Tiroler Tageszeitung 1945

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Montag, 31. Dezember 1945
Tiroler Tageszeitung
Nr. 160 Seite 11
Sotom der Duster 191e
Einzug der Russen in Berlin
Jänner
1. Hitler: „Deutschland kapituliert niemals!“
6. Abbruch der diplomatischen Beziehungen der Türkei mit Japan.
8. Die USA. berufen 5 Millionen Soldaten neu ein.
10. Landung von USA.=Truppen auf der Philippineninsel Luzon.
13. Beginn der russischen Winteroffensive aus dem Brükkenkopf Baranow an der Weichsel.
19. Kämpfe in Krakau und Lodz.
23. Deutsche Truppen sprengen das Tannenbergdenkmal.
29. Fall von Memel.
30. Hitler: „Siegen wird die deutsche Nation!“
Februar
5. Konferenz von Jalta.
8. Beginn der alliierten Westoffensive mit Stoßrichtung gegen das Ruhrgebiet.
12. Elbing von den Russen besetzt. — Ende der Konferenz von Jalta.
15. Fall von Budapest.
25. Hitler: „Keine Macht wird uns im Herzen schwach machen!“
März
1. Türkei und Agypten erklären Deutschland und Japan den Krieg. Posen fällt.
7. Kämpfe in Köln.
8. Graudenz fällt.
26. Kämpfe in Frankfurt a. M.
Lloyd George im Alter von 82 Jahren gestorben.
27. Argentinien erklärt Deutschland und Japan den Krieg.
30. Danzig und Gotenhafen gefallen.
81. Die Russen in Küstrin.
April
1. Gründung der Wer= Kapitulation Japans wolf=Bewegung.
Amerikanische Landung auf Okinawa.
3. Russische Truppen erreichen Baden bei Wien.
4. Kämpfe um Eisenach und Meiningen in Thüringen.
s. Preßburg gefallen.
8. Russische Truppen dringen in den Südteil von Wien ein.
Einzug der Franzosen in Innsbruck
12. Tod Roosevelts in Warm=Springs.
Königsberg und Bochum gefallen, Kämpfe um Magdeburg.
15. Kämpfe um Leipzig und Chemnitz.
16. Wien von den Russen erobert. Kämpfe um St. Pölten.
17. Beginn des Kampfes um Berlin.
18. Kämpfe in Nürnberg.
21. Rußland kündigt den Neutralitätspakt mit Japan.
Britische Verbände erreichen die Elbe.
24. Kämpfe bei Regensburg.
25. Amerikanische Verbände vor Fiume.
27. Mussolini in Mailand erschossen.
In Italien überschreiten die anglo=amerikanischen Truppen den Po.
30. Selbstmord Hitlers. Dönitz zum Nachfolger Hitlers ernannt.
Alliierte Truppen vor Bregenz, Reutte und Mittenwald.
Mai
1. Kapitulation in Italien.
3. Einzug der Amerikaner in Innsbruck.
4. Pattons Armee in Salzburg.
8. Unterzeichnung
der deutschen Kapitulation.
22. Ernennung Dr.
Grubers zum Landeshauptmann von Tirol.
Juni
21. Okinawa von den Amerikanern erobert.
26. Einstimmige Annahme der Weltfriedensverfassung auf der Vollsitzung der Konferenz der Vereinigten Nationen in San Franzisko. General Clark amerikanischer Oberbefehlshaber in Österreich.
Juli
1. James Byrnes als Nachfolger Stettinius" amerikanischer Außenminister.
Tschechoslowakei tritt die Karpato=Ukraine an Rußland ab.
2. Alliierte Landung auf Borneo.
5. Beginn der Besetzung Tirols durch französische Truppen.
Ende des Feldzugs auf den Philippinen.
Kundgebung für Südtirol
8. Auflösung des Obersten Alliierten Hauptquartiers in Europa.
9. Generalleutnant Sir Richard MacCreery Oberbefehlshaber der britischen Besatzungstruppen in Österreich.
10. übernahme der Militärregierung in Tirol durch die Franzosen.
