Tiroler Tageszeitung 1945
Monat:8
- S.3
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August
1945
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Erscheint in der Woche sechsmal. — Das Blatt ist nur im Einzelverkauf echältlich. — Vorerst keine Postzustellung
Nummer 36 / 1. Jahrgang
Redaktionelle Einsendungen und Anfragen sind zu richten an Innsbruck, Andreas=Hofer=Straße 4.— Druck: Tyrolia, Innsbruck, Andreus=Hofer=Straße 4
Donnerstag, 2. August 1945
EISH die englischen Wahlen
Paris, 1. August. Die spanische Regierung hatte Pierre Laval, dem früheren Ministerpräsidenten der Vichy=Regierung, mitgeteilt, daß sein Aufenthalt in Barcelona unerwünscht sei. Er verließ in Begleitung seiner Gattin Spanien, um im Flugzeuge nach Feldkirch zurückzukehren, von wo er Ende April nach Barcelona geflogen sei. Laval landete jedoch nicht in Feldkirch, sondern am Linzer Flugplatz. Er benützte eine Junkers=88=Maschine,
Die Verhaftung Lavals
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Das englische Volk hat über sein Schicksal in den nächsten Jahren entschieden. Was eingeweihte Kreise erwartet hatten, ist, wenn auch in viel größerem Umfange, als vermutet, eingetreten. Die Arbeiterpartei hat die Wahlschlacht gewonnen; die Partei Winston Churchills hat eine schwere Niederlage erlitten. Die Konservativen wurden trotz der Führung jenes Mannes geschlagen, der das Geschick Großbritanniens in guten und schlechten Tagen mit einer bewundernswerten Energie gelenkt hat. Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß manch anderer 1940 vielleicht schwach geworden und der deutschen Aggression erlegen wäre.
Winston Churchill hat trotz seines Alters eine Beweglichkeit verraten, um die ihn mancher Junge beneiden könnte. Und trotz der erfolgreichen Führung des Krieges gegen Deutschland hat seine Partei eine Schlappe erlitten. Churchill war bestimmt vom Vertrauen des britischen Volkes getragen, als er das Staatsschiff durch die hochaufgepeitschten Wogen des zweiten Weltkrieges steuerte. Und dennoch hat er den Wahlkampf verloren.
Was bedeutet der Ausgang der englischen Wahlen? Er beweist die tiefe Friedenssehnsucht, von der die breiten Schichten des britischen Volkes getragen sind. Er beweist, daß Churchill, dem die Staatsführung während des Krieges unbestritten zugefallen war und der sie sicherlich besser als jeder andere gemeistert hatte, das Vertrauen für eine friedliche Politik nicht besessen hat. Das lag sicherlich nicht in seiner Person, sondern in der Sache begründet. der er gedient hat. Das englische Volk wünscht nach dem Kriege in Europa, der ihm große Lasten aufgebürdet hat, die Leitung seiner Politik nach neuen Grundsätzen. Das britische Volk weiß, daß die Welt nur dann befriedet werden kann und befriedet bleiben wird, wenn die Grundsätze, von denen die neue
Weltsicherheitsorganisation getragen sein soll, Leben und Blut empfangen. Die toten Buchstaben zum Leben zu erwecken, so meint es, vermögen aber nur neue Männer mit neuen Ideen. Churchill konnte den Krieg gewinnen, das englische Volk aber fürchtete, daß er den Frieden verlieren könnte und deshalb gab es seine Stimme der Labour Party.
Die unter dem Vorsitze des Führers der Arbeiterpartei, Attlee gebildete neue englische Regierung wird sich schweren innenund außenpolitischen Aufgaben gegenübersehen. Sie wird den Wiederaufbau der durch den Luftkrieg und die fliegenden Bomben zerstörten Städte und Dörfer, die Umstellung der Kriegsindustrie auf die Friedensproduktion, die Neuorganisation des Handels, die Regelung des Kolonialproblems, die Lösung der Indienfrage, die Verwirklichung der sozialen Forderungen der englischen Arbeiter, die Verstaatlichung wichtiger Industrie=, Handels= und Verkehrsbetriebe in die Wege zu leiten und für eine internationale Zusammenarbeit aller friedliebenden Völker zu sorgen haben. Die Verantwortung der Arbeiterpartei vor ihren Wählern, dem britischen Weltreich
und allen friedfertigen Völkern ist groß. Sie alle sehen mit den kühnsten Hoffnungen dem Machtantritt jener Partei entgegen, die versprochen hat, mit neuen Methoden die Lenkung des Staatsschiffes zu übernehmen.
