Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:7
- S.45
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Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur in # Redaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an Innsbruck,
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summer 297 1. Jahrgang Mittwoch, 25. Juli 1995
Die Verteidigung Petains
Oesterreichs Leidensweg
Auch während dieser sieben Jahre, da das Andenken und gar das Gedenken an Engelbert Dollfuß als schwerstes Verbrechen gegen die Größe des Dritten Reiches behandelt wurde, blühte am Grabe des großen Märtyrers für Österreichs Freiheit und Unabhängigkeit das Vergißmeinnicht der Treue. Selbst diejenigen, die Österreich liebten, waren in jenen Jahren mit Dollfuß nicht immer eines Sinnes. Die Leidenschaft des Parteikampfes zitterte in den Pulsen unseres fiebernden öffentlichen Lebens. Vielleicht gibt es sogar heute noch gute Österreicher, die mit bitteren Gefühlen an die Februartage von 1934 denken. Als jedoch die Mörder des Kanzlers in das Gefängnis eingeliefert wurden, da lehnten sich die seit Monaten dort inhaftierten Sozialdemokraten und Kommunisten mit Entrüstung gegen die neuen Zellengenossen auf. „Pfui, ihr
Kanzlermörder!“, riefen sie ihnen mit bebender Entrüstung entgegen. So entschieden und geschlossen erklärte sich die Stimmung Österreichs für den Mann, den es als Opfer für seine Freiheit und Unabhängigkeit fallen sah. Die Erinnerung an den Mann, der am 25. Juli 1934 von den Söldlingen Hitlers ermordet wurde, wie die Umstände, unter denen er fiel, sind mit den unaustilgbaren Brandmalen der Liebe wie des Zornes in das Gedächtnis jener eingeprägt, die diesen bitteren — und wie sich heute zeigt — für Österreichs Zukunft doch so furchtbaren Tag zu ihren unvergeßlichen Erlebnissen zählen.
Welche Tücke der Anschläge wagte sich damals aus der Verborgenheit geheimer Zettelungen hervor! Es war fürwahr ein feines Netz, an dem jede Art von Schändlichkeit mitgewebt hatte. Jeder Verrat wurde angeworben und jeder ungesunde Ehrgeiz auf die Bahn des Verbrechens gelockt. Wochen hindurch wiegelten Habicht und Frauenfeld vom Münchener Rundfunk aus in einer bis dahin unter gesitteten Völkern unerhörten Sprache zum Mord und zum Bürgerkrieg auf. Auf den verschlungensten Wegen wurden die Waffen, die diese Absicht unterstützen sollten, über die Grenze gebracht. Verschwörer in der Maske von Biedermännern spendeten aus den Füllhörnern der reichlich rollenden Mark. „Sie irren sich“, so sagte mir ein Münchner Journalist, der irgendwie hinter die Geheimnisse des Generalstabes im Braunen Hause geblickt hatte,
„wenn Sie glauben, daß wir österreich durch einen Krieg heimholen werden. Merken Sie sich: moderne Eroberungen macht man in Form von Bürgerkriegen.“ Diese eiskalte Berechnung ging nicht auf. Sie scheiterte am Patriotismus der österreicher. Der von jenseits der Grenzen geleitete Versuch, österreich von innen her umzustürzen, war nicht von der Mehrheit des Volkes unterstützt, sondern von einer Grupppe von Abenteurern und
Fanatikern, deren Verwegenheit durch die
Versicherung aufgereizt wurde, daß ihr Unternehmen mit keiner Gefahr für sie selbst verbunden sei, da die Macht des Dritten Reiches sie in jedem Falle schützen werde. Die Pläne derer, die den Mord an Dollfuß und den Umsturz in österreich anstrebten, zerschellten aber auch an der Entschlossenheit der Großmächte, Veränderungen, wie sie Hitler hervorrufen wollte, nicht zu gestatten. So konnte der Sprecher der Regierung, der spätere Bundeskanzler Dr. Schuschnigg. am Abend des 25. Juli dem österreichischen Volke und der Welt das Ergebnis dieses blutigen Tages mit den Worten verkünden: „Der Bundeskanzler ist tot — aber Österreich lebtf“
Als zwei Jahre später der Staatssekretär Dr. Guido Schmidt zur Besiegelung des „Normalisierungsabkommens“ vom Jahre 1936 Hitler seine Aufwartung machte, versicherte dieser, er habe von den Vorbereitungen zum Morde an Dollfuß nichts gewußt. Es war nur eine Versicherung — die großen wie die kleinen Ehrenwörter waren damals ja bereits ausverkauft. Wir waren in der Lage, im Jahre 1938 den Wert dieser „Versicherung“ nachprüfen zu können. Das Denkmal, das die Liebe der Österreicher ihrem gemordeten Kanzler gesetzt hatte, wurde niedergerissen! An seiner Stelle wurde ein Monument für die Mörder errichtet! — So abgrundtief war Hitlers
aris, 24. Juli. Im Pariler Justizpalast begann gestern vor einem Sondergericht der Prozeß gegen Petain. 90 französische und ausländische Jorunalisten und etwa 180 eingeladene Vertreter, darunter zahlreiche Diplomaten und hohe Beamte der Behörden, waren bei der Verhandlung zugegen. Um 13 Uhr trat Petain in den Gerichtssaal ein.
