Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:12
- S.112
Suchen und Blättern in knapp 900 Ausgaben und 25.000 Seiten.
Gesamter Text dieser Seite:
Seite 2 Nr. 160
Tiroler Tageszeitung
Montag 21 Dozember 1945
Deuß an Tieel
Von Bundeskanzler Ing. Leopold Figl
Von unserem Wiener A. R.=Korrespondenten
Neujahr heißt Besinnung und Hoffnung — Besinnung auf die letzte Vergangenheit von gestern und Hoffnung auf das neue Geschenk des neuen Morgens. Selten war dies so deutlich sichtbar wie gerade heuer, wo wir an einer geschichtlichen Wende Österreichs stehen.
Das Jahr 1945 begann unter den düstersten Aussichten. Alles stand unter dem niederdrückenden Gefühl eines Lebens ohne Zukunft. Und dann kam der Sieg der Alliierten. Von österreich längst ersehnt. Österreich wurde frei und erwies wie niemals noch zuvor die unbeugsame und unerschütterliche Lebenskraft des österreichischen Geistes, der unterirdisch alle die Terrorjahre des Nationalsozialismus durchgestanden hatte. Von einmaliger Lebenskraft, von Tatendrang und von fanatischem Kampfwillen erfüllt, ist Österreich über Nacht wieder erstanden und hat damit bewiesen, daß es eigentlich niemals aufgehört hat zu sein, nicht nur in den Konzentrationslagern, sondern auch draußen in jedem Gebirgsdorf wie in jedem verschwiegenen Stadthaus.
Tirol hat in diesen Tagen des großen Um
bruches wie schon so oft in seiner Geschichte
wieder seine große Mission erfüllt: Kämpferisch allen anderen voranzuschreiten und Österreichs Freiheitsdrang die Wege zu ebnen und Österreichs Willen zur Freiheit auch nach außen in einmaliger Weise zu dokumentieren.
Als noch in weiten Gebieten Österreichs die Nazis ihre letzten selbstmörderischen Kämpfe führten, hat sich Tirol aus eigener Kraft bereits vom Nazi=Militär=Terror freigemacht. Diese Tat Tirols ist einer der schönsten Aktivposten der österreichischen Bilanz für das abgelaufene Jahr — sie ist aber auch eine der stärksten Garanten für den künftigen Wiederaufbau unserer Heimat.
Tirol geht ruhig und bedächtig, aber unaufhaltsam seinen Weg weiter, einen Weg, der unabweislich zum Ziele führen muß. Es gibt viele Wege, die das gleiche Ziel haben — es gibt aber einen, der am zielklarsten ist, das ist der Weg Tirols, der Weg, der unbeeinflußt von recht und links nur eines im Sinn hat — die Freiheit und die Demokratie.
Zum Jahreswechsel möchte ich darum auch den Tirolern nur eines zurufen: „Mander, Hemdärmeln auf, an d’ Arbeit!“
Wiederaufnahme des zwischenstaatlichen
Anleihe füe die Bundesbahnen
Die Generaldirektion für die Post= und Telegraphenverwaltung gibt bekannt, daß mit 2. Jänner 1946 der allgemeine zwischenstaatliche Postverkehr mit allen Staaten der Welt, mit Ausnahme von Deutschland und Japan, aufgenommen wird.
Zulässig sind:
1. Gewöhnliche, das heißt nicht eingeschriebene Briefe bis 20 Gramm und gewöhnliche, nicht illustrierte Postsachen privaten Inhalts.
2. Briefe und Postsachen geschäftlichen Inhalts unter der Voraussetzung, daß sie keine geschäftlichen Transaktionen enthalten.
3. Briefe und Postkarten, deren Inhalt eine geschäftliche Transaktion zum Gegenstand haben, falls eine besondere Erlaubnis beigebracht wird. Alle Sendungen müssen in leserlicher Schrift geschrieben sein.
Auf den Sendungen müssen angegeben sein:
Name, Vorname und Anschrift des Absenders. Als Absenderangabe muß die ständige Anschrift des Absenders angegeben sein, d. h. die Anschrift, die auf seinem Ausweispapier angegeben ist. Diese Daten müssen bei Briefen auf der Rückseite des Briefumschlages und bei Postkarten in der linken oberen Ecke an der hierfür vorgesehenen Stelle angebracht sein. Eine vorübergehende Anschrift kann im Text der Sendung angeführt werden. Bei Sendungen in die Tschechoslowakei müssen die tschechischen Ortsbezeichnungen, die vor der Besetzung der Tschechoslowakei durch die deutschen Truppen in Gebrauch waren, sowie
Wien, 30. Dezember.
