Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:7
- S.57
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— Juli 1945
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Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur in Redaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an Innsbruck,
Einzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Nummer 36 / 1. Jahrgang 299 dienstag, 31. Juli 1995
Schätzung der deutschen Kriegsverluste
Die hoffnung der Nazis
Der Nazistaat ist zerschlagen.
Keine der sogenannten „neuen Waffen“ hat ihn retten können, Hitler, der Führer ins Unglück, soll tot sein, aber selbst wenn sein Kadaver noch leben sollte, ist er jedenfalls politisch tot. Seine Mitarbeiter haben Selbstmord verübt oder sehen in alliierter Kriegsgefangenschaft der verdienten Aburteilung als Kriegsverbrecher entgegen.
Man sollte meinen, daß die Nazis nunmehr genug haben und daß sie endlich still sind — so wie es sich für Menschen gehört. die durch ihre Mitschuld eine ganze Welt ins Elend gestürzt haben. Aber sie haben noch nicht genug, noch immer nicht.
Und sie denken gar nicht daran, still zu sein, sondern sie wühlen weiter.
Natürlich tragen sie kein Hakenkreuz mehr auf dem Rockaufschlag. Das haben die Vorsichtigen unter ihnen schon seit Monaten nicht mehr in der öffentlichkeit angesteckt — nur wenn es sich gar nicht vermeiden ließ. Und sie prangen auch nicht mehr in der braunen Uniform — die haben sie schon beim letzten „Volksopfer“ abgegeben, das ja die willkommene Gelegenheit bot, sich einer so kompromittierenden Garderobe zu entledigen.
Sondern sie kommen in schlichtem Zivil, als „aufbauwillige“ und plötzlich wieder loyale Staatsbürger. Manchmal kann man sie kaum erkennen; denn auch der Haarschnitt ist nicht mehr so preußisch=militärisch, so nur ein Zehntel Millimeter, sondern meist unauffällig. Jeder Friseur kann das bestätigen. Aber wenn sie sich „unter sich“ glauben, oder wenn sie einen Österreicher vor sich haben, der sie noch nicht durchschaut hat und ohne Widerspruch anhört, dann legen sie los.
Dann raunen sie hinter vorgehaltener Hand, daß der Krieg noch lange nicht aus sei. Demnächst würden die Amerikaner und die Sowietrüssen aufeinander stoßen, und manchmal sind sie so unverschämt und sagen „Hoffentlich bald!“. Sie hoffen nämlich, unsere lieben Nazis und ihre Helfershelfer, daß sie dann wieder eine Chance hätten, daß man sie als „Hilfswillige“ auf irgend einem Pöstchen beließe, und es würde diesen sauberen Herren gar nichts ausmachen, in einem solchen Kriege weitere Hunderttausende von Österreichern ins Massengrab zu führen und zu Krüppeln schießen zu lassen — wenn sie nur ihre eigene erbärmliche Haut dadurch retten könnten. Das würde ihnen so passen! Untersuchen wir einmal den Tatbestand:
Es ist kein Geheimnis, daß es zwischen den westlichen Alliierten und der Sowjetunion in bestimmten Fragen Meinungsverschiedenheiten gibt, wie es überhaupt zwischen Staaten immer Meinungsverschiedenheiten geben wird. (Sogar innerhalb einer Partei oder einer Familie, sogar zwischen zwei Brüdern wird es Meinungsverschiedenheiten geben.) Unsere Nazis und ihre Helfershelfer, die sich immer wieder freuen, wenn sie solche Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion und den Alliierten des Westens entdecken, sollten sich nicht darüber wundern, daß es solche Meinungsverschiedenheiten gibt, sondern viel mehr darüber, daß es so erstaunlich wenig Meinungsverschiedenheiten gibt. Und diese wenigen Meinungsverschiedenheiten werden gelöst werden, eine nach der anderen, und zur Enttäuschung der Nazis im Geiste
der Freundschaft und der Waffenbrüderschaft. Denn die Sowjetunion, die sozialistische Republik der Arbeiter und -Bauern, will den Frieden, und die demokratischen Massen in Amerika, England und Frankreich wollen ebenfalls den Frieden. Keiner von ihnen denkt daran, den Nazis zuliebe miteinander Krieg zu führen. Gerade jetzt, wo die drei Großen sich über alle Fragen des Friedens in Potsdam besprechen, zeigt es sich klar, daß das Bündnis der demokratischen Großmächte ein festes Bündnis ist. Es hat sich bewährt im Kampfe gegen den Faschismus, es hat den Sieg errungen über den europäischen Faschismus, und es wird auch den Frieden organisieren. Es werden sich alle täuschen, die auf eine Uneinigkeit der demokratischen Großmächte spekulieren; denn die Alliierten in West und Ost führen nur einen Krieg. und dieser wird
von allen anständigen Österreichern mit Leidenschaft unterstützt:
Den kompromißlosen Kampf zur Ausmerzung des Faschismus!
