Tiroler Tageszeitung 1945

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Seite 2 Nr. 36
Tiroler Tageszeitung
Donnerstag, 2. August 194
fadt und Lond
Man erzählt...
Flüsterpropaganda war einmal eine ganz schone Sache. Namlich zu jener Zeit, als man seine Zunge im Zaume halten mußte, weil das Dritte Reich jedem seiner getreuen Untertanen zumindest zwei Spitzel und noch mehrere tatbereite Denunzianten an die Seite gestellt hatte. Wer damals die Wahrheit verbreitete, riskierte wegen „böswilliger Gerüchtemacherei“ die Freiheit oder sogar den Kopf. Heute darf man wieder ohne Gefahr für Leben und Freiheit sich kräftigst ausschimpfen. Niemand wird einen deshalb verhaften. Man darf gefahrlos allen möglichen Unsinn erzählen, weil der Unsinn früher oder später sich selber enthüllt. Dieser Tage fragte uns eine Dame mit sorgenvoller Miene: „Haben Sie schon gehört?“ Sie bedachte offenbar nicht, daß nicht alle Welt gehört haben
konnte, was ihr Gemüt aufs tiefste erschüttert hatte. Ich bat sie also um Aufklärung. Sie wurde mir zuteil: „Ist es denn wirklich wahr, daß in der ersten Augustwoche wieder —verdunkelt werden muß?“ Ich starrte sie fassungslos an. Sie deutete das offenbar als ein Zeichen der Bestürzung wegen der kommenden schrecklichen Ereignisse. „Nicht wahr, die Plakate, mittels derer die Verdunkelung angeordnet wird, sind bereits im Druck?“ Nun aber riß mir doch die Geduld. „Ja, auch ich habe gehört“, so sagte ich, „daß man demnächst wieder verdunkeln muß, und zwar deshalb, weil die Gefahr besteht, daß gewisse Köpfe sonst — zu „helle“ werden.“
Ich mache einige Schritte weiter und schon begegnet mir eine männliche Ausgabe der Dame, mit der ich mich eben unterhalten habe. „Ist es wahr“, so stürzt die Frage auf mich ein, „daß die Franzosen weggehen?“ „Wer hat Ihnen denn das gesagt?“ „Ja, allgemein spricht man davon, und weil man das allgemein sagt, so muß doch etwas daran sein.“ „Ihre Logik ist wirklich überwältigend und Ihre Beobachtungsgabe scheint die Krone Ihrer Fähigkeiten zu sein. Ist an einem Unsinn „etwas daran“, weil er allgemein herumerzählt wird? Und ist Ihnen nicht aufgefallen, daß alle öffentlichen Außerungen der Besatzungsmacht nicht darauf hindeuten, als ob sie ihre Aufgabe für so rasch beendet hielte?
Ein General etwa wie de Lattre de Tafsigny kommt doch nicht zu Besuch in ein Land, das seine Truppen in kürzester Zeit verlassen sollen! Sie brauchten also nur etwas die Augen aufzumachen und etwas nachzudenken, dann würden Sie Bescheid wissen.“
Die Landesleitung der Österreichischen Demokratischen Freiheitsbewegung sucht Akademiker (jur. oder rer. pol.). Bedingungen: Tiroler, nie Parteigenosse oder Gliederung mit Ausnahme DAF.
Kaufmannsgehilfenprüfung
Für kaufmännische Lehrlinge, die am Wiederholungskurs nicht teilgenommen haben und ihre Lehrzeit bis 31. Oktober 1945 beenden, findet der schriftliche Teil der Kaufmannsgehilfenprüfung am Freitag, 10. August, um 8.30 Uhr vormittags Adolf=PichlerPlatz 1 (Realschule), 1. Stock, physikal. Kabinett statt. Vordrucke um Zulassung sind bei der Lehrlingsabteilung Handel der Tiroler Wirtschaftskammer, Innsbruck, Meinhardstraße 12, 2. Stock, Zimmer 31, erhältlich. Anmeldeschluß: Mittwoch, 8. August.
Der Hochkommissar von Lyon in Innsbruck
Innsbruck, 1. August. Der französische Hochkommissar von Lyon (nicht Lybien, wie gestern irrtümlich berichtet), Farge, traf gestern in Innsbruck ein.
La plaquette aLe chefs
La plaquette „Le Chef“ du R. P. Gorrée, aumönier divisionnaire de la 4e D.M.M. est en
vente à la librairie Tyrolia M.Th.Str. 15. Nous aurons prochainement l’occasion de commenter cette petite brochure qui dit beaucoup de choses en peu de mots.
