Tiroler Tageszeitung 1945
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- S.107
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stummer 159 7 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen an die Schriftleitung der „T. T.“, Innsbruck, Andreas=Hoser=Straße 4, Telephon Nr. 39 41. — Druck: Tyrolia, ebendort.
Samstag, 29. Dezember 1945
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Zum Jahresende wird der Welt eine gute Botschaft beschieden. Die internationalen Angelegenheiten werden in naher Zukunft nicht durch Atombomben, sondern im Verhandlungswege bereinigt werden. Die großen Drei, die seit Monaten schmollten, sind wieder in ein freundliches Gespräch gekommen. Die Mitteilungen aus Moskau sagen uns, daß sie sich über eine Reihe von sehr wichtigen Punkten verständigen konnten. Es handelt sich dabei sowohl um Grundsätze wie um Verfahrungsweisen. Auch räumlich ist das Einverständnis, sehr weitgehend. Es umfaßt die Friedensverträge mit den Balkanländern wie die Regelung der Verhältnisse in Japan und China. Vielleicht der wichtigste Punkt ist die Bereitschaft der Mächte, die Verwendung der Atomenergie einer weitgehenden
internationalen Kontrolle zu unterwerfen und die Atomwaffe aus den offiziellen Rüstungsprogrammen auszuscheiden. In diesen wie in einer Reihe von anderen Fragen sind sich die großen Drei darüber einig geworden, wie man vorzugehen habe. Man wird dieses Ergebnis richtiger beurteilen, wenn man sich erinnert, daß die Londoner Konferenz der Außenminister an der Debatte über die Methode gescheitert ist. Die Einigung über das Verfahren drückt zugleich den guten Willen, aus, sich über das Wesentliche zu verständigen.
Mit starker Betonung verweisen die Blätter und Kommentare, welche den Moskauer Beschlüssen gewidmet werden, auf den Mangel einer offiziellen Außerung über einige Fragen, die während der letzten Tage als besonders akute Anzeichen der inteknationalen Krise gewertet wurden. Das Moskauer Kommuniqué enthält nichts üer Persien. Es schweigt über die Forderungen sßlands nach türkischem Gebiet. Sicherlich haben die großen Drei sich auch über diese Dinge unterhalten. Ihr Gespräch hat offenbar noch nicht zu jenem befriedigenden Abschluß geführt, der eine Mitteilung an die öffentlichkeit gestattet hätte. Vielleicht darf man trotz dieses Schweigens oder vielmehr gerade wegen dieses Schweigens schließen, daß eine baldige Bereinigung dieser kri#tischen Punkte
möglich ist. Schon dadurch, daß ein so weitgehendes Einverständnis in anderen Fragen erzielt werden konnte, ist die Schärfe jener Differenzen, die noch nicht völlig beigelegt werden konnten, gemildert worden.
Unter den Verlautbarungen des Moskauer Kommuniqués sind für uns jene am interessantesten, die sich auf die Friedensschlüsse beziehen. Es handelt sich dabei um jene Staaten, die aus eigenem Entschluß an Hitlers Seite in den Krieg eingetreten sind. Damit beantwortet sich die Frage, weshalb nicht auch österreich aufgeführt worden ist, von selbst. Österreich hat niemandem den 1Krieg erklärt. Es ist, nachdem es selbst das Opfer eines überfalls geworden war, als Teil des Drit
#ten Reiches in den Krieg hineingezogen worden. österreich gehört daher, wie maßgebende Stellen der Alliierten wiederholt zum Ausdruck brachten, weniger zu den besiegten als zu den befreiten Ländern. Die internationale Regelung, welche die Stellung Österreichs umschreiben wird, muß sich daher nicht der Form eines eigentlichen Friedensinstrumentes bedienen. Sie wird wahrscheinlich zum gegebenen Zeitpunkt in der Form einer entsprechenden Erklärung der Besatzungsmächte, die im Beifall der Vereinten Nationen ihr Echo finden wird, festgelegt werden.