14. Italien erklärt Japan den Krieg.
18. Einzug des Generals Bethouart als Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Öster. reich. Voizard Generalgouverneur.
24. Die Engländer lösen in der Besetzung der Steiermark die Russen ab.
27. Truman, Churchill und Tschiangkaischek rich ten an Japan ein Ultimatum.
28. General de Lattre de Tassigny in Innsbruck
30. Beginn der Besetzung Wiens durch alliierte
Truppen.
August
2. Konferenz in Potsdam zwischen Truman, Attlee und Stalin.
Urfahr und das Mühlviertel von den Russen besetzt.
7. Abwurf der ersten Atombombe über Japan.
8. Rußland erklärt Japan den Krieg.
9. Abwurf der zweiten Atombombe über Japan.
14. Kapitulation Japans.
Marschall Pétain zum Tode verurteilt.
24. Erste Zusammenkunft der alliierten Oberbefehlshaber in Wien.
28. Erste Sitzung der Provisorischen Tiroler Landesversammlung.
September
4. Großkundgebung für Südtirol in Innsbruck.
10. Außenministerkonferenz in London.
15. Der Alliierte Rat für Österreich genehmigt volle Freiheit der politischen Tätigkeit der politischen Parteien in ganz Österreich.
24. Konferenz der Vertreter der Bundesländer in Wien.
26. Bildung einer neuen österreichischen Regierung auf breiterer Grundlage. Ernennung Dr. Grubers zum Staatssekretär für Außeres.
29. Eröffnung der Innsbrucker Universität.
Oktober
in Österreich:
zwi
Wiederwahl de Gaulle
1. Einführung der Pressefreiheit in Österr Postverkeyr und Verkehrserleichterungen schen den Besatzungszonen.
Beginn des Nürnberger Prozesses
8. Ing. Dr. Weißgatterer Landeshauptmann von Tirol.
15 Laval hingerichtet.
21 Regierung Dr. Renner von den Alliierten anerkannt.
22. Wahlsieg de Gaulles in Frankreich.
November
1. Neugestaltung der Presse in der französischen Besatzungszone Österreichs.
7. Rücktritt de Gaulles.
8 Tagung der Reparationskonferenz in Paris.
11. Rückführung der „Schwarzen Mander“ in die Hofkirche.
12. Besuch Dr. Renners in Innsbruck und Rede im Stadttheater.
13. Einstimmige Wahl de Gaulles zum Regierungschef.
16. Heimliche Einreise Ottos von Habsburg in Tirol.
20. Beginn des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses.
21. Rückgliederung Osttirols an Tirol.
Bildung des neuen französischen Kabinetts.
25. Wahlen in Österreich.
28. Demission der Regierung Renner.
30. Jugoslawien zur „Föderativen Volksrepublik“ erklärt, König Peter II. abgesetzt.
Dezember
1 Ing. Figl mit der Regierungsbildung betraut. Bekanntgabe des Schillinggesetzes.
11. Wahl der neuen Tiroler Landesregierung.
15. Zusammenkunft der Außenminister Englands, Rußlands und der USA. in Moskau.
Dr. Gruber in Prag;
Handelsvertrag mit der Tschechoslowakei.
18. Genehmigung der Regierung Figl durch den Alliierten Rat.
19. Erste Tagung des neuen österr. Nationalrates und der neuen Bundesversammlung.
20. Einstimmige Wahl Dr. Karl Renners zum österreichischen Bundespräsidenten.
24. Weihnachtsamnestie für politische Häftlinge.
25. Erdbeben im Inntal.
Wahlen in Österreich
Twiegonäche über eine Tebensttage
Sein und Neiden — Itau und MKann
Manche Krise, ja, Tragödie in den Beziehungen zwischen Mann und Frau kommt daraus, daß der Mann zuweilen fast plötzin seinem Leben eine innere Revolution, ein neues, verwandelndes Werden erfährt, während die Frau in solchem Falle häufig an dem einmal Gewordenen, an einem ihr vertrauten Dasein und Sein angstvoll aber aus tiefer Erkenntnis ihres Wesens heraus festhält. Diese verschiedenen Lebensstimmen in Frau und Mann — sie sind das erste Thema unserer neuen Sparte: Zwiegespräche.