Gedanken über Führung und Führertum
Aus der Feder des Divisionspfarrers der 4. marokkanischen Division, P. Georges Gorrée ist soeben eine kleine, aber gehaltreiche Schrift unter dem Titel: „Der wahre Führer“ erschienen. Wir werden demnächst in einem Artikel auf diese Broschüre, die eine Fundgrube ernster Wahrheiten ist, die das Dunkel dieser Zeit hellen, zurückkommen. Die französische Ausgabe der Schrift: „Le chef“ ist in der Buchhandlung Tyrolia, Innsbruck, MariaTheresien=Straße, erhältlich.
aber unentbehrlichsten Behelfsmitteln, die haben in anderen Zeiten selbstverständlich war.
Es gibt noch viele Punkte in der Stadt. an denen der Hebel eines neuen Willens und einer neuen Kraft angesetzt wird. Wir und finden sie alle selbst. die Punkte, wenn wir nur aufmerksam unseres Weges gehen. nicht immer nur abweisend in das sicherlich dichtmaschige Netz unserer eigenen Sorgen versponnen.
Den Arbeitern von heute aber, auch denen. die, um ihre eigene Schuld abzutragen, arbeiten, das notwendige Stück Brot zu erhalten und immer mehr zu sichern, ist erste Aufgabe derer, denen das Schicksal unseres Landes und unserer Stadt jetzt anvertraut ist.
Ihre Aktivität auch uns eigen zu machen und sie darin zu unterstützen ist unsere Verpflichtung.
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Landestheater
Donnerstag, 18.30 Uhr:
„Wiener Blut.“
„Mein schönes Innsbruck
O, es ist keine Ironie, kein mitleidiger Klang aus vergangenen Tagen, bei dem man wehmütig lächelt, die Melodie dieses vertrauten Liedes leise murmelt, die Worte aber hastig und beinahe erschrocken verschluckt, um der vielen grausamen Gegensätze willen, die nun einmal mit keiner Romantik und keiner Erinnerung wegzubannen sind.
Nein, es ist ein ernster, willensstarker und tapferer Anfang, das uns wiederum zur eigenen Freude zu erschaffen, was uns im Lied und Begriff eins geworden ist — die Heimatstadt, ihr Glanz und ihre Schönheit.
Vieles dazu ist schon geplant, vieles wird noch weiter geplant werden, eines aber ist bereits geschehen und an vielen Orten in erstaunlich kurzer Zeit: Die Straßen und Plätze der Stadt sind dank der sofortigen Initiative der französischen Militärregierung frei von Schutt und Unrat, die Trümmerhaufen werden abgetragen, die Häuserruinen verlieren bei aller Traurigkeit etwas von ihrem starren Anblick, da sie wenigstens nicht mehr im Kranz ihrer eigenen Gesteinsmassen stehen.
Kurz, das Antlitz der Stadt ist noch immer von schweren Wunden und Narben gezeichnet, aber doch schimmert schon eine leise Freundlichkeit durch, da und dort begegnet uns ein milderer Zug, überall aber immer mehr Ordnung und Sauberkeit.
Die Bürgerstraße — Schmerlingstraße, ganz besonders verwüstet und mit Schutt und Trümmern angefüllt bis oben, ist plötzlich frei und rein geworden. Wir brauchen nicht mehr waghalsige Berg=und=TalFahrten zu unternehmen, um von einem Ende ans andere zu kommen.
Wir bleiben auch nicht mehr mit dem Fuß in irgend einer verteufelten Klemme oder einem abgründigen Loch des Asphaltes stekken, so daß uns ein etwa rasch nachfahrendes
Auto in Todesangst versetzt. Mühelos gehen wir über die „geebneten“ Wege und haben stolz erhobenen Hauptes Ausblick und freie Sicht.
Auch am Café „Paul“ jonglieren wir nicht mehr, von der Herz=Jesu=Kirche kommend, erst tollkühn über wilde Barrikadenbauten, um zum Ziel unserer Sehnsucht, dem einladenden „Schwarzen“ zu kommen. Frei und aller Hindernisse ledig liegt die Straße da, uns sogar ungewohnt in ihrer neu erschlossenen Breite.
Auch vor dem Stiftskeller wühlt ein Kran seine zackigen Fangkiefer wild gefräßig in einen durchaus nicht lockeren Schutthaufen
— es ist anzunehmen, daß er ihn in kurzer Zeit kahl und sauber ausgehoben hat.
