guten Zusammenarbeiten der Parteien geläng es, die großen Schwierigkeiten der Lebensmittelversorgung, der Beschaffung von Brennstoff und der Wohnungsvorsorge einigermaßen in geordnete Bahnen zu lenken. Er dankte den ausgeschiedenen Mitgliedern des Beirates, insbesondere dem Altbürgermeister Josef Wagner für ihre Mitarbeit.
Sehr große Schwierigkeiten bereitete die Unterbringung der zufolge der Beschlagnahme von Wohnungen durch die Besatzung obdachlos gewordenen Familien. Es gelang im Einvernehmen mit der Militärregierung, die Last auf jene Kreise abzuwälzen, die für den totalen Krieg waren. Dank dem Entgegenkommen der Militärregierung war es möglich, im Lager Eichat Wohnungen für Obdachlose auszubauen und die Salzbergstraße in Ordnung zu bringen. Den Beamten des Wirtschafts=, Verkehrs= und Wohnungsamtes wird die volle Deckung des Gemeinderates bei der Erfüllung ihres schwierigen und undankbaren Dienstes zugesagt.
Für die Errichtung der Rotstandsküche und die Bemühungen um eine Weihnachtszuteilung ärmster Kinder hat sich Herr Thöni besonderen Dank erworben. Im katholischen Gesellenverein wurde eine Wärmestube errichtet. Die Erhebungen für die Schweizer Kinderausspeisung haben ergeben, daß 35 Prozent der Schulkinder stark unterernährt sind und 43 Prozent Untergewicht aufweisen. Für die in Hall befindlichen deutschen Kriegsgefangenen konnte eine Weihnachtsspende zustandegebracht werden.
Die Reinigung der städtischen Amter von den nationalsozialistischen Parteifunktionären wurde abgeschlossen.
Die Reuwahl des Stadtrates ergab: Bürgermeister: Dr. Viktor Schumacher, Vizebürgermeister: Josef Weigand und Rudolf Knapp. Stadträte: Hubert Schittelkopf, Edmund Posch, Felix Ragonig und Nikolaus Holzhammer.
Nach der Wahl richtete der Bürgermeister an den Gemeinderat die Bitte, wie bisher sachlich mitzuarbeiten und das Wohl der Gemeinde dem Parteiinteresse voranzustellen Richt rückwärts, sondern vorwärts schauen und für den Wiederaufbau arbeiten, sei die Parole für 1946. Man dürfe aber nicht alles von der Gemeinde erwarten. Es sei vielmehr notwendig, daß jeder Mitbürger beim Wiederaufbau mithelfe.
Er richtete an die Inhaber der größeren Betriebe die Bitte, für ihre Belegschaft Wohnsiedlungen zu errichten
Es sei sein Bemühen, endlich wieder Milch für die Kinder zu beschaffen. Er habe sich auch wiederholt be: der Landesregierung und bei der Militärregierung bemüht. für Hall dieselbe Zuteilung zu erreichen wie für Innsbruck da ja Hall auch durch die Luftangriffe schwer gelitten habe Er freue sich über das gute Einvernehmen, das zwischen der Militärregierung und der Stadtgemeinde Hall bestehe. Es zu erhalten und zu fördern, werde weiterhin sein Bemühen sein. Der Antrag Schittelkopf, in diesen Bemühungen nicht nachzulassen, wird einstimmig angenommen, ebenso seine Anregung, die Frage anzuschneiden, wie die Bewohner der Siedlung über der Haller Innbrücke in die Versorgung von Hall einbezogen werden können. Stadtrat Schittelkopf erklärt im Namen der SPO. die
Bereitwilligkeit, so wie bisher am Wiederaufbau mitzuarbeiten. Vizebürgermeister Rudolf Knapp erklärt im Namen der OVP., daß es wie bisher nicht schwer sein werde, im Interesse der Stadtgemeinde zusammenzuarbeiten. Er möchte in der sozialistischen Fraktion nicht Gegner, sondern Mitarbeiter sehen. Sein Antrag, dem Bürgermeister für seine aufopferungsvolle Arbeit aufrichtig zu danken und ihm das Vertrauen auszusprechen, wird mit großem Beifall einstimmig angenommen.