Der Beneraldirektor der Österreichischen Bundesbahnen, Ingenieur Kaan, machte in einem Vortrag interessante Angaben über die Situation dieses Wirtschaftskörpers. Die Wiederaufbauarbeiten erfordern einen Kostenaufwand von annähernd einer Milliarde Schilling, die durch Anleihen aufgebracht werden sollen. Davon sollen bestritten werden die Wiederinstandsetzung der Bahnanlagen, die Ergänzung des Wagenparkes und eine großzügige Elektrifizierung. Der Bau eines Zentralbahnhofes in Wien ist nicht beabsichtigt. Jedoch soll an geeigneter Stelle ein großer Bahnhof errichtet werden, den alle auslaufenden Züge passieren werden. Der Bestand an Wagen
und Lokomotiven ist zahlenmäßig zwar höher als zu Zeiten der Österreichischen Bundesbahn, infolge des schlechten Erhaltungszustandes aber sind weit weniger wirklich gebrauchsfähige Fahrzeuge vorhanden als seinerzeit. Wegen der unabwendbaren Brennstoffarmut ist eine weitgehende Elektrifizierung nötig. Innerhalb von drei Vierjahresabschnitten sollen rund 2000 Bahnkilometer elektrifiziert werden, vor allem die Westbahnstrecke bis Wien und die von Wien aus nach Süden gehende Bahnlinie. Die Kosten werden auf 69 Millionen Schilling geschätzt. In diesem Programm ist auch die Anschaffung von 600 elektrischen Triebfahrzeugen inbegriffen.
jene Bezeichnungen, die nach der Befretung der Tschechoslowakei von den tschechischen Behörden festgelegt wurden, verwendet werden.
Die Gebühren
für Briefe betragen bis 20 Gramm 50 Groschen und für Postkarten 30 Groschen.
Nicht zugelassen
für die Beförderung sind Einschreibesendungen und Postkarten mit Abbildung.
Verboten
sind Mitteilungen, Gerüchte, welche direkt oder indirekt zu einem feindlichen Verhalten den Vereinten Nationen gegenüber auffordern oder welche die Interessen der Vereinten Nationen schwächen können, oder welche die Beziehungen zwischen den Vereinten Nationen stören, sowie Mitteilungen, die mit den Interessen der Ordnung oder Sicherheit der Besatzungstruppen in Widerspruch stehen. Verabredete Zeichen, Zis
fern oder Worte, die geeignet sind, den Inhalt zu verschleiern, die Anwendung von Geheimtinte oder unsichtbarer Tinte, die Anwendung von Stenographie, die Verwendung von Fensterbriefumschlägen und die Verwendung oder Beifügung von bereits gebrauchten Briefumschlägen mit Postmarken oder anderen Marken oder Etiketten.
Sendungen, die den oben angeführten Bedingungen nicht entsprechen, werden nicht befördert, bzw. beschlagnahmt, ohne daß der Absender oder Empfänger benachrichtigt wird. Nähere Auskünfte über den zwischenstaatlichen Postverkehr erteilen die Postämter.
Abkommen wischen Frankrech und Amerika über den Lustverkehr
Washington, 30. Dez. Zwischen Frankreich und Amerika ist soeben ein Abkommen über den Luftverkehr abgeschlossen worden.
Französisch=russischer Handelsvertrag
London, 30. Dezember. Wie hier verlautet, ist zwischen Rußland und Frankreich ein Handels
Eine Reg erung der nationalen Einigke! für Spanien?
Paris, 29. Dezember. Die Amtsstelle der spanischen kommunistischen Partei in Paris ist an die anderen spanischen Erilparteien mit dem Vorschlag herangetreten, eine Regierung der nationalen Einigkeit zu bieten, der alle zu dem Francoregime in Opposition stehenden Parteien angehören sollen. Der Vorschlag betont, daß diese Parteien keinerlei Kompromisse mit Franco und den Falangeangehörigen eingehen dürfen.
Wie können Ausländer die österreichische Staatsbürgerschaft erwerben?
