Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:7
- S.53
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Samstag, 28. Juli 1945
Tiroler Tageszeitung
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Stadt und Land
Verlobung einer Arenkelin des Kaisers Franz Joseph l.
In Solbad Hall hat sich soeben Therese Grafin zu Stolberg=Stolberg mit Graf Paul Joseph Wolff Metternich zur Gracht, Burg Heppingen, Rheinland, verlobt. Gräfin Therese zu Stolberg=Stolberg ist eine Tochter des Grafen Bernhard zu StolbergStolberg, k. u. k. Hauptmann a. D. des 1. Tiroler Kaiserjägerregimentes und dessen Gemahlin Hedwig Erzherzogin von Österreich, die eine Enkelin weiland des Kaisers und Königs Franz Joseph l. war. Graf Metternich entstammt dem gleichen Geschlechte, aus dem der seinerzeitige Staatskanzler österreichs, Fürst Metternich, hervorgegangen ist.
Verkürzung der Fettration in der 78. (3.) Zuteilungsperiode
Zur Mitteilung in der Zeitung vom 27. Juli berichtigen wir, daß die Zuteilung von 100 Gramm Käse für Jugendliche nicht auf Fettabschnitt Nr. 13, sondern auf Fettabschnitt Nr. 14 erfolgt.
Verkürzung des Ausgehverbotes am Samstag
Anläßlich der Feierlichkeiten für General de Lattre de Tassigny wird das Ausgehverbot am Samstag, den 28. Juli, erst um 1 Uhr nachts in Kraft treten.
Innsbrucker Verkehrsbetriebe A.=G.
Nachtverkehr bei den IVB. am heutigen Samstag
Aus Anlaß der Feierlichkeiten, die die alliierte französische Besatzungsarmee am Samstag, den 28. Juli, veranstaltet, wird ein zusätzlicher Verkehr auf folgenden Linien eingeschaltet:
Linie 1: Der normale Verkehr wird bis
21.30 Uhr ausgedehnt. Zusätzlich von 20.00 bis 21.30 Uhr ein Pendelverkehr ab Berg Isel — Westbahnhof — Andreas=Hofer=Str.—. Bürgerstraße bis Maria=Theresien=Straße.
Linie 4: Folgende Züge werden noch zusätzlich eingeschoben: Ab Wiltener Platz 20.33 Uhr mit dem korrespondierenden ab Loretto 21.26 Uhr Pendelverkehr. — Außerdem ein Nachtzug ab Maria=Theresien=Str. um 0.30 Uhr mit dem Pendelanschluß bis Hall.
Linie 6: Ein zusätzlicher Nachtzug ab Maria=Theresien=Straße um 0.30 Uhr über die Linie 4 nach Igls und ein weiterer Zug Igls um 1.15 Uhr.
Die Hungerburgbahn verkehrt an diesem Tage bis 23.00 Uhr.
Einschränkung des Autolinienverkehrs
Infolge verringerter Zuweisung von Permagas werden die Autolinien nach Hötting, Amras und Wiltenberg mit sofortiger Wirksamkeit nur mehr in den Frühstunden von
6.30 bis 8.30 Uhr und in den Mittagsstunden von 11.30 bis 13.00 Uhr geführt.
Die Kurse abends von 17.00 bis 19.00 Uhr entfallen bis auf weiteres.
Hohes Alter
Am 20. August begeht in Obernberg Frau Anna Kolb aus Matrei am Brenner in voller Rüstigkeit den 85. Geburtstag. Sie ist die Mutter des im Lande weit bekannten und hochangesehenen Monsignore Dr. Franz Kolb, der seit einigen Jahren als Pfarrer in Obernberg wirkt. Frau Anna Kolb machte die schweren Bombenangriffe auf Matrei a. Br. mit und wohnt seither bei ihrem Sohn in Obernberg. — Vergangenen Sonntag feierte Frau Berta Rudisch, Hauptmannswitwe in Hötting, in geistiger und körperlicher Frische ihren 86. Geburtstag.
in Tirol und Vorarlberg
Im Lande Vorarlberg wird ab 30. Juli der allgemeine Postdienst ausgenommen. Er erstreckt sich auf das Land Vorarlberg und das Land Tirol.