Josef Ronczay, Landesrat.
Schätzung der deutschen Kriegsverluste
London, 30. Juli. Nach einer vom englischen Geheimdienst in Berlin gefundenen Aufzeichnung beträgt die Zahl der deutschen Kriegsverluste vom September 1939 bis Ende November 1944 4,064.438 Mann, davon sind 1,911.300 Gefallene oder Verstorbene, 1,445.952 Vermißte oder Internierte und 278.201 Kriegsgefangene.
Exekutionen bei der deutschen Wehrmacht Berlin, 30. Juli. Aus aufgefundenen amtlichen deutschen Verlustlisten läßt sich erheben, daß im Jahre 1944 4639 Angehörige des Heeres und der Luftwaffe hingerichtet wurden.
Zwei Millionen Deutsche aus der Tschechoslowakei ausgewiesen Berlin, 30. Juli. Gestern wurde die Konferenz der Drei fortgesetzt. England wird
jetzt durch seinen neuen Ministerpräsidenten Attlee, der vom Außenminister Bevin begleitet ist, vertreten. Wie es heißt, ist auf der Potsdamer Konferenz der Prager Regierung die Erlaubnis erteilt worden, zwei Millionen Deutsche auszuweisen.
Wie lange bleiben die Amerikaner in Deutschland?
otsdam, 30. Juli. Präsident Truman erklärte in einem Interview in der amerikanischen Armeezeitung „Stars and Stripes“, daß die Vereinigten Staaten ihre Truppen aus Europa nicht so rasch abziehen dürften, um den Frieden nicht zu gefährden. Die amerikanischen Besatzungstruppen werden aber, „sobald es die Umstände zulassen", zurückgezogen werden. Der Präsident wünscht nicht, daß die Frauen und die Familien der Soldaten nach Europa herüberkommen, er will nicht, wie er sich ausdrückt, daß die Amerikaner nach Europa umsiedeln.
General de Lattre de Tassigny mit seinen Offizieren vor dem Stadttheater
(Landesbildstelle: Photo Sickert)
Allüerte Truppen besetzen Wien
Wien, 30. Juli. Die Quartiermacher der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungstruppen sind in Wien eingetroffen. Die amerikanischen Streitkräfte werden sechs Bezirke besetzen: Neubau, Josefstadt, Alsergrund, Hernals, Währing und Döbling. Die Engländer besetzen den 3., 5., 7. und 8. Bezirk. Von den Franzosen wird der 6., 14., 15. und 16. Bezirk besetzt. In der russischen Besetzungszone liegen auf dem rechten Donauufer vier Bezirke, nämlich der 2., 4., 10. und 20. Bezirk sowie sämtliche auf dem linken Donauufer befindlichen Bezirke. Der erste Bezirk wird als eine „internationale Zone“ unter Kontrolle der alliierten Kommission für Österreich erklärt. Der Name deutet bereits auf die Verschiedenheit der Behandlung von Österreich und Deutschland durch die Alliierten hin. In Deutschland heißt die höchste Behörde
„Alliierte Kontrollkommission“.
Jede der vier Besatzungsmächte wird für je einen Monat den Vorsitz im alliierten Regierungsrat Wiens einnehmen. Bei der ersten Zusammenkunft der vier Höchstkonmmandierenden der vier Besatzungsmächte in Österreich war Frankreich durch General Bethouart vertreten.
* Der alliierte Regierungsrat wird das Wiener Rationierungssystem einer überprüfung unterziehen. Es stehen ungefähr 6000 österreichische Polizisten im Dienst, ebenso machen 600 russische weibliche Verkehrspolizisten Dienst.
Die Linie Wien—Linz ist wieder vollkom men hergestellt.
Von allen vier Abschnitten befindet sich die amerikanische Besatzungszone im besten Zu
stand. Um zu ermöglichen, daß die Arbeiterwohnungen und Fabriksbezirke Wiens in der russischen Zone verbleiben, liegt ein Teil der russischen Besatzungszonen, nämlich der 2. und 4. Bezirk, zwischen dem britischen 3. und 5. Bezirk. Die Amerikaner werden den Tullner Flughafen besetzen, während die Franzosen und Engländer sich in den Flughafen von Schwechat teilen. Journalisten und Rundfunkberichterstatter der alliierten Mächte werden keinerlei Zensureinschränkungen unterworfen.
