Tiroler Tageszeitung 1945

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Ausgaben dieses Jahres – 1945
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Rostbrsugts.. —
Herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Einzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung
Nummer 9/ 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an IS B, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Montag, 2. Juli 1945
Werk von San Franzisko
San Franzisko, 30. Juni. Die Konferenz der vereinten Nationen über die internationale Friedensorganisation wurde am Dienstag abend vertagt. Bei den Abschlußfeierlichkeiten, die zwei Stunden in Anspruch nahmen, gaben die Vertreter von elf Nationen ihrer Hoffnung Ausdruck, daß sich die Völker der Erde der feierlichen Verpflichtungen, welche die Weltfriedensverfassung ihnen auferlegt, würdig erweisen werden.
Minute des Schweigens
Vor Beginn der Sitzung forderte der Vertreter der Vereinigten Staaten Stettinius zu einer Minute des Schweigens auf als Ehrung der in diesem Kriege gefallenen Soldaten der vereinten Nationen. In seiner Würdigung der in San Franzisko geleisteten Arbeit bezeichnete er die aufgestellte Friedensverfassung als „unsere Hoffnung für einen guten undsdauerhaften Frieden“.
Hoffnungsvolle Schlußworte
Lord Halifax, der Vertreter Großbritanniens, erklärte, durch dieses Werk sei den Menschen, wenn sie ernstlich wollen und bereit sind, Opfer dafür zu bringen, die Möglichkeit gegeben, den Frieden zu erhalten.
Gromyko sagte namens der Sowjetunion, „die Konferenz werde in die Geschichte als eines der bedeutendsten Ereignisse eingehen“.
Dr. Wellington Koo, der Vertreter Chinas, alaubt, daß die neue Weltverfassung in eine Reihe gehört mit der Verfassungsurkunde von England und der Verfassung der Vereinigten Staaten.
Das Schlußwort hielt Präsident Truman, der sowohl vor wie nach seiner Rede aufs beifälligste begrüßt wurde. Er stellte fest, daß die Gründungsversammlung der neuen Weltorganisation nunmehr beendet sei. Die Verfassung müsse nunmehr benützt werden.
Die Einrichtung des Weltsicherheitsrates
Der Weltsicherheitsrat ist das stets wachsame und stets handlungsbereite Organ der Weltfriedensverfassung. Er besteht aus elf Mitgliedern. Fünf von diesen sind als ständige Mitglieder Vertreter der Großmächte. Sechs weitere Mitglieder werden als nichtständige Vertreter für zwei Jahre gewählt. Bei der ersten Wahl werden jedoch drei Mitglieder für ein Jahr gewählt werden. Der Sicherheitsrat „wird in erster Linie für die Aufrechterhaltung des Friedens verantwortlich sein“. Zu diesem Zwecke wird er den vereinten Nationen eine gewisse Regelung der Rüstungen vorschlagen. Im Falle des Ausbruchs von internationalen Konflikten hat der Sicherheitsrat zunächst alle friedlichen Mittel zur Lösung des Streites zu erschöpfen. Es stehen ihm jedoch auch Möglichkeiten zur Verfügung, um durch bewaffnete Aktionen den Frieden zu sichern. Zu
diesem Zwecke steht dem Sicherheitsrat ein Militärstab zur Seite, der aus den Leitern der Militärbehörden der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates besteht. Dieser Stab wird für die strateaische Leitung der dem Sicherheitsrat zur Verfügung stehenden Streitkräfte verantwortlich sein.
Wirtschafts= und Sozialrat
Ein von der Generalversammlung gewählter Rat von sechs Mitgliedern soll die Ausführung folgender in der Weltfriedensverfassung aufgestellter Grundsätze überwachen: Förderung eines höheren Lebensstandards, volle Beschäftigung, wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt, internationale Zusammenarbeit in Erziehungs=, Sozial=, Wirtschaftsund Gesundheitsfragen, Beobachtung der Menschenrechte und grundlegender Freiheiten für alle ohne Unterschied der Rasse und Farbe, der Sekte und des Glaubens. Für die sich nicht selbst regierenden Staaten wird ein Treuhandsystem eingeführt, vermittels dessen diese Länder der Wohltaten teilhaftig werden, die in den obigen Grundsätzen niedergelegt sind.
Die Weltkonferenz vertagt
Die vorläufige Kommission
Die vorläufige Kommission trifft Vorbereitungen für die Einberufung der ersten Sitzung der Generalversammlung, des Sicherheitsrates, des Wirtschafts= und Sozialrates, des Treuhänderrates für die Einrichtung des Sekretariates und für die Einberufung des internationalen Gerichtshofes. Mitglieder der vorläufigen Kommission sind je ein Vertreter der Staaten, welche die Weltfriedensverfassung unterzeichnet haben. Tagungsort der Kommission ist London. Die erste Sitzung fin
Oberstes alliiertes Hauptquartier, 1. Juli. Einem Uebereinkommen mit der Sowjetunion zufolge wurde gestern bekanntgegeben, daß die Truppen der vier Besatzungsmächte heute beginnen werden, in die für sie festgelegten Zonen in Deutschland einzurücken. Man erwartet, daß die Bewegungen der britischen und amerikanischen Verbände zur Räumung der von Briten und Amerikanern besetzten russischen Besetzungszone und die Besetzung dieses Gebietes durch die Rote Armee am 4. Juli abgeschlossen sein werden. Gleichzeitig werden britische, amerikanische und französische Truppen in Berlin einmarschieren. Sonstige Verlegungen französischer, britischer und amerikanischer Truppen in ihre endgültigen Besetzungszonen werden unmittelbar nach Abschluß aller Vorbereitungen durchgeführt werden.