Paris, 24. Juli. Die Verteidiger Petains erklärten, daß Petain nur von der „Haute cour de justice“ gerichtet werden dürfe, während Petain selbst das Gericht nicht anerkennt und jede Antwort verweigert. Er erklärt, vom französischen Volk berufen worden zu sein und könne daher nur von diesem gerichtet werden.
Als erster Zeuge wurde Paul Reynaud einvernommen. Seine Aussage betraf die Umstände, unter denen er den Marschall in sein Kabinett berief.
Die Aussage Reynauds Paris, 24. Juli. Der ehemalige Ministerpräsident vor dem Waffenstillstand 1940
London, 24. Juli. Der letzte Produktionsminister Hitlers, Dr. Albert Speer, erklärte vor den alliierten Kommissionen, Hitler sei im Winter 1941 vom Siege Deutschlands überzeugt gewesen. Die damaligen Ereignisse an der Ostfront hielt er nur für einen „leichten Rückschlag“. Speer erklärte, daß die gesamte Kriegsproduktion mit Ausnahme der Luftverteidigungswaffen und Kampfflugzeuge starkgedrosselt wurde. Im Februar und März 1942 erreichte die deutsche Kriegsproduktion ihren tiefsten Stand. Sowohl die deutsche Regierung wie die deutschen Industriellen wurden durch die Qualität der russischen Panzer und Artillerie
Paul Reynaud führte aus, warum er Petain und Weygand in sein Kabinett aufgenommen habe. „Ich gebe zu“, sagt er, „daß ich einen Grundfehler gemacht habe. Ich glaubte an ihren Patriotismus. Ganz Frankreich machte diesen Fehler. Aber ich war das Staatsoberhaupt und bin dafür
verantwortlich.“
de Gaulle über die neue Verfassung
Paris, 24. Juli. In einer Rede erklärte General de Gaulle, es sei im Sinne der Regierung, daß eine Körperschaft bestehe mit beschränkten Vollmachten, um die Erneuerung der Verfassung durchzuführen. Eine zu mächtige Körperschaft wird ein zu großes Wagnis bereiten, vor dem wir uns bewahren müssen. Die Verfassung von 1875 muß aus verschiedenen Gründen einer Durchsicht unterzogen werden. Erstens, weil sie keine großen Veränderungen in der Wirtschaftsstruktur des Landes zuläßt, und zweitens, weil der Exekutive die nötige Autorität und Festigkeit mangelt.
vollkommen überrascht. Erst nach den schweren Luftangriffen gegen Ende des Jahres 1942 wurde der Versuch unternommen, die Organisation der deutschen Industrie zweckmäßig einzurichten.
Die „Wunderwaffe“
Der Leiter des Reichsforschungsrates [Osenberg besitzt eine Aktensammlung, die eine Liste von 15.000 führenden deutschen Technikern sowie Einzelheiten über die Waffenforschung enthält, die diese anstellten. Andere Dokumente enthalten Angaben über sämtliche Forschungsarbeiten auf dem Gebiete gesteuerter Geschosse.