Vorerst werden zugelassen:
a) Karten, die in Form und Größe den von der Post ausgegebenen Postkarten entsprechen,
b) Briefe bis zum Höchstgewicht von 20 gr.
Die Behörden und Amter können ihre amt
lichen Briefsendungen bis zum Gewichte von 1000 gr einliefern. Im geschäftlichen Verkehr sind Geschäftspapiere (§ 58 der Österr. Postordnung) und reine Geschäftsbriefe bis zum Gewicht von 500 gr zugelassen.
Versendungsbedingungen:
Alle Sendungen müssen die vollständige Absender= und Empfängerangabe tra
gen. Sendungen, die in der Absender= oder Empfängerangabe die Bezeichnung „Postlagernd“ tragen, sind unzulässig.
Die Sendungen dürfen ausschließlich nur in französischer, englischer, russischer oder deutscher Sprache, unter Ausschluß aller anderen Sprachen und Dialekte, abgefaßt werden.
Freimachung:
Die Sendungen sind nach den bisher geltenden Gebührensätzen freizumachen. Schilling und Groschen entsprechen Reichsmark und Reichspfennig.
Die Verwendung von Wertzeichen der Deutschen Reichspost ist unzulässig.
Einlieferung:
Die Sendungen sind an den Schaltern oder durch Einwurf in Briefkasten aufzugeben.
AUS OSTERREICI
Österreichische Beamte rehabilitiert
Wien, 27. Juli. Zu den österreichischen Beamten, die unter den Nazis besonders gelitten haben, gehörte der Gesandte Ludwig. Er wurde nun zum Sonderberater für Pressefragen im Kanzleramt ernannt. Er übte dieses Amt auch vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten aus. Zum Leiter der Presseabteilung wurde Hofrat Dr. Wirth ernannt.
Österreichische KZ.=Häftlinge in Deutschland
Linz, 27. Juli. Das Berliner Städtische Fürsorgeamt hat um eine genügende Zahl von Kraftwagen für den Heimtransport von österreichern ersucht, die in deutsche Konzentrationslager verschleppt worden waren. Zur Zeit befinden sich noch zwanzig solcher österreicher in Neuruppin bei Berlin und ungefähr hundert in Schwerin.
Hamsterer vor dem Militärgericht Salzburg, 27. Juli. Vier Polen wurden wegen Diebstahls oder unbefugten Ankaufs von Lebensmitteln von der amerikanischen
Militärregierung zu je sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Die Eröffnung der Gerichte in Salzburg
Salzburg, 27. Juli. Heute wurden die Gerichte in feierlicher Weise wieder eröffnet.
Verurteilte Gewalttäter
Salzburg, 27. Juli. Wegen Gewalttätigkeit gegenüber einem jungen Mädchen wurde vom Militärgericht ein 26jähriger Mann zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Wieder festgenommene Strafgefangene
Schärding, 27. Juli. Häftlinge der Strafanstalt Suben, die sich den einmarschierenden Amerikanern gegenüber als politische Hästlinge ausgegeben hatten, wurden, da es sich um kriminelle handelt, wieder festgenommen.
Aus dem braunen Schutdbuch
Der Nachlaß Kranewitters war geraubt worden
Bei einer von einer österreichischen Dienststelle in Zusammenarbeit mit den französischen Behörden unternommenen Durchsuchung des Zenzenhofes, den die Nazi den Jesuiten entrissen und in Arnhof umgetauft hatten, wurde in einem Raum unter einer Menge von Pressematerial und ausgeschnittenen Presseartikeln in einem Paket verschnürt ein Teil des Nachlasses von Kranewitter aufgefunden. Dieser Nachlaß wurde seinerzeit von den braunen Machthabern Herrn Dr. Dörrer, der ihn von Kranewitter übernommen hatte, abgenommen und dorthin verschleppt. Er wurde nun vom Amt für Kultur und Wissenschaft seinem rechtmäßigen Besitzer zurückgestellt. Nachforschungen nach Teilen des Nachlasses sind noch im Gange.