Die Buchhalterin des Stadtkammeramtes, Frl. Johanna Waldl, wird in das unkündbare Diensiverhältnis übernommen.
Die Wiedereinstellung des Magistratsdirektors Dr. Ernst Verdroß wird bestätigt und ihm Dank und Anerkennung ausgesprochen.
THEATER UND KUNST
Das Schwazer Krippenspiel Nachdem viele und große Schwierigkeiten wegen der Saalfrage gelöst waren, führte die „Österreichische Jugend“ in Schwaz im Rahmen einer Weihnachtsfeier das Krippenspiel von Dr. Ludwig Knapp, Direktor der Handelsschule Schwaz, auf. Es ist, wie der Spielansager betont, für Schwaz geschrieben, was besonders deutlich und warm zum Ausdruck kommt, wenn das volle und schöne Geläute der alten Knappenstadt mitten ins Spiel zu den Worten der Darsteller hereinklingt.
Herr Dir. Knapp hatte selbst die Leitung übernommen. Er verstand es, sein verinnerlichtes Können auf die jungen, talentierten Spieler zu übertragen, so daß die Darbietung für Kinder und Erwachsene zu einem echten Erleben des Weihnachtsgeheimnisses wurde. Die Bitte des alten Hirten Jörgl vor der Krippe unser liebes Tirol in Nord und Süd zu einen, ergriff alle und wurde ein Gebet, das alle mitsprachen.
In dankenswerter Weise trug das Kammertrio Gredler (Violine), Misof (am Flügel), Rathgeber (Violoncello) mit Volksweisen und klassischen Weihnachts
melodien bei, das Erlebnis zu vertiefen. Die junge Singgruppe brachte unter der Leitung des Herrn Bredler klangrein und reif alte schöne Tiroler Weihnachtslieder. Alle Zuschauer danken dem Leiter und allen Mitwirkenden für die schöne Feier, nicht zuletzt all denen, die sich organisatorisch für das Gelingen tüchtig mühen mußten.
H. M.
Amtliche Mittellungen
Handwerkerprüfungen
Kundmachung
Prüfungsbewerber, welche die Baumeisier=, Maurer=, Zimmer=, Steinmetz= und Brunnenmeisierprüfung im Februar des Jahres 1946 vor der Prüfungskommission der Landeshauptmannschaft für Tirol ablegen wollen, haben ihre Gesuche bis spätestens 1. Februar 1946 beim Banamt der Landeshauptmannschaft für Tirol, Abteilung für Hochbau, in Innsbruck, Herrengasse 1/II., einzureichen. Die Prüfung beginnt am Montag, den 11. Febraur 1946. Nähere Auskunft erteilt die obgenannte Abteilung (Zimmer 64).
Landeshauptmannschaft für Tirol, Landesbauamt:
Die Ausstellung des Bundes
im Volkskunstmnseum
(Schluß)
Noch einige junge Maler, emporstrebende Kräfte, müssen hier, bevor wir auf Graphik und Plastik eingehen, genannt werden. Da ist der Schwazer Toni Knapp, der von der Karlsruher Kunsihochschule kommt und nach Jahren erzwungener Pause, wie viele der Mitstrebenden, zum ersten Male wieder ausstellt. Knapp liebt die feste und klare zeichnerische Form und einen entsprechend kompakten und glasig=harten Farbauftrag in Mischtechnik, so in der großen Landschaft „Blick auf die Vogesen“, wo der Maler sein Naturerlebnis übersichtlich aus der Vogelschau gestaltet hat. Reben dieser Neuschöpfung bleibt die kleine Landschaft von Knapp zurück und auch Blumenstilleben kennen wir von ihm stärkere als die ausgestellten, mit Ausnahme der Rosen. Prof. Imri Seilern hat
zwei Blumenstücke und ein Pastell „Februarsonne“ mit dem Motiv aus Hall, wo er tätig ist, ausgestellt. Der Maler ist bekannt als Schöpfer zarter, lichtdurchwobener, romantisch angehauchter Inntal=Landschaften in Pastell, wo das Erlebnis der Ferne sehnsüchtig hereinspielt.