Wir österreicher knüpfen an den Regierungswechsel in England gleichfalls die größten Hoffnungen. Wir erwarten, daß unser neues Staatswesen, dem das Blatt der Arbeiterpartei „Daily Herald“ bisher schon oft warme Worte gewidmet hat, die Unterstützung der neuen Regierung finden wird. Die Forderung nach Anerkennung einer zentralen österreichischen Regierung in Wien, einer einheitlichen Lenkung des in vier Besatzungszonen geteilten österreich und seiner schwierigen Ernährungslage wird in dem neuen englischen Premier einen warmen Befürworter finden. Wir Österreicher wollen aber nicht mit verschränkten Armen seitwärts stehen, sondern mit allen Händen zugreifen und beweisen, daß wir willens und imstande sind, unseren neuen Staat zu zimmern.
Dr. Kael Kunst.
die von einem Flugzeugführer der deutschen Lustwaffe gelenkt war. Er wurde von den Amerikanern in Schutzhaft genommen und kurze Zeit später in Begleitung seiner Gattin unter Bedeckung nach Innsbruck gebracht, wo er den französischen Behörden übergeben wurde. Heute trifft er in Paris ein. Er soll im Prozeß Petain als Zeuge nommen werden. Laval wird dann vom gleichen Gerichtshof abgeurteilt wie Petain.
1600 österreichische Gefangene in Innsbrück eingetroffen
Innsbruck, 1. August. Am vergangenen Freitag trafen aus dem Kriegsgefangenenlager in Ghedi bei Brescia 1600 österreichische Kriegsgefangene am Innsbrucker Hauptbahnhof ein, wo sie von Vertretern der Tiroler Landesregierung empfangen wurden. Es handelte sich um einen Transport von 800 Tirolern, 400 Vorarlbergern und 400 Salzburgern, die zunächst in drei Innsbrucker Schulen untergebracht und mit Lebensmitteln und Zigaretten versorgt wurden. Die Kriegsgefangenen wurden sofort den französischen Dienststellen zur Entlassung übergeben. Zur Freude der Gefangenen ging die Entlassung
sehr rasch vor sich, so daß die meisten in ihre Heimatorte abreisen konnten. Aus Gesprächen mit den ehemaligen Kriegsgefangenen erfahren wir, daß die Behandlung in dem von amerikanischen Truppen bewachten Lager in Ghedi ausgezeichnet war. Es gab reichliche und gute Verpflegung, die sanitären Einrichtungen waren vorbildlich. Für jedes Regiment war sogar ein eigener Sportplatz vorgesehen.
In der Nacht zum Sonntag traf ein zweiter Gefangenentransport aus einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager in Italien in der Landeshauptstadt ein.
Die Kontrollkommission für
Österreich
Wien, 1. August.
Die alliierte Kontrollkommission für Österreich besteht aus Marschall Koniev für Rußland, General Bethouart für Frankreich, General Clark für Amerika u. General Mac Cleer für England. Die Kommission wird sich alle 14 Tage in Wien versammeln. Der Vorsitz wird von den Mächten abwechselnd geführt.
Die Innere Stadt in Wien weiterhin unter russischer Verwaltung
Wien, 1. August. Die Innere Stadt steht weiterhin unter russischer Verwaltung. Man erwartet jedoch, daß neue Anordnungen getroffen werden. Die Soldaten der vier Besetzungsmächte können innerhalb der ganzen Stadt frei verkehren.
Inthronisation des Fürstbischofs Dr. Köstner in Klagenfurt
Klagenfurt 1. August. Am kommenden Sonntag, 5. August, findet in der Domkirche die feierliche Weihe und Inthronisation des neuen Fürstbischofs Dr. Köstner statt.
Die Konferenz der Drei
Berlin, 1. August. Die Konferenz der großen Drei steht vor dem Abschluß. Zum Abschluß wird ein Kommuniqué veröffentlicht werden, das gleichzeitig in London, Moskau und Washington erscheinen wird.
Präsident Truman besucht den König von England
London, 1. August. Offiziell wird bekanntgegeben, daß Präsident Truman morgen nach England fliegen wird, um mit König Georg auf dem Schlachtschiff „Renown“ zusammenzutreffen.
Besserung der Lage in der französischen Textilindustrie
Paris, 1. August. Wie amtlich mitgeteilt wird, gestaltet sich die Lage in der französischen Textilindustrie sehr befriedigend. Die Produktion hat sich wesentlich gebessert.
Geraldine Katt
die bekannte österreichische Filmschauspielerin. Sie ist die Autorin unserer heute beginnenden Feuilletonfolge, die kulturell wie politisch größtes Interesse finden wird.