Bachkantaten als — Verbrechen
Im musikwissenschaftlichen Seminar der Universität Innsbruck wurden seinerzeit von den Schülern zu Studienzwecken Kantaten von Bach und geistliche Lieder von alten Komponisten gesungen. Dafür mußte sich Professor Ehmann vor der Gestapo und vor dem Gauleiter persönlich verantworten.
So verdienten sie die KYK.
Von einer österreichischen Dienststelle wurde eine Kartothek der obersten Nazibonzen aufgefunden, aus der hervorgeht, daß diese die Kriegsverdienstkreuze nicht für besondere Verdienste, sondern ganz systematisch unter sich austeilten.
SPORTUNDSPIEL
Fußball
Samstag, den 28. Juli, findet um 18.30 Uhr am Tivolisportplatz das Revanchespiel Sportverein Innsbruck—Sportklub Innsbruck statt. Bei der letzten Begegnung konnte der Sportklub einen 4:1=Erfolg erringen. Im Vorspiel um 17.00 Uhr stehen sich die Jugendmannschaften obgenannter Vereine gegenüber.
Schweiz—England 3:1
Vergangenen Samstag fand in Zürich seit Jahren wieder der erste Fußball=Länderkampf statt, bei dem es den Eidgenossen überraschenderweise gelang, vor 47.000 Zuschauern die englischen Fußball=Lehrherren nach einem äußerst dramatischen, schnell und hart geführten Kampf 3:1 zu besiegen. Die englische Nationalelf trat die Hin= und Rückreise mit dem Flugzeug an.
Binder=Rapid Wien in Tirol
Wiens populärer Fußballer, der vielfache Internationale und durch seine phänomenale Schußkraft in ganz Europa bekannte Franz Binder (Rapid Wien), hält sich zur Zeit in Kufstein auf und wird voraussichtlich auch demnächst für den Fuß
ballklub Kufstein spielen. Für die Provinzmannschaft Tirols wird Binder eine große Verstärkung bedeuten und Innsbrucks Fußballer und Fußballfreunde werden im kommenden Monat Gelegenheit haben, den Rapid=Riesen in Innsbruck spielen zu sehen.
AUS DER BERGWELT
Hüttenbetrieb
Karwendel: Aspachhütte, Bettelwurfhütte, Hallerangerhaus, Karwendelhaus, Lamsenjochhütte (nur einfach bewirtschaftet), Magdeburger Hütte, Nördlinger Hütte, Pfeishütte, Solsteinhaus, Eng.
Rofan: Bayreuther Hütte, Erfurter Hütte.
Kaiser: Gaudeamushütte, Gruttenhütte, Hinterbärenbad, Stripsenjochhaus, Vorderkaiserfeldenhütte.
Samnaun: Ascher Hütte.
Ötztaler: Brandenburger Haus, Breslauer Haus, Erlanger Hütte, Hochjochhospiz, Samoarhütte, Vernagthütte.
Stubaier: Amberger Hütte, Anichhütte,
Bamberger Hütte, Gubener Hütte, Dortmunder Hütte, Dresdener Hütte, Innsbrucker Hütte, Hildesheimer Hütte, Neuburger Hütte, Nürnberger Hütte, Pforzheimer Hütte, Adolf=Pichler=Hütte, Potsdamer Hütte, Regensburger Hütte, Roßkoglhütte, Starkenburger Hütte (nur bewacht), Sulzenauhütte.
Zillertaler: Berliner Hütte, Furtschaglhaus, Geraer Hütte, Tuxer=Joch=Haus.
Tuxer Voralpen: Meißner Haus, Nafinghütte, Patscherkofelhaus, Tulfer Hütte, Rastkoglhütte.
Kitzbüheler: Alpenrosehütte, Berghaus
Kelchalpe, Oberlandhütte.
