Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:8
- S.14
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Seite 2 Nr. 41
Tiroler Tageszeitung
Mittwoch, 8. August 1945
falten können und sich zum Segen für das Tiroler Volk und Land auswirken. Die Musikkapellen brachten am späten Abend in dankbarer Verehrung dem hohen Gast ein schönes Ständchen.
Fohlenabsatzveranstaltungen Der Landesverband hält die folgenden Zuchtund Nutzfohlen=Absatzveranstaltungen, zu deren Besuch hiermit eingeladen wird, ab: Am 15. August in St. Johann i. T., Beginn 11 Uhr. — Am
16. August in Kufstein, Beginn 8 Uhr. — Am
17. August in Wörgl, Beginn 8 Uhr. — Am 18. August in Brixlegg, Beginn 8 Uhr. — Nähere Auskünfte erteilt der Landes=Pferdezuchtverband in Innsbruck, Wilhelm=Greil=Straße 9, Fernruf 2676.
Elektro=Kleingeräte=Werk erzeugt Koch
platten
attighofen, 6. August. Die Gesellschaft für Elektrotechnik Ing. Prohasky und Co. hat ein nach Mattighofen verlagertes ehemaliges Rüstungswerk in ein Elektro=Kleingeräte=Werk umgestaltet. Eine Million Kochplatten und Öfen werden bereits in einigen Wochen auf den Markt gelangen. Auch Elek
ner von viereinhalb Zentimeter Durchmesser. — In den letzten Tagen starb hier Sebastian Pöll, Fabriksarbeiter in Schaftenau, im Alter von 76 Jahren. Der Arbeitsveteran war einst ein eifriges Mitglied des katholischen Arbeitervereines. Er wurde in Unter=Langkampfen beerdigt.
Firmung in Kramsach
Wie man uns berichtet, spendete Ende Juli der Fürsterzbischof von Salzburg in Kramsach das Sakrament der Firmung. Nach altem Brauch begrüßte die Gemeinde ihren Oberhirten. Nach einem Begrüßungsgedicht sprach Bürgermeister Salzburger herzliche Worte des Willkomms. Das Kommen des Bischofs an der Schwelle der neuen Zeit möge ein gutes Vorzeichen sein, daß alter Väterglaube und =Brauch sich nun wieder in Freiheit ent
Tiroler kehren heim
Heute traf auf dem Innsbrucker Hauptbahnhof der dritte Transport von österreichischen Kriegsgefangenen aus Italien ein. Da bekanntgegeben worden war, daß es sich dabei vorwiegend um Tiroler handeln würde, erwartete auf dem Bahnsteig und vor dem Bahnhofsgebäude eine große Menschenmenge die heimkehrenden Soldaten. Aus allen Teilen des Landes waren sie gekommen und warteten voll freudiger Hoffnung auf die Heimkehrer. Ihre Geduld wurde jedoch auf eine harte Probe gestellt, denn der Transportzug traf nicht, wie erwartet, um 3 Uhr, sondern infolge Verspätung erst um 6 Uhr ein. Dennoch harrten die anwesenden Frauen und Kinder tapfer aus in der Hoffnung, daß auch ihr Vater oder Gatte unter den Eintreffenden sei.
Einmal steigerte sich die Erwartung der Anwesenden zu freudiger Erregung, als ein Transport mit Italienern eintraf, die zuerst fälschlicherweise für die Erwarteten gehalten wurden. Dann war es endlich so weit und die Richtigen rollten auf dem Bahnhof ein. Von der Sonne des Südens braungebrannte Gesichter, denen man die Freude über ihre Heimkehr aus den Augen lesen konnte, lachten den Wartenden entgegen. Bald hatten sich die Ankommenden formiert und zogen nun einzeln, Mann für Mann, durch das dichte Spalier der Menschenmassen. Besonders eifrig wurde natürlich nach den Innsbruckern gefragt. Die kommen am Schluß, hieß es, und schon waren die ersten zu sehen. Mit freudigem Hallo wurden sie von Frauen, Kindern und Freunden begrüßt.