Fdealisten und Realistinnen
— Von Lydia Marnet
Was soll eine Frau antworten, wenn der Mann sie fragt, warum sie so ist — und nicht anders? Wir lieben es nicht allzusehr, in dieser Weise auseinandergenommen zu werden, vielleicht deshalb, weil wir unsere Kinder beobachten, die fast immer enttäuscht sind, wenn sie wissen, daß man auf einem auseinandergenommenen Fahrrad nicht mehr fahren kann. Und trotzdem hat mich die Frage sehr beschäftigt; der Mann glaubt also, daß wir Frauen stark in der Gegenwart leben und die Zukunft weniger interessiert betrachten, daß es unser Gesetz ist, viel mehr zu sein, als den lange und mühsam aussteigenden Weg des Werdens zu gehen.
Doch, so glaube ich, kann man den Unterschied zwischen Weiblichem und Männlichem schlecht fassen. Vor einem Jahrtausend fragten die Kirchenväter: „Habet mulier animam?“ (Haben die Frauen eine Seele?), und man übersetzte es richtigerweise in Deutschland nach unserer Art: Sind die Frauen die Seele? Ja. Wir sind sie; ihr wollt stets eine Antwort haben und vergeßt, daß wir die Antwort schlechthin sind. Ich glaube, daß sich das männliche und weibliche Prinzip viel mehr in Haben und Sein, als in Sein und Werden scheidet; man vergesse nie, es sind zwei sehr verschiedene Wörter, die das Leben in uns konjugiert.
Denn stimmt es denn, daß uns die Zukunft, die ihr mit aller Intensität baut, weniger angeht? Nein niemals! Man denke doch an die Liebe — da ist der Mann der Gegenwartsnahe, der selig den Augenblick genießen möchte, meist ohne die Folgen zu bedenken. Und wir? Ist es nicht unser lefstes Gesetz. gerabe die Zukunft zu bedenken?
Der Unterschied liegt also auf ganz anderem Gebiet. Ein Mann denkt ideal, eine Frau real, auch wenn es zunächst nicht so aussieht. Wir lieben keine Wolkenkuckucksheime, sonderen Tatsächlichkeiten. Wenn wir uns trotzdem dann und
wann das Mäntelchen der Schwärmerei umhängen, dann tun wir es, weil wir wissen, daß ihr großen Kinder im Grunde alle Schwärmer seid, mit denen man in eurer Sprache reden muß, damit ihr uns überhaupt versteht.
Ein Mann will die Welt stürmen, eine Frau nwill sie erhalten. Männer müssen den Fortschritt nerzwingen, Frauen wissen um die Ewigkeit der * Dinge, und sie, die auf das sich Gleichbleibende nihr Augenmerk richten, sind häufig der Meinung des Dichters: „Sie nennen Fortschritt ihre Schnekkenspuren und fahren schneller, wo sie langsam fuhren . . .“ Wir finden die Welt und das Leben wichtig, wo sie uns ihr ewiges Antlitz zeigen: In Liebe, Geburt und Tod.
Ich will nicht rechten; wir Frauen erfüllen unser Gesetz, der Mann das seine, und eins ist so notwendig wie das andere. Alles, was in dieser Welt durch Taten. Handeln und Vorwärtsstürmen geschieht, jene Bezirke, in denen man erobert, um zu haben, das ist Mannes Bereich, alles das, was seit Urzeiten ist und sein muß das ist das unsere und muß es bleiben. Wären nur wir da auf dieser Erde, dann änderte sich nichts, und es gäbe keine Entwicklung, wäret nur ihr Männer da, hättet ihr so lange die Welt gestürmt, bis nichts mehr von ihr übrigbliebe.
Zum Rechten und Werten also gibt es hier nichts. Aber ihr habt diese Eigenschaft im großen und im kleinen. So kommt es auch. daß ihr stets an eurer Zukunft baut und oft überseht, daß euch das Gegenwärtige in Trümmer geht. Wie oft vergeßt ihr über eurem Beruf, daß es nicht nur ein Glück zu schaffen, sondern auch eins zu halten gibt: Die Liebe der Frau, die Verbindung zu den Kindern. Das ist nur ein Beispiel.
