Tiroler Tageszeitung 1945

Monat:7

- S.35

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Herausgegeben von den französischen Streitkräften für die österreichische Bevölkerung
Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Sinzelverkauf erhältlich. — Vorerst keine Postzustellung
Nummer 25 / 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4. — Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4
Freitag, 20. Juli 1945
Willkommen!
Die Schriftleitung der „Tiroler Tageszeitung“ begrüßt Herrn Weymüller. der gestein mit Herrn General Bethouart in Innsbruck eintraf und der Chef des gesamten Nachrichtenwesens für die französische Besetzungszone in Oesterreich ist.
Tatsachen aus Akten
Ich habe in letzter Zeit Gelegenheit gehabt, zahllose Anzeigen und Meldungen von Ortsgruppenleitern und anderen Nazivertrauensleuten an die Kreisleitung oder an die Gestapo selbst durchzusehen, in denen Leute denunziert wurden, die so unvorsichtig gewesen waren, zu unrechter Zeit von der angeblich im Machtbereich Hitlers herrschenden Meinungsfreiheit Gebrauch zu machen.
Meinungsfreiheit? Warum mußte dann beispielsweise das Polizeipräsidium in Innsbruck noch bis in die letzten Apriltage 1945 hinein, wo so schon jedermann wußte, daß die Tage der Naziherrschaft gezählt seien, noch immer an die Kreisleitung Innsbruck der NSDAP. über jeden nach Innsbruck Zugezogenen ein Meldefoxmular einsenden! Dieses Formular trug auf der Rückseite Rubriken, die von den einzelnen Parteistellen — Ortsgruppenleitungen, Blockleitern usw. — auszufüllen waren und dann wieder an die Kreisleitung zurückgingen. Zugleich erhielten damit die Ortsgruppenleitung, die Block= und Zellenleiter (das ging aus der Art, wie die Rubriken auszufüllen waren, hervor) den Auftrag, die neu in Innsbruck Zugewanderten nicht aus den Augen zu lassen, sie einfach zu bespitzeln.
Meinungsfreiheit? Warum wurden die öffentlichen Angestellten und Beamten fortlaufend bespitzelt? Warum mußten zum Beispiel ein Beamter der Innsbrucker Universität, Berichterstatter der verschiedenen Fachschaften, das Amt für Beamte usw., jeden Monat an ihnen vorgesetzte Stellen Berichte über die Stimmung der Beamten und Angestellten einschicken? Warum mußte etwa das Amt für Beamte mitteilen, daß die Stimmung unter den Beamten ständig wechsle, daß es immer noch „unbelehrbare Meckerer“ gebe? Warum mußte ein anderer Berichterstatter melden, daß es schwarze Beamte gäbe, die die Arbeit augenscheinlich sabotierten, aber die Sache so schlau machten, daß man ihnen einfach nicht ankönne! Warum mußten wieder andere Berichterstatter ihrer vorgesetzten Spitzelbehörde berichten, daß viele Beamte wieder
eine „rötliche Gesinnung“ mehr oder weniger versteckt, aber dennoch nicht zu übersehen, zeigten! Wenn es wirklich auch nur einen Schatten von Gesinnungsfreiheit gegeben hätte, dann hätten die einen nicht Spitzelarbeit leisten dürfen hätten die vorgesetzten Stellen keine Spitzelberichte einfordern brauchen!
Meinungsfreiheit? Dann hätte die Gestapo in Innsbruck nicht eine ehemalige Tiroler Landtagsabgeordnete zu verhaften brauchen, dann hätte sie das Gericht nicht auf Grund von Indizien, deren wichtigster der war, die Frau sei nachgewiesenermaßen eine fanatische Sozialdemokratin gewesen, zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilen müssen.