An der Ecke Museumstraße — Ing.= Etzel=Straße sieht eine Sache sogar bedrohlich aus. Ja, mancher bleibt mit sorgenvoll gekrauster Stirn stehen und meint, nun bräche die Bahnstrecke bei den Viaduktbögen, aller Stützen beraubt, vollends auf die Straße herunter und die letzten Dinge seien ärger als die ersten.
Ihre Befürchtungen sind unnütz.
Denn wenn auch die Eisenbohrer und Feilen ganz jammervoll ächzen und quietschen und die starken Bolzen erst noch lose hängen
— es fügt sich alles eins zum andern und sinnvoll zu einem neuen, guten Ganzen.
So schnell gewöhnen wir uns an alles.
Wir sehen die Lücke nicht mehr, wir denken kaum noch daran, daß sie gewesen. Erst das Fehlen von so vielem Notwendigen erinnert uns daran und hat es uns bewiesen, wie wichtig und unentbehrlich es uns ist. Aber es tut wohl gut, einmal einen einsichtigen Blick darauf zu werfen, wenn es wiederhergestellt wird, oft unter den allerschwierigsten Umständen, bei dem Mangel an den einfachsten,
Tödlicher Unfall bei einem Brande
Oberperfuß, 1. August. In Oberpersuß starb dieser Tage Josef Weber. Weber ist bei einem Brande im Dorf, der schon fast gelöscht war, tödlich verunglückt. Als er von der Leiter stieg, brach eine Sprosse. Er stürzte zu Boden und erlitt einen Schädelbruch, den er nach wenigen Tagen erlag. Weber hat in den letzten Wochen für die Österreichische Freiheitsbewegung viel geleistet. Ein Bekannter von ihm, Franz Weber, war an der Front zu den Amerikanern übergegangen und sprang in der Folge mit dem amerikanischen Oberleutnant Fred Mayer und noch einem amerikanischen Offizier in der Nähe von Oberperfuß mit dem Fallschirm ab. Die beiden amerikanischen Offiziere hielten sich dann vier Wochen in Oberperfuß versteckt, davon einer im Hause des jetzt verstorbenen
Josef Weber. In diesem Hause wurde auch eine geheime Sendestation unterhalten. Als später die Gestapo nach den beiden Fallschirmjägern fahndete, mußte Weber vorübergehend flüchten. Oberleutnant Fred Mayer wurde bekanntlich später in das Konzentrationslager Reichenau gebracht, aus dem er erst nach dem Einzuge der Amerikaner befreit wurde.
Von den Wiener Sängerknaben
Einem Bericht der „Salzburger Nachrichten“ entnehmen wir, daß die Wiener Sängerknaben, die seinerzeit aus Wien nach Hinterbichl bei Virgen evakuiert wurden, dort auf das Wiedersehen mit dem Neubegründer ihres Institutes, dem von den Nazi abgeetzten Rektor Schmitt warten. Die Sängerknaben singen gegenwärtig für den Klagenfurter Rundfunk. Demnächst werden sie ein einwöchiges Gastspiel in Salzburg absolvieren.
FIL MTHEATER
Kammer: „Die falsche Braut“, Zentral: „Die große Nummer“. Triumph: „Karneval der Liebe“. Laurin: Gastspiel der Klingenschmidbühne (4.00 und 6.30 Uhr). Löwen: „Peterle“, Spielzeit: 3.00, 5.00 und 7.00 Uhr. Vorverkauf: 10.00—11.00 und ab 2.00 Uhr. Hirschen, Kufstein: „Rigoletto“, St. Johann: „Meineidbauer“.
Copyright by Geraldine Katt
Das Mädchen aus dem K. d. d. K.
Ein Tatsachenbericht über die Welt des Theaters und des Films während des Nationalsozialismus
Von Geraldine Katt Die bekannte österreichische Theaterund Filmschauspielerin Geraldine Katt, von der wir kürzlich berichteten, ist uns durch ihre Filme „Das Mädchen Irene“, „Stimme des Herzens“, „Florentine", „Fall Deruga", „12 Minuten nach 12“, „Seitensprünge", „Meine Tochter tut das nicht", „Hochzeitsnacht", „Kleine Mädchen — große Sorgen" und „Wenn der junge Wein blüht“ bekannt. Bis zum Jahre 1938 war sie unter Prof. Max Reinhardt Mitglied des Wiener Theaters in der Josefsstadt. Im Jahre 1941 wurde ihr von Dr. Goebbels jede weitere Filmtätigkeit verboten. Durch den folgenden Bericht von Frau Katt erfährt die breitere öffentlichkeit zum ersten Male interessante Einzelheiten über diese Zeit.