Wien, 29. Dez. Nach dem Staatsbürgerschaftsgesetz — überleitungsgesetz vom 10. Juli 1945 — können Ausländer, die großjährig und voll handlungsfähig (also nicht entmündigt) sind, seit 1. Jänner 1915 ihren freiwilligen, ununterbrochenen ordentlichen Wohnsitz im Gebiete der Republik haben und nicht nach Paragraph 17 des Naziverbotsgesetzes zu behandeln sind, durch eine Erklärung, der österreichischen Republik als getreue Staatsbürger angehören zu wollen, die Staatsbürgerschaft erwerben; ausgenommen sind Personen, die eine Verurteilung erlitten haben, die nicht getilgt ist. Durch die Erklärung des Mannes erlangt die Ehegattin die Staatsbürgerschaft, sofern die Ehe zu Recht besteht. Dem Vater oder der unehelichen Mutter folgen auch die nicht eigenberechtigten
Kinder. Die Erklärung ist, nur noch bis zum 14. Jänner 1948, schriftlich bei der Landeshauptmannschaft des ordentlichen Wohnsitzes abzugeben.
Einführung der Arbeitslosenversicherung
Der Staatssekretär für soziale Verwaltung, Böhm (Sozialist), hat in einem Bericht erklärt, daß ein Gesetz über „vorläufige Maßnahmen auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge“ angenommen wurde. Dieses Gesetz sieht vor, daß solche Personen, die der Arbeitslosenversicherungspflicht unterliegen und die den Nachweis einer bestimmten Dauer versicherungspflichtiger Beschäftigung erbringen, eine Unterstützung erhalten können. Diese vorläufige Regelung soll im wesentlichen für die Wintermonate gelten.
Der Vatikan und Österreich
Vatikanstadt, 30. Dez. Zu der Meldung, daß der ehemalige Bundeskanzler Dr. von Schuschnigg als Gesandter Österreichs beim Vatikan ausersehen sei, wird hier bemerkt, daß diese Angelegenheit aus dem Grunde noch nicht spruchreif ist, weil Österreich von den Mächten bisher noch nicht ermächtigt wurde, die diplomatischen Beziehungen mit dem Ausland wieder aufzunehmen.
Ein Memorandum des Gewerkschaftsbundes
Wien, 30. Dezember. In einem an den Bundeskanzler und an die drei politischen Parteien gerichteten Memorandum fordert der österreichische Gewerkschaftsbund die Verstaatlichung der Kohlengruben, der Kraftwerke und Schlüsselindustrien sowie eine durchgreifende Agrarreform. Ebenso wird die sofortige Wiedereinführung der Gewerkschafts= und Sozialgesetzgebung, wie sie vor 1934 in Kraft war, sowie der Entwurf einer neuen österreichischen Sozialversicherung und Altersfürsorge gefordert. Ein weiteres Verlangen betrifft die Arbeitslosenversicherung für die landwirtschaftlichen Arbeiter, Arbeitsplanung für Kriegsinvalide und Entschädigung für die Opfer der Nazizeit.
Neue Wahlen nach der Rückkehr der Kriegsgefangenen?
Wien, 30. Dez. Dr. Renner hat der Meinung Ausdruck gegeben, daß nach der Rückkehr der Kriegsgefangenen neue Wahlen stattfinden müssen.
Neuer Landeshauptmann von Steiermark
In den Abendstunden des 28. Dezember fand im historischen Sitzungssaal des Grazer Landhauses die zweite Sitzung des steirischen Landtages statt, in der die neue steirische Landesregierung gewählt wurde. Zum Landeshauptmann wurde Ökonomierat Pirchegger (SVP.), zum ersten Landeshauptmannstellvertreter Reinhard Machold (SPS.), bisher Landeshauptmann, gewählt.
über Moskau
Washington, 30. Dez. (DANA.): Außenminister Byrnes, der aus Moskau in Washington angekommen ist, nannte die Moskauer Konferenz „außerordentlich erfolgreich und konstruktiv“. Er sagte weiter: „Von gleicher Bedeutung wie die Entscheidungen war die Tatsache, daß die Beziehungen hergestellt wurden, welche künftige Entscheidungen erleichtern werden.“
Interviet mit dem — kieinen Marn
Interviews sind Gespräche mit den Bedeutenden, mit den Großen der Welt. Hat uns nicht jüngst der englische Ministerpräsident Mister Attlee darüber aufgeklärt, daß auch der kleine Mann einer dieser Großen sei? So begab ich mich denn auf die Suche nach dem kleinen Mann, nach diesem Großen in der Ara der Atombombe. Ich fand ihn auf der Straßenbahn bei seiner morgendlichen Fahrt zur Arbeitsstätte.