Die Trauung einer Arenkelin des Kaisers Franz Josef 1.
Solbad Hall, 7. August. In der außerordentlich stimmungsvoll geschmückten Kirche des Mutterhauses der Kreuzschwestern in Solbad Hall-fand heute vormittags die Trauung der Gräfin Therese Stolberg=Stolberg, einer Urenkelin des Kaisers Franz Josef I., mit Graf Paul Joseph Wolf Metternich zur Gracht statt. Der Stadtpfarrer Dekan Msgr. Dr. Heinrich Heidegger, der die Trauung vornahm, hielt an das Brautpaar eine weihevolle Ansprache. Ein auserlesener Männerchor, dirigiert von Kapellmeister Fintl, verschönte die Feier. Außer den Gästen nahm eine große Volksmenge aus allen Ständen an der Feier teil. Nach dem Diner, das im engsten Familienkreise stattfand, wurde ein Cerele abgehalten. Am Vorabend der Hochzeit brachte die Musikkapelle von Ampaß ein Ständchen
dar.
Vergütung von Strom=Mehrausgaben
bei Einquartierung von Besatzungstruppen in Innsbruck
Die Stadtwerke Innsbruck teilen uns mit:
Stromabnehmer, deren Anlagen durch längere Zeit von einquartierten Besatzungstruppen belegt waren, können innerhalb 8 Tagen nach Erhalt der Rechnungen zwecks Feststellung der durch die Besatzungstruppen verbrauchten Strommengen beim Hebedienst der Stadtwerke, Innsbruck, Kindergartenweg 3, Erdgeschoß rechts, Zimmer Nr. 2 (Volksschule Mariahilf), in der Zeit von halb 9 bis halb 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, mit Ausnahme von Samstag, vorsprechen.
Ein Nachweis über die Dauer der Einquartierung ist mitzubringen.
Obusverkehr
Wegen Aufräumungsarbeiten in der Sillgasse kann der Verkehr der Obusse ab 7. August voraussichtlich auf die Dauer einer Woche nicht bis zum Bozner Platz durchgeführt werden. Die Obusse verkehren daher nur bis zur Klosterkaserne, bzw. ab dort durch die Universitätsstraße nach Pradl. *
Das Stadtbauamt Innsbruck übersiedelt derzeit in die alten Räume in der Fallmerayerstraße 1, 3. und 4. Stock. Ab Montag, den 6. Auguft wickelt sich der gesamte Dienstbetrieb dort ab.
Allerlei aus Langkampfen
Langkampfen, 7. August. Vorige Woche ging über Langkampfen ein schweres Unwetter nieder, das an der Getreideernte bedeutenden Schaden anrichtete. Der Winterroggen war heuer ohnedies sehr schlecht, da die Saat von anfangs November bis Ende März unter Schnee lag. Es fielen Hagelkör
THEATER UND KUNST
Mittwoch, 18.00 Uhr: „Zauberflöte“.