Der große Bluff
Unter den Geheimplänen des deutschen Generalstabes wurden Operationsbefehle aus dem Jahre 1938 entdeckt, als Hitler mit Krieg drohte, wenn nicht das Sudetenland an Deutschland angeschlossen würde. Aus diesen Plänen geht hervor, daß die Deutschen damals nur drei Divisionen für eine man[gelhafte Verteidigung der Westfront bereit hatten, während ihre gesamte für den Krieg bereite Streitmacht kaum größer war als die der Tschechoslowakei, ihre Luftwaffe war sogar schlechter als die der Tschechoslowakei.
Hitlers Geldmittel
Für den Unterhalt Hitlers wurde im Budget für das Jahr 1941 aus Reichsmitteln eine Million Mark bewilligt. Außerdem standen ihm weitere 24 Millionen Mark zur Verfügung, die er unkontrolliert verwenden konnte. Auf Hitlers Befehl wurde das Schloß Kleßheim bei Salzburg zum Preise von 6 Millionen Mark und die Wartburg in Thüringen für 5 Millionen Mark angekauft. Im Jahre 1941 schenkte er Mussolini ein Observatorium im Werte von 1,087.600 Mark.
Razzia nach Waffen in Frankfurt a. M.
Paris, 24. Juli. In Frankfurt unternahmen die Amerikaner eine Razzia nach Waffen. Es wurden einige tausend Personen untersucht und auch Waffen gefunden.
Wechsel im französischen Oberkommando in Deutschland
Paris, 24. Juli. (Reuter.) General Josef König wurde zum Oberkommandierenden der französischen Truppen in Deutschland ernannt. Er ist der Nachfolger des Generals de Lattre de Tassigny.
Der Einmarsch der Engländer in der Steiermark
London, 24. Juli. Der größte Teil der Steiermark war bis jetzt von den Russen besetzt. Die neue Demarkationslinie zwischen den britischen und russischen Truppen, die heute abends erreicht werden soll, verläuft westlich Maria Zell, berührt Fürstenfeldbruck und führt dann entlang der Grenze des Burgenlandes bis zum äußersten Südostzipfel Österreichs. Vorausabteilungen wurden zur Vorbereitung für die gemeinsame Besetzung Wiens durch die Alliierten bis zur Demarkationslinie gebracht. Die Vorausabteilungen sollen für die nachfolgenden Truppen in Wien Quartiere suchen.
Fritz Mandl verhaftet
Buenos Aires, 24. Juli. Der bekannte österreichische Munitionsfabrikant Fritz Mandl wurde anfangs dieses Monats verhaftet.
Mandl war vor Jahren Direktor der Hirtenberger Patronenfabrik.
Deutsche und slowenische Presse in Kärnten
Klagenfurt, 23. Juli. Die britischen Besatzungsbehörden haben für die slowenisch sprechende Minderheit in Kärnten eine Wochenschrift in slowenischer Sprache herausgegeben. 90.000 Personen in Kärnten, also etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung, sprechen slowenisch als Muttersprache. Die britischen Behörden veröffentlichen auch bereits eine Tageszeitung in der deutschen Sprache mit einer Auflage von mehr als 58.000.
Friedenswerk aus Kriegsgerät
Linz. 24. Juli. Der für die Industrie zuständige Offizier der Militärregierung Oberösterreichs erklärte, daß das Instandsetzungsmaterial für Brücken, Eisenbahnen und Lokomotiven aus ganz oder teilweise fertiggestellten deutschen 90=Tonnen=Tanks, deren Bestandteile in den Hermann=Göring Werken verfertigt wurden, genommen wird.
Haß gegen Dollfuß, daß nicht einmal das Grab des heldenhaften Kanzlers von ihm verschont blieb. Die Seipel=Dollfuß=Gedächtniskirche, in welcher der Leichnam seine letzte Ruhestätte gefunden hatte, wurde geschlossen. Die sterblichen überreste der beiden großen Staatsmänner verwies man in einen Winkel des Zentralfriedhofes. So freigebig waren die neuen Machthaber mit Fußtritten gegen das erste Opfer, das ihre Unmenschlichkeit außerhalb der Reichsgrenzen gefordert hatte, daß in ganz Österreich, bis ins letzte Dorf hinein, die architechtonischen und künstlerischen Huldigungen, mit denen die österreichische Seele in gerührter Ergriffenheit des Toten gedacht hatte, von einer wahrhaft vandalischen Zerstörungswut vernichtet wurden.