Wien: Sommer 1938. Die erste sogenannte „Begeisterung“, inszeniert und angeführt von erfahrenen nationalsozialistischen Kennern der Volkspsyche, ist verrauscht. Es ist keine Sensation mehr, wenn Dr. Goebbels anläßlich der Wiener Reichstheaterfestwoche im offenen Wagen durch die Straßen braust und es sind nicht mehr allzu viele zum Hitlergruß emporgehobene Hände, die seine Straßen säumen.
Der Friseur im Grand=Hotel, der sich von der neuen Zeit so viel für seinen Damensalon erhofft hatte und darum rasch noch in die Partei eingetreten war, ist arg enttäuscht und beginnt bereits vorsichtig gegen die Nazis zu raunzen.
Auch die hundert Paar Hosenträger, die ein über Nacht zugewanderter Hoheitsträger der Partei in einem vornehmen Herrenartikelgeschäft der Kärntner Straße für seinen privaten Bedarf gekauft hatte, beginnen manche nachdenklich zu stimmen, die ähnliche Hamsterkäufe von anderen Geschäften gehört haben. Mas#7
In einigen verschwiegenen weinstuven Grinzings und Nußdorfs beginnt man sogar schon Türen und Fensterläden
jenen schnell bekannt gewordenen Spottvers zu singent „Seyß=Inquart, sei"s in Quint, beschiss"n san ma vorn" und hint"!“
Zu allem überfluß war inzwischen noch gleichzeitig mit dem Schilling der österreichische Mensch abgewertet worden. Es gab jetzt nur mehr Reichsmark — und Parteigenossen in allen wichtigen öffentlichen und privaten Stellen.
Die Ernüchterung war infolgedessen ziemlich allgemein.
In jener Zeit starteten die Nazis ihre erste groß angelegte „kulturelle“ Propagandaaktion in Wien: Die Reichstheaterfestwoche. Wie alle anderen Wiener Künstler wurde auch ich zu den Empfängen im Wiener Rathaus und in Schönbrunn eingeladen. Damals wurden wir alle zuerst mit der erstaunlichen Tatsache bekannt gemacht, daß der Nationalsozialismus nicht nur eine funkelnagelneue Weltanschauung ist, sondern daß es dieser Weltanschauung auch bereits gelungen war, sich einen eigenen, ebenso funkelnagelneuen Wortschatz zuzulegen. Wir erfuhren, daß jede Art von Kunst nationalsozialistisch „ausgerichtet“ sein muß, daß ein Künstler nicht mehr engagiert, sondern „eingesetzt“ wird und daß man beim Erscheinen des Führers „in spontanen Jubel auszubrechen hat“.
Für uns war das alles etwas ungewohnt. In unserer alten österreichischen Republik wäre es niemals jemandem eingefallen, uns „einzusetzen“ weil dies Wort allein schon jede eigene freie Willensäußerung ausschließt, und „ausgerichtet“ hat uns auch niemand, weil wir ja keine Soldaten, sondern freie Künstler waren. Es lagen aber beroits Beispiele von einigen Kollegen vor, die über diese neue und etwas gewaltsame Phrasendrescherei Witze gemacht hatten. Man hat nie wieder etwas von ihnen gehört.
Eine andere Neuerung, mit der wir schnell, manche Kolleginnen oder Kollegen sogar erstaunlich schnell, vertraut wurden, war das Kritik
verbot. Zuerst faßten wir es gar nicht, daß es so was überhaupt geben konnte. Theaterspielen, ohne hernach dafür kritisiert zu werden, schien
uns ein Unding zu sein. Und doch war es so. Schon in den nächsten Tagen konnten wir es in
unseren „gleichgeschalteten“ Zeitungen lesen, daß
die Leistungen sämtlicher Schauspieler, ganz gleich, ob sie nun wirklich gut oder auch nicht gut waren, „phänomenal“, „gefühlstief“, „tiefschürfend“, „hundertprozentig", „lebensecht“ oder „heroisch=wuchtig“ waren. Mit der gleichen platten und nichtssagenden Phraseologie aus dem Schatzkästlein der N. S.=Kritik wurde auch versucht, den Inhalt der Theaterstücke zu charakterisieren, wenn man es der Einfachheit halber nicht überhaupt vorzog, den Inhalt, selbst wenn es sich um einen weltberühmten Klassiker handelte, herunter zu erzählen.