„Die Zauberflöte“
Der Kreis der Freunde und Bewunderer um Mozarts „Zauberflöte“, dieser Kostbarkeit in musikalischer und szenischer Beziehung, wird wohl immer ein großer sein. Aber daß es überhaupt kein Kreis mehr ist, sondern die verschiedenartigsten Schichten einer Bevölkerung gleichmäßig mit stärkstem Interesse erfaßt, ist ungewöhnlich. In diesem Sinne gestaltete sich die Erstaufführung am vergangenen Samstag=Abend unter der musikalischen Leitung von Siegfried Neßler zu einer Festlichkeit von ganz besonderer künstlerischer Note. Nicht nur, daß Operndirektor Neßler, dessen hohe Begabung und unermüdliche Bemühung um die Leistungen seines Orchesters uns ja schon bekannt ist, dieses auch tatsächlich in sicherer und meisterhafter Führung zu den schönsten Erfolgen
brachte, auch die Spielleitung von Eugen Schürer und die fesselnde und pikante Bühnengestaltung von Stephan Hlawa vervollkommneten den Eindruck eines gelungenen, unmittelbar lebendi
gen und einheitlichen Zusammenwirkens dieser drei leitenden Faktoren. Darüber hinaus stehen die Erfolge der einzelnen Künstler:
Odo Ruepp als Sarastro brachte die edle, anziehende Würde, die diese Rolle auszeichnet, in Haltung und Spiel ausgezeichnet zum Ausdruck. Seine Stimme, voll und tönend, schuf dem lyrischen Tenor, Sebastian Hauser=Rudolf Christ, eine kraftvolle Folie. Die, in beiden Sängern des Tamino, voll liebenswürdiger Geschmeidigkeit und anmutiger Geste, hätte in Sebastian Hausers sonst unbestrittenem Können und tadellosem Einsatz etwas mehr Biegsamkeit der Stimme verlangt, was bei Rudolf Christ, dem Mozartsänger von Fach, außerdem äußerst wohltuend auffiel.
Die Königin der Nacht, Katharina Konrad, nicht immer ganz sicher, müßte, um restlos zu gefallen, einzelne Schwierigkeiten ihrer Partie noch zu meistern versuchen. Auch die sonst sehr reine, klare Stimme müßte an Fülle gewinnen. Ihre Tochter Pamina, Maria v. Guggenberg, erntete allseits großes Lob. Die innige Beseeltheit ihres Spieles, der Schmelz und die Schönheit ihrer Stimme und deren unbedingte Beherrschung gaben ihrer Rolle den echten, ungezwungenen Ausdruck, der uns die Schicksale Paminas so voll Anteilnahme verfolgen läßt. Reizend, ursprünglich und
voll köstlichster Pose, auch sicher und gewandt va ren Spiel und Stimme Adolf v. Berenkampe als Papageno. Was dieser unverbesserliche Schelm und Plauderer auch anstellt, Berenkamp sicherte sich und ihm unsere Sympathien. Ihm ebenbürtig als Gegenstück war Eugen Schürer als Mohr Monostatos sowie Claire Mohr als Papagena. Genuß, bei diesen Teufeleien und Verführungskünsten zuzusehen. Sehr sympathisch, waren Hermann Reichert als Sprecher u. Ludwig Detzer als Erster Priester. Gelassen, feierlich und würdig Rolf Ankowitsch als Zweiter Priester stand ihn nicht nach. Die Damen der Königin in der typischen Verkörperung ihres Milieus wurden von Margot Winkler, Ilse v. Eccher und Fritzi Heinen fein betont in Haltung und Stimme gegeben. Ebenso die drei
getreuen Genien.
Die vielen stummen Rollen, Sarastros Gefolge, boten in der reichen, farbenbunten Pracht ihrer Gewänder ein überaus prunkvollés, stilechtes Bild, dem das Ballet am Schluß der Oper in spielerischer Anmut einen schwingend leichten Hauch von Grazie verlieh. Alles in allem: ein voller Erfolg, mit dem sich das Landestheater für die tapfere überwindung aller Schwierigkeiten belohnt sieht. Irmgard Schulz
Das volkstümliche Konzert am 10. August findet nicht, wie bekanntgegeben, im Musikvereinssaal, sondern im Riesensaal der Hofburg statt.“
FIL MTHEATER
Zentral: „Die große Nummer.“ — Triumph. „Karneval der Liebe.“ — Kammer: „Philharmoniker.“ — Löwen: „Lache, Bajazo.“ Spielzeit. 3, 5, 7 Uhr. Kartenvorverkauf: 10—11 Uhr. — Laurin: Gastspiel der Klingenschmidbühne (4 und 6.30 Uhr). — Hall: „Lumpazi Vagabundus.“
„Philharmoniker“
Der neue Film der Kammerlichtspiele, der damt seine Erstaufführung in Österreich erlebt, ist nich nur ein filmtechnisches, sondern vor allem ein musikalisches Ereignis. Bringt er doch in der kurzen Zeit von zwei Stunden die Heroen österreichscher Musik in ihren prächtigsten Werken zu Gehör, wiedergegeben durch das Berliner Philharmonische Orchester. Mit den Meisterwerken Beethovens, Bruckners, eines Liszt und eines Johann und Rchard Strauß verbindet sich das Schicksal dieses Orchesters in einer dramatischen und zugleich span nenden Handlung. Wobei wir uns aber gerade so gut vorstellen könnten, daß es sich um das Schicksal der Wiener Philharmoniker oder irgend eines anderen großen Orchesters unserer Lande handelt: der Widerstreit der Kunst mit der Not
der Zeit.