Aufnahme des internationalen Luftverkehes
Eine offizielle Londoner Meldung besagt, daß der tägliche Flugdienst zwischen London und Berlin in Erweiterung der bestehenden Verbindung London—Paris—Frankfurt wieder aufgenommen wird. Man erwartet, daß diese Strecke binnen weniger Wochen täglict mindestens achtmal geflogen wird. — Eine schwedische Linie von Stockholm nach Südamerika wird im Herbst von einer schwedischen Fluggesellschaft eröffnet. Die kürzlich eröffnete schwedische Fluglinie von Stockholm nach New York über Island, wird wahrscheinlich über Irland und Kanada geführt werden.
Österreich auf der Weltgewerkschafts
konferenz?
Wie der Moskauer Rundfunk mitteilt, ist heim Sekretariat der Weltgewerkschaftskonferenz, die heuer im September in Paris stattfinden wird, auch ein Gesuch des österreichischen Gewerkschaftsverbandes zur Teilnahme an der Konferenz eingelaufen.
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In unserem Leitartikel vom 25. Juli „Österreichs Leidensweg“ steht geschrieben: „Selbst diejenigen, die Österreich liebten, waren in jenen Jahren mit Dollfuß nicht immer eines Sinnes ... Vielleicht gibt es sogar heute noch gute österreicher, die mit bitteren Gefühlen an die Februartage von 1934 denken.“ Damit haben wir schon ausdrücklich betont, daß es nicht in unserem Sinne lag, Dollfuß" Politik als ein Ganzes zu würdigen. Die „Tiroler Tageszeitung“ vertritt nicht die Sache irgend einer Partei und hat dies schon sichtlich bewiesen, indem sie abwechselnd mit den Leitartikeln von Herrn Dr. Klotz auch die Artikel von Herrn Karl Gvatter, Herrn Landesrat Ronczay und im allgemeinen von allen Persönlichkeiten, soweit der knappe Raum reicht, regelmäßig bringt, die in Tirol etwas zu sagen haben. Diese Aufgabe besteht nur darin, die Werte
zu unterstreichen, die das Gemeingut aller kultivierten Völker sind und die von den Nazis so schändlich mißhandelt wurden. Unser heißer Wunsch ist es, die Wege zu bahnen, die zu einem freien, glücklichen und demokratischen österreich führen. Der 25. Juli 1934 ist nichtsdestoweniger ein wichtiges Datum in der Weltgeschichte. An jenem Tage wurde der Kanzler eines freien Staates auf Geheiß des Führers eines anderen Staates in seinem eigenen Arbeitsraum ermordet. Das war einer der ersten Beweise der unverschämten und verlogenen Nazibarbarei, die später österreich, Fränkreich, Polen, Rußland und überhaupt die ganze Welt mit Entsetzen erfüllen sollte. Und dessen mußte gedacht werden.
Wiederherstellung der Arbeiterkammern
Wien, 30. Juli. Die provisorische Regierung hat ein Gesetz über die Wiederherstellung der Arbeiterkammern erlassen.
Ferner Osten
„Bis zum bitteren Ende“.
New York, 30. Juli. Als erste der elf japanischen Städte, welche durch Flugblätter vor bevorstehenden Angriffen der Superfestungen gewarnt wurden, ist Ogaki von starken Verbänden bombardiert worden. Im amerikanischen Rundfunk sprach Captain Zacharias zum japanischen Volk, um es aufzufordern, dem Potsdamer Ultimatum nachzukommen. Im japanischen Rundfunk sprach der Sekretär im japanischen Marineministerium Professor Enomoto das große Bedauern aus, daß sich Japan mit den Vereinigten Staaten im Kriegszustand befinde. Die japanische Nachrichtenagentur Domei erklärte, daß Japan bis zum bitteren Ende kämpfen werde.
Wenn der Krieg mit Japan aufhört ...
Washinaton, 30. Juli. In der hiesigen öffentlichen Meinung wird die Frage erörtert, was geschehen würde, wenn der Krieg gegen Japan ein plötzliches Ende nimmt. Sehr viele ernste Männer sind der Ansicht, daß sich die sofortige Umstellung von der Kriegs= zur vollen Friedensproduktion nicht ohne ernstliche Reibungen vollziehen könnte. Diese Reibungen müßten sich auch in der inneren Politik auswirken.
Die amerikanischen Kriegsverluste New York, 30. Juli. Statistiker stellen fest, daß die Verluste der Vereinigten Staaten vom Kriegsbeginn bis zum Abschluß des Krieges auf dem Kontinent 1,560.000 Mann betragen.
Frankreich und Marokko Paris, 30. Juli. In Marokko fand eine große Ehrung für den Organisator von Marokko General Lyautey statt. Die Feier gestaltete sich zu einem Erweis des Vertrauens wie der Loyalität zum Mutterland.
320.000 deutsche Kriegsgefangene für Frankreich
Paris, 30. Juli. Die amerikanische Armee stellt Frankreich für die Zwecke des Wiederaufbaues 320.000 deutsche Kriegsgefangene zur Verfügung.