Als Dollfuß, von der Mordkugel niedergestreckt, durch einige Stunden ohne jeden ärztlichen Beistand, mit dem Tode ringend, in seinem Blute lag, bedrängten ihn die Mörder mit der Forderung, ihren Auftraggebern die Regierung zu übergeben. „Wie kann ich“, so röchelte er, „Österreich jenen übergeben, die es nicht lieben!“
Wie oft haben wir in diesen sieben Jahren an dieses Wort gedacht, als an das Vermächtnis eines Mannes, dem sein Vaterland höher stand als sein Leben!
„Wir müssen“ — so sagte ein Jahr nach jenem denkwürdigen 25. Juli Dr. Schuschnigg, der Nachfolger des Ermordeten im Kanzleramt — „die Dollfußstraße gehen. Die Dollfußstraße ist die via crucis, der Kreuzweg!“ Ja, Österreich ist auf dem Kreuzweg, auf dem es keine Parteien gab, sondern nur mehr Österreicher, weitergeschritten. Alle haben sie diesen bitteren Weg zurückgelegt, die Tausende von Hingerichteten und auf der Flucht Erschossenen, die Zehntausende der Gefangenen und Gemarterten, die Legion derer, denen man wegen ihrer Treue zu österreich die schwersten Schädigungen zufügte, die Massen der Eltern, die mit bitterem Zorn gegen den Unterdrücker im Herzen die Verurteilung ihrer blühenden Söhne zum Heldentod“ ertragen mußte, die zahllosen Scharen von Soldaten, die in der verhaßten Uniform des
Räubers und Schänders ihrer Heimat auf die Schlachtbank geschleppt wurden, sie alle und jeder Österreicher, der auf Treue und Glauben, auf Anstand und Sitte hielt, sind auf diesem Kreuzweg voller Weh und trotzdem voller Hoffnung weitergezogen, bis jener herrliche Tag erschien, an dem die Morgenröte einer gesicherten Freiheit unsere schneebedeckten Gipfel grüßte.
Zwölf Jahre des bitteren Kreuzweges liegen hinter uns. Jahre, während der kein österreicher, der sein Land wahrhaft liebte, seines Lebens, seiner Freiheit, seiner Glücksgüter sicher sein konnte. Dürfen wir nicht — mögen auch die Ereignisse von 1938 das Bild des wahren Österreich verfälscht haben — mit einigem Selbstbewußtsein sagen, daß wir uns das Recht auf unser Vaterland durch den härtesten Preis, den Menschen zahlen können, durch die Bitterkeit des Leidens erworben haben? Die Kriegszeit hat für österreich nicht erst im Jahre 1939 begonnen. Wir waren bereits sechs Jahre vorher von dem Feinde, dessen Gefährlichkeit die Welt erst erkannte, als man ihm die Vorbereitung seiner „Blitzsiege“ gestattet hatte, mit dem erbarmungslosesten Kriege überzogen worden. Fünf lange Jahre, von 1933 bis 1938, trug unser kleines Land
die Last der zermürbenden Verteidigung gegen eine ihm an materiellen Mitteln weit überlegene Gewalt. Haben nicht auch diejenigen Österreicher, die damals im Jahre 1933 sich gegen Hitler und den Nazismus wandten, Europa einen beträchtlichen Dienst geleistet? Einen Dienst, den wir in Erinnerung bringen dürften, auch wenn das Ausland gegen uns wegen dem, was im Jahre 1938 geschehen ist, Vorwürfe erhebt.
Wenn wir uns an diesem Gedenktage vor dem Namen des großen Bannerträgers und Märtyrers der Freiheit österreichs verneigen, so beseelt uns das dankbare und zugleich beglückende Gefühl, daß aus der Nacht des Unglückes und aus den Finsternissen der Wirrnisse uns ein neues Österreich geboren wird, ein Vaterland, gefestigt und erbaut durch das Opfer seiner Besten.
Dr. Anton Klotz.
Aus den Geheimnissen des Dritten