Auch vom Friedensvertrag mit Deutschland wird im Moskauer Dokument=nicht gesprochen. Für die Behandlung der deutschen Angelegenheiten gelten nach wie vor die Grundsätze, die im vergangenen Juli in Pitsdam festgesetzt worden sind über die Ausführung sind seither bedeu
# tende Meinungsverschiedenheiten aufgetaucht Nan hat über sie bei der Zusammenkunft in Moskau wohl gesprochen. Es wurde jedoch nichts entschieden und es konnte auch nichts entschieden werden, da das Mitbestimmungsrecht Frankreichs außer jedem Zweifel steht. Der französische Botschafter in Moskau wurde über den Verlauf der Verhandlungen und Besprechungen auf dem Laufenden gehalten. Jedenfalls hat der amerikanische Außenminister Byrnes schon beim Beginn der Konferenz sich dahin geäußert, daß die Rechte Frankreichs nicht gekränkt werden dürfen. Das deutsche Problem ist, so wie es die Lage verlangt, eine Angelegenheit der Aussprache zwischen den großen Drei und Frankreich geworden. Erst wenn diese Diskussion durchgeführt und
abgeschlossen ist, wird es feststehen, in welcher Art die Friedensbestimmungen für Deutschland durchzusetzen sind,
Moskau, 28. Dezember.
In London, Washington und Moskau wurde heute früh 3 Uhr morgens das Kommunique über den Abschluß der Moskauer Außenministerkonferenz veröffentlicht. Die drei Außenminister haben ein Einvernehmen erzielt über die Errichtung einer Kommission der Vereinten Nationen zur Kontrolle der Atomenergie, über die Zukunft Bulggriens und Rumäniens, über das Verfahren beim Friedensschluß mit den ehemaligen Feindstaaten in Europa sowie die Errichtung einer alliierten Kontrollbehörde für Japan und den Abzug fremder Truppen aus China.
Vorbereitung der Friedensverträge
1. Die Friedensbestimmungen für Italien werden durch die Außenminister Großbritanniens, der Vereinigten Staaten, der Sowjetunion und Frankreichs entworfen werden.
2. Die Friedensverträge mit Rumänien,
Bulgarien und Ungarn durch die Außenminister der Sowjetunion, der Vereinigten Staaten und Großbritanniens.
3. Der Vertrag mit Finnland durch die Außenminister der Sowjetknion und Großbritanniens.
Die Vertreter dieser Außenminister werden ihre Arbeit in London sofort aufnehmen. Sobald die Entwürfe fertiggestellt sein werden, wird der Rat der Außenminister eine Konferenz zur Beurteilung der Verträge einberufen. Dieser Konferenz werden die fünf Mitglieder des Rates der Außenminister und Vertreter aller Mitglieder der Vereinten Nationen, die sich mit militärischer Macht an dem Kriege der Feindstaaten in Europa beteiligt haben, beiwohnen. Die Nationen die dafür in Frage kommen, sind: die Sowjetunion, Großbritannien, die Vereinigten Staaten, China, Frankreich, Australien, Belgien, die Sowjetrepublik Weißrußland, Brasilien, Kanada, die Tschechoslowakei, Abessinien, Griechenland, Indien, die Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Polen und die
Sowjetrepublik Ukraine.
Nach dem Ende dieser Konferenz werden die Außenminister der genannten Länder, die die ersten Entwürse schufen, die Empfehlungen in Betracht ziehen und den endgültigen Text durch die Alliierten Staaten, die die entsprechender fünf Friedensverträge entwerfen. Diese Verträge werden unmittelbar nach der Ratisizierung den Waffenstillstandsurkunden unterzeichneten, wie zum Beispiel Frankreich im Falle des italienischen Friedensvertrages, in Kraft treten.
Kon rolle der Atomenergie
Eine Kommission der Vereinten Nationen soll eingesetzt werden, die die Verwendung der neu entdeckten Kraft für friedliche Zwecke sicherstellt Ferner wird sich die Kommission mit der Frage befassen, wie die Verwendung der Atomwaffe im Kriege verhindert werden soll, sowie mit dem Problem des Schutzes der eit zelnen Staaten gegen Verletzung oder Umgehung des Abkommens.
