Tiroler Tageszeitung 1945

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Zentral: „Die neval der Liebe“. hmidbühne (4.00 Spielzeit: 3.00, 10.00—11.00 und „Rigoletto“. St.
Aotsease.. —
Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Sinzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung
Nummer 37/ 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Freitag, 3. August 1945
Führer und „Führer“
Schon das bloße Wort „Führer“ ist uns während der letzten Jahre zum überdruß geworden. Nicht eiwa nur deshalb, weil sich hinter diesem Titel jede moralische und intellektuelle Minderwertigkeit verbarg, um wie der Esel in der Löwenhaut Furcht und Schrecken zu erregen, sondern vor allem deshalb, weil die Willkür eines übersteigerten Größenwahnsinns unter dem Namen des Führertums zur Gottesgeißel wurde, die ungezählte Millionen Menschen mit Tod und Verderben geschlagen hat. Wenn wir das erwägen, so wissen wir auch, daß der große Irrtum, der in der Person Hitlers eine hoffentlich für alle Zeiten abschreckende Gestalt gewonnen hat, aus der unheilvollen Verwirrung aller rechtlichen und sittlichen Begriffe hervorgegangen ist. Wir erinnern uns an die
messerscharfe Logik, mit der ein australischer Geschichtsprofessor, der im Jahre 1937 ein bedeutendes Buch über Hitler und den Nationalsozialismus veröffentlichte, voraussagte, daß der in Deutschland gepflegte Führermythus zum Schluß den — Führergott gebären müsse.
Es ist genau so gekommen. Schon im Juni 1934 hatte Hitler ein Blutbad mit der Erklärung gerechtfertigt, daß er „der höchste Gerichtshof des deutschen Volkes“ sei. In seinen Reden während des Krieges enthüllte er dann immer offener, daß er seine Person für wertvoller und für wichtiger hielt als das deutsche Volk. „Ohne den Führer“ so schrieben die Zeitungen, „gibt es kein deutsches Volk.“ „Ohne den Führer hat das Leben keinen Wert für uns!“ Noch wenige Stunden vor dem großen Krach, als die Erzählung vom „Heldentod“ Hitlers in die Welt gesetzt worden war, hörte man Offiziere ihre Leute anbrüllen: „Wenn der Führer nicht mehr lebt, habt ihr auch kein Recht mehr, weiter zu leben.“ In dieser seiner letzten Phase enthüllt sich dieses falsche Führerprinzip als ein
verzehrender Moloch, als Menschenverachtung, welche jede Menschenwürde verhöhnt. Der Mensch wird zum Spielzeug, zum Automaten, den nicht ein zielbewußter, eiserner, auf hohe Ziele gerichteter Wille, sondern nur eigensüchtige grausame Willkür lenken will. An dieser Mißhandlung der menschlichen Natur mußte schließlich dieses „Führertum“ zerbrechen, nachdem es Leben und Glück von Millionen zerbrochen hatte.
Diese Erkenntnisse werden geschärft, wenn wir etwa die weisen und erhabenen Anschauungen auf uns einwirken lassen, mit denen soeben Georges Gorree in seinem Schriftchen „Vom wahren Führertum“ die Grundsätze herausstellt, welche von denjenigen, die dazu berufen sind, große menschliche Gemeinschaften zu leiten, beobachtet werden müssen. Greifen wir in den Schatz dieser Gedankenperlen! Da lesen wir: „Der Befehlshaber hat eine schwere Aufgabe zu erfüllen. Er muß freie Willen seinem Ziele zuneigen ... Er muß den Menschen zeigen, daß das, was er will, gut, schön und notwendig ist.“
„Der wahre Führer muß Bildung haben. Er muß selbst jenen Menschentypus verkörpern, den er zu schaffen wünscht. Er muß vor Gott das Herz eines Kindes, für andere das Herz einer Mutter und für sich selber das Herz eines strengen Richters haben.“ „Eine Autorität, die sich der Mißbräuche und der Unfähigkeit schuldig macht, ist illegitim und daher für die Menschen unerträglich.“ „Der Ausdruck Ordnung spricht klar aus, was die Menschen unter Autorität verstehen. Das Kennzeichen einer wahren Autorität ist ihre Legitimität. Das Kennzeichen ihrer Legitimität ist ihre grundsätzliche Notwendigkeit und ihre Fähigkeit zur Ausführung des Notwendigen. Eine militärische Autorität darf niemals schwach sein, denn sie ist eine Befehlsgewalt, die so stark sein muß, daß sie