„Erlauben Sie“, so begann ich, „daß ich an Sie einige Fragen richte.“ „Fragen ist immer noch erlaubt gewesen.“ Ermutigt zog ich das Notizbuch heraus und zückte angriffslustig den Bleistift. Der kleine Mann aber wurde mißtrautsch. Es stellte sich heraus, daß es einige Schwierigkeiten bereitet, ihm geschmeidige Fragen vorzulegen, die er mit der gleichen Gewandtheit beantworten könnte. Meine Geste hatte ihn dazu veranlaßt, mit einiger Betonung die Frage zu stellen: „Sind Sie am Ende von der Polizei?“ Ich beruhigte ihn: „Nein! Ich möchte von Ihnen nur gerne wissen, was Sie über das offentliche Leben denken?“ „Ich? — Darüber sollen sich nur die Gescheiteren den Kopf zerbrechen. Ich habe für meine Familie zu sorgen. Sie dürfen mir glauben, daß das bei den heutigen
Verhältnissen mehr Kopfarbeit erfordert, als mir lieb ist?“ „Aber müssen Sie nicht gerade deshalb auf den Gang der öffentlichen Angelegenheiten achten? Hangt es nicht von der Regierung ab, ob gute oder schlechte Anordnungen getroffen werden?“ „Nein! Gleichgültig ist mir das nicht. Sie sollen nur hören, wie wir über das, was uns nicht paßt, schimpfen.“ Bescheiden wagte ich einzuwerfen: „Glauben Sie, daß es dadurch besser wird?" „Vielleicht nicht — aber das Schimpfen erleichtert das Gemüt. Es ist in diesen lausigen Zeiten eine Wohltat. Ich möchte sagen, es ist der bedeutendste Fortschritt gegenüber früher, wo man einfach kuschen mußte.“
vertrag abgeschlossen worden, der auf eine Dauer von fünf Jahren berechtigt ist und der die Meistbegünstigungsklausel enthält.
Hillers Testament aufgefunden
Bad Tölz, 30. Dezember. General Lucian Truscott, der Befehlshaber der amerikanischen 3. Armee teilt mit, daß das Testament Adolf Hitlers aufgefunden worden ist. Es besteht aus vier Dokumenten und wurde in einer Villa in Tegernsee entdeckt. Es wurde in einem Kosser aufgefunden, der dem Adjutanten Bormanns gehört hat. Das Testament ist vom 29. April 1945 datiert und trägt die Unterschriften von Doktor Goebbels und Bormann. Das Testament besteht aus einem politischen Teil, in dem Hitler seine Politik zu rechtfertigen versucht, indem er das Judentum als Ursache des Krieges beschuldigt. Im privaten Testament spricht Hitler den Wunsch aus, zusammen mit Eva Braun verbrann zu werden. Auch die Heiratsurkunde zwischen Hitler und Eva Braun befindet sich
unter diesen Dokumenten. Die Heiratsurkunde trägt das Datum vom 20. April. In diesem Testament überträgt Hitler die Nachfolge an „ehrenwerte Männer". Dönitz wird zum Chef der Regierung. Seyß=Inquart zum Außenminister bestell. Die Auffindung dieses Testamentes ergibt einen wichtigen Indizienbeweis für den Tod Hitlers.
„Aber“, so wurde ich eindringlich, „geehrter Herr, Sie müssen doch eine Vorstellung darüber haben, wie regiert werden soll?" „Haben wir auch. Darum geben wir bei den Wahlen unsere Stimme ab. Um die Einzelheiten sollen sich dann jene kümmern, die wir gewählt haben. Wissen Sie, die Hauptsache ist, daß wir ihnen auf die Finger sehen können. Auch das ist ein großer Fortschritt. Der Hitler und seine Gau= und Kreisleiter konnten mit uns Schindluder treiben wie sie wollten. Das hat aufgehört. Macht die eine Partei eine Dummheit, so schlägt die andere Partei Lärm. Die Parteien beschnüffeln einander wie die Wachthunde und bellen sich auch gegenseitig an. So kann also weder eine ganz große Dummheit, noch auch eine übergroße Gaunerei passieren.“
„Ich will Ihnen aber“, so fuhr der kleine Mann fort, „vertraulich noch etwas sagen. Am liebsten wäre es mir, wenn alles so eingerichtet wäre, wie wir es vor dem ersten Weltkrieg gekannt haben. Damals herrschte Ordnung. Weil Ordnung bestand, hatte man seine Ruye und weil alles ruhig war, blühte der Verdienst. Diese Zeiten werden leider nicht mehr wiederkehren. Aber das ganze Politisieren hat gar keinen Wert, wenn es nicht dazu ausreicht, daß man ein bißchen Fett aufs Brot streichen kann. So, jetzt muß ich aussteigen. Dort drüben ist meine Werkstätte.“
So blieb mir nichts anderes übrig, als mein Interview mit dem kleinen Mann zu beenden War das Gespräch ertragreich? Warum nicht? Schließlich ist die Ansicht des einen kleinen Mannes wahrscheinlich die von einigen Hunderttausenden von Wählern Ihnen erscheint die Politik anders als denjenigen, die sie berufsmäßig behandeln. Ihnen erscheint das Staatswesen und seine Aufgaben unter der Beleuchtung ihrer unmittelbarsten Bedürfnisse. Darum müssen diejenigen, welche den Staat lenken, jederzeit wissen, wo den kleinen Mann — der Schuh###kt