Balkan
Die Regierungen von Bulgarien und Rumänien werden von Großbritannien und den Vereinigten Staaten unter folgenden Bedingungen anerkankt: Die drei Mächte werden König Michael von Ru
Als einer der ersten Programmpunkte der internationalen Zusammenarbeit auf Grund der Moskauer Beschlüsse ist die Vorbereitung des Friedensvertrages mit Italien vorgesehen Die italienische Regierung protestiert dagegen, daß man ihre 18monatige Zusammenarbeit mit den Alliierten zur Niederwerfung der Deutschen nicht besser honoriere. Sie will nicht einen Diktat=, sondern einen Verhandlungsfrieden. Wir verstehen sehr wohl, daß die Italiener darüber Klage führen, aber wir verstehen nicht, weshalb gerade die Italiener es nicht gelten lassen wollen, daß die Widerstandsbewegung in Tirol und Österreich den Alliierten Dienste erwiesen hat.
Die englische und besonders die amerikanische Presse hat auf Grund der Ergebnisse von Moskau die wehenden Fahnen des Optimismus aufgezogen. Möge es ein gutes Vorzeichen sein für die Entwicklungen des neuen Jahres, daß das alte Jahr mit eine. Auftakt der Hoffnung sich verabschiedet. L1111
mänien anheim stellen, die rumänische Regierung durch Einschluß je eines Vertreters der nationalen Bauernpartei und der liberalen Partei zu verbreitern. Die reorganisierte Regierung soll dann sobald wie möglich freie geheime Wahlen auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes abhalten. Alle demokratischen, antifaschistischen Parteien sollen das Recht haben, Kandidaten zu stellen. Für Presse=, Religions= und Versammlungsfreiheit werden Zusicherungen verlangt. Um bei der Durchführung dieser Aufgabe zu helfen, werden britische, amerikanische und russische Kommissionen sich unverzüglich nach Bukarest begeben.
Die Sowjetregierung wird der bulgarischen Regierung die Berufung von Vertretern anderer demokratischer Parteien in die Regierung der Vaterländischen Front nahelegen.
Ferner Osten
Die Kommission für den Farnen Osten an Stelle der jetzigen beratenden Kommission für den Fernen Osten und der Alliierte Rat für Japan werden errichtet. Die Kommission für den Fernen Osten wird die Methoden festlegen, nach denen Japan die Kapitulationsbedingungen zu erfüllen hat. Der Alliierte Rat berät den Oberbefehlshaber General Me Arthur über die Durchführung der alliierten Politik gegen Japan.
Die Neujahrsnummer der „Tiroler Tageszeitung“
Die Wochenendausgabe der „Tiroler Tageszeitung“ erscheint zusammen mit der Neujahrsnummer am Montag, den 31. Dezember, früh.
Aus dem Inhalt:
Jahresende im Jahr der Wende Österreich 1945 / Das Jahr in Zahlen Interview mit dem kleinen Mann Millionen suchen neue Wege Wie leben die Menschen von Morgen? Stalins Sekretärin erzählt..
Silvester in Alt-Wien Kleine Völkerkunde im Kochtopf Ein Dutzend Silvesterkrapfen Zwiegespräche über Lebensfragen Die „Tanzenden Sterne“.
Kunst und Kultur — Rück- und Ausblick Gedichte, Kurzgeschichten und Originalzeichnungen unserer beliebten Mitarbeiter Hininninginminarmiumniinmnmmnunmmmminmmmmmnnmnmmmmmnmmn
Korea wird als unabhängiger demokratischer Staat wieder errichtet. Zunächst wird eine amerikanisch=russische Kommission eingesetzt, später soll eine demokratische provisorische Regierung für Korea ins Leben gerufen werden. Beide Körperschaften werden Pläne für weitere Maßnahmen ausarbeiten. Vorgesehen ist u. a. treuhändige Verwaltung Koreas durch Großbritannien, die Vereinigten Staaten, Rußland und China auf die Dauer von fünf Jahren.
Die drei Mächte kamen überein, daß China als geeinter demokratischer Staat unter der chinesischen Nationalregierung bleiben soll. Der Bürgerkrieg in China soll beendet werden. Die Politik der Nichteinmischung in die inneren Angelagenheiten Chinas wurde erneut bestätigt. Molotow und Byrnes stimmten überein, daß die russischen und die amerikanischen Truppen baldmöglich aus China abgezogen werden sollen.
Bald nach Abschluß der Konferenz reiste Byrnes nach Washington ab. Er landete in Neapel und setzte dann die Reise nach einer kurzen Besprechung mit dem amerikanischen Botschafter am Quirinal fort. Bevin fährt heute nach London zurück.