So war es in Wirklichkeit mit der Meinungsfreiheit bei uns bestellt. An diesen traurigen Tatsachen änderte der Umstand nichts, daß auf der Jagd nach Sündern wider den Geist nazistischer Gleichschalterei Dinge passierten, die stark an Schildbürgerei erinnerten. So beispielsweise, wenn der Innsbrucker Kreispropagandaleiter an eine Sterbeversicherung in Innsbruck die Mitteilung richtete, daß „das für uns heute wohl nicht tragbar ist“, wenn die Sterbekasse in einem Ort an der Mittenwaldbahn das Inkasso durch die Pfarrhäuserin durchführen lasse. Es müsse darum im Einvernehmen mit dem Ortsgruppenleiter oder der Ortsfrauenleiterin eine andere Person verwendet werden.
Hitler hat wiederholt erklärt, der Bestand des Dritten Reiches sei für mindestens tausend Jahre gesichert! Wie war das vereinbar mit der geradezu krankhaften Angst davor, daß ein Beamter oder Angestellter etwa eine Meinung zum Ausdruck bringen könnte, die mit der amtlich geeichten nicht ganz übereinstimmte! Karl Gvatter.
General Bethouart
Oberbefehlshaber der französischen Besetzungszone in österreich
(Photo R. Moisy)
Interimspässe für Österreicher in der Schweiz
Bern, 18. Juli. Die Schweizer Bundesbehörden haben in Anbetracht der großen Anzahl der ehemaligen österr. Staatsangehörigen, die gegenwärtig in der Schweiz leben, folgenden Erlaß herausgegeben:
„Die Stellen, welche die deutschen Interessen in Bern, Basel, Zürich, St. Gallen und Genf wahrnehmen und dem politischen Departement des Bundes unterstellt und unter Schweizer Kontrolle sind, haben den Auftrag erhalten, besondere Interimspässe an jene ehemaligen österreichischen Staatsbürger auszugeben, die Anspruch auf die österreichische Staatsbürgerschaft erheben. Mit der Ausgabe eines Interimspasses ist jedoch noch keine Entscheidung in der Frage der Staatszugehörigkeit getroffen. Die Entscheidung hierüber liegt ausschließlich bei jenen Behörden, die in Zukunft die Amtsgewalt in Österreich im Namen der anerkannten Regierung ausüben werden. Den Inhabern solcher Interimspässe wird die Bewilligung zum Aufenthalt in der Schweiz von den Schweizer Behörden grundsätzlich erteilt werden.“
Neuer Generalsekretär im Wiener Außenministerium
Wien, 19. Juli. Gesandter Dr. Heinrich Wildner ist zum Generalsekretär im Außenministerium der provisorischen österreichischen Regierung ernannt worden. Herr Wildner war vor der nationalsozialistischen Machtergreifung Leiter der Wirtschaftsabteilung im Bundeskanzleramt.
Deutsche Kriegsgefangene aus Norwegen kehren heim
Oslo, 19. Juli. 2000 deutsche Kriegsgefangene, hauptsächlich landwirtschaftliche und Bauarbeiter, sind nach Lübeck in See gegangen. Jeder Heimkehrer durfte 20 Kilo Gepäck mitnehmen.
in Brasilien
Riode Janeiro, 19. Juli. Der Oberbefehlshaber der amerikanischen Besatzungstruppen in österreich General Clark ist hier zum Besuche eingetroffen, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen, mit denen Brasilien seine aus dem Feldzug zurückgekehrten Truppen ehrt.
Hitter in Patagonien?
Chikago, 19. Juli. „Chikago Times“ veröffentlicht einen Bericht aus Montevideo, in dem es heißt: Durch Nachrichten aus Buenos Aires erscheint es fast sicher, daß Hitler und seine Frau Eva Braun, als Mann verkleidet. in Argentinien gelandet sind und sich nun auf dem deutschen Besitz Immensee in Patagonien befinden. Es heißt, daß die beiden an einer einsamen Küste von einem deutschen Unterseeboot, das dann zur übergabe an die Allierten zurückgekehrt wäre, an Land gegangen seien.