Die Innsbruckerin Hilde Nöbl ist seit ihrem Studium an der Wiener Akademie reifer geworden und sucht ihren eigenen Stil von der Farbe her zu gewinnen. Das zeigen ihre Aktmodelle, aber auch die Bildnisse der letzten Zeit. Noch ausschließlicher vom farbigen Erlebnis her gestaltet die Innsbruckerin 6. Diesner (Gast der Künsilergruppe) ihre Stilleben oder den herbstlichen Hofgarten mit den leuchtend gelben Tönen und dem roten Fleck einer Bank. Man kann solche Bilder, die den sonst einheitlichen Rahmen der Ausstellung sprengen, indem sie weit von der Naturform abrücken, diese übersteigern oder
Berger und Paul Flora vertreten. Floras Ausdrucksmittel ist fast durchwegs die Feder, mit deren knappen Zügen er seine Themen zu unheimlicher Wirkung steigert. Meist behandelt der junge Künstler, der erst unlängst in der Schweiz einen schönen Erfolg mit einer Ausstellung in Bern errungen hat, phantastische Vorwürfe; seine Grotesken und Karikaturen lassen mitunter an den großen Österreicher Kubin denken. Zeichnung bedeutet nach einem Wort Silbermanns weglassen und eben dadurch Anregung der Phantasie im Beschauer. So empfinden wir seltsam bedrückend die verrufene Ode einer Häuserpartie „An der Bahn“ oder die traumhafte Vision des „Mondpferdes“. Paul Flora, dem die Aufnahme in die Reichskulturkammer verweigert wurde, hat an der Akademie in
München bei Olaf Bulbranson und Adolf Schinnerer studiert.
Blendend beherrscht die Schwarz=weiß=Technik auch Fritz Berger, der sich infolge schwerer Kriegsverletzung auf die linke Hand umstellen mußte. Er hat sich an der Wiener Akademie ausgebildet. Wenn man seine liebevoll gemalten Blumenbilder kennt, weiß man, daß hinter der Abstraktion der Federzeichnung ein sorgfältiges Studium der Natur steckt. Berger behandelt nicht nur einzelne phantastische Themen wie „Das verrufene Haus“. „Mondscheinsitzung“ Boya in der Besessenheit seiner Arbeit, sondern ganze Zyklen, wie die „Goldene Zukunft“ mit den Molochen des Geizes, der Bier, der Angst usw. Ein Ausblick von seinem Wiener Atelier auf heute zerstörte Stadtteile, breit in Tusche und Pinsel ausgeführt, zeigt. daß Berger ebenso fest auf dem Boden der Wirklichkeit
steht. Sowohl er wie Flora haben auch eine Reihe prächtiger Illustrationen zu verschiedenen Novellen geschaffen Der Schwazer Heinz Klima als Gast hat ebenfalls einige gute Federzeichnungen beigesteuert. Paul Rittinger erzählt in seinem höchst persönlichen Stil wie
auf einen letzten Renner bringen wollen, nur vom Rausch immer Märchen und Legenden. Man kann sich an den der Farben her begreifen. E. Lutz=Waldner (als bunten Aquarellen erfreuen, ohne daß man unbedingt die Gast) hat vier landschaftliche Pastelle ausgestellt, die die literarischen Vorlagen kennen muß. Die Boznerin Maüberklare Luft und die satte Farbigkeit der norwegischen ria Delago (als Gast) hat kleine, zart gestochene RaLandschaft überzeugend zum Ausdruck bringen. dierungen, zum Teil farbig getönt, ausgestellt, die gleichsam
Die Graphik ist auf der Ausstellung durch unsere zur Erholung neben ihrem reichen bildhauerischen Schafbeiden begabtesten Nachwuchskräfte, die Innsbrucker Fritz fen entstanden sind, das wir seit Jahren schätzen.