Menschen in den Tod führen kann. Aber es gibt nichts Schädlicheres für die Autorität als die mißbräuchlichen überhebungen über die legitime Autorität anderer. Die wahre Autorität hat keine gefährlicheren Feinde als jene Herrschsüchtigen, die unfähig sind, innerhalb jener Grenzen zu verbleiben, die der gesunde Hausverstand und die Vorschriften ihrer Be fehlsgewalt setzen. Diese Herrschsüchtigen wirken wie Anarchisten.“ „Ein Befehlshaber befiehlt über Menschen. über Menschen und nicht über Maschinen, über Menschen, die ein Recht auf Freiheit haben. Schon Napoleon
Die Konferenz der Drei beendet
Berlin, 2. August. Die historischen Besprechungen zwischen Präsident Truman, Generalissimus Stalin und Ministerpräsident Attlee endeten um 1.30 Uhr. Das Kommuniqué über die Konferenz wird nicht sofort ausgegeben. Während der Besprechungen wurden folgende Fragen behandelt: die Besetzung Deutschlands, die deutschen Reparationen, die Weltfriedensverfassung, das Problem Jugoslawien und das Problem Polen, dessen Westgrenze eingehend besprochen wurde.
Konzert um Churchill
London, 2. August. Als Winston Churchill im Unterhaus erschien, um an der Wahl des neuen Sprechers teilzunehmen, begrüßten ihn die Konservativen mit Beifall und mit dem Lied: „He is a jolly good fellow“ („Er ist ein fesches altes Haus"). Seitens der Arbeiterpartei kam es zu einer friedlichen, ebenfalls mit Gesang verbundenen Gegenkundgebung. Zum Sprecher, also zum Vorsitzenden des Unterhauses wurde der Konservative
Oberst Cliffton Brown gewählt. Die feierliche Eröffnung des Parlamentes findet am 15. August statt.
Erklärungen Dr. Schuschniggs
London. 2. August. Die hier erscheinende Zeitschrift „Free Austria Youth“ veröffentlicht einen Artikel von zwei jungen Österreichern, die in der britischen Armee in Italien dienten und die Gelegenheit hatten, sich auf Capri vier Stunden lang mit dem ehemaligen Bundeskanzler Dr. v. Schuschnigg zu unterhalten.
Dieser erklärte ihnen, er habe nicht die Absicht eine politisch leitende Stelle in Österreich anzustreben. Eine neue Zeit sei angebrochen und den neuen Ansprüchen entsprechend, müßten auch neue Männer an die Spitze treten. Unter den von den britischen Truppen befreiten Politikern befindet sich u. a. auch Dr. Hans Schmitz, der Bruder des früheren Bürgermeisters von Wien.
Laval in Paris
Paris, 2. August. Laval wurde bei seiner Landung auf dem Flugplatz von ungefähr 200 Personen mit Pfuirufen empfangen. Wie aus London berichtet wird, erhebt das soeben vom britischen Außenamt veröffentlichte Weißbuch eine neue Anklage gegen Laval. Es beschuldigt ihn, daß er im Jahre 1940 einen tödlichen Streich gegen die Widerstandsbewegung de Gaulles geplant habe.—
Volksstimmung gegen Laval
Paris, 2. August. Der 62jährige Pierre Laval, Sohn eines Dorfmetzgers und dreimaliger Ministerpräsident von Frankreich, erwartet heute in einer eigens für ihn reservierten Zelle im „Kollaborationsgefängnis“ von Fresnes seine Gerichtsverhandlung. Frau Laval wurde in einem besonderen Wagen in das Gefängnis von Fresnes gebracht, wo ihr Gatte, dem zur Last gelegt wird, der Hauptanstifter der Verschwörung gegen die Sicherheit des Staates zu sein, die Gerichtsverhandlung erwartet. Um übergriffe der erregten Bevölkerung, die sich in den Hauptdurchfahrtsstraßen staute, zu vermeiden, wurde Laval auf dem Wege nach dem Flugplatz Le Bourget in der Nähe von Paris durch ein Labyrinth von Nebenstraßen geführt. Dort be
kam er das Urteil des Volkes zu hören. Die Menge schrie „Tod für Laval“, als er, in eine Ecke des Wagens gekauert, seinen Blick starr auf den Boden gerichtet, vorbeigefahren wurde.