Jeder, der das Bestehende liebt, wohnt immer dicht und nahe an der Wirklichkeit. Wir Frauen lieben Goethe, weil er ausspricht, was wir fühlen: „Grau, Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldener Baum“ Um das Bestehende zu ändern, fliegt ihr mit hundert Gedanken und Zielen in die Ferne, wir sind es, die euch festhalten, damit euch die Flügel nicht gebrochen werden. Das ist wie ein Fallschirm, der euch auf die Ebene des Erreichbaren zurückführt. Ihr macht das Unmögliche möglich; gäbe es aber uns nicht, so würde wahrscheinlich — das Mögliche zur Unmöglichkeit.
Das klingt wie Sophisterei; überlegt euch, ob nicht doch eine Wahrheit dahintersteckt, vor allem aber, bitte ich, denkt daran, daß man als Mann eine Frau nicht „haben“ kann, wenn man über seinen großen Plänen vergißt, daß sie da „ist“. Verzeiht, aber auch das ist eine rein praktische überlegung.
Die faustische Stimme
Von Werner Plato
Ist es schnöde Indeskrition oder tückischer Verrat, wenn man einmal rundheraus die Feststellung trifft, daß es unter uns Männern nicht wenige gibt, die zwar der Liebe keineswegs abhold sind, die aber alsbald unruhig werden, ein bedenkliches Gesicht machen, das bekannte Haar in der Suppe finden und sich womöglich schweigend zurückziehen, wenn man ihnen mit der Forderung allzu deutlich zu Leibe rückt, sie möchten sich doch nun entscheiden, sich binden? Gewiß nicht! Die Frauen wissen ohnehin über diesen bei manchen Männern schwierigen und empfindlichen Punkt Bescheid — und die Klugen unter ihnen pflegen es vorkommendenfalls wie die guten Zahnärzte zu machen: sie bohren zartfühlend und doch energisch um den bloßliegenden Nerv herum, ohne diesen
selbst zu berühren. Das Ergebnis ist dann auch meistens erfreulich: ein zufriedener Patient — ein trotz Widerstrebens auf die eine oder andere Weise gebundener Mann! Nur selten wird es nötig, mit der Kanone der Moral auf „mangelndes Verantwortungsgefühl“ zu schießen.
Es gibt natürlich unter den Männern solche mit leider lockeren Grundsätzen. Bei ihnen kann man sich auch das Schießen sparen. Und es gibt die glücklich Idyllischen oder die einfach Praktischen, denen die Beklemmungen der anderen nie begreiflich werden; beileibe nicht jeden Mann beseelt ja ein faustischer Drang. Den „Faustischen“ freilich möchte man den Ausspruch einer lebenserfahrenen Mutter anführen, die, als einmal die Rede auf die Wiedergeburt kam, es strikt ablehnte, als Mann auf die Welt zu kommen. Befragt, warum eigentlich nicht, versetzte sie mit gütigem Lächeln: „Ihr habt"s zu schwer.“ Merkwürdig — nicht wahr? Als Mann fühlt man sich dabei geradezu ein wenig geniert. Aber etwas Wahres steckt in diesem Gedanken. Man darf ihn nur nicht verallgemeinern.