Die französischen Besetzungszonen
Paris, 1. Juli. Die französischen Besetzungszonen werden, wie der Sender Paris meldet, folgende Gebiete umfassen: Das süd
London, 1. Juli. Radio Moskau gibt bekannt, daß die Regierung der Sowjetunion und die Regierung der Tschechoslowakei ein Abkommen geschlossen habe, demzufolge die Karpato=Ukraine an die Sowjetunion abgetreten wird. Das Gebiet hat 800.000 Einwohner. Der Vertrag wurde von
Ehemalige K3-Internierte zur Erholung nach Schweden
Stockholm, 1. Juli. Zehntausend Personen, die aus den Konzentrationslagern von Belsen und Buchenwald befreit wurden, sind in fünf schwedischen Schiffen auf dem Wege nach Schweden. Sie werden dort für sechs Monate zur Erholung untergebracht werden. Die meisten dieser ehemaligen Häftlinge sind Polen. Auch Frauen und Kinder befinden sich unter ihnen. Viele von den Kindern kennen weder den Namen ihrer Eltern, noch wissen sie etwas von ihnen.
Das Geheimnis von Katyn enthüllt
Oslo, 1. Juli. Norweger, die im Konzentrationslager Sachsenhausen gefangen gehalten wurden und vor kurzem nach Norwegen zurückgekehrt sind, erklärten, daß die in den Massengräbern von Katyn vorgefundenen Leichen Ueberreste gewesener Insassen des Konzentrationslagers Sachsenhausen waren, die von den Deutschen ermordet worden waren. Die norwegischen Insassen des Konzentrationslagers kleideten auf Befehl die Leichen der Opfer in polnische Uniformen und steckten in deren Taschen polnische Ausweispapiere.
De la Rocque angeklagt
Paris, 1. Juli (Reuter). Oberst de la Rocque, der vor dem Krieg die erste faschistische Partei in Frankreich organisierte, ist unter Anklage gestellt worden, da er unter
det jedoch noch in San Franzisko statt im Anschluß an die Konferenz der Vereinigten Natonen.“
Der internationale Gerichtshof
Der neue internationale Gerichtshof wird seine Gerichtsbarkeit nur in jenen Fällen ausüben, die ihm freiwillig unterbreitet werden, und in Angelegenheiten, für die seine Tätigkeit in der Weltfriedensverfassung besonders vorgesehen ist.
liche Rheinland, das Saargebiet, die Pfalz, den größten Teil von Baden, einen Teil von Württemberg und einen Teil von [Oesterreich. Die Franzosen werden demnächst Mannheim und Koblenz besetzen, Karlsruhe soll vorerst noch in amerikanischer Hand bleiben.
Frankreich wieder Großmacht
Zürich, 1. Juli (Radio Paris). In einer Zusammenfassung über die auf der Konferenz von San Franzisko erzielten Ergebnisse schreibt die „Neue Züricher Zeitung“: „Eines der markantesten Ergebnisse der Konferenz ist die Tatsache, daß Frankreich seine Stellung als Großmacht wieder erlangt hat. Vor allem gegen Schluß der Beratungen hat man feststellen können, daß der Einfluß Frankreichs im Wachsen begriffen war. Die französische Delegation erreichte dies unter der geschickten Diplomatie des Herrn Bidault. Nach einigen Schwierigkeiten im Anfang ist es der französischen Vertretung gelungen, eine der wichtigsten Rollen auf der Konferenz zu spielen.“
dem tschechoslowakischen Ministerpräsidenten Fierlinger und vom Außenkommissar Molotow in Moskau ausgearbeitet. In einem Zusatzprotokoll heißt es, daß die genaue Grenzbestimmung durch eine Kommission erfolgt, der je drei Vertreter beider Länder angehören sollen.
das neue Gesetz fällt, das diejenigen erfaßt, die mit den Deutschen auf journalistischem Gebiet zusammengearbeitet haben.