Der Prozeß gegen Petain
Paris, 2. August. Der ehemalige französische Militärgouverneur von Paris General Hering sprach sich anerkennend über die militärischen Fähigkeiten Petains aus. Frankreich war, so sagte er, zwei Jahre hinter Deutschland zurück. Es war nicht der klare Blick, der unsern Führern fehlte, sondern es fehlten die Mittel, die es ihnen ermöglicht hätten, die industrielle und militärische Grundlage Frankreichs zu erweitern. Die Politik Petains habe es Frankreich ermöglicht, weiterzuleben, und so gewann es Zeit, um Waffen vorzubereiten; dadurch wurde die Befreiung Frankreichs ermöglicht.
Urfahr und das Mühlviertel iun ien fusen
Linz, 2. August. Im Zuge weiterer Besetzungsmaßnahmen wurde gestern das Mühlviertel einschließlich Urfahr von den Russen besetzt. Eine Bestätigung darüber, ob es sich dabei um eine vorübergehende oder um eine dauernde Maßnahme handelt, steht noch aus. Seitens der neuen Besatzung sind bisher Verordnungen an die Bevölkerung noch nicht ergangen. Der Verkehr zwischen Urfahr und Linz über die Donaubrücke wird gegenwärtig auf der Urfahrer Seite von amerikanischem und russischem Militär gemeinsam kontrolliert. In Linz oder Urfahr wohnhafte Personen, die mit einer österreichischen adentitätskarte ausgestattet sind. konnten bisher die Brücke ungehindert passieren. Außerhalb von Linz oder Urfahr wohnenden Personen ist dieser Verkehr indessen nicht
gestattet. Während in den ersten Morgenstunden des 1. August der Straßenbahnverkehr nach Urfahr nur bis zur Donaubrücke von der Linzer Seite her geführt wurde, ist dieser seit den Mittagsstunden wieder durchlaufend aufgenommen worden. Es ist noch unbekannt, ob es sich dabei um eine zeitlich begrenzte oder dauernde Maßnahme handelt. Informierte Kreise behaupten, daß durch die neue Besatzungsmaßnahme die wirtschaftliche Einheit von Linz und Urfahr nicht gestört werden soll. Wohl aber ist anzunehmen, daß der Stadtteil Urfahr bzw. das Mühlviertel ihre eigene Zivilverwaltung erhalten werden.
Verhaftung prominenter Nazi
In Garmisch=Partenkirchen wurden der SS=Obergruppenführer Prinz Richard von Hessen, der ehemalige deutsche Botschafter in Finnland Wipert von Blücher, der Ministerpräsident der ungarischen Hitlerregierung Sztojay und der Staatssekretär im Finanzministerium Fritz Reinhardt verhaftet. In Grieskirchen (Oberösterreich) wurde der berüchtigte SS=Hauptscharführer Heinrich Heger gefangen, der sowohl in Dachau als in Mauthausen KZ.=Häftlinge mißhandelt und gefoltert hat.
Ein Aufruf des Landesbauernführers
„Gebt mir zehn Jahre Zeit und ihr werdet euere Städte nicht wiedererkennen!“
(Aus den Prophetensprüchen für das „tausendjährige Reich“, 1933!)
Landesbauernführer Landesrat Josef Muigg hat durch den Rundfunk einen Aufruf an die Tiroler Bauernschaft und an die Städter gerichtet, in dem es heißt:
Tiroler Bauern!
Wie schon so oft in der Geschichte unseres Landes ist euch wieder eine große Verantwortung für Gedeih und Verderb unserer Heimat überantwortet. Bisher habt ihr jede Probe bestanden. In aller Welt ist das Tiroler Bauernvolk als rechtschaffen und treu, als ehrenhaft und unbestechlich bekannt. Jetzt gilt es, diesen Schild unbefleckt zu erhalten.