Zum 75. Geburtstag E. v. HandelMazzenis
Am 10. Jänner 1946 vollendet die österreichische Dichterin Baronin Enrica von Handel=Mazzetti in ihrer stillen Häuslichkeit zu Linz a D. ihr 75. Lebensjahr. Die letzten sieben Jahre brachten über sie, die Ihrigen und ihre Verleger herbes Leid und schwere Bedrückungen. Auch durfte keine ihrer neuen; dichterischen Schöpfungen gedruckt werden. Während die gesamte Kulturwelt ihr zum 60 Geburtstag zugejubelt und sie wie keinen anderen österreichischen Dichter ausgezeichnet hatte, wurde der deutschsprachigen Presse untersagt, selbst von ihrem 70. Geburtstag Nutiz zu nehmen Die bahnbrechende Romanschriftstellerin, deren Werke in Millionen von Bänden erschienen waren und ebensogut in Amerika wie in China in dortigen Sprachen herauskamen, die Edelfrau, die
den Ertrag ihres Schaffens stets nach ihrem Lebensspruch „Etwas Großes ist es um die Liebe“ ausschüttete, war im Dritten Reich untragbar. In Würde ertrug sie Hintansetzungen und Entbehrungen, wenngleich es sie hart traf. nicht mehr Freude bereiten und helfen zu können und zusehen zu müssen, wie zugleich ihre Verleger bedrängt wurden. Eine Schwächung ihres Augenlichts zwang sie, das eigenhändige Schreiben und selbst den Briefverkehr aufs äußerste einzuschränken. Immerhin liegt seit Jahren der letzte Band ihrer Romantrilogie „Graf Reichard“, die in der Zeit der Befreiung Wiens aus der Türkennot (1683) spielt, druckfertig vor. Außerdem vollendete sie ein Tagebuch in den Monaten, in denen Linz die härtesten Heimsuchungen erlitt. Der sozialistische
Bürgermeister von Linz und der Stifter=Forscher Hofrat Dr. Franz Berger stehen an der Spitze von Persönlichkeiten, die darauf hinzielen, daß die beiden neuen Werke Handel=Mazzettis bald im Druck erscheinen und auch die vergriffenen großen Romane, wie „Meinrad Helmperger“, „Jesse und Maria“, „Die arme Margareth“ und „Stephana Schwertner“, die Handel=Mazzettis Weltruf begründet haben, im Buchhandel wieder vorrätig sein werden. Anläßlich ihres 60 Geburtstages brachten Ad. Buder (Innsbruck), Ant. Dörrer (Innsbruck), Rud. Henz (Wien) Paul Siebertz (Wien) u. a. das Prachtwerk „E v. HandelMazzettis Persönlichkeit. Werk und Bedeutung“ in deren Hauptverlag Kösel u. Pustet zu München heraus. Es ist die umfassende Kennzeichnung und Würdigung der
verantwortungsvollen Vertreterin des großen geschichtlichen Romans und der gewaltigsten Neugestalterin des österreichischen Barock. Etliche ihrer Schöpfungen, so auch ihr Tiroler Charakterbild „Blumenteufel“ erschienen zugleich in französischer Sprache. In anderen ihrer dichterischen Gestalten und Schöpfungen zeichnet sie ebenfalls mit großer Innigkeit Tiroler Art und Wert in einer für unser Land rühmlichen Weise. Von ihren großmütterlichen Vorfahren her (Mazzetti und Pfanzelter) fließt Südtiroler Blut in ihren Adern. Diese Beziehungen zu Tirol trugen anläßlich ihres 60 Geburtstags dazu bei, daß Tirol mit Landeshauptmann Dr Frz. Stumpf an der Spitze die große Dichterin und edle Österreicherin im besonderen ehrte.