überwältigt von diesen täglich auf mich einstürmenden Neuerungen, die ich alle nicht verstand, weil sie nichts mehr mit dem zu tun hatten, was ich vom Theater wußte und was ich am Theater liebte, beschloß ich, abzuwarten und die Dinge auf mich zukommen zu lassen. Inzwischen, so hoffte ich, würde sich eine Möglichkeit bieten, herauszubekommen, aus welchem Grunde unsere bisherige Kunstauffassung schlecht und die gerade importierte neue Kunstauffassung gut sein sollte.
Aber dafür war keine Zeit mehr. Bei dem großen Künstlerempfang in Schloß Schönbrunn tanzte ich gerade mit meinem Kollegen Otto Treßler vom Wiener Burgtheater einen Walzer, als plötzlich ein Adjutant von Dr. Goebbels mich bat, meinen Tanz sofort zu unterbrechen, da der Minister mich kennenzulernen wünsche. Ich bin nicht ängstlich, aber der zweifelhafte Ruf, den Dr. Goebbels vor allem in Künstlerkreisen hatte, sowie die in allzu forschem Befehlstone heruntergeschnarrte „Bitte“ machten mich unsicher. Mit mir zugleich unterbrachen auch die meisten anderen ihren Tanz und bildeten eine Gasse, an deren Ende der Minister mich lächelnd erwartete. Ich habe später noch oft Kolleginnen in der gleichen Situation gesehen. Alle mußten sie die bewußte Gasse
durchschreiten, die sich sofort hinter ihnen schloß, um sich in einen Hintergrund von tausend neugierigen Augen zu verwandeln. Jedes dieser Augen durchforschte das Gesicht des Ministers aufs genaueste. Wurde Wohlwollen darin festgestellt, so bildete sich nach Beendigung des Gespräches wieder eine, diesmal aber eine ehrfurchtsvoll verharrende Gasse, durch die die zukünftige Favoritin zurückschritt. Glaubten die tausend neugierigen Augen aber Mißfallen oder gar Arger im Gesicht des Ministers während des Gespräches
zu lesen, so wurde dem Armsten nicht die Gnade der bereitwillig geöffneten Gasse zuteil, Der Hintergrund der tausend Augen erstarrte in diesen Augenblick zu einer undurchdringlichen Mauer, die keinen hindurchließ. Das Urteil war gesprochen. Seitwärts an der Mauer vorbei mußte sich der also Gemaßregelte davonschleichen.
Gleich zu Beginn unserer Unterhaltung sagte der Minister lächelnd, daß er die Österreicher und insbesondere die Wiener eigentlich nicht recht mag, und ich antwortete ihm, ebenfalls lächelnd, daß dies vielleicht auf Gegenseitig keit beruhe. Was hätte ich sonst auf eine so offensichtliche Ungezogenheit antworten sollen! Schließlich war ich Wienerin und wir befanden uns außerdem auf historischem österreichischem Boden in Schönbrunn. Der Gedanke, daß von dieser Antwort meine ganze Karriere und mein ganzes zukünftiges Leben abhängen könne, kam mir gar nicht. Erst an dem krampfhaften Lächeln von Dr. Goebbels und an den plötzlich eisig werdenden Mienen der Umstehenden erkannte ich, man solche Dinge im Großdeutschen Reich nicht sagen darf. Das
Gespräch schleppte sich nunmehr noch eine Weile mühsam genug hin. Der Minister fragte mich nach meinen künstlerischen Plänen und ich war naiv genug, sie ihm alle anzuvertrauen. Das habe ich später bitter bereuen müssen; denn alle meine Pläne wurden verwirklicht — aber nicht ein einziger mit mir. Zum Abschluß unseres Gespräches sagte der Minister dann noch, daß er mich bald in Berlin, vielleicht im K. d. d. K., wo er häufig bei „seinen“ Künstlern zu Gast sei, wiederzusehen hoffe. Nach dem Vorangegangenen maß ich dieser Aufforderung weiter keine Bedeutung bei und der Ton, in dem sie mir gemacht wurde, ließ mich erraten, das auch der Minister diese Aufforderung nicht besonders ernst nahm. Als ich mich verabschiedet hatte, mußte ich mir mühsam einen
Weg an der un durchdringlichen Mauer der Neugierigen vorbei suchen. Keine Gasse öffnete sich bereitwillig für mich. Mein Urteil war gesprochen. Nur wußte ich es noch nicht; denn ich war der Ansicht, daß alles dies doch auf keinen Fall meine künstlerische Arbeit gefährden könne.
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(Fortsetzung folgt)