THEATER UND KUNST
Landestheater
Wir verweisen nochmals auf das heute um
16.30 Uhr im Landestheater stattfindende Solistenkonzert: „Schöne Stimmen“, mit Mela Bugarinowic, Staatsoper Wien (Alt) und Sebastian Hauser, Opernhaus Prag. Die Qualitäten der beiden Genannten und ihr sorgfältig zusammengestelltes Programm versprechen einen künstlerischen, genußreichen Abend.
Samstag, 18.30 Uhr: „Jedermann.“
Wochenspielplan vom 29. Juli bis 5. August Sonntag, 14.30 Uhr: „Wiener Blut.“
18.30 Uhr: Erstaufführung „Prozeß Mary Dugan“ mit Fred Liewehr.
Montag, 18.30 Uhr: „Prozeß Mary Dugan.“ Dienstag, 18.15 Uhr: Symphoniekonzert, letzte Wiederholung.
18.30 Uhr: „Jedermann.“
Mittwoch, 18.30 Uhr: „Jedermann.“
Donnerstag, 18.30 Uhr: „Wiener Blut.“ Freitag, 17.00 Uhr: „Die drei Dorfheiligen“, Gastspiel der Breinößlbühne.
Samstag, 18.00 Uhr: Erstaufführung „Die Zauberflöte.“
Sonntag, 14.00 Uhr: „Prozeß Mary Dugan.“
18.00 Uhr: „Die Zauberflöte.“
Tiroler Heimatbühne
Die für Sonntag, den 29. Juli, im „Volksspielhaus Hötting", Schneeburggasse 31, festgesetzte Eröffnungsvorstellung muß technischer Gründe wegen auf Sonntag, den 5. August, verschoben werden. Bereits gelöste Karten behalten ihre Gültigkeit.
Kirchenkonzert
Am 29. Juli um 19 Uhr findet in der Kapelle des Waisenhauses, Siebererstraße 9, unter Mitwirkung des Kirchenchores Innsbruck ein Konzert statt. Leitung Chormeister Baranow. Eintrittskarten: Im Vorverkauf Colingasse 12 und Jahnstraße 5 oder ab 17 Uhr vor der Kirche. Lichtspielprogramme
Kammer: „Die falsche Braut“. Zentral: „Die große Nummer“ Triumph: „Karneval der Liebe“ Laurin: „Wir machen Musik“ (nur heute und morgen). Löwen: „Peterle“. Filmbühne Hall: „Dr. Crippen an Bord“. Hirschen, Kufstein: „Rigoletto“. Spielzeit: 3.00, 5.00 und 7.00 Uhr.
Ablieferungsbereitschaft ist Kampfbereitschaft gegen den Feind „Hunger“!
Kögstag: Dienstag und Freitag
Frau Trude K. (Landeck) war im Gestapogefängnis München=Stadelheim in Haft. Dieses Gefängnis war für Frauen, zum größten Teil für Verurteilte vor(behalten, die über kurz oder lang das Todesurteil erwarteten. So wurden im Monat Februar dieses Jahres allein 147 Männer und 36 Frauen hingerichtet. Nachfolgend ein Bericht der Frau K. über die Zustände in dieser Anstalt:
Henker machen Nachtschicht Jeden Dienstag und Freitag war bei uns Köpftag. Um 11 Uhr vormittags wurden die
unglücklichen Opfer von unseren Aufseherinnen in die Todeszelle geführt — besser geschleppt. Ich werde nie mehr die entsetzlichen Schreie der armen Frauen vergessen, wenn sie über den Gang geschleift wurden; sie waren so grauenerregend und entsetzlich, wie nur ein Mensch in Todesnot schreien kann. Meistens waren es ganz junge Menschen. Ich selbst kam unglücklicherweise gerade dazu, wie sie ein schönes, junges, blondes Wesen auf roheste Art und Weise in die Todeszelle schleppten. Sie war eine sogenannte Bibelforscherin, in den Augen des damaligen Regimes „eine Schwerverbrecherin“!