Die Verhandlung gegen Marschall Petain
Paris, 19. Juli. Die Vorbereitungen für die am Montag beginnende Verhandlung gegen den 89jährigen Marschall Henry Petain wurden heute im Pariser Justizpalast beendet. Die Anklage lautet auf Hochverrat.
Der französische Kronschatz wieder in Paris
Paris, 19. Juli. Wie erst jetzt bekannt wird, wurden etwa vor einem Monat die französischen Kronjuwelen heimlich aus ihrem Versteck im Schloß Valenciennes nach Paris zurückgebracht. Unter diesen Juwelen von unschätzbarem Wert, die wieder im Louvre ausgestellt werden, befinden sich der berühmte Diamant „Regent“ von 136 Karat, der einer der schönsten auf der Welt ist, die goldenen, mit Edelsteinen besetzten Kronen Kaiser Napoleons I. und der Kaiserin Josefine, die alten Kronen der westgotischen Könige, das glänzende Stahlschwert, das auf Befehl Napoleons angefertigt worden war und mit Juwelen im Werte von 2 Millionen Francs besetzt ist. Kein Mensch in der kleinen Stadt Valenciennes hatte die leifeste Ahnung, daß hier die Kronjuwelen versteckt waren.
Französische Stadt mit der Widerstandsmedaille ausgezeichnet
Paris, 19. Juli. Die provisorische Regierung beschloß, die Stadt Cannes mit der Widerstandsmedaille auszuzeichnen.
Eine Million Deutsche als Opfer der Gestapo
Paris, 19. Juli. Radio Paris berichtet, daß Gustav Klingehofer, Sekretär der sozialdemokratischen Partei in Deutschland, erklärt hat, daß nicht weniger als eine Million [Deutsche ihren Widerstand gegen Hitler mit dem Leben bezahlt haben. In dieser Zahl sind die ermordeten Juden nicht enthalten. Während der letzten Kriegsmonate richteten die Nazi schätzungsweise täglich 20 bis 30 Per
sonen als Saboteure hin. In einem Brandenburger Gefängnis wurden wöchentlich 30 bis 40 Deutsche wegen illegaler Tätigkeit hingerichtet.
Dreierkonferenz
Potsdam, 19. Juli. Die Dreierkonferenz findet noch immer in voller Abgeschlossenheit statt. Wichtige politische Entscheidungen werden von führenden Staatsmännern persönlich getroffen werden. Die Ausarbeitung der Einzelheiten wird dem alliierten Fachausschuß überlassen.
Die Besprechungen in Potsdam
Potsdam, 19. Juli. Die einleitenden Besprechungen in Potsdam haben begonnen. Gestern vormittags hatten Premierminister Churchill und Präsident Truman eine Besprechung, die 45 Minuten dauerte. Nachmittags machte Churchill eine Fahrt durch Berlin. Er besuchte den Reichstag und Hitlers Reichskanzlei.
Wird Holland deutsche Gebiete fordern?
London, 19. Juli. Die holländische Forderung nach Ersatz an Land für den Verlust holländischen Ackerlandes durch die überflutung wird durch die öffentliche Meinung in Holland energisch unterstützt. Es haben sich jedoch noch keine endgültigen Vorschläge herausgebildet.
Die Hungersnot als Feind des Friedens
Washington, 19. Juli. Der Verleger der größten amerikanischen Zeitung „New York Times“, der soeben Frankreich, Belgien und Deutschland bereist, hat erklärt, die Alliierten können den Krieg nur dann als gewonnen betrachten, wenn die Völker wieder genug zu essen hätten. Er machte die Amerikaner aufmerksam, daß sie gefaßt sein müßten, noch in diesem Jahre um 5 Prozent weniger Lebensmittel zu bekommen als bisher, damit die ausgehungerten Bewohner befreiter europäischer Länder mehr Nahrungsmittel erhalten könnten.