Der Kampf eines Bruderpaares beide zu Großem berufen, beide aber von der Natur, schon aus sich selbst heraus, in schweren Konflikt gebracht, trägt das Bildwerk bis zum tragischen Ende des einen und bis zum Aufstieg und zur sieghaften Vollendung des anderen, die zugleich auch der große Erfolg des Orchesters wird. Daß natürlich die Liebe einer Frau mit der Hintergrund# ganzen Geschehens ist, ja sogar teilweise seine treibende Kraft, kann den Film in seinem müskalischen Bild nicht mindern, im Gegenteil, dies bringt erst die volle Harmonie zwischen Musik und Leinwand zur Entfaltung. Wenn dabei noch Eugen Jochum, Hans Knappertsbusch, Dr. Karl Böhm und Richard Strauß dirigieren und Eugen Klöpfer, Irene von Meyendorf, Will Quadflieg und Theodor Loos —
um nur einige zu nennen — sich um das künstlerische Gelingen dieses Spieles bemühen, so braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß dieser Film ein voller Erfolg sein muß. Als solcher steht er vor dem Innsbrucker Publikum und erwartet seine Anerkennung. — F. 9
IV (Alle Rechte bei Geraldine Katt.)
Die Mädchen aus dem K. d. d. K.
Von Geraldine Katt
Der Fall Gottschalk
Der dritte und tragischeste Fall, weil sein Ausgang für uns alle so sichtbar war, betraf meinen hochbegabten Kollegen Joachim Gottschalk, den das Publikum sicherlich aus seinen beiden Filmen „Du und ich“ (mit Brigitte Horney) und „Ein Leben lang“ (mit Paula Wessely) in guter Erinnerung hat. Ich war mit ihm sehr befreundet, seit er in den beiden vor meinem Auftrittsverbot liegenden Lustspielinszenierungen „Meine Tochter tut das nicht" und „Die Liebe ist das wichtigste im Leben“ im Berliner Theater in der Saarlandstraße mein Partner gewesen war. Wir hatten uns nicht nur künstlerisch, sondern auch menschlich ausgezeichnet verstanden und dies hatte es mit sich gebracht, daß er mich in alle seine privaten Sorgen einweihte. Gottschalk war sehr glücklich verheiratet. Sein
Sohn Michael, von dem immer ein Bild auf dem Schminktisch seiner Garderobe stand, war sein größter Stolz. Als ich in den ersten Kriegsmonaten mit Gottschalk zusammen Theater spielte, war Michael fünf oder sechs Jahre alt.
Eines Tages gestand er mir, daß seine Frau, an der er sehr hing, Jüdin war. Ich erinnere mich heute noch ganz genau an jene Sekunden peinlichen Schweigens, die diesem Geständnis folgten. Peinlich deswegen, weil ich mich noch immer nicht hatte daran gewöhnen können, von jemandem zu sagen, er sei ein Jude. Und dieses Wort war plötzlich sogar ein Schimpfwort geworden! Bis zum Jahre 1938 hatte ich mit ihnen in Wien gearbeitet, sie waren meine Kollegen und Freunde gewesen, sie hatten mich entdeckt und ich habe ihnen alles zu verdanken, was ich in meinem Beruf erreicht habe. Meine letzten wirklich großen Regisseure und Freunde waren im Josefstädter Theater Professor Paul Kahlbeck und im Film Reinhold Schünzel, der mich in „Mädchen Irene“ zum ersten
Male groß herausbrachte und mir zu einem Welterfolg verhalf. Professor Kahlbeck emigrierte nach der Schweiz und Reinhold Schünzel schrieb mir
noch bis kurz vor Kriegseintritt Amerikas aus! Hollywood, wo er bereits wieder ein großer Regisseur geworden war. Und alle diese Menschen wurden von den Nazis verfolgt, nur weil sie nicht „rein arisch“ waren.