Rings um München in verschiedenen kleinen Städten tagte jede Woche der Volksgerichtshof. Jede Woche wo anders, da noch am selben Tage die Stadt, in welcher der Volksger###tshof tagte, automatisch angegriffen wurde. So arbeitete die alliierte Nachrichtentätigkeit!
Dann kamen in großen Lastautos wiederum die zum Tode Verurteilten und wurden reihenweise geköpft. Ich entsinne mich noch gut, wie es eines Tages hieß: „Heute ist ein ganzes Lastauto voll SS=Leute zum Köpfen gekommen!“ Die Henker arbeiteten oft von 5 Uhr nachmittags bis tief in die Nacht hinein, manches Mal bis 2 oder 3 Uhr morgens an ihrem schauerlichen Geschäft.
Im schwarzen Papierhemd zum Schafott Eine Aufseherin hatte die Aufgabe, die unglücklichen Opfer zu ihrem letzten Gange herzurichten. Die Opfer wurden im Nacken rasiert und völlig entkleidet, dann bekamen sie ein schwarzes Papierhemd übergezogen und mußten barfuß den schweren und letzten Gang ihres Lebens antreten Die Aufseherin bekam für jede Todeskandidatin einen persönlichen Geldzuschuß von RM. 20.—. So kam einmal eine solche Aufseherin — Hauptwachtmeisterin — mit ziemlich viel Geld in der Hand strahlend in den Speisesaal der Beamten
küche und erzählte lachend: „Jetzt habe ich mir dieses Geld wieder durch unsere Todeskandidatinnen leicht verdient!" Eine andere, menschlicher denkende Beamtin sagte zu ihr: „Ist Ihnen das nicht schrecklich, auf diese Art das Geld zu verdienen?“ Worauf diese entmenschte Frau ganz erstaunt antwortete: „Wieso? Ist denn diese
Todesart nicht die angenehmste? Es geht doch so schnell und schmerzlos! Ich würde gerne so sterben ...“
Das Schicksal dreier Mädchen
Ich sah beim sonntäglichen Gottesdienst drei junge außergewöhnlich hübsche Mädchen aus der Todeszelle treten und erfuhr, daß sie aus dem Zuchthaus Aichach kämen und auf die Vollstreckung des Todesurteiles warten müßten.
Im Büro hörte ich aus Gesprächen der Beamtinnen, daß diese drei Mädchen, die bei einem Bombenangriff um alles gekommen und nur mangelhaft bekleidet waren, sich nach dem nächsten Angriff aus einem eingestürzten Haus folgendes holten: Die erste eine Bluse, die zweite einen Rock, die dritte ein Kostüm. Diese drei Mädchen wurden dafür zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Staatsanwalt verwarf ohne irgend welche Befragung irgend einer anderen Stelle
dies schwere Urteil und verhängte eigenmächtig das Todesurteil über die drei unglücklichen Geschöpfe. So sah bei den Nationalsozialisten die Justiz aus, die man eigentlich persönliche Willkür nennen müßte.
Die drei Mädchen, die ahnungslos im Zuchthaus die drei Jahre Zwangsarbeit vorübergehen lassen wollten, wurden plötzlich abgeholt und verständigt, daß das rechtskräftige Urteil verworfen sei und der Staatsanwalt die Todesstrafe über sie verhängt habe. Man kann sich das Entsetzen dieser armen Wesen vorstellen.
Am Tage ihrer Hinrichtung, drei Tage vor der allgemeinen Entlassung, setzte sich eine Hauptwachtmeisterin für diese drei armen Kinder ein und erreichte tatsächlich, daß die Vollstreckung aufgeschoben und das Urteil erst noch geprüft werden sollte. Gebe Gott, daß sie gerettet wurden! Ich konnte nichts mehr über ihr Schicksal erfahren. Dank sei dieser Hauptwachtmeisterin, die dies zuwege gebracht, die auch mir und vielen anderen Unglücklichen in diesem grauen Haufe des Todes mit ihrer klugen Menschlichkeit geholfen hat.
Unter den Aufsehern und Aufseherinnen waren nur sehr wenige, die noch ein menschliches Herz besaßen, aber diese Frau hatte es.