Die Todesstiege von Mauthausen
Ein Bericht des ehemaligen Kaufmannes Georg Scheuing aus Neu=Ulm, der wegen fahrlässiger Krida zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt und ohne Begründung bis zum Ende des Dritten Reiches ins „K3“ gesteckt wurde, erzählt über die sogenannte „Todesstiege“ von Mauthausen:
„Die Todesstiege waren Steinstufen im berüchtigten Steinbruch Wienergraben bei Mauthausen. Wochen hindurch wurden im Frühjahr 1941 Tag für Tag Häftlinge, vor allem Juden, über die Todesstiege hinaufgetrieben und dann von SS=Leuten paarweise oder zu dritt über die Felswand gestürzt. Unten lagen sie zu Brei zermalmt. Des öfteren hieß es, wenn die Häftlinge unten im Bruch antraten: „Juden heraus!“ Die Juden waren bereits bei ihrer Ankunft im Lager festgestellt, in Listen verzeichnet und mit Nummer und Stern versehen worden. So gab es kein Entrinnen. In Gruppen wurden sie über die Stiegen hinaufgehetzt und wie Hasen auf der Treibjagd von den in den Felsen aufgestellten SS=Schützen abgeknallt. Die letzten vier Mann mußten immer an der Bluttreppe hängengebliebene Tote und Sterbende hinwegschaffen und wurden
schließlich selbst mit dem Maschinengewehr niedergestreckt. Diesen SS=Spaß gab es Tag für Tag, bis das Lager wieder einmal judenrein war“
Vermögensmeldung aller SS= und Gestapoangehörigen
München, 1. Juli. In Bayern müssen alle früheren Mitglieder der Gestapo und Se auf Befehl der alliierten Militärregierung unverzüglich ihr Vermögen anmelden. Es muß genau angeführt werden, was sie nach und vor dem Eintritt in die SS oder Gestapo besessen haben.
Die Kriegsereignisse
NewYork, 1. Juli. Im Pazifik fand eine Reihe erfolgreicher Vorstöße der Luftstreitkräfte gegen japanische Verbindungs= und Industrieziele statt. Die chinesischen Truppen haben die Japaner aus Koaping vertrieben. Gleichzeitig meldet Tschungking, daß Liutshou, die wichtigste Stadt der Provinz Kwansi, zurückerobert wurde.
Die Entvölkerung Tokios
Tokio, 1. Juli. Nach japanischen Berichten erwartet die japanische Regierung, daß nur ungefähr 200.000 Menschen in Tokio verbleiben werden, für die neue Wohnviertel aufgebaut werden sollen. Die meisten Einwohner Tokios sind bereits evakuiert worden. Die Bevölkerung der japanischen Hauptstadt betrug 7 Millionen.
Japan verlegt seine Rüstungsbetriebe in die Mandschurei
London, 1. Juli. Wie Reuter meldet, erklärt das japanische Nachrichtenbüro, daß Japan eine große Anzahl seiner Rüstungsbetriebe in die Mandschurei verlege, um sie den alliierten Bombenangriffen auf das japanische Mutterland zu entziehen. Somit wächst mit der Verschlimmerung der Kriegslage im Pazifik die Rolle Chinas und anderer Gebiete des asiatischen Festlandes als Nachschubszentrum für Japans Kampfkraft.
Neuer Außenminister in den Veremngien Sianen
Washington, 1. Juli. Der bisherige Außenminister der Vereinigten Staaten Edward Stettinius ist zum Vertreter der Vereinigten Staaten im Sicherheitsausschuß der Vereinten Nationen ernannt worden. An seiner Stelle wird der 66jährige James Byrnes, ein intimer Freund des Präsidenten Truman und hervorragender Sachkenner der auswärtigen Angelegenheiten, zum Außenminister ernannt werden. Beim letzten Nationalkonvent der Partei wurde er vom Präsident Truman als Vizepräsident vorgeschlagen. Der Senat wird am Montag die Genehmigung zur Bestellung Byrnes" als Außenminister vollziehen. Gleichzeitig sollen vier weitere neue Mitglieder in die Regierung eintreten. Die Regierung setzt sich zur Hälfte aus Männern zusammen, die Präsident Truman ausgewählt hat.
Deutscher Viehraub in Stalien
Rom, 1. Juli. Nach Mitteilung des Senders Rom haben die Deutschen in Mittelund Süditalien über 1 Million Stück Rindvieh, 150.000 Schweine, etwa 30.000 Maultiere und über 14.000 Pferde geraubt. Dieses Verzeichnis ist nicht vollständig und enthält insbesondere nicht den Viehraub, den die Deutschen in Oberitalien begangen haben.
Wiederherstellung des Eisenbahnnetzes Norditaliens
Washington, 1. Juli. Das italienische Kriegsministerium gibt bekannt, daß das große Eisenbahnnetz, welches Italien mit Oesterreich und der Schweiz verbindet, bis Ende Juli wieder vollkommen instandgesetzt und dem Verkehr übergeben wird. Der größte Teil der norditalienischen Eisenbahnlinien ist wieder in Betrieb, nur die Strecke über die französisch=italienische Grenze kann noch nicht benützt werden. Nördlich von Verona arbeiten 12.000 deutsche Soldaten einer Eisenbahnabteilung an der Instandsetzung der Brennerstrecke.
Die Venus von Milo wieder im Louvre
Paris, 30. Juni. Die Venus von Milo ist mit anderen Kostbarkeiten nunmehr aus einem Versteck wieder in den Louvre gebracht worden.4
Die neuen Besetzungszonen in Deutschland
Karpatho=Akraine an Sowjetrußland abgetreten