A. K.
Der Roman eines Hochstaplers
Salzburg, 29. Dez. Der erst 22jährige Handelsangestellte Leopold Knoll aus Linz wurde im Jahre 1943 zur Wehrmacht eingezogen und 1944 zweimal wegen unerlaubter Entfernung verurteilt. Als er kurz darauf wegen Unterschlagungen neuerlich verurteilt wurde, gelang es ihm, aus dem Gefängnis zu entfliehen. Nun hatte er im Falle eines neuerlichen Ergreifens die Todesstrafe zu erwarten. Aus diesem Grunde verschaffte er sich ein Ersatzsoldbuch und gab sich bei der Neuausstellung
als Stabsarzt
aus. Mittels dieses Soldbuches kleidete er sich als Stabsarzt ein und spielte zwei Jahre lang bei einem Landesschützenbataillon den Truppenarzt, ohne daß man ihm auf seinen Schwindel araufkam. Durch diesen Erfolg ermutigt, bechloß Knoll seine Rolle auch nach Beendigung es Krieges weiterzuspielen und ließ sich von den merikanischen Besatzungsbehörden als Dr. med. Knoll, 25 Jahre alt, verwitwet, und fürsorgepflichig für ein Kind, entlassen. Auf Grund dieser falchen Angaben, die er bei der Anmeldung in Bad zastein wiederholte, bezog er unberechtigt die Leensmittelkarten für ein dreijähriges Kind, das n Wirklichkeit überhaupt nicht existierte.
Knoll wollte sich nun eine einträgliche Einnahmsquelle sichern und
bewarb sich um eine Arztensstelle
Da ihm aber die Stelle eines praktischen Arztes zu wenig einträglich erschien, fälschte er sich selbst Urkundabschriften über seine angebliche nung zum Primar durch die Universitätsklinik Frankfurt am Main, weiters die Bestätigung dieser Ernennung durch den Oberbürgermeister außerdem noch die Zuerkennung der Lehrberechtigung an der medizinischen Fakultäl in Frankfurt. Mit diesen falschen Papieren wagte er es, sich beim Präsidenten der Arztekammer, Doktor Wartelsteiner, und bei der Bezirkshauptmannschaft St. Johann im Pongau vorzustellen und den ihm vorgelegten Fragebogen falsch auszufüllen. Dadurch gelang es ihm, nicht nur die Befürwortung des Präsidenten der Arzlekammer sowie des Leiters des Gesundheitsdienstes, sondern auch des
Landeshauptmannstellvertreter Neumayr zu erlangen und fast wäre er zum
Chefarzt des Krankenhauses in Bad Gastein
bestellt worden. Knoll überbot sich selbst in nächsten Zeit: bald stellte er sich als Landra von Salzburg, bald als Primararzt der Krankenanstalt von Schwarzach=St Veit, St. Johann im Pongau, Zell am See oder Radstadt vor. Er lernte dabei einige Rotkreuzschwestern kennen, die im Begriffe waren, nach Deutschland zu rückzukehren. Mit Freuden gingen sie auf den Vorschlag des Herrn „Primar“ ein, der sich hötig machte, ihr Gepäck über die Grenze zu schaffen. Da er sih aber nicht zur Reise anschickte, wurden die Schwestern mißtrauisch Die von Betrogenen herbeigerufene Gendarmerie fest, daß der „Primar“ bereits sämtliche Koffer erbrochen und beraubt hatte. So flog der ganze Schwindel auf und dem Hochstapler wurde rechtzeitig sein Handwern gelegt, bevor er
größren Schaden anrichten konnte.