Das Echo in Europa
Italien schwer enktäuscht
Rom, 28. Dez. Wie berichtet wird, teilte Mitisterpräsident De Gasperi den Botschaftern Broßbritanniens, der Vereinigten Staaten und Rußlands mit, Italien bestehe energisch darauf, daß die Haltung der Alliierten bezüglich der Beurteilung Italiens einer Revision unterzogen werden müsse.
Das Organ De Gasperis, „Il Popolo“, sagt, das neue Jahr beginne für Italien mit der Aussicht auf weitere sechs Monate eines schwebenden Waffenstillstandes, trotz der wertvollen Bemühungen, die es unternommen habe, wobei die 18monatige Teilnahme Italiens am Krieg gegen Deutschland hervorgehoben wird. Die Zeitung kritisiert den Ausschluß Italiens von den Verhandlungen, während Jugoslawien und Abessinien teilnehmen würden, ebenso wird der Ausschluß Chinas kritisiert, des einzigen Landes, das kein unmittelbares Interesse besitzt und da einige Sicherheit für eine unvarteiliche Behandlung bieten könnte.
„Il Mondo“, das Blatt des ehemaligen Mini
sterpräsidenten Parri, bezeichnet das Kommuniqué als Versteifung der russischen Haltung gegenüber Italien. Die Zeitung „Independente“ beklagt die Tatsache, daß Italien auf dieselbe Stufe mit jenen Nationen gestellt würde, die nicht zum Siege der Alliierten beigetragen haben, und äußert die Befürchtung, daß der Friedensvertrag nicht ehrlich geschlossen, sondern nach deutschem Muster „diktiert“ würde.
Frankreich verlangt Aufklärung Paris, 28. Dez. Der Ministerrat, der sich heute früh unter dem Vorsitz des Generals de Gaulle versammelte, beschloß, von den Regierungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens“ und der Sowjetunion genauere Mitteilungen über das von den drei Mächten vorgeschlagene Vorgehen hinsichtlich der Friedensverträge mit Italien, Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Finnland einzüholen. Die Mitteilung über diesen Vorschlag war der französischen Regierung am 23. Dezember übermittelt worden.
Pressestimmen zur Konferenz
Rußland
„Prawda“: „Die Fragen, welche einer Prüfung unterzogen wurden, sind von ausschlaggebender Bedeutung sowohl für die Zukunft Europas wie
Asiens. Die Vorbesprechungen in Moskau bedeuten einen großen Schritt in der Richtung zur internationalen Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit kann als gesichert gelten.“
Amerika
„New York Herald“: „Ein Sieg des Friedens. ilso ein Sieg für die gesamte Menschheit. Das Kommuniqué von Moskau enthält die bedeutendsten Hoffnungen für die Welt. Es steht an Wichtigkeit den Kapitulationsdokumenten von Deutschland und Japan nicht nach.“
„New York Times“: „Die Großmächte sind aus einem Engpaß herausgekommen. Man hat den ersten Schritt zu einer guten internationalen Regelung zurückgelegt Der größte psychologische Erfolg von Moskau ist die Teilnahme Rußlands an der Festsetzung einer Kontrollkommission für die Atommenergje. Die Konferenz von Moskau hat die Rolle der Großmächte stark unterstrichen,
aber sie hat keine Diktatur der Großmächte aufgerichtet. Sie hindert die kleinen Länder nicht, an dem Aufbau des Friedens teilzunehmen.“
Frankreich
„Frane Tireur": „Die großen Drei haben miteinander klar und offen gesprochen, sie haben sich mit gutem Willen und vor allem mit Vertrauen ausgestattet.“
Die Titel der Leitartikel der Pariser Presse lauten: „Das übereinkommen der großen Drei in Moskau eine neue Phase der Zusammenarbeit", „Das Abkommen von Moskau über die Organisation der Welt nach dem Kriegé“.
„Humanité“: „Das gegenseitige Einverständnis wird allem Anschein nach auch für die kommenden Besprechungen fortdauern. Für Frankreich ist das günstig.“ „Durch Wochen hindurch sprach man von einer Verschwörung, jetzt folgt die Periode einer soyalen Zusammenarbeit zwischen den Drei Großen. Wohl sind diese noch nicht über alle Frageneinig, aber jeder von ihnen hat es verstanden, etwas zu opfern für das Wesentliche, das ist für die Sache des Friedens.“