Das Schwere, dessen Erfüllung den echten, den lebendigen Mann viele Anstrengungen und manche Opfer kostet, ist seine Verantwortlichkeit dem Werden gegenüber — und gerade der Mann, der diese Verantwortung ernst nimmt, der ihr, stets erneut um das Zukünftige bangend, zu neuen Bewährungen drängend, nur ausnahmsweise in beharrendem Zustand zufrieden, am treuesten zu dienen versucht, wird leicht egoistisch oder unverantwortlich gescholten werden Eines der tiefsten Mißverständnisse zwischen Frau und Mann liegt in der Verschiedenartigkeit männlichen und weiblichen Verantwortungsgefühls Denn fühlt sich der Mann weitaus mehr dem Werden verpflichtet, so ist es die Frau ohne Zweifel mehr dem Sein. Und nur. wo beide in ihrem bewußten oder
unbewußten Mühen sich gegenseitig so wenig wie möglich hindern, wird aus ihrem Bund ein wirkliches Glück gedeihen. Der schwerste Fehler mancher Frau kann jedenfalls in dem Versuch liegen, einen Mann, der mit sich, seinen Aufgaben, seinem ganzen inneren Drang noch nicht
fertig ist, auf etwas Bestimmtes festzulegen, von ihm endgültige Bindung zu fordern. Unendlicher Schaden ist dadurch oft schon entstanden, wie freilich umgekehrt auch durch eines Mannes unzeitigem Versuch, einer Frau weiszumachen, allein in der Unrast träte das eigentliche, das „bessere“ Leben zu tage, während alle Beharrung Trägheit und unfruchtbare Erstarrung sei. Weiß denn dieser Mann so gewiß, ob seine Unrast ungebändigter schöpferischer Fülle oder nur einem Mangel an Klarheit über sich selbst entspringt?
Ohne Frage hat die Frau, wenigstens die gesund veranlagte, echte Frau, dem Manne gegenüber etwas voraus. Sie ist schon als Mädchen etwas, während der Jüngling noch so ziemlich alles erst werden muß. Sie bringt ein bestimmtes Sein eigentlich gleich mit auf die Welt und ruht alsbald vertrauter im Leben, das ihr in erster Linie Gegenwart bedeutet. Der Mann dagegen findet leicht ein Ungenügen gerade am gegenwärtigen Zustand, er strebt schon recht bald über die Gegenwart hinaus neuen Wagnissen entgegen. Ja, erfüllte Gegenwart kann ihm sogar als schwere Schuld erscheinen, als Preisgabe des Besten: der Zukunft. „Werd" ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön, Dann magst du mich in Fesseln schlagen . . .“ Das Glück des Mannes liegt in
immer neu gemeisterten Aufgaben, in seiner Leistung, liegt in Tat und Ziel, so daß ihm das Erreichte vielfach nicht Zweck, sondern nur Mittel zum Zweck sein kann, was nicht selten eine gespannte, ja fast tragische Lebenslage bewirkt. Und nicht nur das Glück, sondern der Wert des Mannes erfüllt sich in dem, was ihm menschlich, beruflich, aber auch geschichtlich aufgegeben ist. Wer das nicht fühlt, der ist eben kein Mann. Aber jeder fühlt freilich auch mit zunehmender Reife, daß, wenn männliche und weibliche Verantwortlichkeit in gewissen Anfangsstadien einander scharf widersprechen können, sie nicht bei dem Kampf um den Vorrang stehenzubleiben brauchen. Denn ein Werden ohne den Rückhalt an einem Sein muß dem Mann schließlich sinnlos vorkommen. Und so
sucht er die Frau, die ihm diesen Rückhalt in Form der Häuslichkeit und Familie, vor allem aber seelisch gewährt.
Es ist durchaus kein Zufall, daß eigentlich nie an eine Frau, sondern stets nur an den Mann der Anspruch gestellt wird, etwas zu werden. Und kein Zufall ist es auch, daß der Mann gern den Rat einer Frau einholt, wenn ihn Zukunstssorgen bedrängen. Er sieht manchmal vor lauter Zukunft die nächsten Mäglichkeiten in der Gegenwart nicht. Aber allerdings scheini es dem Mann dabei in dem einen oder anderen Fall auch so, als müsse er gerade hier auf der Hut sein. Denn erstens ist keine Frau stolz auf einen Mann, der nicht mehr wird, der nichts mehr erstrebt, als was jenseits der Gegenwart liegt. Zweitens aber ist der Mann im allgemeinen doch wohl instinktsicher genug, um sich immer wieder einmal vor Augen zu halten, daß ihm kein Glück mit einer Frau Erfatz für eine
verpaßte Lebensaufgabe zu schaffen vermag.