Weil seine Frau „nichtarisch“ war, mußte Gottschalk eine Sondererlaubnis vom Propagandaministerium haben, um überhaupt arbeiten zu können. Diese Sondererlaubnis warsihm bisher immer gegeben worden, weil die Nazis ihn für einige große Filme und Bühneninszenierungen gerade brauchen konnten. Er mußte aber täglich damit rechnen, daß diese Sondererlaubnis zurückgezogen wird. Vielleicht morgen schon. Vielleicht aber auch erst übermorgen. Das hing ganz von der Laune des Ministers ab.
Und Dr. Goebbels war sehr launenhaft. Er liebte es nun einmal, plötzliche Entscheidungen zu fällen, die wie ein Blitz aus heiterem Himmel wehrlose Opfer suchten und — fanden. Aus diesem Grunde konnte auch ein so „vorbelasteter“ Mensch wie mein Kollege Gottschalk inmitten von rauschendsten Erfolgen seines Lebens nie froh werden. Das war auch der Grund, warum er seine Frau vor allen Kollegen versteckte. Nur keinen Anlaß schaffen, nur nicht den Anlaß für ein Gerede, das in seinem weiteren Verlauf vielleicht hätte gefährlich werden können, leichtfertig in die Welt setzen! So kam es, daß er sehr zurückgezogen lebte. Außer mir und einigen wenigen verläßlichen Freunden kannte niemand seine Frau und wenn sein Sohn Michael nicht gewesen wäre, hätte kein
Mensch überhaupt etwas von der Tatsache, daß er verheiratet war, geahnt.
Aber das Schicksal spottete aller dieser Vorsichtsmaßregeln. Es setzte sich so souverän darüber hinweg, wie es eben nur ein Schicksal fertig bringt. Und dieses Schicksal näherte sich meinem Kollegen Gottschalk eines Tages in der Person eines solchen K.d.d.K.=Mädchen. Gottschalk erzählte es mir und wir beratschlagten, was man dagegen tun könne; denn dieses Mädchen galt in Künstlerkreisen als gefährliche Klatschbase. Gottschalk beschloß, noch zurückgezogener zu leben und diesem K. d. d. K.=Mädchen so vorsichtig wie möglich aus
dem Wege zu gehen. Das war nicht einfach, denn das Mädchen war hartnäckig. Auf Schritt und Tritt verfolgte sie ihn, wollte sich mit ihm treffen, mit ihm ausgehen, sich mit ihm zeigen. Und bei alledem durfte er sie nicht vor den Kopf stoßen, durfte nicht einfach sagen: Ich mag nicht! Denn sie war rachsüchtig.
Das ging so eine ganze Weile und es hatte beinahe den Anschein, als ob es ihm gelungen sei, das Mädchen abzuschütteln. Gottschalk begann bereits wieder aufzuatmen und sich vorsichtig freier zu bewegen. Eines Tages ging er mit seiner Frau sogar in ein Kino. Der Zufall wollte es, daß sie nach der Vorstellung einigen Kollegen begegneten und die gaben nicht eher Ruhe, als bis Gottschalk sich nach langem Hin und Her bereit erklärte, mit seiner Frau und mit ihnen ins K. d. d. K. zu gehen. Er konnte nicht gut ablehnen, weil sonst vielleicht die Kollegen, die von seiner Frau nichts wußten, mißtrauisch geworden wären und am Ende wäre es vielleicht doch noch zu einem solchen Gerede gekommen, wie Gottschalk es immer fürchtete. Nachdem er also durch vorsichtiges
Ausfragen seiner Kollegen erfahren hatte, daß Dr. Goebbels schon lange nicht mehr im K. d. d. K. gewesen sei, weil er sich augenblicklich auf Reisen befinde, entschloß er sich, von zwei übeln das kleinere zu wählen und mit seiner Frau die Höhle des Löwen aufzusuchen.