Der Leibarzt Adolf Hitlers
Professor Dr. Morel, der im Jahre 1944 von Hitler, dessen Leibarzt er war, mit dem Ritterkreuz zum Kriegsverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, begann seine Laufbahn als Arzt einer SA.=Standarte. Im Jahre 1934 übersiedelte er zur Leibstandarte Hitlers und wurde deren maßgebender Arzt. Himmler nahm diesen Mann für sein Rassen= und Siedlungsamt in Anspruch. Nicht vergebens, denn Dr. Morel verkündete in aller Öffentlichkeit die Theorie, daß jeder SS Mann in Zukunft an jedem Geburtstag des Führers im Geiste vor den Führer hintreten müsse, um ihm melden zu können: „Mein Führer, ich habe mein Bestes getan für den Bestand des tausendjährigen Reiches.“ Für diese Fortpflanzungslehren wurde Morel zum Professor ernannt und damit auch die finanzielle
Belohnung nicht fehle, wurde er als Aufsichtsmitglied in die Handelsgesellschaft deutscher Apotheker berufen. Bald machte er eine Entdeckung, die ihm viel Geld einbrachte. Er entdeckte nämlich ein Entlausungspulver. Als die Herrlichkeit des Dritten Reiches im Zusammenbruch war, schaftte Dr. Morel nicht sein Läusepulver, wohl aber wertvolle Medikamente, die man auf etwa 140.000 Reichsmark schätzen kann, in ein Versteck. Sowohl er wie seine Schätzesammlung sind jetzt den Amerikanern in die Hände gefallen.
Besuch General de Gaulles in Nordfrankreich
Paris, 1. August. Am kommenden Samstag wird der Chef der provisorischen Regierung General de Gaulle eine Reise nach Nordfrankreich antreten, um die durch den Krieg verwüsteten Städte zu besuchen.
Feldmarschall Alexander Gouverneur von Kanada
London, 1. August. Feldmarschall Alexander wurde von König Georg zum Gouverneur von Kanada ernannt.
Ein Geschenk Schwedens an Frankreich
Paris, 31. Juli. Der schwedische Gesandte in Paris teilte dem französischen Außenminister mit, daß Schweden Frankreich 500 Holzhäuser zum Geschenke macht. Sie werden die zerstörten Häuser eines französischen Dorfes ersetzen.
Ein geoßer Wegbereiter
Das Hinscheiden des französischen Dichters Paul Valéry reißt eine Lücke unter den Größen des geistigen Lebens aller Länder Paul Valéry war nicht nur in der französischen Literatur führend. Er wurde von den erlesensten Geistern der Kulturwelt als ein Prinz aus Genieland“ geehrt und geschätzt. Er selbst sagte einmal über Viktor Hugo: „Hugo ist ein Millionär, aber kein Fürst.“ Wenn wir dieses geistreiche Wort auf ihn selbst anwenden, so können wir ihm nur jene ehrfürchtige Huldigung erweisen, die den Höchsten im Range der geistig Schaffenden zukommt.
Paul Valérys Wiege stand an der Küste des Mittelmeers. Im Jahre 1871 wurde er in Sete geboren. Als junger Student geriet er in das literarische Leben von Paris. Seine Jugendwerke verraten bereits die Klarheit und Tiefe seines Geistes und die vollendete Kunst, das Wort zum getreuen Ausdruck und Träger großer Gedanken zu machen. Paul Valéry, der das Studium der Rechte gewählt hatte, ohne daß er einen diesem Studium entsprechenden Beruf ergriff. führte nach der Vollendung seiner Reifejahre das zurückgezogene Leben eines Gelehrten. Durch zwanzig Jahre hindurch schien er verstummt zu sein. Dann aber erschienen seine Meisterwerke: die Dichtungen „Friedhof am Meer“, „Palmen“, „Die alten Verse“, „Zauberklänge“. In diesen Gedichten bewundert man
ebenso die Fülle der Gedanken wie den unerschöpflichen Reichtum an treffenden Bildern. Der Rhythmus ist von einer Schönheit, die nur ein begnadetes Genie hervorzuzaubern vermag. Paul Valéry schrieb außer seinen Gedichten eine Reihe von Essays — darunter die berühmte Abhandlung „Die Seele und die Kunst“ —, Biographien und Betrachtungen, die für immer zu den bedeutenden Werken der französischen Prosa zählen werden. Am Abend seines Lebens verwaltete er die Uni
versitätsanstalten in Südfrankreich. Jetzt, da er entschlafen ist, gefeiert und betrauert von seinem Lande, ist aus der Reihe der „Unsterblichen“, die in der französischen Akademie versammelt sind, wieder eine von höchstem Ruhm verklärte Gestalt geschieden. Paul Valéry war, wie sein zwischen den beiden Kriegen geschriebenes Werk: „Blicke über die Gegenwart“ zeigt, einer jener guten Europäer, welche die Völkerversöhnung ersehnten und förderten.
Auf= Kumungsarbeiten in Innsbruck
(Landesbildstelle Tirol: Photo Scheidy