Bauern!
Ihr habt in den letzten Jahren bitterster Knechtschaft in eurer traditionellen Freiheitsund Vaterlandsliebe schwer gelitten. Ihr habt dem Hitlerkrieg die prozentuell höchsten Blutsopfer des Landes bringen müssen. Ihr habt gearbeitet und geschuftet wie kaum ein anderer Berufsstand, aber ihr habt dabei nie gehungert und gedarbt!
Bauern!
Bedenkt, daß der Hunger das notwendige Band zwischen Stadt und Land zerreißen, daß zwischen Satten und Darbenden jede Gemeinschaft brechen, daß Unfriede und Haß aufkommen können. Die Einigkeit aber, das gegenseitige Vertrauen aller arbeitenden Tiroler und Österreicher ist die allernotwendigste Grundlage der Freiheit und des Wiederaufstieges unseres Vaterlandes.
Jeder Tropfen Milch, jedes Stück Käse oder Fleisch, das andere Wege geht, schmälert die Allgemeinration und führt zwangsläufig zu weiterem Schwarzhandel. Jede ungesetzliche Abzweigung von Lebensmitteln vom
sagte: Der Mensch ist kein Automat, den man bin, das bin ich durch euch.“ Wie wohltuend bewegen kann, sondern er ist ein vernünfti= ist die Schlichtheit, ja die Demut, von der die ges Wesen, das geleitet werden will.“ Auffassungen, die Gorree uns vorlegt, durch
Wie anders klingt dies als etwa der Satz drungen sind! Hier das lichte Bild eines FühHitlers, den man vor Jahren in Plakatschrift rertums voll sittlichen Adels — dort das Zerrin der Salurner Straße lesen konnte: „Was bild, die Maßlosigkeit des Frevels. ihr seid, das seid ihr durch mich — was ich Dr. Anton Klotz.
ordnungsmäßigen Weg, ganz gleichgültig, ob sie aus Gewinnsucht, Freundschaft oder Mitleid geschieht, ist daher ein Verbrechen gegen das Allgemeinwohl und nicht bloß ein Vergehen gegen die Verfügung einer Behörde.
Heute sind die Städter in ihrer Ernährung fast zur Gänze auf euer Vieh, auf eure Ernte angewiesen. Bald aber hängt vielleicht euer wirtschaftliches Wohl und Wehe vom Verständnis und der Treue der Städter ab. Denn einmal wird wieder die Zeit kommen, in der nicht Mangel, sondern überfluß an landwirtschaftlichen Erzeugnissen herrscht.
Ich muß aber auch ein ebenso ernstes Wort an alle Städter richten: Haltet doch unter euch selbst bessere Disziplin und bekämpft eure eigenen Saboteure! Betrachtet nicht jeden, der von einer erfolgreichen Hamsterfahrt aus den Dörfern zurückkommt, als beneidenswerten Glücklichen, sondern als Schädling. Denn was er dabei erobert hat, mangelt nicht den Bauern, sondern euch selbsti
Städter sind es, die in die Bauernhöfe kommen, die dort mit allen Mitteln geölter Redekunst und maßlosen Geldangeboten die Anständigkeit unserer Bauern untergraben! Diese müßten geradezu leibhaftige Heilige sein, wenn sie allen diesen Versuchungen und Vergewaltigungen widerstehen könnten!
Besonders toll treiben es leider auch viele Handwerker und Geschäftsleute. Für jede Arbeit, für jeden Verkauf an einen Landwirt erwarten sie mit großer Selbstverständlichkeit sogenannte Bauernpaluta“. Bringt er sie nicht, ist für ihn weder Ware noch Arbeit zu erhalten. Vielfach kann so der Bauer seine notwendigsten Bedürfnisse nur im unerlaubten Tauschhandel decken. Ihr zwingt ihn dazu und bedenkt nicht, daß auch diese „Bauernvaluta“ eure eigenen Rationen kürzt und die Ungerechtigkeit vermehrt.
Es tue also der Bauer seine Pflicht und es halte der Städter Diszivlin, dann ist das Wichtigste getan auf dem Wege für den Wiederaufbau unserer Heimat in einem glücklichen österreich!
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