Was sich nun ereignete, ist in wenigen Worten erzählt. Selbstverständlich war das betreffende K. d. d. K.=Mädchen an diesem Abend auch im K. d. d. K. und wenige Minuten später erschien auch Dr. Goebbels mit seiner Begleitung. Er war gerade von seiner Reise zurückgekehrt und wollte sich von den Strapazen bei „seinen“ Künstlern erholen. Wie üblich wurden ihm alle Anwesenden, soweit er sie noch nicht persönlich kannte, vorgestellt und Gottschalk mußte nun wohl oder übel auch seine Frau dem Minister vorstellen. Der Minister, der wahrscheinlich überhaupt nichts von einer Frau Gottschalk bisher gewußt hatte, weil diese ganze Angelegenheit mit der Sondererlaubnis wohl von kleineren Beamten der Reichsfilmkammer bearbeitet worden war, küßte Frau Gottschalk die
Hand bei der Vorstellung und unterhielt
sich einige Augenblicke leutselig mit der vor Angst Zitternden. Dann wandte er sich dem K. d. d. KMädchen zu und Gottschalk konnte sehen, wie sie ihm mit einer Kopfbewegung zu seiner Frau hin einiges zuflüsterte. Daraufhin verließ Gottschalt schleunigst das K. d. d. K., ohne seinen Kollegen eine Erklärung für seinen allzu eiligen Aufbruch zu geben.
Am folgenden Tage erzählte er mir alles aufgeregt in der Garderobe. Es war ihm klar, daß das K. d. d. K.=Mädchen irgendwie Näheres über seine Frau erfahren und dies sofort dem Minister mitgeteilt hatte. Zu jener Zeit war gerade wieder einmal eine große Juden=Razzia im Gange und Gottschalk befürchtete das Schlimmste für seine Familie. Was sollte er tun, wenn man ihm plötzlich Frau und Kind nahm und beide in eines der berüchtigten Konzentrationslager steckte, aus denen nur wenige lebend zurückkehrten?
Am anderen Tage schon wußten wir, was Gottschalk getan hatte. Hausbewohner hatten ihn mit Frau und Kind in seiner Wohnung aufgefunden, als auf mehrmaliges Klopfen nicht geöffnet wurde. Alle drei waren tot. Vergiftet mit Leuchtgas. Und auf seinem Schreibtisch lag der Einberufungsbefehl, der ihn von seiner Frau und von Michael für immer trennen sollte.
Diese Gottschalk=Affäre, die seinerzeit großen Staub aufwirbelte, hatte erstaunlicherweise zur Folge, daß der Minister bei jeder Gelegenheit Filmschaffenden gegenüber betonte, daß dies alles nicht seine Schuld gewesen sei. Der Einberufungsbefehl sei keinesfalls von ihm ausgegangen, sondern sei „im Zuge“ der vielen Neueinberufungen erfolgt. Wir alle schwiegen zu seinen vielwortigen Entschuldigungsreden; denn, wer sich entschuldigt, klagt sich an und außerdem hatte es der Minister noch niemals für notwendig befunden, sich für irgend etwas zu entschuldigen. Daß er es dieses eine Mal doch tat, schien uns allen der eindeutigste Beweis für seine Schuld zu sein; denn ein so prominenter Schauspieler wie Gottschalk konnte gar
nicht ohne ausdrückliche Erlaubnis und
Billigung des Ministers eingezogen werden.
(Fortsetzung folgt!)
Nummer 42
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