Henny Porten filmt wieder
Die bekannte Filmschauspielerin Henny Porten lebt jetzt am Stadtrand von Rateburg in Holstein, wo ihr Mann, Dr. v Kaufmann, eine Arztepraxis betreibt. Vor dem Kriegsende hat die bekante Schauspielerin alles verloren und mußte fliehen. Nun ist sie soweit wiederhergestellt, daß sie hofft, in der britischen Zone in einem verfilmten Ibsendrama spielen zu können. „Die Jahre nach 1933“ gestand sie einem Interviewer der Lübecker Post, „haben mir nichts Gutes gebracht. Da mein Mann jüdische Großeltern hatte, wollte man mich zwingen, mich von ihm scheiden zu lassen. Die Nazis versprachen mir für diesen Fall glanzvolle Filmrollen. Als ich ablehnte, wurde Dr. Goebbels mein erklärter Feind. Ich mußte zu offiziellen Empfängen erscheinen, weil man mich als Aushängeschild
für deutsches Filmpioniertum brauchte, wenn aber die Diners begannen, schickte man mich nach Hause.“
Die Plastik wird in der Ausstellung bestritten durch Prof. Hans Pontiller (Gast), Franz Staud und Ilse Glaningei=Halhuber. Bei Pontiller, dem viele junge Tiroler Künstler, so auch die beiden Mitaussteller, die soliden Grundlagen ihres Schaffens verdanken, nimmt immer wieder die Sicherheit seiner echt plastischen Gestaltung in jedem Material gefangen, so wenn er in großen Formen einen Schädel in Bronze wölbt (Dr. Rob. Skorpil) oder die malerisch aufgelockerte Terrakotta wählt, um den markanten Kopf von Prof. Dr. E. Reut=Rikolussi nachzubilden, dem ein leicht vergrößertes Volumen noch mehr Nachdruck geben würde. Zwei kleine Figuren in Eiche, „Morgen“ und „Abend“, bringen anmutige Mädchengestalten mit scheu verhaltenen Gebärden, während eine Pieta und eine
Trauernde (Entwurf für ein Grabmal) in Terrakotta ausdrucksvoll in den Bezirk des Religiösen hineinragen.
Die junge Innsbruckerin Ilse Glaninger=Halhuber hat in der Gestaltung der schnittigen Büste des Col. Lebeau (Gips für Bronze) ein feines Gefühl für plastische Formwerte und für Erfassuna französischer Geistigkeit bewiesen. In der Büste eines Chinesen interessiert sie der gewölbte Schädelbau und das maskenhaft Starre. Ihre kleinen heiter bewegten Engel in Terrakotta endlich zeigen viel müsikalischen Rhothmus und sind weit weg von jenem süßlichen Ton. der oft zur Gefahr bei diesem Thema wird. Der Steinacher Plastiker Franz Staud, der im Schloß Ambras seine Werkstätte hat, ist ein vielseitig Schaffender Er hat diesmal nur das große Krippentriptychon der Kirche am Saggen ausgestellt, das besonders in den Hirtenfiguren, für den bewußten Willen des Künstlers zum
Überlangen in Gestalten und Köpfen, zu einem manieristischen Ausdrucksideal hin charakteristisch ist. Eine andere Tönung des Hintergrundes würde vielleicht die Gruppen noch besser zusammenschließen.
Man kann dem Bund Tirol, der mit seinen jungen Kräften vielversprechend am Beginn einer neuen Ausstellungstätigkeit sieht. zum Erreichten Glück wünschen und für die Zukunft eine immer höhere Entwicklung zur Freiheit, Echtheit und Würde der Kunst.
O. v. Lutterotti.